Grundel - © Vad Víz Stúdió – stock.adobe.com

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Grundel

Die Grundeln (Gobiidae) sind eine vielfältige Familie. Sie enthält mindestens 130 verschiedene Gattungen und rund 1100 Arten. Die Grundeln sind eng mit den Barschen verwandt. In Deutschland sind einige Arten invasiv und breiten sich immer weiter aus.

Aussehen

Diese kleinen Fische haben oft eine längliche, zylindrische Gestalt, einen kräftigen Kopf mit hervorstehenden Augen und ein großes Maul. Die Rückenflossen sind getrennt. Ein Seitenlinienorgan existiert nicht. Bauchflossen befinden sich unterhalb der Brustflossen und sind in den meisten Fällen zu einer Sauglippe zusammengewachsen. Dadurch können sich die Grundeln an Felsen und harten Oberflächen anhaften. Die meisten Grundeln verfügen über keine Schwimmblase und halten sich meist am Boden auf. Einige Arten können jedoch auch im freien Wasser schwimmen. Die Färbung von Grundeln ist meist unauffällig, sandfarben und mit Tarnmustern. Kleinere Grundeln haben häufig kaum Pigmente und sind somit fast durchsichtig.

Vorkommen und Lebensweise

Grundeln sind weltweit verbreitet. In Deutschland gibt es eine Reihe von einheimischen Grundelarten – vor allem an der Nordsee und der Ostsee kommen Grundeln natürlicherweise vor. Folgende Arten sind vertreten:

  • Sandgrundel (Pomatoschistus minutus)
  • Strandgrundel (Pomatoschistus microps)
  • Fleckengrundel (Pomatoschistus pictus)
  • Kristallgrundel (Crystallogobius linearis)
  • Glasgrundel (Aphia minuta)
  • Zweifleckengrundel (Gobiusculus flavescens)

Letzterefindet man exklusiv an der Ostseeküste.

Auch in Binnengewässern gibt es in Deutschland Grundelarten. Die meisten dieser Grundeln im Süßwasser sind aber invasiv. In Binnengewässern findet man folgende Grundelarten:

  • Nackthals-Grundel (Babka gymnotrachelus)
  • Schwarzmund-Grundel (Neogobius melanostomus)
  • Marmorierte Grundel (Proterorhinus marmoratus)
  • Flussgrundel (Neogobius fluviatilis)
  • Kessler-Grundel (Ponticola kessleri)

Durch Ballastwasser in Frachtschiffen haben sie über den Main-Donau-Kanal ihren ursprünglichen Verbreitungs-Horizont im Donau Raum ausgeweitet und sind nun auch im Einzugsgebiet des Rheins anzutreffen.

Grundeln leben am Gewässergrund und sind nicht sonderlich mobil. Sie schwimmen nicht ins Freiwasser, sondern huschen über den Grund und saugen sich mit ihrer Sauglippe an Steinen fest. Dort suchen sie auch nach Nahrung. Dabei fressen sie so ziemlich alles, was in ihr Maul passt. Insbesondere als Laichräuber sind sie verpönt.

Größe

Grundeln sind kleine Fische, die in der Regel weniger als zehn Zentimeter lang werden. Von den weltweit vorkommenden Grundelarten erreichen manche eine Länge von bis zu 50 Zentimetern, während andere zu den kleinsten bekannten Fischarten zählen und weniger als ein Zentimeter groß werden. In Deutschland sind Grundeln meist zwischen fünf und teils sogar bis zu 20 Zentimetern lang.

Ernährung

Grundeln sind Allesfresser und ernähren sich von Krebsen, Insektenlarven, Würmern und anderen kleinen Tieren, die am Gewässergrund leben. In der Laichzeit der meisten anderen Fische, also im Frühjahr, sind sie explizite Laichräuber, was mit Sorge betrachtet wird. Einige nicht-europäische Arten verzehren zusätzlich Algen oder agieren als Putzergrundeln. Sie beseitigen Parasiten und Hautschuppen von größeren Fischarten.

Vermehrung

Grundeln haben ganz unterschiedliche Laichzeiten. Im Allgemeinen sind sie nicht besonders anspruchsvoll und nehmen verschiedene Untergründe als Laichsubstrat an. Das Weibchen befestigt die Eier oft auf Steinen, welche anschließend vom Männchen befruchtet werden. Das Gelege besteht aus teils mehreren hundert Eiern. Das Männchen ist für die Pflege und Überwachung des Geleges verantwortlich, bis die Eier schlüpfen. Die kleinen, durchsichtigen Larven, die nach einigen Tagen schlüpfen, leben am Gewässergrund und nehmen mit der Zeit dessen Farbe an. Die Wachstumsrate von Jungfischen hängt von der Wassertemperatur ab: In warmen Regionen reifen sie schneller heran und erreichen die Geschlechtsreife nach einigen Monaten, in kälteren Gegenden kann es bis zu einem oder zwei Jahren dauern.

Invasive Grundeln in Deutschland

Von den 18 verschiedenen Grundelarten im Einzugsbereich des Schwarzen Meeres sind mindestens drei bis nach Westeuropa vorgedrungen. Hierbei handelt es sich um die Schwarzmundgrundel, die Flussgrundel und die Kessler-Grundel. Die invasiven Grundeln fressen nahezu alles, was ihr vor den Rachen kommt. Dies macht sie zu einer Bedrohung für viele einheimischen Fischpopulationen, aber auch positive Effekte sind vereinzelt möglich. Zum Glück sind diese drei Grundeln leicht voneinander zu unterscheiden.

  • Schwarzmundgrundel: Die Schwarmundgrundel ist derzeit die am häufigsten in Deutschland vorkommende Grundelart. Sie ist an ihrem schwarzen Fleck auf der ersten Rückenflosse leicht zu erkennen. Ihr Kopf ist hoch mit fast waagerechter Maulspalte und sie kann eine Länge von 18 bis Zentimetern erreichen.
  • Kessler-Grundel: Die Kessler-Grundel unterscheidet sich deutlich von den beiden anderen Grundelarten in Westeuropa. Sie hat einen flachen, spitzen Kopf und eine schräg nach oben gerichtete Maulspalte. Ihre Länge kann 18 bis Zentimeter betragen.
  • Flussgrundel: Die Flussgrundel sieht der Schwarzmundgrundel ähnlich, aber es fehlt der schwarze Fleck auf der Rückenflosse. Außerdem ist ihr Kopf etwas abgeflacht und die Maulspalte ist fast waagerecht. Diese Grundelart wird nur 15 bis Zentimeter lang.

Die Verbreitung nach Deutschland gelang über die Donau und den Rhein Main Donau Kanal. Normalerweise ist sie ein sesshafter Fisch, der keine großen Strecken zurücklegt. An Schiffsrümpfen befestigt oder im Ballastwasser transportiert, erreichte die Grundel allerdings ohne große Anstrengungen Europa – und sogar große Teile Nordamerikas. Eine weitere Einwanderung der Grundel gelang über Polen und die Ostsee ebenfalls durch Schiffsverkehr. Da die Grundel gerne sauberes Wasser mag, haben die Bemühungen zur Reinhaltung der europäischen Gewässer die Ausbreitung der Grundeln weiterhin begünstigt.

Andererseits kann die Quappe auch positive Effekte auf heimische Raubfischarten haben, denn Zander, Barsche und Welse fressen Grundeln gerne und insbesondere Quappen profitieren besonders von den Grundeln als Futterquelle, da sie aufgrund ihrer grundnahen Lebensweise perfekt an ihre Beute angepasst sind. Studien zeigten, dass Quappen den Bestand an Grundeln reduzieren und kontrollieren können. Da diese Fischart aufgrund von Gewässerverbauung und -verschmutzung lange eher unter Druck stand, kann sie von dem Grundel Vorkommen profitieren und ihre Population stabilisieren.

→ Hier gehts zum Artikel: Invasiven Grundeln auf den Grund gehen.
→ Hier erfährst Du mehr über die Superkräfte der Schwarzmundgrundel.

Angeln auf Grundeln

Grundeln bevorzugen flache Uferbereiche mit steinigen und sandigen Untergründen und sind dort recht leicht zu fangen. Aufgrund ihrer fehlenden Schwimmblase sind sie schlechte Schwimmer und bleiben am Boden. Beim Angeln sollte der Köder also am Grund oder knapp über dem Grund präsentiert werden. Die Grundel ist ein unkomplizierter Fisch und kann zu jeder Tages- und Nachtzeit mit verschiedenen Ködern gefangen werden. Bei starken Wetterschwankungen kann sie allerdings vorsichtiger sein.

Das Angeln auf Grundeln funktioniert klassisch mit Pose oder am Grund. Beim Posenangeln eignet sich eine Stippe oder eine feine Matchrute. Dazu passt eine kleine Rolle mit dünner monofiler Schnur um die 0,20 Millimeter Durchmesser. Der Köder wird auf der Steinpackung oder an der Packungskante präsentiert. Das Grundangeln ist weniger verbreitet, funktioniert aber ebenso. Nur ist die Hängergefahr an den typischen Grundelstellen deutlich größer, weshalb Posenangeln die präferierte Methode ist. Daneben lassen sich Grundeln auch mit Ultra Light Ruten und Finesse-Montagen mit Naturködern und teils sogar mit kleinen Kunstködern fangen. Die Grundel ist weder empfindlich noch anspruchsvoll und bietet somit verschiedenste Möglichkeiten, um sie zu beangeln. Die besten Köder sind Maden, Würmer, Larven, oder Fischfetzen, aber auch Mais oder Brot funktioniert auf Grundel. Als invasive Art dürfen Grundeln nicht zurückgesetzt werden. Das ist auch kein Problem, denn sie sind als Delikatesse begehrt. Paniert und mit Fett ausgebacken, schmecken Grundeln hervorragend.

Grundeln als Köderfisch

Grundeln sind hervorragende Köderfische, da sie für viele Räuber relativ einfach zu erbeuten sind. Zudem sind sie mittlerweile in vielen Gewässern zahlreich vertreten. Da sie nur kurze Strecken über den Grund schwimmen, können sie kaum weitere Distanzen flüchten und sich allenfalls verstecken. Aber selbst aus einer Steinspalte kann ein Zander oder Barsch die Grundel durch den Unterdruck beim Einsaugen leicht herauspicken. Weiterhin ist die Grundel sehr stabil und kann somit wunderbar angeködert werden – sowohl an Grund- oder Posenmontagen als auch an Finesse Systemen beim aktiven Angeln.

Ihre geringe Größe macht sie zu einem attraktiven Köder für viele kleinere Räuber wie Aal, Barsch oder Quappe. Aber auch größere Raubfische wie Hechte oder Welse haben sich bereits auf die Grundeln eingefuchst. Dabei können sogar mehrere Grundeln als Bündel angeboten werden. In manchen Gewässern, in denen sich die Grundel so massiv ausgebreitet hat, dass sie quasi omnipräsent ist, haben sich manche Räuber bereits auf diese Nahrungsquelle spezialisiert und lassen sich mit Grundeln als Köderfisch auch deutlich besser fangen als mit anderen Ködern.

Grundeln in der Küche

Viele Angler wollen die gefangenen Grundeln sinnvoll nutzen und auch das Fischereigesetz fordert eine entsprechende Verwertung des Fangs. Grundeln haben eine geschmackliche Ähnlichkeit zu Barschen. Somit können sie zu köstlichen Gerichten verarbeitet werden. Auch Gräten sind im Fleisch quasi nicht vorhanden. Pro Person benötigt man aufgrund der geringen Größe allerdings zwischen 5 und 10 Exemplare. Vor jeder Zubereitung müssen die Grundeln ausgenommen und der Kopf entfernt werden. Durch einschneiden hinter dem Kopf und Öffnen der Bauchhöhle ist dieser Vorgang mit einem schnellen Handbewegung erledigt. Ein Filetieren lohnt sich in der Regel nicht.

Folgende Zubereitungsmethoden sind bei Grundeln beliebt:

  • Grundeln frittiert: Zum Frittieren werden die vorbereiteten Grundeln gewürzt, in Mehl oder Gries gewendet und anschließend frittiert.
  • Grundeln gebacken: Im Ofen werden die Grundeln auf ein Blech gelegt, gewürzt und mit Gemüse durchgegart.
  • Grundeln geräuchert: Zum Heißräuchern werden Grundeln in Salzlake gelegt und anschließend im Räucherofen mit Buchenholz oder anderen Holzarten veredelt. Aufgrund der Größe ist die Ziehzeit in Salzlake und die Räucherzeit im Ofen eher gering.
  • Grundeln süß-sauer eingelegt: Frittierte oder gebratene Grundeln lassen sich super in einen süß-sauren Sud einlegen und somit sogar einige Zeit haltbar machen.
  • Grundel Fischsuppe: Für eine deftige Fischsuppe eignen sich Grundeln allemal. Dafür werden die Fische mit Gemüse einige Zeit gekocht. Anschließend können die einzelnen Fische herausgehoben und ausgelöst werden. Der Rest wird durchgesiebt und die Fischstücke mit anderen Einlagen wieder hinzugegeben.