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    in dubio pro lucio Avatar von ...andreas.b...
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    Kleine Fotoschule für Angler – How to photograph a fish

    Für die meisten von uns gehört ein schönes Bild von einem gefangenen Fisch zu einem gelungenen Angelausflug einfach dazu. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, solange der Fisch wenn man ihn unter Beachtung geltenden Rechts wieder zurücksetzen möchte nicht unnötig lange aus seinem Element gerissen wird.
    Aber was ist nun zu beachten wenn man ein Bild erhalten möchte dass sich von einer Vielzahl simpler einfallsloser Schnappschüsse abhebt?
    Dazu müssen wir uns ein klein wenig mit fotografischem Basiswissen und Optik beschäftigen.


    So bitte nicht! Hier wurde praktisch alles falsch gemacht, was sich falsch machen ließ!

    Zuerst einige Grundlagen die für alle gelten, egal ob mit einfachen oder höherwertigen Kameras fotografiert wird.

    Der Fisch sollte Bild füllend und komplett erfasst werden. Also Vorsicht: Angeschnittene Schwanzflossen oder Köpfe disqualifizieren ein ansonsten gelungenes Bild zum lieblosen Schnappschuss. Allerdings sollte das Motiv auch nicht in der Ecke eines „Landschaftsbildes“ verschwinden. Also geht mit der Kamera ruhig richtig dicht ran, nicht zoomen, aber passt auf dass der Fisch komplett auf dem Bild ist. Der Fänger dagegen muss nicht komplett auf dem Bild sein! Gesicht und Oberkörper reichen völlig aus, niemand interessiert welche Hose der Fänger anhat. Andererseits kann natürlich auch eine detailaufnahme sehr spannend wirken.

    Die Perspektive ist ein wichtiges Mittel zur Bildgestaltung. In unserem Falle lässt sich diese durch die Brennweite und den damit entstehenden Bildwinkel vom Fotografen beeinflussen. Ein mit kurzer Brennweite von nahem aufgenommenes Motiv wirkt imposanter und im Vergleich zum Hintergrund größer als ein heran gezoomtes. Zur besseren Veranschaulichung habe ich zwei Bilder des gleichen Fisches angefügt die mit unterschiedlichen Brennweiten aufgenommen wurden.


    Ein schöner Hecht mit einer Brennweite von 24mm fotografiert.


    Der gleiche Fisch mit einer Brennweite von 70mm aufgenommen.

    Wie wir sehen wirkt der Fisch aus kurzer Entfernung im Vergleich zum Fänger größer als bei einem aus größerer Entfernung mit langer Brennweite aufgenommenen Bild.
    Der Effekt lässt sich sogar noch steigern wenn der Fisch etwas nach vorn gehalten wird, übertreibt dies aber nicht sonst wirkt es sehr schnell unglaubhaft.

    Das Licht, wie sollte es anders sein, ist eminent wichtig beim fotografieren. Fotografiert am besten immer mit dem Licht, also Sonne im Rücken, so bekommt ihr gut ausgeleuchtete Bilder mit einem schönen Glanz auf den Schuppen. Vermeidet dabei aber bitte dass euer Schatten auf das Motiv fällt! Solltet ihr aufgrund der Gegebenheiten gegen das Licht fotografieren müssen verwendet unbedingt den Blitz zum Aufhellen. Denn viele Kameras, insbesondere die Kompaktkameras, verwenden eine Helligkeitsmessung die über das gesamte Bild misst. Da nun aber die euch zugewandte Seite des Fängers samt Fisch im Schatten liegt ist dadurch euer eigentliches Motiv, im Vergleich zur Umgebung, viel zu dunkel!

    Die Aufnahmerichtung kann entscheidend sein ob ein Bild in Erinnerung bleibt oder langweilig wirkt. Ein gutes Fangbild wird aus Höhe des Fisches oder leicht darunter fotografiert. So wird das entscheidende Bilddetail, der Fisch, angemessen dargestellt. Variationen kann es aber geben in der seitlichen Ausrichtung. Ein Bild kann ungemein an Dynamik gewinnen durch eine seitliche Aufnahme.

    Die Aspekte auf die ich nun eingehe erfordern diverse Einstellmöglichkeiten an der Kamera die nicht an jeder Kamera gegeben sind.

    Die Blende bestimmt wie viel Licht durch das Objektiv dringt. Aber nicht nur! Die Blende ist auch dafür verantwortlich wie groß der Bereicht ist innerhalb dessen auf einem Bildetwas scharf dargestellt wird. Kleine Blendenzahl = viel Licht = geringe Tiefenschärfe/große Blendenzahl = wenig Licht = große Tiefenschärfe
    Wenn ihr nun einen bestimmten Bereich im Bild betonen wollt ist eine geringe Tiefenschärfe ein starkes Gestaltungselement.

    Beachtet aber dass die meisten Objektive bei der kleinsten möglichen Blenden-zahl (auch Offenblende genannt) nicht die optimale Abbildungsleistung liefern. Also wenigstens um eine Blendenzahl erhöhen.

    Der Fokus ist der Punkt eines Bildes in dem die maximale Schärfe liegt, damit das Gestaltungselement schlecht-hin. Nicht umsonst spricht man davon auf etwas „den Fokus zu legen“. Bei Aufnahmen von Tieren ist es allgemein üblich den Fokus auf den Kopf, speziell auf die Augen, zu legen. So solltet ihr es auch halten. Natürlich sind eine ganze Menge andere Gestaltungs-möglichkeiten gegeben. Ihr habt einen guten Fisch auf einen selbstgebauten Köder gefangen? Oder wollt einfach nur zeigen womit der Fisch gefangen wurde. Dann legt den Fokus auf den Köder. Ihr habt einen Fisch gefangen mit einem imposanten Gebiss? Dann fotografiert schräg von vorn und legt den Fokus auf das Gebiss. Ihr seht, der Möglichkeiten gibt es viele. Und bevor ihr abdrückt gebt der Kamera ein wenig Zeit zum Scharfstellen, bei den meisten Kameras geschieht dies durch Halten des halbgedrückten Auslösers.



    Der Ablauf des eigentlichen Fotografierens sollte so kurz wie möglich gehalten werden. Schließlich hantiert ihr mit einem Lebewesen. Einige Sportfreunde haben bereits vor dem Angeln ein Stativ samt Kamera aufgebaut und fotografieren sich per Fernauslöser. Dies ist eine praktikable und gute Lösung allerdings könnte es an stark frequentierten Angelstellen gewisse Vorbehalte befeuern. Die beste Lösung ist, wenn ihr mindestens zu zweit unterwegs seid, wenn euch ein Angelkamerad fotografiert während ihr den Fisch versorgt.

    Zum Schluss noch ein paar Worte zum Präsentieren des Fangs. Haltet am besten den Fisch etwa brusthoch mit leicht angewinkelten Armen. So kann der Fisch Bild füllend dargestellt werden und ihr seid auch noch mit drauf. Denkt daran ihr wollt den Fisch präsentieren und nicht eure Hände, versucht also den Fisch so zu halten dass möglichst wenig von euren Händen zu sehen ist. Außerdem sollte der Fisch nicht nach vorn oder hinten wegkippen, sondern aufrecht ins Bild gehalten werden.

    Dies sind bei weitem nicht alle Aspekte die ein gutes Bild ausmachen aber damit sollte einem schönen Fangfoto nichts im Wege stehen. Ihr solltet aber beachten dass es immer auch von der Fähigkeit und der Erfahrung des Fotografen abhängt wie imposant zum Schluss das Foto wirkt. Wenn ihr euch aber meine Tipps zu Herzen nehmt sollte es keine Probleme geben und euer Fangfoto wird zu einer dauerhaften und schönen Erinnerung werden.
    Viele Grüße aus'm Osten
    Andreas

    Deutscher Hechtangler-Club e.V.
    Catch & Decide

    >> Alle Angler sind Gastangler, fast überall! <<

    "My worst nightmare is, when I am dead, that my wife sell my Fishingstuff for what I said I paid"


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