Auf Frühlingskarpfen

klassisches Feedern vs. Method Feedern

Schuppenkarpfen aus der KiesgrubeSchöner Schuppi – mit Method-Feeder überlistet

Seit einigen Jahren ist das Method-Feedern bei Friedfischanglern in aller Munde. Vor allem Montage und Präsentation heben sich vom klassischen Feedern ab und so unterscheidet sich auch die Funktionalität der beiden Methoden. Folgender Erlebnisbericht gibt Aufschluss darüber, warum sich gerade größere Fische gut mit dem Method-Feeder überlisten lassen.

Ende April machten sich zwei Mitarbeiter des FHP-Portals auf den Weg, um in den flachen, sich schnell erwärmenden Kiesgruben Brandenburgs den wärmeliebenden Karpfen und Schleien nachzustellen. Die Wahl viel auf eine sehr flache Grube mit Baumbestand, etwas Schilf und viel Kraut im Wasser. Hier sollte der erste Karpfen- und Schleienansitz des Jahres verbracht werden und gleichzeitig zwei verschiedene Feedermontagen getestet werden.

Die Futtermischung

Nach der Ankunft am späten Nachmittag wurde erst einmal das Futter angemischt. Gerade im Frühjahr kann mit Staubfuttermischungen eine beträchtliche Lockwirkung erzielt werden. Die Wahl viel folglich auf eine mit Semmelbröseln gestreckte Fertigfuttermischung mit Erdbeergeschmack. Verfeinert wurde das Futter mit Dosenmais und zerdrückten Castern, welche sich glücklicherweise noch im Kühlschrank finden ließen. Die austretenden, eiweißreichen Säfte der Caster sollten neben den Karpfen vor allem auch die Schleien an den Futterplatz locken, die sich häufig durch tierische Nahrung angezogen fühlen.

Vorgefüttert wurden drei ufernahe Stellen im Bereich der Schilfkanten. Das Anfüttern erfolgte wie beim klassischen Feedern üblich über einen markanten Orientierungspunkt am gegenüberliegenden Ufer und eine über den Schnurclip der Rolle festgelegte Distanz. So landeten einige Futterkörbe punktgenau an den ausgesuchten Stellen. Um die gewählte Distanz zu einem späteren Zeitpunkt wieder einstellen zu können, wurde die Länge mittels in den Boden gesteckter Rutenhalter erfasst.

Die Montage

Eine der befütterten Stellen an der gegenüberliegenden Schilfkante wurde nun mit einer klassischen Durchlaufmontage befischt, wobei als Hakenköder einfacher Dosenmais diente. Die beiden anderen Ruten wurden mit fest montierten Futterkörben bestückt. Diese sogenannten Fluchtmontagen führen dazu, dass sich  die Fische beim Einsaugen des an einem Haar neben dem freiliegenden Haken befestigten Köders erschrecken und sich bei der anschließenden Fluchtreaktion gegen das Gewicht des Futterkorbes selbst haken.

Wichtig ist es also, Futterkörbe mit einem Gewicht von mindestens 30 Gramm zu verwenden. Als Köder wurden in beiden Fällen zwei Dosenmaiskörner inklusive eines auftreibenden Pop-Up Maiskorns am Haar montiert, welches sowohl die Auffälligkeit des Köders erhöhen, als auch den Einsaugwiederstand beim Aufnehmen des Köders durch den Fisch reduzieren sollte.

Die Präsentation

Ein weiterer Vorteil von Kunstmais ist die weitestgehende Resistenz gegenüber Kleinfischen, so dass der Köder länger effektiv angeboten werden kann, ohne ihn stets überprüfen zu müssen. Der Köder wird beim Method-Feedern zudem mittels einer speziellen Futterform direkt auf dem in den Futterkorb gepressten Futter präsentiert.

Dies hat mehrere Vorteile. Erstens liegt der Köder direkt auf dem Futter auf, wobei das auftreibende Kunstmaiskorn auffällig und appetitlich wie die Kirsche auf der Sahnetorte über dem Futter schwebt. Zweitens ist der freistehende Haken in das, sich im Laufe der Zeit auflösende, Futter eingeknetet und kann so kein Kraut oder kleine Stöckchen einsammeln, die den Selbsthakeffekt erheblich beeinträchtigen oder sogar verhindern würden. So kann der Köder auch direkt im Kraut präsentiert werden, ohne dass die Montage an Effektivität verliert.

Fertige Method-Feeder-Motage: Bereit zur Präsentation

Nach dem Auswerfen der Montage wird die Bremse der Rolle sehr fein eingestellt, so dass der gehakte Fisch „ablaufen“ kann, ohne die Rute mit ins Wasser zu ziehen. Bei dieser Vorgehensweise ist also nicht zwingend eine Freilaufrolle nötig. Beim Aufnehmen der Rute im Falle eines „Runs“ muss jedoch die Spule festgehalten werden, um Druck aufzubauen, damit dann anschließend die Bremse geschlossen werden kann.

Um auch Fallbisse, also mit dem Futterkorb in Richtung des Anglers fliehende Fische, zuverlässig zu erkennen, werden in der Regel Swinger eingesetzt. Für den Gelegenheitskarpfenangler reicht aber auch ein in die Schnur gehängtes Stöckchen, welches beim Fallbiss absackt, den elektronischen Bissanzeiger aktiviert und somit die Flucht anzeigt.

Anstatt der herkömmlichen Swinger können auch kleine in die Schnur gehängte Stöckchen zuverlässig eventuelle Fallbisse anzeigen

Nach circa einer halben Stunde zeigten sich die ersten Zupfer an der klassisch montierten Feederrute und schnell konnten die ersten Rotfedern gelandet werden. Wie typisch beim Feedern stellten sich zuerst die Kleinfische am Futterplatz ein, die natürlich auf den angebotenen Köder reagieren. Durch die so bedingte Aufregung am Platz werden schließlich auch größere Fische, nicht zuletzt durch Futterneid, angelockt. So biss schon bald ein schöner Spiegler, der sich aufgrund der Durchlaufmontage letztendlich gegen die Rute selbst hakte, da der Anhieb nicht schnell genug gesetzt werden konnte.

Nachdem dieser Fisch versorgt war, kehrte erst einmal Ruhe ein. Auch die Bissanzeiger der beiden mit festmontierten Method-Feederkörben bestückten Ruten schwiegen.  Hier waren sehr wahrscheinlich ebenfalls Kleinfische am Gange, die jedoch den an der Haarmontage angebotenen und ins Futter eingepressten Köder nicht bewältigen konnten. So blieb die Montage weiterhin effektiv am Gewässergrund plaziert.

Da sich der Tag langsam dem Ende neigte und die Sonne schon tief stand, sollte erst einmal für das leibliche Wohl gesorgt werden und es wurde mit den Essensvorbereitungen begonnen. Doch sobald die Zwiebeln im heißen Fett brutzelten, meldete sich der Bissanzeiger der linker Hand positionierten Rute mit der sehr ufernah präsentierten Maiskette lautstark und der Fisch flüchtete mit enormen Tempo in Richtung Seemitte. Nach einem kurzen Sprint zur Rute wurde Fühlung zum Fisch aufgenommen. Das zuvor doch recht starke Hungergefühl war wie weggeblasen und die Zubereitung des Abendessens wurde entsprechend eingestellt.

Karpfen im Drill

Offensichtlich hatte ein gewaltiger Karpfen den Köder genommen und zog unermüdlich die Sehne von der Rolle, ohne das dem etwas entgegenzusetzen wäre. Erst als der Fisch fast am anderen Ufer angelangt war, stellte er die Flucht ein und ließ sich langsam heranpumpen. Nach einiger Zeit – der Fisch war bereits in Ufernähe – kam es zu einer erneuten Flucht bei der der Fisch erneut viele Meter Schnur abzog und sich wieder deutlich vom Angelplatz entfernte. Nach erneutem Heranpumpen wurde der erste Kescherversuch gewagt.

Es zeigte sich jedoch, dass der schlaue Fisch, der sehr wahrscheinlich schon Erfahrungen mit Anglern gemacht hatte, seine Kräfte gespart hatte und erneut flüchtete. So zog der Fisch seine Bahnen erst nach links, dann wieder nach rechts, ohne, dass ein weiteres Heranpumpen möglich war. Ein langer, kräftezehrender Kampf folgte, bei dem mal der Fisch und mal der Angler ein paar Meter gewinnen konnte. Mit der Zeit ermüdete der Karpfen und konnte Dank des gut sitzenden Hakens schließlich ans Ufer geführt werden.

Es zeigte sich ein prächtiger Schuppi, welcher erfolgreich gelandet werden konnte, auch wenn der mitgebrachte Kescher gerade so ausreichte, um den Fisch zu fassen. So konnte der Autor seinen bisher größten Karpfen präsentieren. Nach dem Motto „catch & decide“ wurde dieser schlecht verwertbare Altfisch schnellstmöglich wieder schonend ins Wasser zurückgesetzt, damit er auch in Zukunft weiter seine Runden in der Grube drehen und andere Anglerherzen erfreuen kann. Der kleine Spiegler mit perfekter Küchengröße landete am nächsten Tag hingegen in der Räuchertonne und mundete vorzüglich.

Als Fazit kann festgehalten werden, dass sich sowohl beim klassischen Feedern als auch beim Method-Feedern im Frühjahr Karpfen überlisten lassen. Da aber die Method-Feeder-Montage weitaus länger effektiv präsentiert werden kann, lassen sich damit meist die größeren Fische überlisten. Dies bestätigt auch dieser Erlebnisbericht.