Zwischen Angelparadies und Sperrgebiet

Die Tagebauseen der Oberlausitz

Silbersee - Spinnfischen vom Schlauchboot

Entwicklung der Lausitzer Seen

Die Landschaft der Lausitz wurde maßgeblich durch die Braunkohleförderung geprägt. Dabei entstand eine riesige, verödete Landschaft mit Kippenflächen und gigantischen Restlöchern, die nun als Lausitzer Seenlandschaft bekannt ist. Durch eine unkontrollierte Flutung entstand im Jahr 1945 einer der ältesten Bergbaufolgeseen der Oberlausitz, der Knappensee.

Gleich nebenan wurde in den siebziger Jahren das Speicherbecken Lohsa geflutet, wobei der Silbersee und das Restloch Mortka entstanden. Mit dem Dreiweiberner See wurde nach der Jahrtausenwende ein weiterer Restsee eröffnet und als Erholungsort erschlossen. Diese Baggerseen bieten hervorragende Angelgewässer mit guter Wasserqualität, reichem Fischbestand und weitläufigen Ufern, die immer ein lauschiges Plätzchen in idyllischer Lage bereit halten. Doch die Tagebauseen der Lausitz bergen auch einige Gefahren, die nicht unterschätzt werden sollten.

Angeln auf eigene Gefahr

Wer in der Region aufgewachsen ist, kennt sie, die Gefahren der Kippen und Baggerseen. Schon als Kind mahnen die Eltern, dass man dort nicht hingehen soll, weil der Boden nicht sicher ist. Als Angler muss man sich deshalb einer Belehrung für Tagebaurestlöcher unterziehen, um überhaupt dort Angln zu dürfen. Dabei wird darauf hingewiesen, dass die Tragfähigkeit der Böden unter Umständen beeinträchtigt sein kann. Ungewöhnliche Veränderungen an Uferböschungen sollen gemeldet werden und das Betreten des Ufers erfolgt auf eigene Gefahr.

Durch die Braunkohleförderung wurden etliche Hektar Land umgewälzt, wobei geschüttete Böden ohne natürliche Schichtung verblieben sind. Üblicherweise werden diese sogenannten Kippenböden entsprechend nachbearbeitet, um die spätere Nutzung wieder zu ermöglichen. Nach der Wende wurde jedoch feststellt, dass erhebliche Rückstände die Wiedernutzbarmachung erschweren. Daraufhin wurde die Lausitzer- und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) gegründet, welche seither die Sanierung der Bergbaufolgelandschaft koordiniert.

Nach der Wende waren Silbersee und Knappensee bereits touristisch genutzte Gewässer, obwohl große Uferbereiche als ungesicherte Kippböden eingestuft wurden. Über mehrere Jahrzehnte wurden diese Seen zu beliebten Angelgewässern mit gutem Fischbestand und reizvollen Uferformationen. Viele Angler haben hier ihren ersten kapitalen Fang an Land gezogen und schwärmen noch heute von den Sternstunden der Restlöcher.

Niemand hat daran gedacht, dass an diesen alten Seen noch Erdbewegungen stattfinden könnten. Bei Bauarbeiten kam es im Jahr 2005 allerdings zur ersten größeren Rutschung in der Nähe des Knappensee. Daraufhin wurden Sanierungsmaßnahmen für den See geplant. Am Silbersee erfolgten im Jahr 2011 Sicherungsarbeiten am angrenzenden Bahndamm, wobei eine Uferböschung abrutschte. Diese Ereignisse zeigten deutlich das Gefahrenpotential der alten Kippenflächen. Darum wurde bis zum Abschluss der Sanierungsarbeiten die vollständige Sperrung der Seen angeordnet. Zudem wurden gefährdete Uferbereiche umliegender Seen ebenfalls gesperrt.

Betreten Verboten

Seither herrscht Ungewissheit über die Zukunft der Tagebauseen der Oberlausitz, denn die Gegebenheiten sind weitgehend Neuland für alle Sachverständigen. Für jedes Problem müssen neue Lösungen erarbeitet werden, weil keine Musterlösungen bereit liegen. Zudem lassen sich Rutschungen nur schwer vorhersagen, da gewisse Auslöser erforderlich sind. Solche Auslöser, können vielfältiger Natur sein, wie zum Beispiel der Einsatz von Baumaschinen. Aber auch kleine Rutschungen an sandigen Böschungen können Vibrationen verursachen, die als Auslöser genügen, um weitere Erdbewegungen zu verursachen. Die Gefahren liegen im Verborgenen und es können offensichtlich viele Jahre ohne nennenswerte Vorkommnisse vergehen.

Gefahren sind also überall vorhanden, es ist aber unsicher ob und wann sie auftreten. Die meiste Zeit scheint die Böschung sicher, da das Erdreich durch Bäume sowie andere Pflanzen biologisch fixiert wird. So argumentieren zumindest die Knappenseerebellen, die sich von der LMBV und dem Sächsischen Oberbergamt betrogen fühlen. Sie setzen sich für die Freigabe des Knappensees ein und sind vom Vorgehen der zuständigen Behörden enttäuscht. Auf ihrer Webseite wird über Sanierungsmaßnahmen am Knappensee informiert und über die aktuelle Entwicklung berichtet. Dabei verweisen sie auf die vielen Jahre ohne Vorfälle am See und weisen darauf hin, dass die Trittsicherheit aufgrund der biologischen Stabilisation gegeben sei.

Die Argumente der Bürgerinitiative sind einleuchtend, doch die Sachlage ist sehr kompliziert. Die zuständigen Behörden werden natürlich kein Gewässer freigeben, solange noch Gefahren bestehen. Und das wird mindestens bis zum Abschluss der Sanierungsarbeiten dauern. Die lokalen Angelvereine sind bemüht die Freigabe der Seen voranzutreiben, doch die bisherigen Verhandlungen deuten auf eine ungewisse Zukunft hin. Derzeit werden die Nutzungesrechte jedes Jahr neu verhandelt.

Angeln nur eingeschränkt möglich

Der Silbersee wurde im Jahr 2017 erstmals wieder freigegeben, wobei lediglich die Nutzung eines 200 Meter langen Uferabschnitts genehmigt wurde. Im Sommer dürfen nur die Badegäste den Strand nutzen, während Angler von Oktober bis Mai die Ruten schwingen können. Ein kleiner Erfolg, der auch im Jahr 2018 wieder genehmigt wurde. Allerdings wieder nur für ein Jahr.

Am Knappensee sind derzeit nur Trockenübungen möglich, denn hier gilt absolutes Betretungsvebot. Seit dem Jahr 2013 laufen die Sanierungsarbeiten, wobei insgesamt acht Kilometer Uferlinie mittels Rütteldruck verdichtet werden sollen. Laut Aussagen der LMBV sollen die Arbeiten noch bis ins Jahr 2022 dauern.

Derzeit ist also noch ungewiss, wann dieser See wieder freigegeben wird und unter welchen Bedingungen die Angelei dort stattfinden darf.

Glücklicherweise bietet das Lausitzer Seenland genügend Alternativen, um der Fischwaid nachzugehen. Das Angeln an den Tagebauseen hat einen besonderen Reiz, der schwer in Worte zu fassen ist. Die Gewässer verfügen über gute Bestände an kapitalen Fischen, doch diese zu finden, zu überlisten und zu landen gestaltet sich meist  aufgrund der schieren Größe der Gewässer und ihrer Nährstoffarmut schwierig. Einige Angler verzweifeln an den vielen Schneidertagen, andere hingegen werden dadurch motiviert, wobei die großen Erfolge nur in kleiner Runde preisgegeben werden.

Wer die Herausforderung sucht und die Giganten der Restlöcher zum Landgang überreden möchte, der wird im Lausitzer Seenland sicherlich fündig werden. Allgemein sind bei den Tagebauseen häufig gesperrte Uferbereiche und Einschränkungen der Angelei zu erwarten, daher sollte vor dem Angeln unbedingt die Webseite des betreuenden Vereins aufgesucht oder der Angelatlas Sachsen zu Rate gezogen werden, um aktuelle Infos, Änderungen und Sperrungen einsehen zu können.