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  1. #1
    Super-Profi-Petrijünger
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    Romane schreiben

    Hi Leute,

    abseits vom Angeln beschäftige ich mich liebend gerne mit Literatur. Dabei sind mir historische Romane recht, aber auch Fantasy, wenn Sie nicht zu sehr abdreht(Eragon, HdR, GoT etc). Ich lese diese Sachen sehr gerne, aber ich schreibe auch sehr gerne Geschichten. Habe mich schon öfter daran probiert und auch gute bis sehr gute Kritiken bekommen (die Frage ist, wie objektiv diese sind xD)

    Im Moment arbeite ich an meinem ersten großen Projekt, welches eine Fantasyromanreihe mit den üblichen mittelalterlichen Komponenten werden soll. Die Idee steht bereits und Vorarbeiten, storyverlauf, spannungsbogen etc. sind auch schon ausgearbeitet. Hätten denn Leute, die an solcher Literatur Interesse haben, Lust ab und zu mal ein Kapitel Probe zu lesen mit einer konstruktiven Kritik bzw. der Empfehlung es lieber sein zu lassen?
    Gleichzeitig wollte ich den Thread nutzen, um evtl. Gleichgesinnte in der Anglergemeinde zu finden, die dieses Hobby teilen! Gibt es diese?
    Viele Grüße und Petri Chris

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  2. Der folgende Petrijünger sagt danke an Chris88 für diesen nützlichen Beitrag:


  3. #2
    C&R Avatar von roland_p
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    Ich stelle mich gerne als Hobby Lektor zur Verfügung.

    Ich lese sehr viel und breit gefächert, von Urban Fantasie bis Krimi darf alles vertreten sein.

    Grüße



  4. #3
    Gummizuppler Avatar von Neutzel
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    Bei Fantasy klinke ich mich auch gerne als Leser mit ein
    mfg Jens


    ...manche Dinge greift man mit Worten so vergeblich an wie Geister mit Waffen

    IG Thueringer Gewaesserperlen

  5. #4
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    MA Literatur liegt mir auch und Fantasy sowieso. Würde mich auch als Lektor zur Verfügung stellen.
    C&R Debatten Nerven und bringen nix!!!!

    Geht fischen und hört auf zu streiten!

  6. #5
    Super-Profi-Petrijünger
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    Hey, vielen Dank euch erstmal! Ich werde euch dann benchrichtigen, wenn es so weit ist
    Grüße und Petri chris

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  7. #6
    Super-Profi-Petrijünger
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    Hallöle,


    sooo der Prolog ist fertig und ich dachte mir, ich poste ihn einfach mal hier. Auf Rechtschreibung braucht ihr nicht so zu achten. Dieses Lektorat ist noch nicht fertig. Mir geht es hauptsächlich darum, ob es den Geschmack von Lesern trifft, die gerne (so wie ich) Fantasyliteratur lesen. Letztendlich soll dieses Buch(bzw. Reihe) ein komplettes Universum werden. Also mit Weltkarte etc. was so dazugehört.
    Mir ist wichtig, ob es in dem eine Stelle gibt, wo ihr sagt, jetzt wird´s langweilig, ich leg das Buch weg, oder ob gute Spannung aufkommt?
    Außerdem würde mich interessieren, wie ihr meinen Schreibstil findet? Ist es euch flüssig genug geschrieben oder hakt es irgendwo?
    Also wenn ihr mal ein paar Minuten frei habt, gönnt euch dieses Lektüre
    Vielen, vielen Dank euch!
    Bitte um gnadenlos ehrliche Kritik




    Arbeitstitel: Der König der Erzinsel

    Prolog
    Grein hielt den kleinen, mysteriösen Zettel fest in der linken Hand, als er eilig die abgewetzten Stufen der Treppe des trutzig wirkenden Kastells hinuntersetzte. Es war nicht das erste Mal, dass ihn einer der Soldaten des Prinzregentenhatte rufen lassen um durch ihn eine Nachricht zu überbringen. Für gewöhnlich jedoch wurde ihm die Nachricht mündlich mitgeteilt. Heute hatte er einen kleinen Pergamentfetzen und zwei Kupfermünzen erhalten. Auch der Adressat war höchst ungewöhnlich, was ihn eine gewisse Neugier verspüren ließ.
    Alessa.

    Als Dienstbote in des Königs Palast in seiner unscheinbaren blau-roten Dienstkleidung mit seinen verwuschelten Haaren lag es in der Natur der Dinge, dass er zumeist die geheimsten Dinge, die sich erzählt wurden, erfuhr. Oft nahmen die hohen Ritter des Hofes ihn überhaupt nicht wahr, da er für Sie bloß einer jener vielen namenlosen Burschen war. Zumeist blickten Sie einfach durch ihn hindurch und daher erfuhr er oft als Erster die wichtigsten Neuigkeiten, die sich bei Hofe erzählt wurden.
    Diese Nachricht jedoch musste etwas Besonderes sein.

    Er verdiente sich gerne ein kleines Zubrot und so hatte er in den drei Jahren seines Dienstes am Hof schnell gelernt, dass Informationen nichts anderes waren als jede andere Ware auch. Gute Informationen waren den richtigen Leuten viele Münzen wert, freute er sich insgeheim, während er weiter die Treppe hinuntereilte Die zwei Kupferstücke waren mehr als
    der doppelte Lohn, den er normalerweise für eine rasche Botschaft zugeworfen bekam. Nun ja, dies würde sein Schaden nicht sein.
    Mit den Schuhen die aus einfachen Sackleinen gemacht waren, kam er rutschend auf dem glatten Granitboden am Ende der Treppe, die an der Südecke des Kastells lag, zu stehen.

    Das Kastell war der innerste, wehrhafteste Teil des riesigen Palastes. Mit den mehreren Fuß starken Außenmauern und den vier Ecktürmen. beherbergte es die Gemächer der Königsritter, welche verschwenderisch ausgestattet und mit
    Ziergold zwischen den Marmorplatten ausgelegt waren. Dem Umstand, dass es trotz dieser kriegerischen Zeiten im Königreich derzeit keinen König gab, verdankten die Ritter der beiden Königssöhne ihre derzeitigen luxuriösen Gemächer im Kastell. Diese waren sonst den Männern des Königs vorbehalten, doch nun hatten die vom Krieg erschöpften, raubeinigen Ritter ihn in Beschlag genommen.

    Grein wusste, das Alessa, besser bekannt als die Jungfrau von Arothien, nicht im Kastell wohnte, da ihr Vater der Baron von Arothien war und sie nur hier weilten um der Kriegsfront, die Arothien in den letzten Tagen immer näher gekommen war, zu entkommen. Um zu ihrem Gemach zu gelangen, musste er den von zwei steinernen Säulengängen umrahmten Park vor dem Kastell durchqueren und auf der anderen Seite durch eine Seitentür in das Gästehaus des Palastes schlüpfen.
    Doch erst hatte er noch etwas Anderes vor. Er wendete sich von der Tür ab, drehte sich der marmornen Treppe auf der linken Seite des Aufgangs zu und stieg diese flink hinauf. Als er oben angelangt war, kam er in den belebteren Teil des Palastes. Je näher er den Gemächern des jüngeren Prinzen kam, desto lauter und ausgelassener wurde das fröhliche Getuschel und Gelächter, welches den Palast trotz dieser unruhigen Zeiten oft erhellte. Auf dem Gang, an dessen Seiten eisenbeschlagene Truhen standen und alte Gemälde von längst vergessenen Königen hingen, kamen ihm stark geschminkte
    Edelfräulein mit federndem Kopfschmuck entgegen, die sich von Rittern in glänzenden Harnischen, die mit riesigen Breitschwertern gegürtet waren, begleiten ließen. In diesem Teil des Palastes war das Tragen von Waffen zu Kriegszeiten erlaubt, wusste Grein. Die Edelleute würdigten ihn jedoch
    wie üblich keines Blickes und liefen laut schwatzend an ihm vorbei. Mit seinem kleinen, jungenhaften Körper huschte er flink zwischen den vielen Menschen durch, sodass er schneller vorankam. In den letzten Wochen waren immer mehr Menschen in dem Palast eingetroffen, die vor dem Krieg auf Ihren Ländereien flüchteten. Seine Anspannung stieg. War die Nachricht
    wirklich so wichtig, wie er sich erhofft hatte, oder hatte er die Indizien falsch gedeutet. Er wusste, dass sich die Prinzenbrüder verabscheuten. Weshalb dies so war, konnte er nicht sagen. Als er darüber nachsann, verspürte er auf einmal einen heftigen Schlag an der Brust, als er gegen etwas gegenrannte und zurücktaumelte. Schnell riss Grein den Kopf hoch. Verdammt! Er war direkt in die Leibwache des Prinzen hineingerannt. Der große, muskulöse Ritter den er an seinem Brustharnisch angerempelt hatte, hob schwerfällig den linken Arm, schlug ihn hart mit dem Handrücken ins Gesicht, dass er zu Boden fiel und brüllte:
    „Was soll das Bursche? Hast du keine Augen im Kopf?
    Du Tölpel! Scher dich weg, solange du noch kannst!“

    Eine ehrfürchtige Stille hatte das Getuschel auf dem ganzen Gang unterbrochen. Grein fühlte das seine Lippe aufgeplatzt war und Blut auf sein bartloses, Kinn hinunterlief. Er fuhr sich schnell mit der Zunge über die schmerzende Stelle um das Blut abzulecken.
    „Verzeiht Sir..ähh…“, erhob er sich dann langsam, vor
    Schreck und Furcht zitternd, „ …verzeiht meine Unachtsamkeit…Ich,ich….ich habe eine Nachricht für den Prinzen.“ antwortete er, während seine Anspannung keinen Fußbreit wich.
    Das fing ja gut an.

    „Was soll das für eine Nachricht sein du Nichtsnutz? Gib sie her und verschwinde“, blaffte ihn der Ritter an, während die anderen Ritter ihn beobachteten. Grein schaute jetzt vorsichtig zu ihm auf und erkannte den Ritter. Seine Anspannung wich langsam dem hoffnungsvollen, verlockenden Verlangen nach einer kleinen Belohnung. Dies war Sir Gero Krelanti, der engste Vertraute des jüngeren Prinzen. Er hatte eine markante Nase, die in einigen Schlachten dieses harten Krieges gebrochen worden sein musste und seine harten Gesichtszüge mit den kurzen grauen Haaren gaben ihm ein kaltes, unnahbares und militärisches Aussehen. Er hatte sich in dem schon sechs Jahre dauernden Krieg mit dem Königreich der Taranthier durch
    seine grausamen Kriegskünste bereits einen großen Namen gemacht. Grein wusste aber auch, dass Sir Geros Vater, einst ein hoch angesehener Ritter, auf die Erzinsel verbannt worden war, die, mochte man dem Volksmund glauben schenken, keiner mehr lebend verließ. Der Grund dafür war eines der
    wenigen Geheimnisse die Grein noch nicht hatte lüften können.

    „Ähhhm…dies ist nicht so einfach Herr. Die Nachricht hat…nun ja, sie hat eigentlich einen anderen…“
    „Ahhhh, ich verstehe!“, unterbrach ihn der Ritter und schien seinen Zorn völlig vergessen zu haben. „Gib mir das Pergament und warte hier, Junge. Dann schauen wir mal, ob du noch eine Tracht Prügel verdienst.“

    Grein zog den Fetzen aus seiner Gewandtasche und gab diesen Sir Gero, der damit auf dem Absatz kehrtmachte und zwei Türen weiter im Gemach des Prinzen verschwand. Die anderen Ritter beäugten Grein erst argwöhnisch, verloren dann aber das Interesse an ihm und fingen an, sich untereinander über den Kriegsverlauf zu unterhalten. Es waren einige Leute bei diesem kleinen Zwischenfall stehen geblieben, die jetzt aber auch das Interesse verloren, da sie in ihren Erwartungen enttäuscht worden waren und
    nichts Aufregendes mehr geschah. Das Getuschel und Gerede im Gang setzte langsam wieder ein, während die Menschen weitergingen. Grein fand die Atmosphäre, die zwischen den grausamen Kriegsgeschichten, welche die Soldaten erzählten und dem ausschweifenden Leben am Hofe schwankte, sehr
    merkwürdig. Wahrscheinlich versuchten die Soldaten und Ritter ihre grausamen Erinnerungen an Blut und Verstümmelungen, Explosionen und verlorene Kameraden durch das ausschweifende Leben am Hof vergessen zu machen. Fast so,als ob sie sich versuchten bewusst zu machen, dass sie
    selbst noch unter den Lebenden weilten, während ihre Kameraden und Freunde auf den Feldern der Ehre geblieben waren. Grein drückte sich an die helle marmorfarbene Wand, die sich selbst durch seine dicke Botenkleidung kalt
    anfühlte und versuchte unscheinbar zu wirken, während in seinem Inneren ein Aufruhr herrschte.Was würde der Prinz sagen? Würde ihm die Nachricht wichtig
    genug erscheinen? Er war so anders als der Prinzregent Arolt. Was würde mit ihm passieren, wenn er den Prinzen nun
    umsonst belästigt hatte? Er hatte ihn schon oft andere Diener grausam bestrafen sehen. Oft auch nur aus Freude an der Bestrafung, wie Grein meinte. Dennoch war auch der junge Prinz wegen seiner grausamen Taten und seiner Kriegserfolge gegenüber den Taranthiern in diesem Krieg wohlgerühmt im Reich. Ganz anders als Prinzregent Arolt, der als gutmütig aber doch hart in der Sache galt. Doch Greins Hoffnung auf eine kleine Belohnung war größer als die Furcht vor Prinz Cruellos

    „Komm herein, Junge!“, ertönte auf einmal laut die Stimme von Sir Gero hinter der angelehnten Tür und unterbrach Greins Gedanken. Die Ritter schauten sich verwundert an, während Grein zögerte.
    „Na los, mach schon!“ rief die Stimme eine Spur zorniger. Mit einem schnellen Satz, um Sir Gero nicht unnötig zu reizen, setzte Grein auf die eisenbeschlagene, dicke Tür zu. Er zog die schwere Tür mit aller Kraft auf und trat ein.

    Die Luft war weihrauchgeschwängert. Grein konnte aus dem
    Augenwinkel auf der linken Seite ein riesiges Himmelbett ausmachen, auf dessen rechter Seite eine große Truhe stand. Auf dem Bett lag eine nackte Frau. Sie schien zu schlafen. Nervös blickte er sich um. Auf seiner rechten Seite stand vor einem Schreibtisch Sir Gero. Als Sir Gero einen Schritt zur Seite trat, fiel Greins Blick auf Prinz Cruellos, der hinter dem Schreibtisch saß und dessen Finger mit der Nachricht spielten.
    Er war großgewachsen, mindestens sechs Fuß hoch und verstrahlte eine aggressive Aura. Sein hartes, kantiges Gesicht,war von einem leichten Bartflaum umschlossen, der noch hell war. Über seine linke Wange zog sich eine dicke Narbe. Diese musste von der erfolgreichen Verteidigung Bergariens herrühren, von der der Prinz vor einer Woche heimgekommen war.
    Seine langen Haare waren pechschwarz und fielen in glatten
    Linien zur Seite des Kopfes. Er konnte nicht älter als
    sechszehn sein.
    Irgendetwas an dem Anblick störte Grein aber er konnte nicht sagen, was es war, das nicht ins Bild passte.

    Der Prinz musterte ihn stirnrunzelnd und fragte nach einer
    Weile mit unterdrücktem Zorn in der Stimme:
    „Wie heißt du Bursche?“
    „Grein, Mylord.“ Seine Knie zitterten.
    „Weißt du, was in diesem Zettel steht“
    „Nein, Mylord“
    Logisch, dachte der Prinz. Natürlich hat der Junge nie lesen gelernt. So ein Bauerntölpel. Nun ja, wenigstens war er klug genug, den Brief hierher zubringen

    „Und dennoch wagst du es, hier her zu kommen und mir diesen Zettel zu bringen? Was denkst du, warum sollte mich dieser Zettel interessieren?“, fragte er mit Argwohn in der Stimme.
    Grein fing an zu schwitzen.
    „Nun ja, Mylord, sonst erhalte ich für gewöhnlich mündliche Nachrichten, diese erschien mir…interessant…sie…sie ist an eine Frau adressiert.
    „Alessa, ich weiß! Wer hat dir diesen Zettel gegeben?“
    „Grein wurde hoffnungsvoller, als er erkannte, dass er die Wichtigkeit dieser Nachricht vielleicht nicht völlig unterschätzt hatte. Eventuell würden ja doch ein oder zwei Kupferstücke herausspringen?
    „Mylord, diesen Zettel gab mir der beste Freund und
    Kriegskumpan eures Bruders. Sir…“
    „…ich weiß!“, donnerte der Prinz und versuchte seinen Zorn
    ob der ungefragten Unterbrechung zu unterdrücken.
    Grein zuckte zusammen und verneigte sich ehrerbietig. Als er sich wieder aufrichtete, sah er in das zornumwölkte Gesicht des Prinzen. Seine Grimasse spiegelte ein verzerrtes Bild von Hass und Freude wieder.
    „Bursche, du wirst diesen Brief nehmen und ihn der Jungfrau Alessandra von Arothien überbringen und über deine Nachricht an mich Stillschweigen bewahren“, sagte er und warf Greinmit diesen Worten eine Silbermünze zu.


    *


    Als Grein aus dem kleinen Boteneingang des Kastells in den Hofgang trat, blendete ihn die Sonne, die mittlerweile ihren höchsten Punkt erreicht hatte, sodass sich seine Augen erst an das Sonnenlicht gewöhnen mussten. Er ließ die Silbermünze in der Tasche zwischen seinen Fingern hin und her wandern, während er mit der anderen Hand durch seine langen, braunen Haare fuhr und verwundert über das nachdachte, was eben geschehen war. Der Prinz hatte ihm wirklich eine Silbermünze zugeworfen, die so viel wert war wie einhundert Kupferstücke. Das war für einen Jungen wie ihn ein Vermögen. Mehr als er in einem ganzen Jahr verdiente.
    Die Großzügigkeit des jungen Prinzen ließ ihn stutzen und er rieb sich verwundert die Augen.

    Als diese sich an die Helligkeit gewöhnt hatten, sah er dass der grüne Park zwischen den Säulengängen mit Leben gefüllt war. Die fein gekleideten Hofdamen saßen um den Springbrunnen im Schatten des Lebensbaumes und die Kinder der Ladys tollten im Gras umher. Die Blätter der Bäume leuchteten zu dieser Jahreszeit bereits in einem saftigen Grün. Der Himmel strahlte in reinstem Blau und der erste wirklich warme Sommertag des Jahres ließ die Stadt in diesen dunklen Zeiten vor Lebensfreude sprühen.

    Die meisten Männer waren fort, doch gab es einige hohe Herren wie der junge Prinz und seine Getreuen, die zwischen dem schrecklichen Töten, mit dem sie sich voller Stolz brüsteten, immer wieder in die Stadt zurückkehrten und das Leben und die Annehmlichkeiten der Frauen genossen um ihre Erfahrungen vergessen zu machen. Als er daran dachte musste Grein grinsen und setzte seinen Weg fort. Er ging nach links und bog dann nach einigen Schritten unter den Säulengang ab. Wie immer schenkte einem Dienstboten niemand Beachtung. Die Säulen des Gangs erinnerten ihn jedes Mal wenn er hier vorbeikam an Fässer, wie sie bei den Böttchern im Arbeiterviertel gestanden hatten. Mit der einzigen Ausnahme, dass sie in die Länge gezogen waren. Ihm kamen die herumrennenden Kinder entgegen, die nun zwischen den Säulen Haschen spielten. Grein hatte dieses Spiel früher selber gerne mit seinen Geschwistern in den dreckigen und stinkenden Gassen des Arbeiter- und Gesindeviertels außerhalb des Palastes gespielt, doch seit er am Hof war, konnte er sich derlei natürlich nicht mehr erlauben. Als er das Ende des überdachten Säulengangs erreicht hatte, führte der Granitweg nach rechts zu dem großen Portal in der Mitte des Gästehauses. Dieses durfte er als Dienstbote nicht benutzen, mahnte er sich, als er sich schmerzlich an die Tracht Prügel erinnerte, die er einmal dafür kassiert hatte. Also folgte er dem kleinen ausgetretenen Pfad im Gras, der sich nach hundert Schritten um die Ecke des Gebäudes wand, bis zu der kleinen Tür, die in die Seite eingelassen war. Das Gästehaus war ein riesiger Bau, der wie das Kastell, schon seit Urzeiten in der Stadt stand. Es war aus großen Sandsteinquadern errichtet worden, die dem Haus eine warme Farbe gaben. Das Dach war aus Schiefer gedeckt, der wahrscheinlich von der Erzinsel kam und der im Licht der hellen Mittagssonne gräulich schimmerte. Grein zog an der Tür aus Eichenholz, deren abgenutzte Scharniere ein leises Quietschen ertönen ließen als er sie öffnete, und trat in das Gebäude. Vorsichtig trat er seine Füße ab, damit er keinen Dreck hinterließ, für den man ihn zur Rechenschaft ziehen könnte. Das Gästehaus des Palastes war für hohe Besucher gedacht, die aus nahen und fernen Landen kamen. Er wusste, dass sich auf der unteren Ebene die Gemächer für die Gefolgschaften der Gäste befanden. Der Ritter der Prinzregenten hatte gesagt, das Lady Alessa ihr Gemach auf dieser Seite des Flügels im oberen Stockwerk hatte. Also flitzte er flink die schmale Dienstbotentreppe auf der linken Seite hinauf und fand sich kurz darauf direkt vor Lady Alessas Gemach wieder. Ein wenig atemlos räusperte er sich kurz und klopfte an.

    "Tretet ein!" ertönte eine helle Stimme aus dem Zimmer.
    Grein drehte an dem Türknauf, öffnete die Tür und fand sich darauf in einem mit prächtigen Wandbehängen ausgestatteten Raum wieder. Er sah Lady Alessa mit ihrer Zofe auf dem samtroten Sofa sitzen. Sie war jung, nicht älter als zwanzig und hatte helles Haar, das in der Sonne, die durch das einzige Fenster des Zimmers hereinfiel, golden glänzte. Er verbeugte sich kurz und sprach: "Eine Nachricht für euch Mylady. Der Herr sagte, ihr wüsstet von wem Sie kommen würde." Er stutzte.

    Sie sprang schnell auf, als hätte sie nicht mit dieser Information gerechnet und entgegnete ungeduldig: "Nun gebt schon her Junge.". "Ich habe nicht den ganzen Tag für euch Zeit." ergänzte Sie als er kurz zögerte. Er trat auf sie zu und gab ihr den Brief mit einer Verbeugung. Sie faltete den Zettel sofort auseinander und las ihn. Währenddessen breitete sich ein zauberhaftes Lächeln auf ihrem Gesicht aus. Schnell hob sie den Kopf und sah ihn an: "Vielen Dank für eure treuen Dienste. Nun, geht!", sagte sie während Sie ihm gleichzeitig ein Kupferstück in die Hand drückte, das sie aus einer Börse, die auf dem Tisch lag, genommen hatte. Grein drehte sich auf dem Absatz um und ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht, als er sich der Tür zuwandte. Was für ein einträglicher Tag, dachte er.
    Hinter ihm las Lady Alessa mit Freudentränen in den Augen die Nachricht noch einmal durch:



    "Liebste Lady Alessa,
    Ich bitte euch, beglückt mich mit einem vertrauten Wiedersehen wenn der Mond am höchsten steht. Am kleinen Schlehdornbusch im Kräutergartens hinter dem Kastell.
    Mit unstillbarem Verlangen A.L."

    Wie lange hatte Sie auf ihn warten müssen. Seit ihrem letztem Besuch bei Hofe waren nicht mehr als zehn Monate vergangen und doch verzehrte sie sich nach ihm. Wenn es doch nur nicht so kompliziert wäre. Sie ließ sich mit einem kleinen Seufzer auf das Sofa sinken. Während ihre Zofe sie umarmte dachte sie voller Liebe an ihn.

    Grein öffnete die Tür und konnte noch immer nicht begreifen, was ihm heute geschehen war. Sollte er wirklich so viel Glück haben? Wo sollte er das viele Geld bloß verstecken? Die vielen schönen Gedanken stürzten auf ihn ein und erfüllten ihn mit einem tiefen Glücksgefühl.
    Als er in den Gang trat, schoss plötzlich eine große Hand auf ihn zu und schloss sich mit eiserner Härte um seinen linken Arm. Gleichzeitig fühlte er, wie eine harte Faust sein Kinn traf. Schon wieder, dachte er, während ihn ein scharfer Schmerz durchzuckte und sein Kiefer mit einem lauten Knacken brach. In dieser Hinsicht hatte er an diesem Tag wirklich ausgesprochenes Pech. Als er mit einem abgehackten Schrei und Schmerzenstränen in den Augen unter der Wucht des Schlages zusammensackte, rutschten die Münzen aus seiner Tasche und landeten klimpernd auf dem Boden. Das Geräusch erschien ihm unnatürlich laut. Als er seinen Mund befühlte und versuchte die Tränen wegzuzwinkern, blickte er nach oben. Sein Magen krampfte sich vor Furcht zusammen, sodass der Schmerz bis in sein Gemächt zog. Sir Gero und zwei weitere Männer, ragten wie Türmemit einem gehässigen Grinsen auf den Gesichtern über ihm auf.
    Er wusste nicht, was hier vor sich ging, dachte er angsterfüllt. Plötzlich wurde ihm bewusst, warum Sir Gero ihm vorhin so sonderbar erschienen war: Seine Augen leuchteten in unterschiedlichen Farben. Er hatte die Priester des Einen Gottes in der wöchentlichen Zeremonie oft genug predigen hören, das dies ein das Zeichen des Teufels sei.
    Blankes Entsetzen erfüllte ihn.

    "Da haben wir ja wieder einen Dieb gefunden. Eine ganze Silbermünze hat er gestohlen, der Bastard. Ich sag es euch Dreckspack ja immer wieder, aber ihr wollt ja nicht gehorchen...", brüllte Sir Gero zornig und trat mit dem Fuß, der in einem eisenbeschlagenen Stiefel steckte, nach Grein. Er lachte hämisch und hasserfüllt während Grein ein stumpfer Schmerz durchzuckte. Er fühlte, wie seine Rippen mit einem knisternden Laut brachen. Seine durchdringende Furcht lähmte ihn und nahm im jede Möglichkeit sich zu verteidigen. Nicht, das es etwas genutzt hätte. Als ein weiterer Stiefel herangesaust kam, rollte er sich instinktiv zusammen und schlug die Hände über den Kopf. Der Schmerz stieg ins Unerträgliche als ihn immer mehr Tritte trafen und während sich die Dunkelheit in seinem Kopf ausbreitete, war es wie ein wärmender Teppich, der ihn auffing und seine Schmerzen verdeckte.

  8. Der folgende Petrijünger sagt danke an Chris88 für diesen nützlichen Beitrag:


  9. #7
    C&R Avatar von roland_p
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    Was soll ich viel sagen, mir gefällt es.

    Ob du den Stil über 500 Seiten aufrecht erhalten kannst, mag ich nach dem Auszug nicht zu beurteilen.

    Die Sätze sind sehr lebendig geschrieben und wirken authentisch, ich erkenne jedoch noch keine eigene Note deiner Schreibweise.

    Ich denke das entwickelt sich aber noch.

    Ich freue mich auf eine Fortsetzung, weiter so.

    Grüße
    Roland

    PS.: Liest du Hohlbein?



  10. #8
    Super-Profi-Petrijünger
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    Vielen Dank! Ja, ich denke das wird sich entwickeln und sich zeigen, ob das dann auch so klappt. Viel hängt dabei sicherlich von der Geschichte ab. Ich finde, dass hier noch nicht so viel passiert, da es ja eher Gedanken sind, dadurch wird der Schreibstil sich wahrscheinlich dann später erst richtig rauskristallisieren! Vielen dank für deine Meinung, das hilft mir schon mal sehr, dann schreibe ich weiter

    Hohlbein lese ich auch, hatte aber schon lange nichts mehr von ihm in der Hand. Warte noch auf die Fortsetzung der Chronik der Unsterblichen
    Liest man das raus?
    Grüße und Petri chris

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  11. #9
    Petrijünger Avatar von Chica
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    Hallo Chris,
    ich möchte mich der Meinung von Roland anschließen, es gefällt mir und die Spannung ist hoch, so dass man sich viele Fragen stellt, wie es weitergehen kann.
    Nun auch ein wenig Kritik:
    Als Grein beim Prinzen war schreibst du: "...wer hat dir den Zettel gegeben? " ... "Mylord, diesen Zettel gab mir..."
    Und dann schreibst du: Zorn der ungefragten Unterbrechung. ..
    Aber er wurde doch gefragt!? Oder habe ich es missverstanden?
    Und eine zweite Sache ist, dass du vor und nach dem Besuch beim Prinzen schreibst, dass die Männer dort sind, um ...."ihre Erfahrungen vergessen zu machen. "
    Ich denke, dass es einmal reicht, vorher oder hinterher ist glaub ich egal.
    Trotzdem nochmal: mir gefällt dein Schreibstil. Hoffentlich kannst du die Spannung aufrecht erhalten.
    Beste Grüße und Petri
    Chica

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  12. #10
    Super-Profi-Petrijünger
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    Vielen lieben Dank! Deine Tipps werde ich gleich einarbeiten Findest du den Perspektivwechsel merkwürdig? Also eigtl. Erzähle ich ja aus Greins Sicht, aber einmal liest man die Gedanken des Prinzen und zum Schluss den Brief durch die Prinzessin? Stört das oder ist das komisch?
    Grüße und Petri Chris

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  13. #11
    Petrijünger Avatar von Chica
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    Nein, ich empfinde es als plausibel, das gibt es ja sehr oft, nur dadurch kann man auch Verständnis für andere Charaktere aufbringen. Sonst wäre z. B. die Prinzessin nur eine Randfigur, aber so bekomme ich das Gefühl, dass sie noch eine größere Rolle in deinem Stück spielen wird. Ich finde es sinnvoll und nicht verwirrend. Sofern es so sein sollte

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  14. #12
    Petrijünger
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    Hallo,
    Sehr angenehm zu lesen und sehr spannend geschrieben.
    Gerne mehr davon !!!
    Weiter so, mal sehen wie die Geschichte noch weitergeht.
    Gruß HoMa

  15. #13
    Profi-Petrijünger
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    Toller Text liest sich gut, vorallem die Beschreibungen der Umgebung. Der Perspektiven Wechsel bzw der Charakterwechsel verleiht noch mehr Einblick in die Rollen der Nebendarsteller.
    Als kleine Kritik hätte ich noch die häufigen Wiederholungen, du rufst ziemlich oft Tatsachen wieder ins Gedächtniss, das es auffällt. Zb mit der silbermünze, diese nimmt einen hohen Stellenwert ein, zwar wird Grein deren Diebstahls beschuldigt aber vom Weg vom Prinzen bis er gestellt wird, wird nur die Münze behandelt. Was ist zb mit der Nachricht die ist zwar für Grein bedeutungslos in dem Sinne das er nicht lesen kann aber sie fällt völlig unter den Tisch. Wie währe es wenn er überlegen würde jemanden zu suchen der sie ihm vorliest oder ob er versuchen würde sie anderweitig gewinnbringend nochmal zu verkaufen oder so....

    Dann finde ich es etwas schwierig mich zeitlich zu orientieren. Du schreibst von Kastellen, Rittern, Harnischen und Explosionen, das deckt für mich den kompletten Zeitraum de MA ab. Evtl könntest du eine eigene zeitlinie für deine Welt erfinden mit Epochen.. Oder Zeitaltern. So wie du es zb "bei der Verteidigung Bergariens vor einer Woche" schon im Ansatz machst. Ich weis nicht ob es anderen Lesern auch so vorkommt aber durch das lesen von vielen Fantasy Geschichten ist man einfach bei dir im ersten Moment Ansatzlos wo man die Geschichte ansiedeln soll. Frühes bis dunkles MA wegen der grobschlächtigen, raubeinigen Ritter oder spätes MA wegen dem Ziergold zwischen den Bodenplatten oder Rokoko wegen der aufgerüschten befederten Damen....
    Also quasi als Vorprolog eine kurze Epochenangabe bzw kleine Erklärung der Welt oder wie in manchen Büchern: der Krieg um xyz fand im 5. Herscherjahr von König abc statt... Verbannung auf die Erzinsel im Jahre 0815 vor oder nach dem Krieg um Atlantis.... Verteidigung Bergariens Anfang des zweiten Zyklus (ausgehend von 4 Zyklen, Winter Frühling Sommer Herbst angefangen mit Winter somit im Frühjahr) in der Epoche der zwei Königssöhne....
    Somit finde ich bekommt man etwas mehr Gefühl für zeit und Raum

    Dann noch als männlicher MA Fan bin ich von der Bewaffnung begeistert, Helebarden? Schusswaffen? Schwerter? Wie sind die Soldaten bzw die Elite der Königssöhne ausgerüstet ist zwar wahrscheinlich erst später im Buch interessant aber gibt nochmal mehr Tiefe.
    Ach ja noch zwischendurch, es ist unglaubwürdig das ein treuer verdienter enger Vertrauter des Prinzen Wache steht? Bzw im Harnisch in der Burg anzutreffen ist. Oder überhaupt das Ritter Wache stehen. Ritter waren Edelleute und die Elite vor die Tür als Wache kamen verdiente Fussoldaten...

    Ich denke mal an meinem konfusen durcheinander erkennt man das der Text gut ankommt und man sich damit auseinandersetzt wie es denn weiter geht bzw ich in diesem fall bereits in deine geschaffene Welt eintauche und mir das ganze im Kopf ausmale. Und Denk dir nix gibt viele Autoren wo ich für mich persönlich Ungereimtheiten empfinde, die aber bei anderen Lesern vielleicht gar nicht so empfunden werden. Ich hoffe ich konnte mit meinen kleinen Randnotizen etwas beitragen falls nicht Denk dir nix Rome wasn't build in a Day ;-)
    Mach weiter so und auf eine Fortsetzung bin ich gespannt.

    Ach ja Rechtschreibung Grammatik und sonstigen trallala gibt's für mich um diese zeit nicht mehr Spätschicht war lange genug dein Prolog war quasi meine gute Nacht Geschichte

  16. #14
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    Vielen, vielen Dank euch! Diese Ortsbeschreibung, damit man weiß wo man ist bzw. wann wollte ich ab dem ersten Kapitel einfügen, so wie ihr es hier seht.
    Wer weiterlesen mag, hier ist der erste Teil des ersten Kapitels. Vllt lass ich es auch so und dann fängt das zweite Kapitel an



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  17. #15
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    E ine traurige Heimkehr

    Königreich Erblande, Die große Steppe

    Die blau-rote Standarte mit dem silbernen Löwen in der Mitte flatterte im Wind des schnellen Galopps zu dem die Männer ihre Pferde auf dem Heinweg antrieben. Das Silber war unter dem Staub, den die trommelnden Hufe vom sandigen Boden des Königspfades aufwirbelten, kaum noch zu erkennen. Die knapp dreihundert tapferen Ritter, die Prinzregent Arolt mit sich führte, boten in ihren staubigen Kettenhemden mit den von Blut verkrusteten, großen Breitschwertern an ihrer Seite keinen besseren Anblick. Er selbst sah durch die Strapazen wenig königlich aus, wenngleich er doch unter den Rittern durch seine imposante Erscheinung herausstach. Obwohl seine Rüstung einige Dellen abbekommen hatte, strahlte er doch an der Spitze des kleinen Trupps, eine majestätische Ruhe aus, der die Männer erschöpften Männer bereitwillig folgten. Die Erschöpfung durch den langen Ritt durch die flimmernde Hitze der weiten Steppe die sich vor den Toren von Königsberg ausbreitete, spiegelte sich auf den Gesichtern der Reiter. Prinz Arolt war gut sechs Fuß groß und sein kantiges Gesicht war von einem braunen Dreitagebart umrahmt, der ihn älter aussehen ließ als seine siebzehn Sommer, die er zählte. Keine Narbe trübte seine entschlossenen Züge, was nicht selbstverständlich für einen Mann war, der seine Soldaten in der Schlacht selbst anführte. So glücklich konnten sich die meisten seiner Männer nicht schätzen. Sie trugen blutgetränkte Verbände, manche stöhnten vor Schmerzen und der harte Ritt den sie in Vorfreude auf die Heimat anschlugen, milderte diese nicht. Trotzdem gab Arolts Unversehrtheit kein Urteil über seinen Mut in der Schlacht ab. Unermüdlich hatte er inmitten seiner Truppen die letzten vier Monate in den Schlachten um die Erzminen an der Nordgrenze gegen die Männer der Nordmark gekämpft und oftmals die entscheidende Wende im Kampf herbeigeführt. Es war ein grausames Schlachten gewesen.

    Die Soldaten zügelten die Pferde und ritten langsamer, da die Straße nun besser wurde und mit großen grauen Steinen gepflastert war. Das reich verzierte Breitschwert an Prinz Arolts Seite schlug im steten Takt des Pferdeschritts an sein Bein. Soweit sein Auge blicken konnte, breitete sich die trostlose Steppe vor den Toren von Königsberg aus. Ein verdorrter Grashalm gesellte sich zum Anderen und nur der sanfte Windhauch in der warmen Sommerhitze hauchte ihnen ein wenig wogendes Leben ein.





    Sechs Jahre. Sechs Jahre dauerte dieser unselige Konflikt, den sein Vater und der alte König der Nordmark heraufbeschworen hatten, nun schon. Jeder Bauer im Reich konnte sich an die Anfänge erinnern, aber niemand konnte so recht begreifen, dass es so weit gekommen war. Seit den Tagen der frühen Zwergenkönige schon, vor beinahe zweitausend Jahren, schwelte dieser Konflikt zwischen der Nordmark und den Erblanden, doch immer war es bei kleineren Scharmützeln um die Erzminen an den Ausläufern des Zentralmassivs geblieben. Immer wieder mal hatten die Bergregionen das Herrschaftsgebiet gewechselt. Die Zwerge die in den Tiefen des Zentralmassivs ihr Reich hatten, scherten sich nicht darum, was am Rand der riesigen Gebirgsregion vor sich ging. Die Hauptsache war, dass niemand sie belästigte.

    Kluge Gesellen, diese begnadeten kleinen Erzschmiede, musste Arolt sich eingestehen. Wesentlich klüger als sein Vater Harold und König Stereart von Nordmark. Das Feuer der vielen kleinen Kämpfe und Schlachten an den Erzminen hatte die Männer verroht und so weiter um sich gegriffen. Sein Vater war selten zu Hause gewesen und nun hatte er dieses Leben, das einer stetigen Wiederkehr zu den Grenzen der Nordmarken glich, geerbt. Nachdenklich runzelte er die Stirn. Es wurde Zeit, dass dieser Konflikt zu Ende ging.

    Vor sechs Jahren dann, hatte es den Männern nicht mehr gereicht nur die Erzminen zu plündern. Das erbarmungslos in ihnen brennende Feuer vieler Schlachten hatte ihre Gefühle abgetötet und sie seelenlos gemacht. Eine Schlacht mochte nur einen Tag lang währen, doch in den Köpfen der Männer währte Sie ewig. Die Soldaten beider Länder gierten nach mehr. Und so marschierten sie von Dorf zu Dorf und Haus zu Haus. Sie brandschatzten, vergewaltigten die Frauen und erschlugen die Männer auf ihren Äckern beim Korn mähen. Alles was Sie tragen konnten nahmen sie mit. An der Grenze zur Nordmark floss das Blut Unschuldiger in Strömen und die Gedärme gefallener Bauernfamilien düngten die nutzlos gewordenen, brachliegenden Äcker. Die Könige hatten ihnen keinen Einhalt geboten und dann Rache befohlen und weitere Truppen gesendet. Nun währte dieser Krieg schon so lange und nichts hatte sich seitdem verändert.

    Der Frieden war etwas, wofür man hart arbeiten musste, erkannte Prinz Arolt.



    „Lord Prinzregent, die Stadtmauer!“ unterbrach sein Freund Sir Owein seine missmutigen Gedanken. Dieser ritt Knie an Knie neben ihm und sah nicht minder erschöpft aus. Arolt schreckte aus seinen Gedanken hoch und ließ seinen Blick vorausschweifen. Freude und Erleichterung durchströmten ihn, als er sah, das Owein Recht hatte. Im matt flimmernden Licht des frühen Abends konnte Arolt in weiter Ferne die Zinnen von Königsberg sehen, die in den letzten heißen Sonnenstrahlen funkelten. Seine Männer fingen an zu jubeln, als die Stadtmauer nach und nach näher kam und so die wohlverdiente Entspannung in den Thermen der Stadt in greifbare Nähe rückte. Seit sie den großen Arbro an einer Furt überquert hatten, hatte die Hitze mit jeder Wegstunde in dieser endlosen Steppe zugenommen und nun erkannte man in den Gesichtern der Männer die Vorfreude auf einen Schlauch Wasser für die ausgedörrten Kehlen.

    Das Grasland wurde nun langsam grüner, wie es auch am Arbro gewesen war und die Konturen der Stadtmauer hoben sich immer deutlicher vom Himmel ab, der durch die untergehende Sonne gelb und rot glühte.



    „Glaubt ihr die Aushilfstruppen halten den Pass über Nordklamm?“ krächzte Owein mit staubtrockener Kehle.



    „ Sie müssen, Owein!“ erwiderte Arolt und fixierte seinen treuen Begleiter mit einem entschlossenen Blick.

    „Wenn wir diesen Pass verlieren, fallen uns die Krieger der Nordmark an den Erzminen in den Rücken. Wir können nicht zulassen, dass sie unsere Nachschublinien abschneiden. Sie müssten nur noch den Arbro überqueren und stünden schon vor Königsberg! Nicht auszudenken, was dann passiert.“



    Viele Wegstunden Richtung Süden waren die Nordmannen bereits vorgedrungen, doch nun mussten sie gestoppt werden, wenn die Erblande nicht noch mehr Land verlieren wollten. Es hatte schon rosigere Zeiten in diesem Konflikt gegeben.

    „Genug geredet jetzt vom Krieg!“ befahl Arolt und Owein sah, wie sich Arolts Miene entspannte. Ein kleines Lächeln umspielte die Gesichtszüge des Prinzregenten als seine Gedanken sich anderen Dingen zuwandten.



    „Ihr freut euch Eleanor wiederzusehen, mein Prinz?“



    Gott, wie lange war er von ihr getrennt gewesen. Nur Owein und Artorius kannten sein Geheimnis. Sie waren seine Gefährten. Seine Freunde. Ihnen allein vertraute er. Artorius hatte auf diesem Feldzug in Königsberg bleiben müssen. Arolt fragte sich, wie es ihm mit der schweren Beinverletzung ergangen war, die er bei der Schlacht um Hammelsburg davongetragen hatte. Es war ungewiss gewesen, ob er jemals wieder an seiner Seite kämpfen können würde. Wenn sie ankamen musste er zu ihm eilen und sich vergewissern, was die Heiler sagen würden. Aber vorher zu Eleanor.



    „Ja, mein Freund. Dennoch, mir wird schwer ums Herz, wenn ich an meine bevorstehende Hochzeit mit Lady Alessa denke. Heißt es doch für mich, dass ich Eleanor aufgeben muss. Sie bedeutet mir alles. Wäre ich doch kein König und könnte mich meinen Gefühlen hingeben. Ich bin sicher Lady Alessa empfindet ebensoeenig Freude über diese Vernunftehe, aber was tut man nicht alles für ein Köjigreich. “, seufzte Arolt.



    „Jeder König hat Mätressen, mein Freund.“ antwortete Owein mit einem Augenzwinkern. Langsam ritten Sie nebenher, während Ihnen die übrigen Männer, die erschöpft in ihren Sätteln hingen, folgten.

    „Ach Owein, hör auf damit! Sie ist eine Lady. Sie ist Lady Eleanor von Glebrien. Glaubst du, sie müsste nie zum Wohle Glebriens heiraten? Gerade für das Fürstentum Glebriens ist es wichtig, dass es einen starken Mann bekommt. Das ist ja auch in meinem Interesse! Oder glaubst du im Ernst, ich würde Sir Gero seinen verbannten Vater beerben lassen. Mein Gott, wie verschieden Lady Eleanor und Sir Gero doch sind. Was auch immer er getan hat, mein Vater wird seinen Grund für die Verbannung gehabt haben.“, belehrte er Sir Owein ein wenig zornig.

    Gott habe seinen Vater selig. Vor drei Jahre war er unter großen Schmerzen im Bett von ihnen gegangen und weilte nun bereits bei dem Einen Gott und brach das Brot mit ihm. Es war ganz plötzlich geschehen. Seine geliebte Mutter war noch immer in Trauer gewesen, als er Königsberg vor fünf Monaten verlassen hatte. Nicht destotrotz führte sie an seiner Statt mit dem hohen Rat die Amtsgeschäfte während er im Krieg war. Am Tag seines achtzehnten Geburtstags würde er gekrönt werden. In zwei Wochen.



    Bei dem Gedanken an seine Mutter, musste er an seinen verhassten Bruder Und seine kleine Schwester denken und seine Miene verhärtete sich. Weiß Gott, warum ihn sie alle so verschieden geraten waren. Geralt war ein Draufgänger, grausam und unbelehrbar. Sie hatten sich nie gut verstanden, doch er wusste nicht warum ihn Geralt so verabscheute. Geralt hatte seit jeher versucht ihm das Leben zur Hölle zu machen. Ob es daran lag, dass er der Jüngere war und auf ewig Prinz bleiben würde. Oder war ihm die große Nähe von Arolt zu ihrem Vater ein Dorn im Auge gewesen. Er wusste es nicht. Seine Schwester war so anders. Liebenswürdig und sie hatte für jeden ein freundliches Wort auf den Lippen. Natürlich auch für Geralt. Wie oft hatte sie zwischen ihnen vermittelt und doch war es nie besser geworden.

    „Warum so nachdenklich, mein Prinz?“ Owein sah ihn fragend an.

    „Regent sein ist ein schweres Geschäft mein Freund. Bete dafür, dass das Schlachten bald beendet wird.“

    Arolt drehte sich im Sattel, um zu prüfen ob jemand den Anschluss verloren hatte. Seine Truppen warfen wegen der Pflasterstraße nur noch eine kleine Staubwolke auf, doch er konnte keinen erblicken der zurückgeblieben war. Als er wieder nach vorne sah, konnte er bereits die Wachen vor dem großen Stadttor erkennen.

    „Ich bete, mein Prinz. Jeden Tag zu dem Einen Gott. Doch meint ihr nicht, dass eure Mutter und der Rat erst zufrieden sind, wenn alle Toten gerächt und die Minen zurückerobert sind?“ Oweins Skepsis war nicht zu überhören.

    Die Falten auf Prinz Arolts Stirn vertieften sich, ob dieser wahren Worte, die sein Freund sprach. Mit zorniger Stimme erwiderte er:

    „Ich verstehe nicht, warum die verdammten Minen im Norden so wichtig sind. Auf der Erzinsel wird mehr als genug Erz von den Gefangenen geschürft. Schwerter können wir damit reichlich schmieden und zum Handel ist die Erzinsel durch den Hafen auch besser geeignet. Wir sollten uns im Norden eher auf die Urbarmachung der Steppe konzentrieren, als um die verdammten Minen zu kämpfen. Ich habe nichts gegen tapfer erworbene Ehre in harten Schlachten, doch dieser Krieg hemmen uns und wirft die Erblande zurück. Die Orks im Südosten werden auch nicht mehr lange untätig bleiben. Wir entblößen unsere Grenzen und die Orks sind schnell, wenn es um leichte Beute geht. Darauf sollten wir uns konzentrieren. Und das werden wir auch, wenn ich König bin. Solange der Rat alles entscheiden darf und ich nur ein Beratungsrecht habe, wird es wohl so weitergehen."

    Sir Owein sah Prinz Arolt an, dass dieser wütend darüber war zur Untätigkeit verdammt zu sein.

    „Egal wo wir kämpfen mein Prinz, ich werde an eurer Seite stehen.“, erwiderte Owein mit ernster Stimme ob der harten Worte seines Freundes.

    „Danke für deine Treue Owein. Ich weiß diese in diesen schweren Zeiten sehr zu schätzen.“ antworte Prinz Arolz mit Dankbarkeit. Zumindest gab es ehrbare Männer, die zu ihm standen und dss war nicht das Schlechteste.

    Doch das Schicksalsrad der Urgötter, wie es die Zwerge kannten, drehte sich unaufhaltsam und verwob die Lebensfäden der Menschen zu einem wirren Netz.

    Unzählige vollbeladene, hölzerne Handelskarren standen nun am Wegesrand um die Rittertruppe vorbeizulassen und die Fuhrmänner fluchten laut über die unwillkommene Wartezeit. Arolt sah über die Flüche hinweg, hatten die einfachen Bauern in ihren fleckigen Kitteln doch am meisten unter dem Krieg zu leiden. Er konnte ihre Nöte verstehen. Sie wollten heute noch in die Stadt bevor die Stadttore schlossen, denn sonst war es fast unmöglich morgen noch einen Platz auf dem Markt zu ergattern um ihre wenigen Erzeugnisse zu verkaufen.



    Sie waren dem Tor nun auf einen Pfeilschuss nahe gekommen. Die Wachen hatten sie sicherlich durch die große Staubwolke schon in weiter Entfernung gesehen. Trotzdem sah Arolt auch jetzt noch Offiziere mit energisch gebrüllten Befehlen die Soldaten hin und her scheuchen, um sie Spalier stehen zu lassen. Er betrachtete den großen Torbogen, der aus gelbem Sandstein gemauert war und das gewaltige offene Holztor. Es war vor mehr als tausend Jahren, aus Holz von Bäumen die in den riesigen Wäldern der Gestaltenwandler im Norden wuchsen, geschlagen und gezimmert worden. In diesen Zeiten wurden die Gestaltenwandler verachtet und waren in den Erblanden vogelfrei. Arolt hatte ihre Kultur nie verstanden. Er wusste nur, dass er sie fürchtete. Jeder vernünftige Mann fürchtete sie. Konnte sich doch ein Gestaltenwandler jederzeit in ein Tier verwandeln und man konnte nie ahnen ob man einen vor sich hatte. Deswegen gab es auch kaum ein Dutzend Leute im Königreich, die jemals einen gesehen hatten. Gemeinhin blieben die Gestaltenwandler in ihrem undurchdringlichen Waldreich unter sich.

    Als die dreihundert Ritter unter dem großen Stadttor durchritten, hörten Arolt und Owein die ersten frohen Jubelrufe, die aus der dort versammelten Menge ertönten.



    Prinz Arolt drehte sich zu Sir Owein. „Wir reiten bis vor die Stufen des Palastes zum Empfang, dann kannst du die Männer entlassen. Gib Ihnen eine Woche frei, die haben sie sich redlich verdient. Schließlich konnten wir die Nordmannen zurückschlagen, wenn auch verlustreich.“, sprach Arolt in befehlsgewohntem Ton.

    „Jawohl, mein Prinz!“

    „Und Owein...“

    „Ja, mein Prinz?“

    „Halte dich zu meiner Verfügung wenn ich dich brauchen sollte.“

    „Jawohl!“, antwortete dieser ohne zu zögern.

    Als sie unter dem Stadttor hervorritten, sah Arolt die Menschenmassen links und recht der großen gepflasterten Hauptstraße stehen, laut applaudierend und Jubelrufe ausstoßend. Sie waren eintönig in graue Kittel grkleidrt und wirkten trist. Die kleinen Häuser dieses äußeren Bezirks wirkten nicht minder heruntergekommen als die Menschen, die in Ihnen wohnten und nun jubelten. Es herrschte ein unfassbarer Vestank nach Kot und Abfällen, der Prinz Arolt wiederlich in die Nase stieg. Das Jubeln der Menge wurde durch das Bellen der räudigen Straßenköter ergänzt, die um sie herumsprangen. Ab und zu jaulte einer laut auf, wenn ihn ein Pferdehuf traf. Prinz Arolt sah kleine Kinder mit dreckigen aber bewundernd blickenden Gesichten ebenso jubeln, wie die alten Vetteln und dir Frauen. Das Jubeln zu Ehren der mit Ihrem Prinzregenten heimkehrenden Soldaten wuchs zu einem ohrenbetäubenden Lärm an.



    „Sie tun, als ob wir den Krieg gewonnen hätten.“, m urmelte Arolt verächtlich.

    „Lasst es sie doch genießen. Das Unheil wird sie noch früh genug erreichen. Und, schau dich einmal um, Arolt....“, Owein zeigte hinter sich.

    Arolt drehte sich um und sah die erschöpften Mienen seiner Männer unter den Jubelstürmen glücklich aufblitzen.

    „Den Männern ist es eine Wohltat nach den Strapazen.“ ergänzte Owein.

    Dies stimmte Arolt versöhnlich, war der den ganzen Tag doch von Missmut befallen und unausstehlich gewesen, wie er selber bemerkt hatte. Aber daraus konnte ihm niemand einen Strick drehen, war er doch der Prinzregent, schmunzelte er in sich hinein.

    Von neuem Elan erfasst, nahm er die Jubelrufe dankbar auf und hob die Hand zum Gruße. Als sie die erste Ebene der Stadt hinter sich gelassen hatten und das Tor zur zweiten Ebeb durchquerten ritten sie nun langsamer durch die wohlhabenderen Gegenden der Kaufleute und Angestellten. Die Häuser waren größer und es stank auch nicht mehr so schlimm. Einzelne Männer in langen Überröcken, wie es Mode war, standen am Straßenrand und applaudierten verlegen, manche standen auf ihren Balkonen und schauten dem Reiterzug der durch die breite Straße zog nur skeptisch zu. Die Kaufleute waren am Wenigsten von dem Krieg begeistert, schränkte es doch ihre Handelsmöglichkeiten stark ein. Dennoch konnte Prinz Arolt seinen Unmut über den Empfang in dieser Ebene nicht verhehlen.



    Zügig ritten sie weiter und passierten nun auch das dritte Tor zur inneren Ebene und wieder standen die Soldaten Spalier. Hatte es in den Kaufmannsvierteln kaum Menschen gegeben, die ihnen zugejubelt hatten, so waren es hier in Palastnähe, wo der Adel versammelt war, wieder mehr. Die Straße war nun wesentlich breiter gepflastert und rund gestutzte Bäume säumten die breite Allee. Die Villen der Räte und der hohen Herren des Adels erhoben sich edel zu beiden Seiten der Straße. Unter den Bäumen stand das hohe Volk, wedelte mit Blumensträußen und jubelte ihnen zu. Gierig sogen die Männer des Prinzregenten die Lobpreisungen auf und strafften sich in ihren Sätteln. Die Soldaten auf ihren Pferden folgten der Straße nach links und nun konnten Arolt und Owein die Treppen des Palastes sehen. Auf den Stufen zur Ratshalle waren der hohe Rat und der Hofstaat versammelt und erwarteten sie in prächtigen Kleidern. Als sie näher ritten und das Jubeln der versammelten Menge noch einmal anschwoll, erkannte Arolt, dass der Erste des Hofrates Sir Bergalum Droth´ien ganz vorne in der Mitte stand. Seine Mutter war nirgends zu sehen. Er konnte Prinz Geralt mit der zaghaften Andeutung eines Lächelns neben Sir Bergalum sehen. Also war er von seinem Feldzug schon wieder zurück. Das Lächeln galt sicher nicht ihm. Eleanor stand nur eine Handbreit neben ihm. Prinz Arolts Magen verkrampfte sich. Lady Alessa befand sich auf der anderen Seite seines Bruders und hatte eine Miene aufgesetzt, die nicht zu deuten war. Seine Schwester mit ihren braunen Haaren und dem lieblichen weißen Gesicht stand auf der linken Seite und Prinz Arolt sah ihr an, dass sie etwas belastete. Nun, dafür würde später Zeit sein.

    Sie erreichten die Stufen der Palasttreppe, die aus hellem Marmor geschlagen worden waren und Arolt sah fragende Gesichtsausdrücke in den Gesichtern ob der Ereignisse ihrer Mission. Er zügelte sein Pferd und hob die Hand, woraufhin die Menge leiser wurde. Sir Bergalum ergriff das Wort mit seiner alten Stimme die dennoch dröhnend klang.

    „Seid willkommen zu Hause, mein Prinzregent. Der Rat steht zu eurer Verfügung. Wir hoffen, ihr befindet euch wohl? Wenn ihr euch bitte hineinbegeben wollt. Im Palast befinden sich Erfrischungen für eure Gefährten. Die Mission muss wahrlich strapazenreich gewesen sein, wenn man euch anblickt. Über alles Weitere können wir später sprechen, wenn ihr beliebt.“, begrüßte ihn der Ratsvorsitzende freundlich.

    „Vielen Dank für euren Empfang Sir Bergalum! Wir nehmen die Erleichterungen gerne in Anspruch. Wir haben einen schweren Ritt hinter uns und eine Erfrischung würde meinen Männern gut tun.", erwiderte er förmlich.

    Weshalb ist meine Mutter nicht anwesend?“ setzte Arolt mit einem besorgten Gesichtsausdruck nach.

    „Mein Prinzregent..nun ja….sagen wir..ähm…eure Mutter befindet sich nicht wohl.“, entgegnete der Alte mit seinen schlohweißen Haaren stotternd. Alle starrten ihn an. Kälte umschloss sein Herz.

    Arolt schwang das linke Bein schnell nach hinten aus dem Sattel und landete sicher auf dem Boden. Mit zwei flinken Schritten war er bei Sir Bergalum.

    „Bringt mich sofort zu ihr!“ flüsterte er. Seine Stimme war kalt und hart.

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