Wollhandkrabbe

Die Aliens kommen: Invasive Wollhandkrabben

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Abgeknipste Schnüre, leergefressene Reusen und ausgehölte Deiche. Kaum eine andere invasive Tierart macht Anglern, Fischern und anderen Menschen so zu schaffen wie die chinesische Wollhandkrabbe. Wie einheimische Tierarten auf den Plagegeist reagieren und wie wir Angler uns auf diese Invasive Art einstellen können, erfährst Du in diesem Artikel.

Invasive Wollhandkrabben: Plage aus Fernost

Die chinesische Wollhandkrabbe ist heute in allen größeren deutschen Flüssen zu Hause, die in Nord- und Ostsee münden. Vor allem Angler und Berufsfischer macht sie das Leben schwer. Mit ihren starken Scheren durchschneidet sie Netze und Vorfächer, frisst Köder und gefangene Fische und macht so das Grundangeln an vielen Flussabschnitten zur Materialschlacht.

Was sind chinesische Wollhandkrabben?

Die chinesische Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis) gehört zu den echten Krabben. Ihren Namen hat sie von dem charakteristischen Haarpelz auf den Scheren der Männchen. Sie erreicht eine Beinspannweite von bis zu 30 cm und kann bis zu einem Pfund wiegen. Die Wollhandkrabbe wandert zur Fortpflanzung ins Meer, wo die Elterntiere dann sterben. Der Krabben Nachwuchs wandert später zurück in die Flüsse, wo sie weiter heranwachsen.

Woher kommt die Wollhandkrabbe? 

Die chinesische Wollhandkrabbe entstammt den großen Flusssystemen des östlichen Chinas. Sie gelangte in den 30er Jahren im Wasser der Ballasttanks großer Schiffe nach Europa. Seitdem hat sie sich in allen Flüssen, die in Nord- und Ostsee münden etabliert und kommt häufig in einer hohen Dichte vor. In China gehen die natürlichen Bestände hingegen seit Jahren zurück. Darum wird die Krabbe dort heute in Aquakultur gezüchtet.

Was fressen chinesische Wollhandkrabben? 

Als Allesfresser machen Wollhandkrabben Jagd auf verletzte Fische und Muscheln. Ihre Hauptnahrung sind jedoch Pflanzenreste und Aas. Darunter fallen leider auch Köderfische, Würmer und Boilies – sehr zum Leidweisen vieler Angler. 

Welche Schäden verursachen Wollhandkrabben? 

Anfängliche Befürchtungen, dass die Krabbe den einheimischen Fischarten schaden würde, haben sich nicht bewahrheitet. Zwar konkurrieren sie mit wenigen verschiedenen Flusskrebsen um Nahrung. Jedoch hält sich der Schaden in Grenzen, da dies ausschließlich ebenfalls eingeschleppte amerikanische Arten sind. 

Die Auswirkungen der Krabben bekommen also hauptsächlich die Menschen zu spüren: Die gefräßigen Krebstiere verursachen vor allem beträchtlichen Schaden in der Berufsfischerei. Zudem destabilisieren sie durch Ihre ihre unterirdischen Wohnhöhlen Deiche und Uferbefestigung. Und zu guter Letzt leiden besonders wir Angler in Elbe und Rhein unter dem Heißhunger der Krabben. Besonders der nächtliche Ansitz auf Aal ist mancherorts bereits unmöglich geworden. Nicht einmal Gummifische scheinen vor den Scheren der Krabben verschont zu bleiben. 

Wie werden wir die Wollhandkrabben wieder los?

Die Wollhandkrabbe ist heute in unseren Flüssen so weit verbreitet, dass es nahezu unmöglich ist die Scherenträger wieder loszuwerden. Sie hat sich als Neozoe fest etabliert, ob sie aber auch als invasiv einzustufen ist, steht nicht fest. Wie bereits erwähnt, sind die negativen Folgen auf den neuen Lebensraum der Wollhandkrabben bis heute weitestgehend ausgeblieben. 

Vielmehr stehen die Krebstiere heute fest im Speiseplan der örtlichen Fischfauna. So ernähren sich gerade Aale, aber auch Zander, Barsch und Quappe im Unterlauf von Rhein, Oder und Elbe zu einem beträchtlichen Teil von frisch gehäuteten Wollhandkrabben. Beziehen wir allerdings die negative Auswirkung auf uns Angler mit ein, ist die Lage natürlich eindeutig. In wirtschaftlicher Hinsicht ist das massenhafte Vorkommen der Wollhandkrabbe eindeutig negativ.

Die Wollhandkrabbe: Invasive Art mit Chancen für Angler

Trotz aller Beschwerden über die Krabben vergessen wir Angler jedoch häufig, dass wir Menschen mit unserer Anpassungsfähigkeit selbst die invasivste Art auf dem Planeten sind. Der Zug, die Wollhandkrabben wieder loszuwerden, ist also abgefahren und wir müssen uns mit Ihnen arrangieren. 

In Asien gelten die Krebstiere als Delikatesse und laut einer britischen Studie wurden in einigen Restaurants über 30 Euro pro Tier gezahlt. Wie das folgende Video zeigt, werden lebende Wollhandkrabben sogar an U-Bahn Stationen in eigenen Automaten verkauft. 

Der Export von Wollhandkrabben könnte also durchaus eine Chance auch für Berufsfischer sein. Laut UN Organsiation FAO haben kommerzielle Fischer im Jahr 2016 ganze 50.000 Tonnen Wollhandkrabben geerntet, während die Produktion durch Aquakultur sogar bei über 800.000 Tonnen lag. Die Nachfrage auf dem chinesischen Markt ist also da und auch hierzulande können Fischer Ihre Wollhandkrabben zum Neujahrsfest gut an die hier lebenden Chinesen verkaufen. Ein einheitliches Modell zur kommerziellen Nutzung der europäischen Krabben Bestände wäre hier durchaus wünschenswert. Die invasiven Wollhandkrabben könnten aber auch zur Herstellung von Chitosan, Fischfutter oder zur Biogasprodutkon herangezogen werden.

Wollhandkrabben fangen

Wollhandkrabben sind in der Tat exzellente Köder für Aal und Quappe. Gerade die frisch gehäuteten Tiere lassen sich leicht unter Steinen im Flachwasser sammeln, lebend hältern oder auch einfrieren. Auch an der Küste gilt eine weiche Krabbe als hervorragender Köder für Dorsch und Plattfisch. 

Als invasive Art haben Wollhandkrabben keine Schonzeit oder Fangbegrenzung und lassen sich zudem leicht fangen. Hierzu einfach einige Dachziegel ins Flachwasser legen, wo die frisch gehäuteten Krabben Schutz suchen und fast täglich eingesammelt werden können. Zu guter Letzt können wir Angler uns auch ein Beispiel an China nehme, denn was dort zum Neujahrstag als Delikatesse auf den Tisch kommt ist auch hier einen Versuch wert. Also ab in den Kochtopf mit den lästigen Scherenträgern.

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