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  1. #1
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    Hochwasser Deutschland 2013

    Aufgrund der Tendenzen aus dem anderen Thema einen Katastrophenthread zu machen, gebe ich diesen Bestrebungen jetzt hier Raum.

    So traurig wie die Lage für viele Menschen in Deutschland sein mag, so bitter ist die Erkenntnis, dass immer noch zu wenig "absaufen" bis endlich die erforderlichen Maßnahmen durchgeführt werden um den Flüssen mehr Platz zu verschaffen.

    Super Beitrag, Danke an das FAKT - Team.

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  3. #2
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    Das muss man sich mal vorstellen,...

    ... welche Mittel im Bereich von Ursache - Wirkung letzterem bereitgestellt werden, nur um die Interessen einiger weniger gerecht zu werden. Unglaublich!

    ZDF -Spezial "Teure Fluten - nichts gelernt"

    vom 04.06.13


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  4. #3
    AnRheiner
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    Die Forderung, Flüssen wieder mehr Platz zu geben, ist aller Ehren wert und ich unterstütze es voll und ganz.

    Allerdings sehe ich auch erhebliche Probleme in einer, ohne Zweifel, sinnvollen Renaturierung. Diese liegen gerade auch darin begründet, weswegen wir unsere Gewässer immer mehr einengen. Auch wenn ich weiß, dass mich der eine oder andere am liebsten gleich steinigen würde, würde ich doch gerne mal, etwas nüchtern, ein paar Punkte zu bedenken geben.

    Nehmen wir bspw. mal den Rhein - der aufgrund der jetztigen Katastrophe in anderen Gewässern vielleicht etwas objektiver zu besprechen ist. Zwischen Pfalz, Baden, und dem Mittelrheintal hätte man genügend Platz dem Vater Rhein wieder freie Bahn zu lassen. Die Altarme und alten Flußbetten zeigen, dass er dort regelmäßig den Verlauf geändert hat über die Jahrmillionen. Aber warum können wir das nicht wieder haben?
    a) Weil der Rhein für die Schiffart dann nicht kalkulierbar wäre und wir alle wollen Waren doch überall haben.
    b) Weil der Rhein dann auch vielleicht mal ein Gebiet einverleibt, dass heute bewohnt ist.
    c) ...und letztlich die Leute in dem Gebiet häufiger Hochwasser vor der Tür haben würden.
    usw.

    ...denn "mehr Platz" für Gewässer bedeuted ja überhaupt nicht, dass es dadurch KEINE Hochwasser mehr gibt. Ganz im Gegenteil. Die Gebiete würden viel früher überflutet und häufiger, im Zweifel jährlich, nur bestimmte Gebiete (bspw. Städte am Fluß) wären nicht mehr so gefährdet.


    Jetzt kann man natürlich sagen, darum geht es ja auch nicht. Das sind einige träumende Weltverbesserer die so einen ursprünglichen Weg wollen. Letztlich muss es aber darum gehen, großflächige Überflutungsgebiete bereitzustellen. Die Polder bei Mainz und Ingelheim sind ja solche "Bedarfsflächen". Aber auch wenn sie zusammen mehrere Mio m³ fassen, so fällt dahinter der Rhein fast unmerklich. Wer so etwas also fordert muss bedenken, dass er riesige Flächen braucht, weil das Wasser ja nicht 10-15 m hoch steht, sondern häufig nicht mehr als ein oder zwei. Der Schutz für einige Orte und Menschen würde also auf Kosten anderer Orte und Menschen erkauft werden müssen. Wer möchte diese Rechnung jetzt aber aufmachen? Meinen wir diese Forderung wirklich ernst, wird Deggendorf, der Oderbruch - klassische Überschwemmungsgebiete - nicht nur alle paar Jahrhunderfluten unter Wasser stehen, sondern regelmäßig, nur vielleicht niedriger.

    Bei hohen Risiken für Gebiete, werden solche Flächen auch durch das Sprengen von Deichen geschaffen - wie ja bei Bitterfeld bspw. gerade geschehen. Aber das diese Flächen von uns dem Wasser, auch bei Hochwasser, abgerungen werden bis zum äussersten hat ja auch einen Grund. Auch in diesen potentiellen Bereichen gibt es Straßen, Autobahnen, Felder, Industrie, Wohngebiete. Hier müssten sich viele Leute einschränken, evtl. umziehen oder umgesiedelt werden, wenn bei jedem besseren Hochwasser der Rhein anklopft, was dieser derzeit nicht tut.

    Die Parole - mehr Platz für unsere Flüsse - ist so gut wie richtig. Das "wie machen wir das aber" sollte dabei nicht vergessen werden. In einem so dicht besiedelten Land ist das extrem schwer umzusetzen und wahrscheinlich auch mit einem gewissen Wohlstandspreis zu bezahlen. Wir hätten dann in den meisten Fällen vielleicht nicht so hohe Schäden, die dafür viel öfter. Ich unterstütze völlig, dass wir die drei großen Probleme: Versiegelung, Begradigung, Ausbaggern genauso angehen sollten, hier den Gewässerschutz an den Gründen zu packen, wie an der einen oder anderen Stelle die Mauern zu erhöhen.
    Jedes für sich genommen wird nichts bringen.

    Eine kleine Anmerkung sei mir noch erlaubt. Im Moment scheint es so, als würde eine völlige Renaturierung von Flüssen (ob sie geht oder nicht) vor solchen Hochwassern schützen und dass das Ganze ja nur ein Problem der letzten einhundert (plus/minus) Jahre ist. Zumindest bekommt man immer stärke das Gefühl, wenn heute über Hochwasserschutz debattiert oder geschrieben wird.
    Das ist ein Trugschluß. Früher standen die breiten Landstriche einfach nur häufiger unter Wasser und hat Ernten vernichtet und Menschen aus ihren Häusern vertrieben. Das passiert heute weniger über die weite Fläche. Aber solche Hochwasser wie heute waren, wie wir aus Passau und Halle ja wissen, schon vor hunderten Jahren erreicht worden. Bei weniger Versiegelung, weniger Begradigung, weniger tiefen Flüssen. Ich möchte gar nicht wissen, was die Fluten von damals heute anrichten würden. Im Übrigen, ich weiß, schwacher Trost, ein Hochwasser ist heute schneller da aber auch schneller wieder weg, weil wir unsere Gewässer so verunstaltet haben.

    Fakt ist also - egal was wir machen, die Natur wird uns eine runterhauen, wenn es mal wieder an der Zeit ist. Ob bei kompletter Renaturierung oder komplettem Zubau. Wir sollten vielleicht auch lernen damit zu leben und nicht ständig in Überflutungsgebieten weiterzubauen und der Natur immer mehr Land abzutrotzen und zwischen unserem modernen Leben und der (Re-)Naturierung einen optimalen Kompromiss zu finden. Was auch immer bedeuted, mit zeitweise nassen Füssen zu leben.

    Hochwasserkatastrophen dieser Art werden wir nie endgültig verhindern können, wir können nur versuchen sie durch einen möglichst intelligenten Mix verschiedenster Hochwasserschutzmaßnahmen selten zu halten. Dazu gehört das beheben von Gründen die ein Hochwasser so katastrophal werden lassen genauso, wie das Erhöhen von Deichen, als Beispiel.

    Grüße
    Piety

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  6. #4
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    Bitterfeld ist ein gutes Stichwort! Da Frage ich mich als Laie, wieso schon wieder ein Deich gebrochen ist und Wasser in den Goitsche See fließt? Ist die Wassermenge zu klein, die das Areal aufnehmen kann? Wieso wird es nicht als Polder oder Stau mitgenutzt?

    Und noch eine Sache. Der Prof im Spezial beklagt das die Finanzierung sehr langfristig angelegt ist und das nicht die Möglichkeit besteht, alle Gelder sofort bereitzustellen. Da sollte zwangsläufig die Frage nach dem volkswirtschaftlichen Schaden solch einer Katastrophe kommen. Aber darin liegt ja die Idiotie! Volkswirtschaftlich ist halt sehr anonym! "Volkswirtschaftlich" ist in meinen Augen nur eine Phrase!

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  7. #5
    Pikehunter Avatar von jewe68
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    Bekannt sollte ja sein,das für alles und jeden Geld da ist,nur nicht für die eigene Bevölkerung.
    Sei du selbst,denn alle anderen gibt es schon(Oskar Wilde)

    Kein Freund von Schlägern bei Inkasso Moskau

  8. #6
    AnRheiner
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    Um Gelder bereitzustellen muss man sie auch haben...in Zeiten knapper Kassen eben auch nicht ganz einfach und es gäbe viele Dinge, die ähnlich dringend währen...aber darüber möchte ich mich gar nicht auslassen.

    Ganz ehrlich gesagt, werde ich, vielleicht aus mangelnder Ortskenntnis und meinem nicht aktuellen Wissen zur Lage in Bitterfeld, nicht ganz schlau aus Deinem Satz, auch wenn ich eine Vermutung habe.

    Wenn Deiche brechen, dann meistens, weil sie das dahinter liegende Umland schützen bzw. nicht mehr schützen können...das natürliche Überflutungsgebiet. Im Grunde also der Bereich, den man, wenn man den Flüssen mehr Freiraum bieten möchte, grundsätzlich (eher) freigeben müsste.

    In Bitterfeld hat man ja gerade versucht durch die Sprengung eines Deiches - ich meine Gestern - einen "Sofortpolder" zu schaffen. Letztlich ist das aber immer mit Risiko verbunden, weil man einen solchen Schritt ins unbekannte Gebiet nicht rückgängig machen kann. Hat man sich irgendwo mit einer Vermessung vertan bekommt man Bilder wie in Deggendorf.
    Polder, also auch "richtige", d.h. ohne Sprengung, können aber auch nicht überall gebaut werden. Wie gesagt, Du brauchst eine riesige Fläche die möglichst nicht bewohnt ist oder keine wichtigen Infrastrukturen wie Bahnlinien, Bundesstraßen oder Autobahnen etc. hat. Dann muss das Gebiet auch noch möglichs weit unter dem Wasserspiegel liegen um eine möglichst große Menge Wasser aufzunehmen, die wirklich Entlastung bringt.

    Der Polder Ingelheim bspw. umfasst 162 ha (!), also 1,62 km² und ist "nur" für bis zu 4,5 Mio m³ gut. Für 2,5 Mio m³ hat der Rhein dieses mal lediglich 10h gebraucht (mehr war aufgrund des Pegelstandes nicht möglich). Danach stand der Rhein immer noch so hoch wie vorher, die Scheitewelle ist erst 24-48h später gekommen. Sicherlich hat es ein wenig Entlastung in Kaub gebracht...aber er ist nicht einmal richtig mess-, maximal schätzbar. Was nach der Flutung passiert, passiert ob der Polder da ist oder nicht. Wird er noch deutlich voller, ist die Überschwemmung der A60 fast nicht zu verhindern. Das Chaos wäre grandios.

    Ein wesentlicher Punkt bei den Poldern ist eben die Lage und benötigte Größe. Wenn Du eine Mio m³ Wasser hast, dann kannst Du kannst Du das auf 1 km² verteilen und hättest eine Tiefe von 1 m. Wenn Du eben eine Fläche mit durchschnittlich 4 m Tiefe hast, dann sind das mind. 4 Mio m³, die du an die Seite schaffen kannst. Aber die Tiefe musst Du eben auch haben. Wenn es nur 2 m sind, brauchst Du analog auch 2 km² um die 4 Mio m³ wegzubekommen....

    ...und mal so ein Vergleich, von was für Wassermassen wir überhaupt reden: Laut einer Netzangabe fließt die Mulde bei Bitterfeld mit ca. 100 m³ pro Sekunde im "normalem" Zustand. Derzeit sind es geschätzte 1.800 m³ pro Sekunde. Wenn wir jetzt einen Polder hätten wie in Ingelheim (maximal 4,5 Mio m³) und die komplette Mulde da rein laufen lassen könnten, bräuchten wir rechnerisch nicht einmal eine Dreiviertelstunde um alles vollzumachen. Danach ginge das Hochwasser wie gewohnt weiter...

  9. #7
    Träger Ehrennadel Gold Avatar von Vielfischangler
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    Ok Piety, du hast recht, ich muss mich präzisieren. Ich hatte die Bilder von 2002 vor Augen und damals wurde der Goitzsche Tagebau innerhalb von 2 Tagen geflutet. Also Frage (wenn der jetzige Deichbruch an ungefähr der selben Stelle ist): Wieso keine Siel (Poldertor)?

    Und deine Berechnungen in allen Ehren. Aber, es geht um das Kappen des Scheitels der Flutwelle und damit mitnichten den kompletten Wasserdurchgang des Flusses.

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  10. #8
    Profi-Petrijünger
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    Renaturierung ist teilweise gar nicht mehr möglich da durch Flurbereinigungen Eigentumsgrenzen verschoben wurden und sich keiner rantraut in teilweise großem Umfang den früheren Zustand wieder herzustellen.

    Ein Beispiel: bei uns in der Nähe gibt es einen Augraben der im zuge einer Flurbereinigung geschaffen wurde Länge ca. 12km. Nach Erzählungen von meinem Opa wurde bei uns, vor "erschaffen" des Grabens, die Felder erst überschwemmt wenn mehrere Tage starker Regen war. Heute mit dem Graben der zur Entwässerung der Felder dient steht nach kurzer Zeit schon das Wasser in den Feldern.

    Auch die moderne Landwirtschaft trägt ihre Mitschuld, früher wurden die Felder kleiner gehalten und abwechselnder gepflanzt (z.B. 1Tagwerk Mais daneben 1 Tagwerk Weizen daneben 1 Tagwerk Kartoffel). Heute werden teilweise Hektarweise die gleichen Sachen angebaut wenn man sich nen Kartoffelacker ansieht und sich vorstellt was passiert wenn der Boden keinen Regen mehr aufnehmen kann, so hat man ein Feld mit vielen Kanälen die zielgerichtet das Wasser transportieren und das über eine große Fläche. Mais ist fast das gleiche bietet Wasser auch wenig Wiederstand und das bei der Fläche die für Biogas angebaut wird....

    Und zum Thema Überschwemmungsschutz in Städten gefällt mir am besten die Aussage des OB von Regensburg. "Es ist schwierig 5 Mio. Euro für Hochwasserschutz zu fordern wenn das Wasser nicht vor der Tür steht, aber Heuer hat es sich ausgezahlt." Und in Regensburg waren es dieses Jahr 2m mehr als 2002 aber bei weitem weniger Schäden.
    In anderen Städten wurden Hochwasserschutzmaßnahmen per Bürgerentscheid verhindert weil Anwohner dagegen waren und andere Städte haben seit 2002 nichts oder wenig in diese Richtung unternommen. Umfangreiche Hochwasserschutzmaßnahmen für Passau hätten angeblich 150 Millionen gekostet (unbestätigte Zahl) bezahlen hätte es wohl die Komune müssen zwar mit Zuschüssen aus Berlin aber dennoch ein Haufen Geld.

    Aber alles diskutieren hilft nix Mutter Erde hat uns a Watschn geben jetzt heißts aufräumen und wieder von vorne is ja schon 11 Jahre her und dieses mal war alles besser geplant gegen die Flut wurde wenig getan das Management dazu um 100% verbessert.

    Zum Schluss noch ein Globaler Blick, Japan Tsunami, Amerika Twister, China Erdbeben, usw. usw. Es häuft sich die letzten Jahre die Natur zerstört immer wieder den Lebensraum von vielen Menschen oder ist es umgekehrt?
    C&R Debatten Nerven und bringen nix!!!!

    Geht fischen und hört auf zu streiten!

  11. #9
    AnRheiner
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    Zitat Zitat von Vielfischangler Beitrag anzeigen
    Ok Piety, du hast recht, ich muss mich präzisieren. Ich hatte die Bilder von 2002 vor Augen und damals wurde der Goitzsche Tagebau innerhalb von 2 Tagen geflutet. Also Frage (wenn der jetzige Deichbruch an ungefähr der selben Stelle ist): Wieso keine Siel (Poldertor)?
    Da musst Du jemanden Fragen, der Dir das beantworten kann.



    Das Problem, wenn ich mich aber richtig entsinne, ist in Bitterfeld, dass der Goitzsche See zuviel Wasser aufnimmt. Zudem muss man sagen, dass 2002 Bitterfeld teilweise trotz des Vollaufens teils überflutet wurde. Der Sollwasserstand wurde um über 3 m übertroffen. Jetzt, heute, kann das Gebiet nicht mal annähernd soviel Wasser aufnehmen (da ja schon voll).



    Ob es noch weitere Tagebaugruben (leere) gibt - keine Ahnung. Die allerdings müssten dann aber auch aufgrund einer natürlichen Umgebung so liegen, dass sie auch richtig volllaufen können.





    Und deine Berechnungen in allen Ehren. Aber, es geht um das Kappen des Scheitels der Flutwelle und damit mitnichten den kompletten Wasserdurchgang des Flusses.


    Da hast Du natürlich recht. Guter Punkt...machen wir damit weiter und gucken mal gerne eine vereinfachte Variante für den Scheitelpunkt an.



    Dabei ist die wichtigste Prämisse - man weiß, wann der Scheitelpunkt kommt. Hier am Rhein haben sie sich um gut 48h vertan.



    Nehmen wir an, dass das Wasser linear steigt und fällt, gleichmäßig. Ist zwar nicht entsprechend der Realität, denn der Höchststand hält in der Regel länger als nur eine Sekunde, aber alles andere ist komplexer zu berechnen.



    Zweite Vereinfachung; wir nehmen an, dass die Wassermenge gleichmäßig zunimmt (also quasi ein rechteckiger Kanal). Dabei lassen wir außer Acht, dass die Wassermenge im Querschnitt eines Flusses mit jedem cm Höhe überproportional steigt, weil es sich immer weiter ausbreitet. Kurz bei einem Fluß mit Hochwasser von steigt der Durchfluß pro jeden weiteren cm nicht um die gleiche Menge, sondern die nimmt zu.



    Dritte Vereinfachung; der Polder kann sehr exakt geöffnet werden ab einem bestimmten Stand, muss also nicht die ganze Wassersäule sondern kann nur die Spitze aufnehmen.



    Vierte Vereinfachung; wir können die Spitze exakt in Zeitpunkt und Dauer vorhersagen.



    Fünfte Vereinfachung; der Anstieg des Wasser übersteigt nicht die Aufnahmegeschwindigkeit des Polders. Ingelheim kan 50 m³ pro Sekunde aufnehmen, wenn aber 75 m³ umgeleitet werden müssen, bleiben 25 m³ als höhere Pegel zurück.



    Zur Berechnung:

    Wir hatten 100 m³ pro Sekunde im Normalwasser. Vereinfacht gesagt ist das ein 50m breiter Fluß bei 2 Meter Wassertiefe. Jede Sekunde fließt das Wasser einen Meter weiter. Ok?



    Die Deichkrone hängt bei 7,50 m. Da mit jedem cm auch die Deiche zusätzlich überproportional belastet werden, kann man nicht warten, bis das Wasser fast drüber schaut, sondern muss schon vorher anfangen die "Spitze" abzufedern und auch länger, weil sonst, wie derzeit, die aufgeweichten Deiche später brechen (und nicht überflutet werden).



    Auch hier etwas vereinfacht, sagen wir, dass Hochwasser soll bei 7m gehalten werden, weil auch dort der Polder anfängt zu arbeiten, erwartete Spitze 8m. Durch das regelmäßige Ansteigen und Abfließen des Wassers haben wir eine durchschnittliche Höhe von 7,50m.



    Das wäre also ein halber Meter, auf 50m Breite = 25m³ pro Sekunde, die für den Zeitraum abgeschöpft werden muss, die das Hochwasser über 7m ist. Das sind jetzt für

    jede Minute: 1.500 m³

    jede Stunde: 90.000 m³

    jeder Tag: 2.160.000 m³



    Nur um die Spitze abzufangen wäre der Ingelheimer Polder nach etwas über 2 Tagen trotdem voll...das kritische, wenn man es am Rhein so nennen darf im Vergleich, Hochwasser dauert jetzt gut 5 Tage.

    Wenn man jetzt sagt, es steigt in der Spitze nur bis 7,50, hätte man nicht ganz vier Tage. Gleiches würde gelten, wenn man den Polder erst exakt an der Deichkrone öffnen könnte und dann die Spitze bei 8m beläst.



    Und jetzt das Ganze mal mit etwas mehr Realität.

    Die Mulde - 100m³ pro Sekunde Wasserdurchsatz, entspricht ungefähr unserem Model unter den gegeben Prämissen (Breite, Tiefe, Wasser fließt mit einem m pro Sekunde). Jetzt reden wir hier aber nicht über einen Anstieg wie oben im Rechteck, dann wären wir bei 7 m ja "nur" auf einem Durchsatz von 350m³ pro Sekunde - wir sind bei 1.800 m³ (geschätzten). Der Durchsatz pro cm Anstieg ist ja sehr deutlich überproportional, weil sich das Wassser naturgegeben ja nicht in einem Rechteck befindet, mit senkrechten Wänden, sondern nach oben hin sich mehr oder minder deutlich verbreitert. Die Spitze, die zu kappen wäre, wären also kaum 25m³ sondern erheblich mehr. Ich denke selbst 100m³ pro Sekunde wären sehr optimistisch und würde nur reichen wenige cm Spitze zu nehmen.

    Dann hätten wir für 24 h 8,6 Mio m³ die an die Seite müssten.



    Auch hier im Vergleich zum Polder Ingelheim, bräuchte man schon gut über 2 km² die man vier Meter unter Wasser setzen kann. FÜR EINEN TAG Hochwasser, von denen wir hier aber gar nicht reden können. Für sagen wir drei Tage und auch das wäre optimistisch, bräuchten wir entweder das dreifache an Tiefe oder die dreifache Fläche...die dafür geeignet sein muss.

    - also nah am Fluß,

    - entsprechend unter (!) der Wasserlinie

    - als Hochwasserrückhaltebecken (aktives) unbewohnt, ohne wesentliche Infrastruktur.



    Finde das mal in einem Land wo nahezu jeder km² irgendwie besiedelt ist.



    Also, wie Du siehst, auch wenn es hier nur um die Spitze geht, die man abmildern möchte um "sicher" zu bleiben, ist das nicht so ganz einfach. Schon gar nicht, wenn wir hier über außergewöhnlich hohe Hochwasser reden und nicht über den normalen Standard.



    Nur mal so als weiteres Größenbeispiel. Nehmen wir an von den 1.800 m³ Wasser pro Sekunde müssten 300 m³ umgeleitet werden um ein halbwegs akzeptables Risiko zu erhalten, wo Dämme evtl. nicht gesprengt werden müssen, die restlichen Flutgebiete es schaffen und die Dämme auch bei längerer Belastung nicht zu sehr aufweichen und brechen...und diese natürlich nicht Gefahr laufen überspült zu werden. Dann wäre die Möhnetalsperre (ca. 133 Mio m³), ein wirklich imposanter See von über 1.000 ha (bei durchschnittlich 35-37m Tiefe) innerhalb von vier Tagen voll.



    Lange Rede, kurzer Sinn.

    Hochwasserrückhaltebecken und Bedarfsüberflutungsgebiete sind ein wichtiger Bestandteil des Hochwasserschutzes und haben ihren festen Platz und sollten natürlich wo möglich ausgeweitet werden. Da wir hier aber nicht von größeren Badewannen reden, sondern von gigantischen Wassermengen, müssen wir entweder riesige Polder haben oder viele davon. Das wiederum ist in einem besiedelten Land wie dem unseren, wo man dann auch noch spezielle geographische und geologische Bedingungen für einen Polder braucht, nicht so einfach. Das alleine wird nicht reichen.

    Grüße
    Piety

    Zitat Zitat von Donau Fischer Beitrag anzeigen
    Zum Schluss noch ein Globaler Blick, Japan Tsunami, Amerika Twister, China Erdbeben, usw. usw. Es häuft sich die letzten Jahre die Natur zerstört immer wieder den Lebensraum von vielen Menschen oder ist es umgekehrt?
    Hier muss man vielleicht vorsichtig sein. Solche Katastrophen gab es auch früher recht regelmäßig, nur hat man
    a) weniger darüber berichtet (nicht jeder lief mit einer Kamera durch die Gegend)
    b) gab es insgesamt weniger Menschen/ Gebäude/ Straßen etc. die Schaden nehmen konnten. Wieviel Menschen, nur mal Deutschland, sind denn in den letzten 30 Jahren in "billigere" Häuser in Überflutungsgebiete gezogen? Direkt bei uns, quatsch, bei meinen Eltern, 150 m weiter, ist ein kleiner Bach. Kaum zwei Meter breit, im Schnitt vielleicht 50-75 cm tief. Alle ältern Häuser (Baujahr bis ca. 1970) sind mit soviel Abstand gebaut worden, dass nichts passieren kann. Jetzt hat man ein ganz neues Siedlungsgebiet freigegen, in einer Senke, direkt am Bachlauf. Aufgrund von "Hochwassergefahren" (bei starken Gewittern) darf dort nur mit Wanne gebaut werden.... eine Versicherung dort kann man nicht erhalten. Und trotzdem stand bei einigen schon das Wasser im Keller bzw. im Wohnzimmer und das Geschrei war groß... Es gab Schäden, teilweise mehrere tausend pro Haus. Meiner Meinung nach auch selbstgemacht.
    c) sollte man auch hier an "Inflation" denken. Das gleiche zerstörte Gebäude würde heute mit mehr monetärem Schaden bewertet als noch vor 20 Jahren.

    Auch das heutige Hochwasser in Deutschland ist ein WETTERphänomen und kein KLIMAphänomen und gab es, wie wir ja selbst aus den Medien entnehmen können, schon vor hunderten von Jahren. Lange vor dem menschengemachten Klimawandel.

    Sicherlich sollte man sich klar machen, dass anscheinend, zumindest laut vielen Wissenschaftlern, Extremwetter zunehmen (was übrigens nicht für Tsunamis oder Erdbeben gilt, die haben nicht zugenommen statistisch) aber wir müssen uns auch immer mal wieder darüber klar werden, was statistisch korrekt ist und was nur aufgrund geänderter Lebensverhältnisse (Medien, Siedlungen, Bebauungen etc.) uns bewusster wird bzw. dadurch zustande kommt.

    Wenn wir eben alles zubauen, begradigen, bereinigen, vertiefen etc. um wirtschaftlich nutzbares Land bzw. Wege zu haben, dann müssen wir uns nicht wundern, dass der Schaden dann bei Hochwasser auch steigt und diese evtl. auch öfter vorkommen.
    Geändert von FM Henry (08.06.2013 um 08:58 Uhr) Grund: Mehrere Einzelbeiträge zusammengeführt. Bei kurzen Zeitabständen künftig bitte die Beitrag-ändern-Funktion nutzen

  12. #10
    Allroundschneider Avatar von Regulator87
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    Wenns mal soweit ist, weiss man, dass irgendwas schief läuft
    Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hats einfach gemacht!

  13. Der folgende Petrijünger sagt danke an Regulator87 für diesen nützlichen Beitrag:


  14. #11
    Porzellanstadtangler Avatar von pike 84
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    Auch wir in der meissener Innenstadt haben erstaunlicher weise viele Giebel in den überspülten strassen

  15. #12
    Profi-Petrijünger Avatar von variatio2007
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    Hallo ich suche noch mitfahrer die zeit haben ab morgen nach lauenburg zu fahren um dort zu helfen... fahre aus dem siegerland, wenn noch wer mitfahren will bitte per PN melden
    http://www.quellengrund.de/bilder/aktuelle/26.04.09/2.jpg

    Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert!

  16. Der folgende Petrijünger sagt danke an variatio2007 für diesen nützlichen Beitrag:


  17. #13
    Petrijünger
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    Hallo,

    schlimme sache was da passiert, gerne würde ich helfen kann aber nicht da ich gerade in den Prüfungen stecke, leider. Ich hoffe das die Betroffenen wenigstens etwas entschädigt werden.

    aber das zeigt uns mal wieder das wir der Natur kein Korsett anziehen können. Ich glaube trotzdem nicht das ein umdenken statt findet.
    Der der die Fische sucht.

    Minimal Tackle, maximale Flexibilität.

  18. Der folgende Petrijünger sagt danke an alltogo für diesen nützlichen Beitrag:


  19. #14
    AnRheiner
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    Weil es gerade so aktuell ist und zu der anfänglichen Diskussion hier im Beitrag passt....

    ...In einem Brennpunkt (ARD) habe ich vor ein paar Tagen den Kommentar gehört, dass den Flüssen wieder mehr Platz gegeben werden müsse. (Dagegen natürlich keine Einwände...) Das aber auch versäumt wurde Überflutungsflächen zu schaffen sowie andere Möglichkeiten. Alleine in Sachsen-Anhalt würden für Polder mehr als 11.000 Hektar geeignetes Land zur Verfügung stehen was mehr als ausreichend sei.

    Bei letzterem Satz habe ich mich erst einmal gefragt, was dann die Gebiete machen die vor den Poldern in Sachsen-Anhalt liegen aber das ist eigentlich nicht der springende Punkt.

    11.000 Hektar klingt erst einmal unglaublich viel - aber bei genauem Hinsehen merkt man erst, wie verzweifelt eine solche Aussage ist.

    http://www.focus.de/panorama/welt/dr...did_45390.html

    Im Untertext zu diesen Fotos von heute wird die Lage in Fischbeck angedeuted. Es ist ein 20km x 10km großer See entstanden - das sind alleine 20.000 Hektar. Und es ist wahrlich nicht der einzige Deichbruch der letzten Tage und trotzdem ist die Situation zwar entspannter aber immer noch an vielen Orten kritisch.

    Den Flüssen mehr Platz in allen Ehren, aber man sollte sich vor Augen führen, dass wir in unserem durchgeplanten Land für solche Bedingungen nie genügend Überflutungsgebiete schaffen können. Es ist nur unglaublich, wieviel Leute (Politiker, "Experten" etc.) sich auf diese Losung versteifen, sehenden Auges, dass es beim nächsten Jahrhunderhochwasser wieder nicht reichen wird.

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