Mit Maifliegen auf Forellen: Vom Winde verweht

Endlich Wochenende und damit Zeit für einen schönen Ausflug an den Bach. Und als Fliegenfischer hoffe ich inständig, bereits ein paar Insekten am Wasser zu finden. Vielleicht sogar ein paar steigende Fische. Es ist Mitte Mai und langsam dürften sogar die ersten Maifliegen zu sehen sein. Also ein kurzes Frühstück, noch ein Kaffee, dann schnell die Sachen gepackt und ab ans Wasser. Und was dort passiert ist, hat mich umgehauen.

Auf an den Wiesenbach

Nach einer knappen Stunde Autofahrt erreichte ich den Parkplatz am Bach. Kaum war der Motor aus rüttelte, da rüttelte schon die erste Windböe an meinem Auto. Vorbei war der Traum vom ruhigen Tag am Bach. Stattdessen kamen erste Zweifel auf, ob es überhaupt sinnvoll ist, an diesem Tag mit der Fliege zu angeln. Ich hatte mir einen Wiesenbach ausgesucht, meine Hoffnung ruhte jetzt aber ganz auf den Ufergehölzen. Hoffentlich schaffen die es, den Wind abzumildern. Also wie immer beim Fliegenfischen – Rute raus und rein in die Wathose.

Ich lief erst einmal Flussabwärts und es dauerte nicht lange, bis der erste Angler zu sehen war. Bald darauf kamen der Nächste und so weiter. Das ließ mich doch an meiner Taktik, den Fluss hoch zu fischen, zweifeln. Nach etwa 20 Minuten Fußmarsch endete hatte ich eine Stelle mit einigem Abstand zu den anderen Anglern gefunden. Von dort suchte ich das Wasser zunächst mit Blicken auf Insekten und steigende Fische ab.

Maifliegen als Treibgut

Unterdessen wehte der Wind weiter und ließ mir mit seinen Böen wenig Hoffnung auf einen erfolgreichen Angeltag übrig. Als der Wind dann schwächer wurde, tauchten plötzlich kleine Fähnchen auf dem Wasser auf. Nanu, das ist doch kein Blatt, dass dort treibt?! Ein schneller Griff zum Kescher brachte mir Gewissheit: Eine schöne Maifliege! Sie war gerade frisch geschlüpft und bei weitem nicht die Einzige. Eine weitere Maifliege verfolgte ich in der Strömung und es dauerte nicht lange, da wurde ihr kurzes Leben von einer hungrigen Forelle beendet. Mein erstes Ziel war anvisiert und mit zittrigen Fingern wählte ich eine passende Maifliege aus meiner Fliegendose und knüpfte sie ans Vorfach.

Völlig unkontrolliert servierte ich meine Fliege in der Strömung, kassierte aber nur eine Abfuhr nach der anderen. Beim fünften Wurf kam eine Windböe und die Fliege hing genau in dem Ast über der Forelle. Das war’s wohl erstmal. Aber es dauerte nicht lange, da stieg schon der nächste Fisch – nur wenige Meter stromaufwärts. Erneut platzierte ich meine Fliege in der Strömung oberhalb der Forelle, doch wieder blieb der ersehnte Biss aus. Der Wind machte mir schwer zu schaffen, denn immer wieder wurde die Fliege von ihrer Bahn abgelenkt und steckte anschließend irgendwo in der Ufervegetation fest. 

Nur mit der Ruhe

Schnell stellte ich fest, dass übereiltes Handeln hier nur kontraproduktiv ist. Stattdessen versuchte ich Ruhe und Geduld zu bewahren. Statt nun vorschnell die Fliege zu werfen, habe ich den nächsten Fisch etwas länger beobachtet. Immer wieder konnte ich Maifliegen sehen die am Fisch vorbeischleichen konnten, während andere heftig attackiert wurden. Je länger ich das Treiben beobachtete, umso mehr konnte ich den Bereich identifizieren, in dem ich meine Fliege treiben lassen musste. Das erforderte zunächst eine geeignete Wurfposition aus der ich diesen Bereich anwerfen konnte. 

Beim dritten Wurf hatte ich die Fliege genau am Sweet-Spot platziert und nach einer kurzen Drift kam auch promt die Attacke. Ein kurzer Drill, einige heftige Sprünge und Fluchten und vor dem Kescher noch eine brutale Flucht unter den Baum – und ab! Schei …. !!! Man muss mich bis in die Hauptstadt gehört haben. So dolle habe ich geflucht als dieser Fisch verloren ging.

Das magische Steigfenster

Nach einer kurzen Pause hatte ich mich wieder erholt und wurde vom nächsten steigenden Fisch gelockt. Jetzt hieß es wieder Ruhe bewahren. Die Windböen machten das Angeln mit der Fliege eigentlich unmöglich aber es gab immer wieder kleine Zeitfenster mit milden Brisen. Und dieses Fenster waren magisch. Denn sobald der Wind nachließ, kamen überall die Maifliegen hoch. Fünf bis zehn Fähnchen auf wenigen Metern waren keine Seltenheit und dementsprechend war auch das Steigverhalten der Fische. 

Nun hatte ich wieder eine im launische Forelle Visier und wartete auf meine Gelegenheit. Immer wieder flaute der Wind ab und ich konnte sehen wie zwei bis drei Fliegen naschte. Doch dann zog der Wind wieder an, bevor ich werfen konnte. Nach einer gefühlten Ewigkeit von 10 Minuten, flaute der Wind endlich so stark ab, dass ich zum Zuge kam. Der erste Wurf landete Perfekt. Nach einer kurzen Drift war die Fliege dann Weg. Diesmal hing der Fisch und auch die Flucht ins Kraut blieb ohne Konsequenzen. Denn ich stand bereits mit Kescher bewaffnet im Bach und konnte die Hübsche einnetzen.

Die Fliege treiben lassen

Der Wind hatte mich gezwungen mich extrem langsam und vorsichtig zu Verhalten. Jeder Wurf war eine absolute Herausforderung. Darum habe ich jeden Fisch sehr lange beobachtet und mir sehr viel Gedanken über jeden Angriff gemacht. Wo steigt der Fisch und wo muss die Fliege hin? Komme ich an diesen Punkt mit meiner Fliege? Habe ich genügend Rückraum zum Werfen? Welche Position ist die Beste? Statt übereilt zu werfen, habe ich so einige Fische auch ohne viel zu Werfen von oben antreiben lassen. Einige Stellen waren schwer zu erreichen: Hindernisse, Wurfwinkel und überhängenden Äste waren die  Hauptgründe. In der Vergangenheit habe ich solche Fische öfter von unten angeworfen und ihnen die Fliege wahrscheinlich auf den Kopf geknallt. Diesmal habe ich mich jedoch vorsichtig und langsam von oben angepirscht, die Fliege einfach unter der Rutenspitze in die Strömung gesetzt und dann abtreiben lassen… BÄM!!!

Diese Regenbogenforelle hatte eine ganze Zeit lang eifrig in der Nähe eines Baumstamms geraubt. Von unten hätte ich diesen zwar anwerfen können aber nicht die Strömungslinie oberhalb des Baumes. Die Fliege wäre auch nie in den Baum rein, sondern in Richtung Bachmitte daran vorbei getrieben. Von oben trieb die Fliege jedoch mittig in der Strömung und wurde schön an den Baum getrieben. Sie trieb dann noch etwas am Stamm entlang, bevor die Forelle den Köder inhalierte.

Fazit vom Bach

Für mich war es ein schöner Tag am Bach, auch wenn es sehr anstrengend und zunächst eher frustrierend war. Am Ende war doch noch ein äußerst lehrreicher und sogar erfolgreicher Angeltag daraus geworden. 

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