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    Renaturierung der Spree bei Halbendorf/Spree - Lömischau

    Ahoi,

    ich habe da einen recht interessanten Artikel gefunden den ich euch nicht vorenthalten möchte:

    Die Spree kehrt in ihr Bett zurück

    Im Biosphärenreservat wird der Fluss wieder in seinen alten Lauf verlegt. Das soll auch die Quappe retten.













    Haben Sie schon mal Quappe gegessen? Nein? Das wäre nicht verwunderlich, denn kaum jemand kennt den einst so beliebten Speisefisch noch in dieser Gegend. Dabei war die Quappe, ein Knochenfisch aus der Ordnung der Dorschartigen, auf dem Bautzener Wochenmarkt einst sehr gefragt. Die Fischer holten sie zuhauf aus der Spree, dazu auch noch Äschen und Barben. Bis vor 90 Jahren war das so.

    Längst haben sich die Flussfische hier aus der Spree davongemacht. „Eine logische Folge der Begradigung“, erklärt Jan Peper. Der promovierte Landschaftsökologe ist einer der beiden Projektverantwortlichen für das größte Vorhaben, das in den nächsten Jahren im Oberlausitzer Biosphärenreservat starten wird: Auf rund sieben Flusskilometern zwischen Lömischau und Lieske soll die Spree so weit wie möglich wieder in ihr altes Flussbett zurückverlegt werden.


    Die Idee: Schutz vor Hochwasser

    Das alte Bett hatte ihr ein gigantisches Großprojekt Anfang der 1930er-Jahre genommen, als Hunderte Arbeiter dem Fluss einen neuen, möglichst geraden Kanal schaufelten. Bis dahin hatte sich die Spree in unzähligen Mäandern durchs Heide- und Teichland geschlängelt, war munter über Sand- und Kiesbänke geplätschert, hatte sich tief in steile Uferhänge eingeschnitten. Mit der Begradigung, so die Idee von damals, sollte das Wasser möglichst schnell nach Preußen abfließen – vor allem bei Hochwasser. Und aus den natürlich-feuchten Auenwiesen sollte Ackerland werden.

    „Aber das erhoffte Ziel der Planungen damals wurde gründlich verfehlt“, weiß Daniel Steinmüller, Bauingenieur bei der Landestalsperrenverwaltung und der zweite Verantwortliche für das große Renaturierungsprojekt. „Die Hochwassergefahr hat sich für die Anlieger der Spree mit der Begradigung nicht verringert, sondern ist sogar noch gestiegen“, sagt Steinmüller. Die Hochwassergefahr zu verringern ist deshalb einer der Hauptgründe, warum die Spree jetzt – ein knappes Jahrhundert später – wieder in ihr altes Bett zurückgeleitet werden soll. Ein zweites großes Ziel ist es, den ökologischen Zustand des Wassers wieder so weit zu verbessern, dass Quappen, Äschen und Barben wieder in die Spree zurückkehren können – und dass der Fluss auch anderen seltenen Tierarten wieder mehr und besseren Lebensraum bietet. Unter anderem auch dem Eisvogel.


    Flussfische brauchen klares Wasser

    Die Wehre im begradigten Flusslauf hatten den Fischen ihren Lebensraum genommen. Über die Staustufen konnten sie nicht mehr flussaufwärts wandern, auch ist das Flussbett dadurch immer weiter verschlammt. Flussfische aber brauchen klares Wasser und Sandbänke. Mit der Begradigung der Spree trockneten zudem die Auenwälder zusehends aus, und in der Region sank der Grundwasserspiegel. Die verbliebenen Altarme, anfangs noch beliebte Angelgewässer, verschlammten zusehends.

    Jan Peper vom Biosphärenreservat und Daniel Steinmüller von der Landestalsperrenverwaltung haben sich in einem Erlenbruch bei Lömischau getroffen. Hier ist die Spree einst entlanggeflossen. Geblieben ist davon nur ein Altarm. Ein stehendes und weitgehend totes Gewässer. Hier entlang soll die Spree eines Tages wieder fließen.


    Konkrete Pläne seit 2013

    Pläne für das Projekt gibt es schon lange. Gleich nach der Wende hatte es erste Überlegungen gegeben, erzählt Jan Peper. Aber weil das Vorhaben so ein großer Aufwand ist, wurden sie immer wieder zurückgestellt. Die Hochwasser 2010 und 2013 haben dem Vorhaben offensichtlich wieder Nachdruck verschafft. Seit 2013 werden die Pläne konkret.

    Auf dem Papier ist die Rückverlegung der Spree vorerst in die beiden Altarme bei Lömischau und bei Halbendorf bereits fertig. Das Planfeststellungsverfahren, bei dem alle Anlieger und Beteiligten gehört werden, läuft. Wenn es keine größeren Einwände gibt, könnten Ende 2017 die ersten Bagger anrücken. Hier am Altwasser bei Lömischau soll es losgehen. Der Altarm ist heute ein weitgehend totes Gewässer. Mindestens einen Meter dick schätzt Peper die Schicht aus Faulschlamm, die in den letzten 90 Jahren in dem stehenden Wasser gewachsen ist. Im vorigen Sommer, der viel zu trocken war, ist der Altarm sogar ausgetrocknet, erzählt der 34-Jährige.


    Bauarbeiten dauern mehrere Jahre

    Hier an dieser Stelle werden die Bauarbeiten beginnen. „Wir werden direkt im Wasser arbeiten, um die Natur in der Umgebung so wenig wie nur möglich zu stören“, erklärt Daniel Steinmüller von der Landestalsperrenverwaltung. Neben dem Ausbaggern der Altarme müssen auch Wehre zurückgebaut und die künstlich angelegten Uferdämme wieder durchbrochen werden. Mittendrin im Gebiet liegt Halbendorf, der Ort, der besonders stark von Hochwassern heimgesucht wird. Im Rahmen des Projekts werden deshalb auch noch zusätzliche verschiedene Varianten für einen besseren Hochwasserschutz untersucht. Insgesamt werden die Bauarbeiten mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Wenn die Rückverlegung in die ersten beiden Altarme gelungen ist, wird die Spree im Biosphärenreservat anderthalb Kilometer länger sein.

    Der Fluss wird sich wieder ausbreiten können. Er darf sich bewegen und sich auch ruhig in die Uferböschungen graben. Er darf wieder steile Böschungen auswaschen, in denen der Eisvogel seine Höhle bauen kann. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt unterstützt das Projekt. Sachsenweit ist es einmalig. Und ein Modellprojekt: „Wir wollen zeigen, wie die Renaturierung einer Flusslandschaft gelingen kann“, sagt Jan Peper. Das Ziel ist klar: „Aue und Fluss sollen wieder leben“, wünscht sich der Landschaftsökologe. „Wenn nicht im Biosphärenreservat, wo dann?“



    Vielleicht werden auf dem Wochenmarkt in Bautzen ja eines Tages auch wieder Quappen angeboten. Die galten einst schließlich als hervorragende Speisefische, von Feinschmeckern äußerst beliebt. Heute allerdings gehört die Quappe in Deutschland zu den stark gefährdeten Arten.
    Original: http://www.sz-online.de/nachrichten/...k-3381926.html

  2. Folgende 2 Petrijünger bedanken sich bei loerdchen für den nützlichen Beitrag:


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