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Die Aliens kommen: Invasive Arten an unseren Gewässern

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Invasive Arten machen Anglern schon seit Jahren zu schaffen und von Amurgrundel bis Zebramuschel ist alles dabei. Doch woher kommen diese fremden Arten und warum fühlen Sie sich bei uns so wohl? Auf diese und weitere Fragen gibt der folgende Artikel eine Antwort, denn eines ist bereits sicher: Die Aliens kommen nicht – sie sind schon längst hier!

Neozoen: Herausforderung für Natur und Angler

Im Sommer 2018 spazierten Roten Amerikanischen Sumpfkrebse (Procambarus clarkii) nach jedem Sommerregen munter durch den Berliner Tiergarten, erschreckten dadurch Passanten und alarmierten Naturschützer. So gerieten diese für Deutschland fremden Tierarten in den Fokus der Öffentlichkeit und ihre Auswirkungen auf unsere Ökosysteme wurden heiß diskutiert. Für Angler sind invasive Tierarten freilich nichts neues, denn kaum jemand sieht so regelmäßigen Basis mit eingeschleppten Tierarten konfrontiert wie wir Angler: Ob nun die Grundeln im Süden der Bundesrepublik, die Zebramuschel im Westen oder die Wollhandkrabbe im Osten – Neozoen gehören an den meisten Gewässern längst zum teils auch nervigen Alltag. 

Aus gewässerökologischer Sicht ist diese Tatsache höchst problematisch, denn wer bereits  ein wenig über den Zusammenhang des Verschwindens unserer heimischen Krebse und dem massenhaften Auftreten der nordamerikanischen Flusskrebse auf sich hat, der kann erahnen, was die unbedarfte Verbreitung invasiver Arten anrichten kann. Trotzdem scheint sich die Ausbreitung von invasiven Arten an den meisten Gewässern nicht mehr verhindern zu lassen und so ist es Zeit diese Tiere etwas genauer zu betrachten. Sind alle eingeschleppten Tierarten invasive Arten, die unseren heimischen Ökosystemen schaden oder handelt einige Arten auch um natürlich eingewandert, wie es bei einem dynamischen System in ständiger Veränderung normal ist? Bieten neue Arten mancherorts vielleicht sogar neue Möglichkeiten und Chancen – ob nun für die Ökosysteme oder uns Angler? Und wie unterscheiden wir dann überhaupt zwischen eingeschleppten Neozoen und sogenannten invasiven Arten? 

Aliens kommen von überall

Um zu verstehen was invasive Tierarten überhaupt sind,zunächst einige Begriffe zu klären. Als Neobiota (neue Lebewesen) werden alle Tier- und Pflanzenarten bezeichnet, die absichtlich oder unabsichtlich durch Menschen in einen neuen Lebensraum eingebracht wurden und sich dort etablieren konnten. Hier wird noch einmal zwischen Neophyten (Pflanzen) und Neozoen (Tiere) unterschieden. Entscheidend ist dabei, dass diese Arten nach dem Jahr 1492, also dem Jahre der Entdeckung Amerikas, eingebracht wurden und ihren neuen Lebensraum nicht aus eigener Kraft hätten erreichen können. Alle Arten, die vor diesem Zeitpunkt durch Menschen in ein neues Gebiet eingebracht wurden, gelten daher strenggenommen nicht als Neobiota. Ein prominentes Beispiel hierfür ist der von uns Anglern so geschätzte Karpfen. Dieser war bereits in Antike und Mittelalter in ganz Europa verbreitet und gilt somit gemeinhin als in Deutschland einheimischer Fisch.

Neozoen in Deutschland

Schätzungen gehen derzeit von 260 gebietsfremden und etablierten Tierarten in Deutschland aus. Darunter sind 8 dauerhaft etablierte Fischarten und zahlreiche Wirbellose wie etwa amerikanische Krebse und asiatische Muscheln. Allgemein eignen sich Lebensräume in Binnengewässern deutlich besser zur Besiedelung durch gebietsfremde Tierarten.


Eine weitere Ausnahme sind Arten, die sich selbst neue Lebensräume erschließen, ohne vom Menschen in diese eingeschleppt zu werden. Ein Beispiel hierfür ist das Taubenschwänzchen, ein Tagfalter, dessen Verbreitungsgebiet sich dank des Klimawandels momentan deutlich in den europäischen Norden verschiebt. 

Neozoen beeinflussen dein Hausgewässer

  • Neue Krankheiten: Neue Tierarten bringen oft auch neue Parasiten und Krankheiten mit. Sie selbst sind dagegen oft Immun, für einheimische Arten sind die Folgen dagegen oft fatal. Stichwort Krebspest!
  • Nahrungskonkurrenz: In der Natur konkurrieren Tierarten stets um die Vorhandenen Ressourcen, hier im Fall von Nahrung. Eine neue Art die hier einen Vorteil hat verdrängt schnell die einheimischen Arten.
  • Bessere Anpassung: Oft werden invasive Arten genau da zum Problem, wo es einheimische Arten schon schwer haben. Durch eine höhere Toleranz gegenüber Schadstoffen beispielsweise etabliert sich eine neue Art und die alte wird vollends verdrängt.

Ob die Definition des Neozoen daher in Zukunft angepasst werden muss, bleibt abzuwarten. Nun sind eingeschleppte Tierarten noch nicht zwangsläufig eine ökologische Katastrophe. Ein Chaos droht erst dann, wenn sich die neue Art als ‘invasiv’ erweist. Von einer invasiven Art sprechen Wissenschaftler immer dann, wenn sie das neue Ökosystem verändert. Dies kann auf vielen Wegen geschehen, zeigt sich uns aber meist am Deutlichsten in der Verdrängung einheimischer Arten. Uneinigkeit herrscht bis heute allerdings darüber, ob die reine Verschleppung und Etablierung einer gebietsfremden Art in einen neuen Lebensraum bereits ausreicht, um diese als invasiv bezeichnen zu können oder ob diese Bezeichnung erst dann greift, wenn deutliche negative Auswirkungen auf das Ökosystem zu beobachten sind.

Invasive Arten: Gefahren für Gewässer

Nun bleibt die Frage, was invasive Arten so gefährlich für unsere heimischen Ökosysteme macht. Schließlich kann sich noch lange nicht jede Tierart in jedem neuen Lebensraum etablieren und dort zum Problem werden. Arten, die sich in ihrem neuen Lebensraum als invasiv erweisen, sind im Vergleich zu einheimischen Arten deutlich konkurrenzfähiger. So haben viele invasive Tierarten eine deutliche höhere Zahl an Nachkommen und sind toleranter gegenüber Umwelteinflüssen. Das führt dazu, dass diese Tierarten im Kampf um die Ressourcen eines Ökosystems einen Vorteil haben und die einheimischen Tierarten verdrängen können. 

Der Mensch spielt dabei in unseren Flüssen eine fatale Doppelrolle: Durch Verschmutzung und Begradigung sorgt er dafür, dass die einheimischen Arten mit negativen Umwelteinflüssen zu kämpfen haben und bringt anschließend gebietsfremde Tierarten ein, die an diese Umwelteinflüsse auch noch deutlich besser angepasst sind. Der Grundstein für eine biologische Invasion ist gelegt.

An vielen Gewässern ist es bereits zu spät

Nun könnte man natürlich sagen, dass dies zwar traurig, aber letztendlich natürliche Evolution ist: Arten konkurrieren um Ressourcen und wer schlechter angepasst ist stirbt aus. Das ist auf den ersten Blick richtig und so im Laufe der Erdgeschichte auch bereits unzählige Male passiert. Allerdings passierte das bisher immer ohne den Einfluss des Menschen, der diese Entwicklung rasant beschleunigt. Noch nie konnten Tierarten in so kurzer Zeit so große Entfernungen überbrücken. Seit der Entdeckung Amerikas und dem damit verbundenen weltumspannenden Handel, hat die Verbreitung neuer invasiver Tierarten dramatisch zugenommen. Die geschah in der Vergangenheit einerseits durch gezieltes Aussetzen gebietsfremder Arten in neue Ökosysteme. So geschehen mit den bereits erwähnten amerikanischen Flusskrebsarten und in neuerer Zeit vermehrt durch zufällige Verschleppung von blinden Passagieren durch die Ballastwassertanks der Frachtschiffe. Klassische Beispiele hierfür sind die zahlreichen Grundel Arten und auch die Wollhandkrabbe. Die Liste der invasiven Arten ist mittlerweile lang geworden.

Auf der der Liste für invasive Tier und Pflanzenarten der europäischen Union finden sich zu diesem Zeitpunkt 66 Arten. Dabei werden jedoch nur Arten erfasst, deren negative Auswirkungen auf ihren neuen Lebensraum und die Biodiversität bereits deutlich sichtbar sind. Die tatsächliche Anzahl an invasiven Tierarten, besonders in unseren heimischen Süßwasser Lebensräumen ist deutlich höher. 

Im nächsten Teil werden wir uns daher einige dieser Tierarten genauer ansehen. Hier geht es um die zahlreichen invasiven Wirbellosen, die mittlerweile fest zur Fauna unserer Seen und Flüsse gehören. Denn egal ob Flohkrebs, Zebramuschel oder Wollhandkrabbe – die Aliens sind überall!

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