Frauen und Angeln: Sexismus oder Girlsday?  

Der Girlsday soll junge Frauen bestärken, sich auch für männerdominierte Berufe zu interessieren. Angeln ist nur für Wenige Menschen ein Beruf aber mit bis zu 98 % Männeranteil gewiss männerdominiert. Jedoch wächst der Frauenanteil und damit auch das Interesse, Sportangeln für Frauen interessanter zu machen. Der Girlsday 2020 vom 26 März ist aufgrund des Corona Virus ausgefallen. Aber wie wäre es mit einem Girlsday beim Angeln? 

Frauen und Angeln in Deutschland

Angeln ist bis heute ein von Männern dominiertes Hobby. Nach aktuellen Schätzungen sind heute bis zu 98% der Angler/innen männlichen Geschlechts. Wer die ihm bekannten Anglerinnen der Szene aufzuzählen, dem wird meist eine Hand ausreichen. Dabei sind Frauen, die ihre Partner lediglich ans Wasser begleiten, natürlich ausgenommen. Dabei versuchen Vereine, Verbände und Angelgeräte Hersteller schon seit Jahren Frauen das schönste Hobby der Welt attraktiv zu machen. So könnte eine neue Käuferschichten für die Industrie gewonnen und dem Nachwuchs Schwund der Angelvereine begegnet werden. Hier könnte auch der Girlsday helfen, mehr Frauen für das Angeln zu begeistern. Vorbild der Gerätehersteller ist vor allem das Ausland: In unseren Nachbarländer und auch Amerika liegt der Anteil der Anglerinnen weit über dem der Bundesrepublik. Woher kommt dieses Ungleichgewicht?

Wo sind die deutschen Anglerinnen?

Die Frage, warum so wenige Frauen in Deutschland angeln, wird landläufig mit Vorurteilen beantwortet, wie: “Frauen haben rein körperlich zu wenig Kraft um die Angelruten zu benutzen!” oder “Frauen können und wollen einfach nicht so lange still sein” oder “Angeln ist einfach nicht sexy”. Es geht auch mit Humor wie: “Es gibt einfach zu wenig pinke Ruten und Handtaschen für Anglerinnen”. Die Liste dieser Erklärungen ließe sich lange fortführen und zeigt die unterschwelligen Vorurteile, mit denen selbst weibliche Stars der deutschen Angelszene zu kämpfen haben. 

Anglerinnen Deutschland sind heute als Vertragspartner und Teamangler für bekannte Angelmarken in Social Media Kanälen, Talkshows und an ihren Gewässern unterwegs. Fünf der vielleicht bekanntesten Anglerinnen sind Barbara Kijewski, Susi Gießenberg, Anika Joswig, Mandy Schirnau und auch Constanze Laudage. Dabei können die Fänge der weiblichen Anglerinnen durchaus mit denen der Männer mithalten, wie die Fangbilder auf Instagram, Facebook und Pinterest beweisen. Leider zeigen aber auch die Kommentare unte den Fotos noch heute, wie verbreitet die sexistischen Vorurteile noch heute in der deutschen Angelszene sind. 

Anglerinnen und Sexismus

Kommentarspalten im Internet sind schon länger kein schöner Ort mehr. Und das ist auch bei den Fangbildern bekannter Anglerinnen so. Anstatt ein solidarisches Petri Heil zum schönen Fang zu posten, wird der Fangerfolg in Frage gestellt oder schlichtweg nur das Aussehen der Anglerin kommentiert. Ob die Anglerin den Fisch wirklich “selbst”, also ohne männliche Hilfe gefangen habe!? Natürlich sorgen große Fische auch immer für Missgunst und einige Idioten im Internet sind nicht repräsentativ für die deutsche Angelszene. Vermutlich fallen und stoßen die negativen Äußerungen auch einfach mehr auf. 

Jedoch finden sich in den Kommentarspalten der männlichen Kollegen keine derartigen Kommentare. Hier gibt es somit wohl ein strukturelles Problem. Dabei handelt es sich freilich um eine reine Feststellung und weniger um eine konkrete Schuldzuweisung. Anstatt aber in eine reflexartige Abwehrhaltung zu verfallen, die sich bei diesem Thema schnell einstellt, sollten überlegen, was wir dem entgegenwirken können.

Angeln: Jeder Tag ist Girls Day

Der Girlsday 2020 lag dieses Jahr auf dem 26 März und ist wegen Corona ausgefallen. Die Idee des Girls Days am Wasser ist da gar nicht mal so verkehrt. Liebe für die Natur und ein Interesse für unsere Gewässer und deren Bewohner sind nicht an ein Geschlecht gebunden und sollten unabhängig vom Geschlecht geweckt werden. Fast alle erfolgreichen deutschen Anglerinnen berichten, dass ihr Interesse für das Hobby bereits in ihrer Kindheit geweckt wurde. Aber auch, dass sie zu Anfang ihrer Angelkarriere aufgrund ihres Geschlechts von ihren männlichen Kollegen belächelt wurden.

Pinup Kalender für Frauen: Als Antwort auf den bekannten Carponizer Kalender mit Frauen und Fischen setzt jetzt der Carpfe Diem Kalender mit Männermodels einen Kontrapunkt. Aber ist dies die Lösung, um Frauen zum Angeln zu ermutigen oder sie dafür zu begeistern?

Als Angler sollten wir uns mehr auf die gemeinsame Begeisterung für den Fisch konzentrieren und weniger darauf, Minderheiten zu belächeln. Vielmehr sollten die Stärken vieler Frauen im schonenden Umgang und sanften Drill mit den Tieren hervorgehoben werden. Viele Angler sind sehr auf ihre Vorbildfunktion bedacht und bei der Gewässerpflege, beim Naturschutz engagiert und ereifern sich zurecht für den sorgsamen Umgang mit den gefangenen Fischen. Warum nicht im Umgang mit Anglerinnen und solchen die es noch werden können. Hier haben wir alle die Chance Vorbilder zu sein und den Sport einer großen Bevölkerungsgruppe schmackhaft zu machen. Darum ist beim Angeln wohl jeder Tag ein Girls Day und jeder Tag einer, um Begeisterung zu wecken. Die Einzigen, die dann noch auf ihr Äußeres reduziert werden, sind schließlich die hoffentlich dicken Fische. Petri Heil!

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