Mmmh, lecker!

In den frühen 90er Jahren hatte ich das Glück, einige baskische Fischer kennenzulernen, die mit ihren kleinen Booten in den Golf von Biskaya hinausfuhren, um im Juni dem Blauflossenthun und im Herbst dem Weissen Thun mit der Handangel nachzustellen. Das ist eine sehr schwere Arbeit, wo das Fischen zum Kraftakt wird.
Das herrliche Fleisch wird an Land sofort in großen Einmachgläsern in Olivenöl konserviert und gehört zu den besonderen Delikatessen des Landes. Fast noch besser ist der frisch gegrillte Blauflossenthun, der nur mit ein wenig Knoblauch und Olivenöl serviert wird.

Schon damals gab es einige Jahre, in denen die Blauflossen ausblieben. Das gab es immer mal wieder, sie kommen dann einfach nicht nah genug an die Küste heran, um mit den kleinen Fischerbooten erreichbar zu sein. Und schon damals schimpften die Basken über die gierigen japanischen Großfischtrawler, die in ihren Fischgründer räuberten. Heute sind diese Flotten längst woanders unterwegs und die meisten der baskischen Boote bleiben im Hafen.


Wie geht es eigentlich dem Thunfisch?


Zusammen mit der Makrele macht der Thunfisch ca. 70% der weltweiten Fänge aus. Laut einem Bericht amerikanischer Forscher und einer Studie der Universität von La Coruna, die sich auf 26 Populationen verschiedener Thunfisch- und Makrelenarten bezieht, sind deren Bestände in den letzten 50 Jahren und ca. 60% geschrumpft. Das ist zwar viel, aber immer noch weniger, als bisher angenommen wurde. Man ging bisher von einem Rückgang bis zu 90% aus.
Am stärksten betroffen sind der Rote Thun aus dem Mittelmeer und der Blauflossenthun aus dem Atlantik. Bei beiden Arten geht man von einem Restbestand von 20% des ursprünglichen Bestandes aus.

Laut Wikipedia sind ausserdem der Großaugen-Thunfisch, sowie der Gelbflossenthun im indischen und pazifischen Ozean massiv überfischt. Beide Arten könnten nach Ansicht einiger Wissenschaftler binnen weniger Jahre von unserem Planenten verschwunden sein. Auch der Bestand des weissen Thuns im Südatlantik ist massiv bedroht.

Folgendes Zitat stammt zwar aus der Seite eines Lebenmittelvertriebes, fasst aber viele aktuelle Zahlen zusammen:"In 2010 wurden 4 Millionen Tonnen Thunfisch gefangen, hauptsächlich mit Ringwadennetzen. 68 % davon wurden in der stillen Südsee gefangen, 22 % im indischen Ozean und 10 % im Atlantik oder Mittelmeer. Die Anteile beim Fang betragen 60 % für den SkipJack- Thunfisch, 24 % für den Gelbflossen-Thunfisch, 10 % für den Großaugen-Thunfisch, 5 % für den Weißen Thunfisch oder Albacore und lediglich 1 - 2 % für den Blauflossen-Thunfisch."

Auf der Roten Liste sind habe ich fünfzehn Arten gefunden, alle mit unterschiedlichem Status. Erfreulicherweise gibt es auch einige mit dem Status "stable", nicht alle sind "decreasing".
Dem Skipjack, weltweit am meisten gefangen, geht es wohl noch gut. Bleibt zu hoffen, dass sein Bestand nicht so ruiniert wird. Aber mal ehrlich, ich habe da wenig Hoffnung.

Und sonst?

Ganz schlimm dran ist der südliche Blauflossenthun aus dem Mittelmeer, meist Roter Thun genannt. Der Mittelmeerthun ist nicht nur fast ausgestorben, sondern wird in Aquakulturen für jedes Kilo Fleisch mit zwanzig Kilo Kleinfischen gemästet, die auch für Menschen essbar wären. Die jungen Thune werden beim Fang nämlich nicht ins Meer zurückgelassen, sondern mitsamt dem Netz zu den Farmen gezogen, wo sie dann auf Gewicht gebracht werden.

Die Fischfangnationen der Welt ringen auf mancher Konferenz um die Rettung der Thune, aber die Erfolge bleiben aus. Japan, das achtzig Prozent des jährlichen Fangs importiert, versucht mit allen Mitteln, wirksame Strategien zu verhindern. Und wo die doch mal greifen, sind schnell die Schwarzfischer am Werk, die sich keine Chance auf einen schnellen Dollar (oder Yen) entgehen lassen. Zuletzt sah man das sehr schön, als während der Unruhen in Libyen die Thunfischtrawler mancher Länder vor der Küste kreuzten und in aller Seelenruhe sämtliche Verbote missachteten.

Die Wissenschaftler arbeiten weltweit an Projekten, um die Thunfische vor dem Aussterben zu retten, aber die Erfolge sind sehr mässig. Eine echte Zucht ist bisher nicht möglich und wenn man sich die jährlichen Fangmengen ansieht, fragt man sich schon, wie die auch nur ein paar Prozent davon erreichen wollen.

Das Arten aussterben, daran haben wir uns längst gewöhnt. Bisher waren es meist unbekannte oder unbedeutende Arten, jetzt geht es langsam ans Eingemachte. Aber das wisst ihr ja selbst….. Ich habe mittlerweile gelernt, dass die Menschen manches reissen können, wenn es wirklich darauf ankommt. Beim Thunfisch habe ich da so meine Zweifel. Aber vielleicht muss auch erst so eine bekannte Art wie der Thunfisch verschwinden, damit wir alle merken, was da grade abgeht. Und vielleicht, ja ein kleines bißchen vielleicht erholt er sich ja doch wieder. Nicht alle, aber ein paar davon.


Darf ich noch Thunfisch essen?



Wenn man es genau nimmt, dann heisst die Antwort "NEIN". Aber weil Verbote meist nur das Gegenteil bewirken, gibt es auch beim Thunfisch Ausnahmen. Mittlerweile gibt es eine ganze Menge an Siegeln und Zeichen, die uns helfen sollen, den richtigen Thunfisch zu erkennen.

Am meisten bekannt ist das MSC-Siegel, findet man auch häufig in unseren Supermärkten an der Fischtheke. Dieses Siegel ist nicht ganz unumstritten, aber wenn man nur noch Fisch mit diesem Siegel kauft, ist zumindest der erste Schritt getan.

In deutschen Supermärkten findet sich weitgehend Bonito in den Dosen, ein relativ kleiner Fisch mit bis zu drei Kilo, der im Atlantik und Pazifik vorkommt. Über seine Bestände gibt es keine Erkenntnisse, einige Organisationen raten deshalb auch von seinem Verzehr ab. Häufig findet man in deutschen Dosen auch den unechten Bonito, eine Makrelenart, über die ebenfalls wenig bekannt ist und die bis neun Kilo schwer wird.

Der "bessere" Thunfisch ist meist mit der Handangel oder zumindest delfinsicher gefangen, stammt nicht aus den besonders gefährdeten Arten und ist auch hoffentlich nicht Quecksilber- oder Schwermetall belastet. Weil der Thunfisch an der Spitze der Nahrungskette steht, nimmt er nämlich jeden Dreck zu sich, den seine Beute mal gefressen hat. Aber diese Gefahr ist anscheinend zurück gegangen, auch weil heutzutage wesentlich jüngere Fische gefangen werden.

Bleibt noch anzumerken, dass von den gesunden Ölen und Fetten des Thunfisches beim Eindosen das meiste verloren geht. Am Besten isst man ihn frisch. Aus der Dose kommt an Gutem nur noch das Öl, in dem er eingelegt ist, alles weitere wurde vorher ausgekocht.
Weiter unten findet ihr eine Liste mit vielen Marken, die als Delfinsicher gelten, einige davon gibt es bestimmt auch in eurem Supermarkt.




Bei den Links habe ich mich bemüht, aktuell zu bleiben. Bis auf einen Ausrutscher gehen sie alle nur bis 2008 zurück, beinhalten also relativ aktuelle Zahlen. Ausserdem stammen fast alle Infos dieses Beitrags daraus.

Fischbestände bei Thunfisch und Makrele
Thunfische
Überfischung derThunfische
Welt der Wunder
Rote Liste Thunfisch (englisch)
Schützen Sie den Thunfisch
Geo-Thunfisch
Thunfisch-Liste bei Delfinschutz.org
Thunfisch-Liste beim Testmagazin
Rettung in letzter Minute?
WWF
D-Radio im Gespräch
Blauflossenthun und Sea-Shepherd
Bestände geschrumpft
Auch Schwertfisch bedroht
Roter Thun
Das MSC-Siegel
Mehr zum MSC-Siegel
Verschiedene Thunfische