Angeln mit Fröschen: Ein erfolgreicher Schneidertag

Manchmal soll es einfach nicht sein mit den Fischen. Doch gerade im Frühjahr, wenn die Natur und das Leben am Gewässer zu explodieren scheinen, gibt es Überraschungen zu entdecken. Wir nahmen uns einen der ersten Tage nach der Schonzeit zum Spinnfischen ganz weit draußen. Leider blieb der Kescher leer, aber was wir erlebt haben hat uns umgehauen. Alles voller Schuppenträger!

Manchmal kommt es anders…

Das Wetter war wunderbar und die Hechtschonzeit gerade vorbei. Alle Zeichen standen auf Fisch. Also nichts wie raus mit der Spinnrute an die Havel. Ehrlich gesagt testeten wir unsere gesamte Köderbox durch. Mehreren Stunden. Wir wechselten Spot um Spot aber kein einziger Flossenträger wollte beißen. Langsam stellte sich Frustration ein und wir traten zuletzt noch einen längeren Fußweg zu einem letzten Spot an. Also das Tackle gepackt und ab durch den frühlingshaften Wald. Der Weg führte dabei an einem seichten Waldsee vorbei, der verkrautet war aber dafür total fischfrei schien. Schon aus einiger Entfernung war zu hören, dass gerade das den Reiz dieses Waldsees ausmacht. Der Wald war erfüllt von solch ohrenbetäubenden Gequake, dass es es jedes bisherige Froschkonzert, das wir gehört hatten, weit in den Schatten stellte. Obwohl wir zum Angeln da waren, mussten wir bleiben und uns den kleinen Waldsee und seine Bewohner einmal genauer anschauen.

Amphibienkonferenz in Brandenburg!

Frösche sind die allgegenwärtigen Begleiter von Anglern. Ob lautes Quaken in der Ferne oder waghalsige Fluchten vom Ufer – jeder hat bestimmt schon die Bekanntschaft mit diesen Bewohnern jedes Gewässers gemacht. In Deutschland gibt es grob gesagt zwei Gruppen von Fröschen: Die Wasserfrösche und die Braunfrösche. Erstere verbringen ihr ganzes Leben in der Nähe eines Gewässers und sind für die typischen sommerlichen Froschkonzerte beim Ansitzangeln verantwortlich. Wissenschaftler unterscheiden zwei Arten Wasserfrösche: Den kleinen Wasserfrosch und den Seefrosch. Es gibt jedoch noch einen dritten Wasserfrosch, der aus biologischer Sicht hochinteressant ist: Den Teichfrosch.

Teichfrösche sind keine eigene Froschart, sondern Hybriden aus Seefrosch und kleinem Wasserfrosch. Eigentlich sollten sich solche Hybriden nicht fortpflanzen können und sind somit keine eigene Tierart. Durch eine Besonderheit in ihren Genen können sich Teichfrösche allerdings sowohl untereinander, als auch mit dem kleinen Wasser- und Seefrosch fortpflanzen. Das führt dazu, dass die beiden ursprünglichen Arten heute vielerorts selten geworden sind. Die meisten Frösche, die wir im Sommer beim Angeln hören, sind also Teichfrösche – eine Froschart, die eigentlich gar keine ist. Ohne Genanalyse ist es beinahe unmöglich den Teichfrosch von den beiden Elternarten zu unterscheiden. Wer hätte gedacht, dass diese allgegenwärtigen Teichbewohner der Wissenschaft so viel Kopfzerbrechen bereiten? Unser Schneidertag schien anhand dieser interessanten Entdeckungen plötzlich gar nicht mehr so schlimm.

Ladies and Gentlemen: Der Molch!

Genau gesehen waren Frösche aber nicht die einzigen Amphibien an dem kleinen Tümpel. Eine zweite Gruppe dieser Tiere hatte das Gewässer ebenfalls schon erreicht und zeigte erste Frühlingsgefühle. Die Rede ist von Molchen, genauer gesagt dem Teich- und dem Kammmolch. Diese beiden sind die häufigsten Vertreter dieser Tiergruppe in Brandenburg. Auch Molche kommen uns Anglern im Frühjahr zwar immer wieder unter. Aber an diesem Spot war die Anzahl der Tiere überwältigend. Auf einem kleinen Abschnitt von einem Quadratmeter zählten wir etwa 20 dieser possierlichen Teichmolche. Die weit größeren Kammmolche waren auch zu sehen, aber in deutlich geringerer Zahl vorhanden. Bei genauerem Hinsehen fiel auf, dass es sich bei den Molchen im Wasser ausschließlich um die schön gefärbten Männchen handelte. Doch wo waren die Weibchen?

Unter einen großen Stamm einige Meter vom Ufer hatten wir dann die Antwort: Hier lagen sie, die weiblichen Teichmolche. In Gruppen von fünf und mehr Tieren versteckten sich die Weibchen hier und schienen es auch nicht eilig zu haben zu ihren männlichen Artgenossen ins Gewässer zu ziehen. Denn auch wenn Molche zwar scheinbar perfekt an das Leben im Wasser angepasst sind, ist das nicht das ganze Jahr der Fall. Den Großteil ihres Lebens verbringen die kleinen Schwanzlurche nämlich versteckt an Land und nur wenn der Frühling und damit die Laichzeit beginnt ziehen sie im Schutz der Nacht an kleine Gewässer. Dort angekommen, machen die kleinen Molche jedes Jahr eine erstaunliche Metamorphose durch: Sie legen ihre Landtracht, in der dem Körperbau eines Salamanders ähneln, ab und bilden lange prächtig gefärbte Flossensäume und Schwimmhäute aus. In dieser Wassertracht bewegen sie sich flink im Gewässer und paaren sich dann auch. Anschließend legen die Molche wieder ihre Landtracht an und leben den Rest des Jahres im Verborgenen.

Unerwartete Schuppenträger!

Am Ende unseres “Angelausflugs” stellten sich dann allerding doch noch einige Schuppenträger ein – eine unerwartet große Anzahl an Reptilien! Da waren Zauneidechse und Waldeidechsen als Vertreter der Eidechsen,  Ringelnatter und sogar eine Schlingnatter als Vertreter der Schlangen und die eigentümliche Echse ohne Beine – eine Blindschleiche. 

Damit war es dann auch bereits Abend und der Schneidertag vollends vergessen. Eine solche Diversität an Reptilien- und Amphibienarten an einem einzigen Tag anzutreffen ist etwas ganz Besonderes und heute in Deutschland leider alles andere als selbstverständlich. Das zeigt einmal mehr, wie wichtig diese fischlosen Kleinstgewässer als Lebensraum für viele Tiere sind. Auf dem Rückweg fiel der Blick dann doch noch einmal auf die Köderbox. Und zwar auf die Krautwobbler im Frosch Design. Ob dieser Wobbler wohl einem Teichfrosch oder einem Seefrosch nachempfunden ist? Wäre nicht ein Wobbler im Molch Design eine gute Idee? Fragen über Fragen nach einem erfolgreichen Schneidertag.

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