Spiegelkarpfen

Spiegelkarpfen
Spiegelkarpfen - Fänger: Peter Zöchling

Der Spiegelkarpfen ist eine besondere Form des Karpfens. Es gibt insgesamt vier verschiedene Formen von Karpfen hinsichtlich ihrer Schuppung: Schuppenkarpfen mit vollständiger Bedeckung, Spiegelkarpfen mit unregelmäßigen Schuppen, Zeilkarpfen mit einer Schuppenreihe an der Seitenlinie und Lederkarpfen ohne Schuppen. Die Beschuppung hat allerdings kaum Einfluss auf die anderen Eigenschaften des Karpfens, weshalb sich die vier Formen außer der Beschuppung kaum unterscheiden. Spiegelkarpfen bevorzugen also ebenfalls warme Temperaturen und langsam fließende oder stehende Gewässer mit viel Vegetation und weichem Boden. Die meisten Vorkommen von Spiegelkarpfen gibt es in Teichen, Seen und in den Mittel- und Unterläufen größerer Flüsse. Die Bestände stammen dabei aber fast ausschließlich aus Besatzmaßnahmen. Ein Charakteristikum des Spiegelkarpfens ist die teils extrem gedrungene, hochrückige Form, die manche Spiegelkarpfen nahezu kugelförmig erscheinen lässt.

Aussehen

Den Spiegelkarpfen erkennt man an seinen vereinzelten und unregelmäßig auftretenden Schuppen, die sein charakteristisches Merkmal zur Unterscheidung von anderen Karpfen sind. Die Schuppen treten zumeist entlang des Rückens, der Schwanzflosse vorgelagert, am Bauchfell oder kurz nach den Kiemen auf. Selten sind auch auf Höhe des Seitenlinienorgans vereinzelt Schuppen zu sehen. Ein weiteres Merkmal des Spiegelkarpfens ist seine hochrückige, gedrungene Körperform mit einem Buckel hinter dem Kopf. Der Spiegler hat ein endständiges Maul ohne Zähne mit vier fleischigen Bartfäden. Er hat recht große Augen, eine große, tief gegabelte Schwanzflosse und andere charakteristische Merkmale. Seine Farben reichen von goldgelb bis braun auf der Seite und graugrün bis schwarzgrün auf dem Rücken.

Verbreitung und Lebensraum

Der Spiegelkarpfen kann in vielen europäischen Gewässern gefunden werden. Er bevorzugt Gewässer, die viele Wasserpflanzen beherbergen. Der Karpfen fühlt sich in warmen Gewässern besonders wohl. Als Bodenfisch mag er Gewässer mit einem leicht durchwühlbaren Grund. Spiegelkarpfen sind meist in kleinen Trupps unterwegs. Im Winter ziehen sie sich in tiefere Gewässerbereiche zurück und reduzieren die Nahrungsaufnahme enorm.

Größe

Spiegelkarpfen können beachtliche Ausmaße erreichen. Durchschnittlich werden sie um die 50 Zentimeter lang, können aber auch über einen Meter Länge erreichen. Wenn die Bedingungen passen, kann ein Spiegelkarpfen mehrere Jahrzehnte alt werden.

Ernährung

Der Spiegelkarpfen ernährt sich vorwiegend von Zooplankton. Zu seiner natürlichen Nahrung zählen beispielsweise Insektenlarven, Schnecken, Würmer und andere Kleintiere am Grund des Gewässers. Da die Karpfen in der Regel unter Zuchtbedingungen aufwachsen, sind sie aber auch pflanzliche Nahrung wie Getreide oder Pellets gewohnt. Auch nach dem Besatz in freie Gewässer nehmen sie diese Nahrung weiter an, wenn sie durch Angler eingebracht werden.

Vermehrung

Die Vermehrung des Spiegelkarpfens findet in den frühen Sommermonaten statt, meist im Mai oder Juni, und dauert normalerweise bis zu zwei Monate. Die Eier werden an Wasserpflanzen abgelegt, bevorzugt an flachen Stellen. Der Nachwuchs schlüpft in wenigen Tagen aus den Eiern. In natürlichen Gewässern findet dieser Vorgang zwar oft statt, die kleinen Karpfen überstehen dann aber nicht den ersten Winter. Unter Zuchtbedingungen werden die kleinen Karpfen abgefischt und sicher überwintert.

Angeln auf Spiegelkarpfen

Das Angeln auf Spiegelkarpfen unterscheidet sich nicht grundlegend vom Angeln auf andere Karpfenformen. Über die Gewässer- und Spotwahl lässt sich aber sehr wohl beeinflussen, ob man nun mehr Spiegler fängt oder eben andere Formen.

Gewässer und Spots

Spiegelkarpfen findet man vor allem in Teichen, Baggerseen, Naturseen und auch in Flüssen. Besonders in Teichen und Seen, die von Angelvereinen bewirtschaftet werden, sind Spiegelkarpfen oft besonders präsent, während in Flüssen oft Schuppenkarpfen dominieren. Potentielle Fangplätze sind zwischen Seerosenfeldern, an versunkenen Bäumen oder unter herabhängenden Zweigen. Ein mehrtägiges Anfüttern an einem Platz gewöhnt die Karpfen an den Angelplatz und die Köder.

Gerät und Montage

Das Gerät zum Angeln auf Karpfen sollte robust sein, denn Karpfen sind starke Fische. Meist reicht eine eher weiche, circa drei Meter lange Rute mit solider Stationärrolle und einer monofilen oder geflochtenen Schnur. Weiterhin benötigt werden Rutenständer und optional elektronische Bissanzeiger. Zur Landung empfiehlt sich ein großer Karpfenkescher und eine Abhakmatte. Als Montage kommt meist eine Haarmontage mit Festblei zum Einsatz, die einen Selbsthakeffekt ermöglicht. Aber natürlich können Karpfen auch mit Posenmontagen oder einfachen Grundmontagen gefangen werden. Ein besonderer Kick ist das Stippen oder Matchangeln auf Karpfen mit feinem Gerät. Dafür sollten aber keine Hindernisse in unmittelbarer Nähe sein.

Köder

Karpfenangeln funktioniert mit vielen verschiedenen Ködern. Dazu zählen Mais, Partikel, Pellets und natürlich Boilies. Boilies werden aus verschiedenen Zutaten wie pflanzlichen Mehlen oder Fischmehl und anderen Zutaten hergestellt. Sie überzeugen durch ihre robuste Konsistenz und Größe, weshalb sie nicht von anderen Fischen abgefressen werden. So kann man gezielt auf große Fische angeln. Neben oben genannten Ködern sind auch andere Köder wie Kartoffeln, Teig und Naturköder wie Maden oder Tauwürmer sehr effektiv. Im Sommer kann man Spiegelkarpfen auch mit Schwimmbrot überlisten, da sie sich bei Hitze gerne an der Wasseroberfläche aufhalten.

Verwechslungsgefahr

Der Spiegelkarpfen kann mit anderen Formen des Karpfens verwechselt werden. Der Lederkarpfen hat jedoch keine Schuppen und der Zeilkarpfen hat nur eine einzelne Reihe von Schuppen entlang der Seitenlinie. Beim Spiegelkarpfen befinden sich die Schuppen an den Flossenansätzen und am Rücken.

Vorteile der Zuchtform

Der Spiegelkarpfen ist durch lange Zucht entstanden. Dabei wurden immer schuppenärmere Fische gekreuzt, bis die Schuppen mit der Zeit immer weniger wurden. Dies diente vor allem den besseren Verarbeitungsmöglichkeiten in der Küche. Weiterhin wurde der Spiegelkarpfen sehr hochrückig gezüchtet. Ein Grund dafür war, dass in der Fastenzeit der Teller nur so viel befüllt werden durfte, dass nichts über den Tellerrand ragt – was bei einem rund gezüchteten und gebackenen Karpfen der Fall ist.

Weitere Vorteile des Spiegelkarpfens:

  • Kälte-resistent: Kann bei Kalten Temperaturen gutl überleben
  • Wintertauglich: Kann im Wildgewässern überwintern, wenn das Gewässer tief genug ist
  • Filet-fähig: Wächst zu imposanten Größen, perfekt für große Filets
  • Robuste Natur: Nach ausreichender Behandlung sehr widerstandsfähig
  • Hervorragende Fleischqualität: Überzeugt mit seinem Geschmack
  • Optische Schönheit: Größere Exemplare sind auch für das Auge ein Genus

Infos kurz und knapp

Merkmale:
langes u. kurzes Paar Barteln am rüsselartig vorstülpbarem Maul

Größe:
bis über 110 cm

Geschlechterunterscheidung:
äußerlich nicht möglich

Flossenformel:
D III-IV/17-24 mit ausgeprägtem Sägestrahl, A III/5-6, P I/15-16, V II/8-9

Schuppenzahl Seitenlinie:
keine Angabe

Schlundzahnformel:
dreireihig 1.1.3-3.1.1

Verwechslungsgefahr mit:
keine

Besonderes:
4 Zuchtformen der ganzheitlich beschuppten Stammform; 1) Schuppenkarpfen (ganz beschuppt) 2) Spiegelkarpfen (unregelmäßig beschuppt) 3) Zeilkarpfen (1 Schuppenreihe entlang der Seitenlinie) 4) Lederkarpfen (fast oder ganz ohne Schuppen)

Verbreitung:
Wildform stammt aus den Zuflüssen des Schwarzen u. Kaspischen Meeres; in Europa bereits im Mittelalter ausgesetzt u. eingebürgert

Fortpflanzungsbiologie:
ab einer Wassertemperatur von 18-20 ° C. an seichten, pflanzenreichen Uferstellen, Ablage von bis zu 300.000 klebrigen Eiern, Larvenschlupf nach 2-7 Tagen (Klebedrüsen am Kopf), vor dem Freischwimmen füllen die Larven ihre Schwimmblase an der Wasseroberfläche mit Luft

Laichzeit:
Mai-Juli

Familie:
Cyprinidae, Karpfenfische

Karpfen Übersetzung: 
lateinisch: Cyprinus carpio 
albanisch: Krapi 
bosnisch: Sardan 
bulgarisch: Ponty 
dänisch: Skæl Karpe 
englisch: Common Carp 
estisch: Karpkala 
finnisch: Karppi 
französisch: Carpe 
irisch: Carban 
italienisch: Carpa
lettisch: Karpa 
litauisch: Paprastasis karpis 
luxemburgisch: Kaarp 
niederländisch: Karper 
norwegisch: Karpe 
polnisch: Karp 
portugisisch: Carpa
russisch: Карп, сазан (Karp)
schwedisch: Karp 
spanisch: Carpa
tschechisch: Kapr obecný 
ungarisch: Közönseges ponty / Tőponty / Tükörponty 

natürliche Nahrung: 
Würmer, Schnecken, Muscheln, Kleinkrebse, Insektenlarven, Plankton