Stumm wie ein Fisch: Wie Fische kommunizieren

Die Idylle und Ruhe am Wasser ist den meisten Anglern heilig und auch unterwasser scheint alles ruhig und friedlich. Denkste! Die Fische reden ohne Ende und unterscheiden sich dadurch wohl gar nicht so sehr von uns Menschen. Fische haben aber keinen Kehlkopf. Wie sollen die Fische dann aber sprechen können und was schnackt man so als Fisch? 

Fischen eine Stimme geben

Die Aussage “Stumm wie ein Fisch” ist heute hinfällig. Viele Fische geben vielleicht sogar mehr Geräusche von sich als so mancher Mensch. Mit Geräuschen können sich Fische gegenseitig warnen, anlocken oder auch die Gemeinschaft bilden. Die meisten Unterhaltungen der Fische bleiben uns aber verborgen. Warum das?

Menschen können Frequenzen von 20 – 20.000 Hertz wahrnehmen. Viele Fische kommunizieren mit Schwingungen von 400 – 800 Hertz und damit im menschlichen Spektrum. Jedoch treten die Schallwellen kaum vom dichteren Medium Wasser in das dünnere Medium Luft über. So hört man überwasser oft nichts. Wer aber einen Antennenwels, einen Great Travelley, Wels oder einen Cypriniden in der Hand halten würde, kann sich bei den piepsenden, knurrenden, grunzenden oder malmenden Tönen schon erschrecken. Wale und viele andere Fische erzeugen aber auch Töne außerhalb des für uns hörbaren Spektrums. Diese Frequenzen können mit Unterwasser-Mikrofonen (Hydrophone) hörbar gemacht werden. Nur so können wir Menschen auf das gesamte Spektrum der Fischgeräusche zugreifen.

Welcher Fisch macht womit welche Laute? 

Fische erzeugen ihre Laute mit den verschiedensten Organen. So reiben Karpfen ihre Schlundzähne aneinander, mit denen sie sonst ihre Nahrung zerkleinern. Es ist also vergleichbar mit dem Zähneknirschen. Auch mit der Schwimmblase können Fische Töne erzeugen. Eigentlich dient sie dazu, den Fisch durch Aufblasen oder Entleeren in verschiedenen Wassertiefen in der Schwebe zu halten. Jedoch sind diese Blasen auch Resonanzkörper. Schnell kontrahierende Muskeln auf der Außenseite der Schwimmblase erzeugen die Schwingen, ähnlich wie bei einem Trommelwirbel. Wieder andere Fische, wie tropische Welse, reiben ihre mit Zähnchen bewährten Flossensäume aneinander und erzeugen ein grillenartiges Zirpen. Als weiteres Beispiel verwenden Guramis die Sehnen ihrer Brustflossen und lassen diese schnalzen.

Was soll der ganze Lärm?

Goldfische gehören dabei in der Tat zu den ruhigeren Flossenträgern, ansonsten scheinen sich Fische mit einer erstaunlichen Fülle an Grunzlauten, Bellgeräuschen, Grunzen und Zirpen zu traktieren. So geben sie anderen Fischen ihren Standort bekannt, balzen um Weibchen, senden Alarmzeichen, zeigen Aggression bei der Futtersuche oder verdeutlichen Ihr Zusammengehörigkeitsgefühl. Zeit für ein paar Beispiele:

Piranhas und Meerraben erzeugen Trommelgeräusche, Skalare klopfen bei bei Bedrohung, Grunzbarsche grunzen, Austern Krötenfische summen oder tröten wie Nebelhörner, Gouramis krächzen und Clownfische zirpen mit den Zähnen. Schmerlen wiederum stoßen beim Jagen Knacktöne aus, Buntbarsch Weibchen brummen lästige Männchen weg, Barschweibchen trommeln Männchen herbei und kleine Maränen erzeugen beim Fressen ein rauschendes Geräusch. Auch der Flösselhecht macht Geräusche und droht andern Fischen mit Bellen. Argusfische locken sich mit Trommeln und warnen einander mit zeternden Tönen. Last but not least quietschen die Karpfen scheinbar vergnügt beim Fressen.

Australische Fische singen im Chor

Als australische Forscher die Küstengewässer Australiens für 18 Monate belauscht haben, hörten sie die Fische im Chor singen. Viele Fischarten sangen hier vor allem Morgens und Abends zusammen in denselben Frequenzen und stimmten regelrechte Chöre an. das ist wohl am ehesten mit Vögeln vergleichbar, die ebenfalls bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang am meisten singen. 

Insgesamt konnten die Forscher 7 Fischchöre identifizieren. Häufig waren mehrere davon gleichzeitig zu hören. Die Geräusche der Fische variierten dabei von Tschirpen über Kreischen, Brummen und auch Zwitschern. Die Laute änderten sich dabei in Abhängigkeit vom Sonnen- und Mondzyklus. Auch Geräusche weit entfernter Buckelwale konnten die Forscher aufnehmen. 

Menschliche Störenfriede

Neben den Fischen waren jedoch auch die Geräusche von Motoren und Sonaren zu hören. Diese bilden zusammen mit dem restlichen Zivilisationslärm von Ölplattformen, Offshore Parks und weiteren Lärmquellen einen enormen Klangteppich. Dennoch unterhielten sich die australischen Fische anscheinend unbeeindruckt weiter. Jedoch ist zu beobachten, dass viele Tiere ihre Lautstärke an den anthropogenen Lärm angleichen. Dies wird gemeinhin als Lombardi Effekt bezeichnet. So singen Vögel in der Großstadt aufgrund des niederfrequenten Straßenlärms einfach etwas lauter und auch höher als ihre Artgenossen auf dem Land. Ähnliches konnte auch beim nordatlantische Glattwal beobachtet werden. Und auch im Süßwasser konnte beobachtet werden, wie der Süßwasser Weißfisch Cyprinella venusta schlichtweg lautere Klopf und Knurrgeräusche ausstieß. Strandungen von Walen und Delphinen zeigen jedoch, dass nicht alle Meerestiere mit dem menschlichen Lärm gut umgehen können.

Auch unsere Binnengewässer sind vom Lärm nicht immer verschont. Niederfrequenter Straßenlärm kann sich sogar bis weit in die Flüsse und Seen ausbreiten und Geräusche unserer Fische auf weitere Entfernungen überlagern. Tiere die Ihre Lautstärke nicht anpassen können, dürften mit dem hausgemachten Lärm mehr Probleme haben und im Extremfall vielleicht sogar ganz in ruhigere Gewässer ausweichen. Somit könnte unsere lauter werdende Welt ein weiterer Grund für den Rückgang einiger Tierarten sein.

Fazit

Die Unterwasserwelt wirkt ruhig aber Fische scheinen doch mehr Lärm zu machen, als es so manchem Angler lieb wäre. Mittlerweile sind bei über 800 Fischarten Geräusche dokumentiert und die Liste scheint noch lange nicht zuende. Der Einfluss unseres Zivilisationslärms aber kann der ein oder anderen Fischart bestimmt zusetzen. Insofern wäre es spannend zu hören, was die Fische denn nun genau sagen und worüber sie sich austauschen. Über eine Sache jedoch dürften sie nicht streiten, nämlich ob sie stumm sind wie Fische.   

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