Das Spinnen

Diese Angeltechnik entstand in den angelsächsischen Ländern bereits am Beginn des 20. Jh. und hat in den letzten Jahrzehnten auch auf dem Kontinent überall Fuß gefasst. Da diese Methode nicht nur einen beträchtlichen Fangerfolg bringt, sondern auch als sportliche und hoch interessante Technik gilt, erfreut sie sich in letzter Zeit wachsender Beliebtheit. Dabei benutzt man ausschließlich spezielle Kunstköder in verschiedenen Farben, Größen und Formen, mit denen unterschiedliche Wassertiefen abgefischt werden. Diese Metallgebilde geben im Wasser Signale wie Schwingungen und Lichtreflexe ab, dieb jenen der Beute mancher Raubfische ähneln, und erregen damit das Interesse der Räuber. Es können aber auch Köder aus Gummi oder tote Köderfische angeboten werden (je nach Fischart). Andere Faktoren, die eine Rolle spielen, wenn ein Fisch an den Kunstköder geht, sind neben dem Nahrungstrieb - dem auch nicht räuberische Fische manchmal erliegen - vor allem auch instinktives Revierverhalten, da in dem blinkenden Metallstück ein Eindringling gesehen wird.
All das macht das Spinnen zu einer extrem wirksamen Angelmethode. Der Angler lernt dabei viel über die Gewohnheiten und das Verhalten der Fische, probiert immer wieder neue Kunstköder aus und versucht mit allerlei Tricks und Kniffen, den Fisch zu überlisten und an den Köder zu locken.
Bei Spinnen wird besonders auf Forellen, Döbel (Aitel), Hecht, Barsch und Zander geangelt.


Ausrüstung:

Wie bei allen anderen Techniken gilt auch hier, dass das Gerät der Fischart angepasst sein muss, auf die man angeln will. Es gibt keine universelle Spinnrute, die sowohl für eine schlanke Forelle als auch für einen kapitalen Hecht geeignet wäre. Jede Spinnrute ist für ein gewisses Wurfgewicht ausgelegt, über dem Maximum arbeitet sie nicht mehr optimal. Die Länge variiert gewöhnlich zwischen 1,5 und 2,6 m, je nach Gewässerart, Art des verwendeten Kunstköders und Fischart. An Gebirgsbäche wählt man eine nicht so lange Rute (1,8 m maximal) mit einem Wurfgewicht zwischen 3 und 6 g. Breitere Bäche und Flüsse verlangen größere Wurfweiten, daher sind Ruten bis 2,1 m mit einem Wurfgewicht von bis zu 20g zu empfehlen. Noch längere Ruten benutzt man beim Angeln auf kapitale Räuber in Seen, an Talsperren oder an breiten Flüssen. Dort kann es schon mal vorkommen, dass man auch Spinnruten über 3 m antrifft.
Heute bestehen fast alle Spinnruten aus zwei Teilen, was eine harmonische Aktion gewährleistet. Es gibt aber auch mehrteilige Modelle, die vor allem aus Gründen der Bequemlichkeit und will sie sich auch gut im Rucksack ins Gebirge mitnehmen lassen, beliebt sind.
Hat man die richtige Rute gefunden, geht es ans Auswählen der Rolle, eines ebenfalls wichtigen Teils der Ausrüstung des Spinnanglers, der mit den Fluchtversuchen kapitaler Gegner fertig werden muss.
Die Hauptanforderung an die Qualität ist die robuste Bauart, aber auch andere Kriterien, wie hohe Übersetzung und eine gute, weiche Bremse sind wichtig, eine konische Spule ist von Vorteil, da die Schnur leichter abgezogen werden kann.
Die Schnur, ein hochwertiges Monofil, muss auch einiges an Beanspruchung aushalten. Der Durchmesser sollte mindestens 0,14 bis 0,18 mm betragen. Beim Spinnen mit schwereren Ködern auf kapitale Fische kann die Schnur stärker sein (bis zu 0,30 mm). Sie sollte weich, dehnungsarm und abriebfest sein, sowie eine gute Knotenfestigkeit aufweisen.


Köder:

Die Auswahl ist grenzenlos, und jedes Jahr kommen neue Varianten dazu. So hat der Angler die Qual der Wahl, wenn es darum geht, den besten Spinnköder zu finden. Die Erfahrung lehrt, dass es nicht unbedingt notwendig ist, über den allerneusten Löffel, oder Spinner mit allen technischen Raffinessen zu verfügen, denn die besten Resultate werden nach wie vor mit einigen wenigen, sorgsam ausgewählten Exemplaren erzielt. Hier möchte ich die wichtigsten der auf dem Markt erhältlichen Spinnköder kurz vorstellen.
Da wäre zum einen der sogenannte Spinner, der, wie der Name schon vermuten lässt, nach wie vor der klassische Köder beim Spinnen ist und in allen Gewässerarten eingesetzt werden kann. Er besteht aus einem mehr oder weniger schlanken, ovalen bis weidenblattförmigen Metallplättchen, dass sich um eine feste Achse aus rostfreiem Stahl dreht. Am Ende der Achse, die auch bebleit sein kann, sitzt ein Drillingshaken. Der Spinner bewegt sich beim Einholen, und die von einer Bewegung ausgehenden Schwingungen, sowie das Farbenspiel beim Aufblitzen der Lichtreflexe auf dem Metall, täuscht ein verletztes oder krankes Fischchen vor. Die Spinner sind nach Gewichtsklassen unterteilt und gekennzeichnet, was die Wahl des richtigen Köders für die betreffende Fischart erheblich erleichtert. Je nach Strömung, Gewässerart und Wurfgewicht der Rute, wird man das entsprechende Gewicht wählen.
So wird man in Gebirgsbächen den Spinnern der Klasse 1 und 2 den Vorzug geben. Zum Raubfischangeln in tieferen Gewässern sind schwerere Exemplare der Klasse 5 und 6 gefragt. Auch bei den Farben gibt es eine große Auswahl, die wichtigsten Farbstellungen sind Gold, Silber, Kupfer, Bronze und Schwarz. Die Farbwahl hängt weitgehend von den Witterungsbedingungen ab. im Allgemeinen sind bei trübem Wasser und bedecktem Himmel helle Farben fängiger, dunkle Farben sind besser für tiefe Wasser und kalte Wetter geeignet.
Ein anderer, ebenfalls sehr verbreiteter Spinnköder ist der Löffel oder Blinker, ein mehr oder weniger in sich gebogenes Metallplättchen, dass mit dem Kopfende an der Vorfachspitze befestigt wird und am Schwanzende einen meist größeren Drillingshaken trägt. Im Wasser bewegen sich die Blinker bei Einholen taumelt und ahmen so einen flüchtenden Fisch nach, eine Täuschung, für die mancher Räuber hereinfällt. Die Formen sind unterschiedlich: Manchmal breit und dünn, dann wieder länglich und kompakt. Die erstere Art erweist sich vor allem bei nicht besonders angriffslustigen Fischen als fängig, die zweitere eher bei solchen, die aggressiv und entschlossen auf die Beute oder den Eindringling losgehen.
Beide Arten entfalten ihr Potential am besten in Seen und eher tiefen Flüssen, wo oft kapitale Fänge erzielt werden. Andere bei Spinnanglern beliebte Köder sind die sogenannten Wobbler und die Gummifische, die auf mehr oder weniger naturgetreue Art verschiedene kleine Süßwasserfische imitieren. Die Wobbler verdanken ihr natürliches Tauchverhalten einer kleiner Schaufel unter dem Kopfende. Sie sind meist aus Gummi oder Balsaholz gefertigt und in verschiedenen Grammaturen für leichte bis schwere Spinnruten erhältlich. die Wobbler werden in drei Gruppen unterteilt: Da gibt es die sogenannten Schwimmwobbler, die zunächst an der Oberfläche schwimmen und nur auf Zug knapp unter Wasseroberfläche tauchen; die Tauchwobbler, die sofort abtauchen und beim Einholen in gleicher Tiefe bleiben; und die Gliederwobbler, die aus zwei beweglich miteinander verbundenen Teile bestehen, wodurch sie besonders natürliche und auffällig taumelnde und tänzelnde Bewegungen vollführen. Die Gummifische haben ein ähnlich regelmäßiges Profil wie die Wobbler, sind jedoch walzenförmig und sehen wie bizarre, aufgeblasene Fischchen aus. Sie sind in AmerFischchen aus. Sie sind in Amer damit vorzugsweise auf den Schwarzbarsch fischt. Sie sind auch sehr gute Spinnköder für Zander und Hecht, da ihre Zick-Zack-Bewegungen offenbar besonders herausfordernd auf Raubfische wirkt. Erfahrene Schwarzbarschangler verwnden oft Fantasieköder, wie Buzzer und Popper, mit denen auch Rapfen und so mancher Hecht gefangen werden.
Zu den bewährten Gummiködern zählen weiters die Twister, langschwänzige Würmer, aus oft grell gefärbten Weichplastik, die beim Einholen taumeln und tanzen und für Zander und Barsch einen sehr anziehenden Köder darstellen.


Angeltechnik


Wurftechnik:

Auch beim Spinnfischen ist die Wurftechnik von großer Bedeutung. Um den Köder in oft erheblicher Entfernung so zu platzieren, dass er möglichst genau im Blickfeld des Raubfisches landet, muss der Angler in der Lage sein, präzise zu werfen. Diese Fähigkeit lässt sich nur mit einiger Übung erlernen. Der Angler hat natürlich bereits zuvor dafür gesorgt, dass Wurfgewicht und Rute zusammenpassen und das auch die von ihm gewünschte Weite mit diesem Gerät zu erreichen ist. Nun fasste er die Rute mit der rechten Hand so am Handteil, dass die Rollenauflage zwischen Mittel- und Ringfinger liegt. Dann wird der Schnurfangbügel geöffnet und die Schnur mit dem letzten Glied des Zeigefingers gegen den Rutengriff festgehalten. Für den Überkopfwurf sollen etwa 30 cm Schnur von der Rutenspitze hängen. Dann wird die hinter den Rücken geführt. Mit einem energischen Schlag führt man sie nach vorne. Der Zeigefinger gibt die Schnur frei, sobald der Spinnköder in die gewünschte Wurfrichtung zeigt. Mit dieser Wurftechnik kann man - vorausgesetzt, die Bewegung verläuft fließend - große Weiten erzielen und die gewählte Angelstelle punktgenau erreichen.
Außerdem ist es die einzig mögliche Wurftechnik, wenn natürliche Hindernisse, wie Felsen oder Bäume, in denen sich die Schnur verfangen könnte, die seitliche Bewegungsfreiheit einschränken. Allerdings muss dafür genügend Rückenfreiheit vorhanden sein. Ist dies nicht der Fall, weicht man auf den Seitenwurf aus, der nach links oder nach rechts ausgeführt werden kann. Beim Seitenwurf von recht wird die Rute parallel zur Wasseroberfläche von rechts nach links am Körper vorbeigeführt.
Die Rute wird nach hinten geführt und dann energisch nach vorne beschleunigt, sobald man die Schnur freigibt, schießt sie vom Gewicht des Spinnköders gezogen davon. Beim Seitenwurf von links wird die Rute an der linken Körperseite vorbei nach vorne geführt, der rechte Arm führt eine Drehung von 90° zum Wurfziel aus, der Köder soll in einer flachen Bahn über die Wasseroberfläche hinwegfliegen.
Natürlich kann es auch vorkommen, dass der Angler weder hinter sich noch links oder rechts von seinem Standort genügend Platz zum Ausholen vorfindet. Hier kann er sich immer noch mit dem Pendel - oder Unterhandwurf behelfen. Gerade an kleinen Gebirgsbächen mit unwegsamen Ufer, wo die Wurfweite gering und genaues Zielen umso wichtiger ist, wird oft auf diese Art geworfen. Dabei wird die Rute durch Beugen des rechten Unterarmes nach unten geführt, um den Spinnköder von dort aus die nötige Beschleunigung zu verleihen, dann lässt man die Rute durch einen kurzen Ruck aus dem Handgelenk von unten nach oben schnellen, sodass der Köder in die gewünschte Richtung fliegt.
Hat sich der Neuling ersteinmal mit diesen Grundtechniken vertraut gemacht, wird es nicht lange dauern, bis er seine Wurftechnik jeder Umgebungssituation anpassen kann. Dabei wird er sicherlich oft von Mischformen oder Abwandlungen dieser Grundwürfe Gebrauch machen.


Die Landung:

Nach dem Werfen geht es darum, den Spinnköder so einzuholen, dass er Bewegungen ausführt, die die Neugier und die Angriffslust der Raubfische weckt. Diese Phase ist sicherlich die entscheidenste für den Erfolg des gesamten Unternehmens, denn je besser man es versteht, mit abwechseln langsamen und schnellem Einholen, kleinen Zupfern aus dem Handgelenk oder anderen Tricks den Spinnköder richtig schön taumeln zu lassen und sozusagen zu leben erwecken, um so eher wird man sich am Ende des Tages über reiche Beute freuen können. Wer annimmt, wenn man nur gut genug geworfen hätte, würde mechanisches Einholen genügen, um zum Ziel zu kommen, der irrt. Jetzt erst ist der Einfallsreichtum des Anglers gefragt, und das ist es, was für viele Spinnangler die eigentliche Herausforderung darstellt. Mit zahlreichen Manövern veranlassen sie den Spinnköder dazu, mit wechselnder Geschwindigkeit verschiedene Bewegungen auszuführen, durch die es die Aufmerksamkeit des Fisches erregt. Beim Einholen verhält sich jeder Kunstköder anders, und diese Beweglichkeit gilt es optimal zu nutzen. Wie man dies tut, hängt von der Strömung, der Wassertiefe und natürlich auch vom Bissverhalten des Beutefisches ab.
Die einfachste Art ist, den Köder mit gleichbleibender Geschwindigkeit einzuholen. Dagegen ist nichts einzuwenden, allerdings sollte man vermeiden, ihn dabei immer auf der selben geraden Linie zu halten. Mehr Erfolg hat man jedoch sicherlich, wenn man den Köder unregelmäßiger arbeiten lässt. In diesem Bereich kann der Angler viel Kreativität einbringen und die bisher gemachten Erfahrungen nutzen.
Immer wieder wechselt man die Geschwindigkeit, wiederholte, nicht zu auslandende Seitwärtsbewegung der Rute simulieren natürliches Schwimmverhalten. Gleichzeitig wirkt die überraschende, wirbelnde Eigenbewegung des so geführten Spinnköders ungewöhnlich genug, um den lauernden Raubfisch aufzufallen und seine Angriffslust zu wecken. Dabei muss der Angler den Köder im Auge zu behalten, denn der Biss kann in jeder Phase des Einholens kommen, gleich nach dem Wurf, aber auch in Ufernähe, unmittelbar vor dem Standort des Anglers.
In der kalten Jahreszeit, wenn die Fische in die tieferen Wasserregionen absteigen, hat es natürlich keinen Sinn, den Köder knapp unter der Oberfläche arbeiten zu lassen. Man führt ihn tiefer, näher zum Grund und geht beim Einholen sehr langsam und vorsichtig vor. Immer wieder hält man ihn kurz an, damit sich die Fische nähern und aufmerksam werden. Diese Technik erfordert einige Erfahrung und Geschicklichkeit, denn das Risiko, dass sich der Kunstköder an Hindernissen auf dem Grund verhaut, ist relativ hoch und der Verlust der oft kostspieligen Spinnköder schmerzlich.

Quelle: WISSENSWERTES SPORT - TECHNIK - "Angeln" (Verlegt Bei Kaiser)
(Hinweis: Einige kleine Änderungen am Text !i!)