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  1. #1
    Super-Profi-Petrijünger Avatar von Lahnfischer
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    Spinnfischen auf Frühjahrshechte



    Hi @ all,

    mit Beginn des Frühjahrs so ab Ende Februar bis - je nach Witterung - weit in den April hinein ziehen die Hechte in das flache ufernahe Wasser, um sich zu vermehren.
    Früher waren die Laichplätze bevorzugt die vom Frühjahrshochwasser überschwemmten Wiesen, heute im Zuge der Gewässerverbauung legen sie den Laich mangels Überschwemmungsflächen an flachen Stellen mit reichlich Planzenbewuchs ab.
    Mit ein wenig Glück und Ausdauer kann man sie dabei sogar beobachten, denn sonderlich scheu sind sie zu dieser Zeit nicht, da haben sie anderes im Kopf…

    Da das Laichgeschäft eine Menge an Energie nach der eh schon harten Winterzeit kostet, sind die Hechte nach dem Laichen ziemlich hungrig und wenig wählerisch im Bezug auf ihre Beute.
    Gerade diese flachen Stellen erwärmen sich auch recht schnell und damit erwacht dort generell das Unterwasserleben am schnellsten.
    Mit der dort aufkommenden Flora kommen hier auch reichlich Fischnährtiere auf und im Schlepptau Futterfische in die flachen Regionen, zum einen zum Fressen, zum anderen um ebenfalls für Nachwuchs zu sorgen.Infolgedessen verbleiben auch die Hechte eine ganze Zeitlang in den flachen Bereichen, um sich ohne viel Aufwand an diesen Futterfischen gütlich zu tun, sie schwimmen ihnen quasi direkt vor das Maul.
    Auch der eigene Nachwuchs ist dabei nicht vor ihnen sicher, Hechte sind in dieser Beziehung nicht wählerisch und durchaus kannibalisch veranlagt.

    Je nach Witterung und Wassertemperatur, nach der sich ja die Laichzeiten richten, bleiben auch die großen Hechte nun bis teilweise Mitte/Ende Mai ufernah im Flachen, bevor sie sich wieder in das Freiwasser oder andere Reviere zurückziehen.

    Da in den meisten Bundesländern die Hechtschonzeit Mitte April oder Anfang Mai endet, sind die Chancen auf eine erfolgreiche Hechtpirsch außergewöhnlich gut, ähnlich wie im Herbst von Ende September bis oft weit in den November.

    Die beste und erfolgreichste Angelmethode ist nun eindeutig das Spinnfischen. Zwar wird ein Hecht auch einen stationär angebotenen Köderfisch nicht verschmähen, aber bedingt dadurch, dass man beim Spinnfischen eine wesentlich größere Wasserfläche absucht und der Hecht nun auf der Lauer liegt, sind die Erfolgsaussichten beim Spinnfischen um ein Vielfaches größer.
    Auch werden mit Kunstködern durch den sofortigen Anschlag wesentlich weniger Fische verangelt wie mit Köderfischen.





    Man sollte aber bedenken, dass die Hechte jetzt noch nicht so gut im Futter stehen und lange nicht diese Fleischqualität wie im Herbst haben. Deswegen meine Bitte, entnehmt nur wirklich so viel Fisch, wie ihr auch wirklich selbst schnell verwerten könnt und setzt den einen oder anderen gefangenen Fisch wieder zurück, gerade beim Spinnfischen im Frühjahr sind Mehrfachfänge keine Seltenheit und die Bestände können meist eh nur mit umfangreichen Besatzmaßnahmen aufrecht erhalten werden.

    Auch sollte man das Angeln einstellen, wenn man sieht, dass die Hechte noch nicht abgelaicht haben und dies auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

    Stellensuche und Taktik:

    Wie schon oben im Text erwähnt stehen die Hechte bis Mitte/Ende Mai im relativ flachen Wasser, oft direkt in Ufernähe, unabhängig von der Gewässerart. Das können stellenweise Plätze mit einer Wassertiefe von deutlich unter einem Meter sein, wo man den Hecht so schnell nicht vermuten würde.
    Erfolgreiche Stellen sind nun eben diese Flachwassergebiete, vor allem wenn sie eine Menge an Planzenbewuchs aufweisen. Der Hecht steht jetzt in Deckung zwischen den Wasserpflanzen, umgestürzten Bäumen usw.





    Ebenfalls Erfolg versprechende Stellen sind Abbruchkanten in der Nähe von diesen flachen Zonen. Der Hecht steht gerne in der Deckung unterhalb dieser Kanten und wartet auf Fische, welche die Kante auf dem Weg ins Flachwasser passieren müssen oder kommt zum Rauben ins Flache.
    Weitere potentielle Hotspots sind die üblichen Einmündungen von Zuflüssen, ruhige Rückströmungen von Wehren, Buchten, über das Wasser hängende Schatten spendende Bäume aber auch die so genannten Barschberge, die oft mitten im Wasser bis knapp unter die Oberfläche reichen. Hier ist dann natürlich der Bootsfahrer im Vorteil.
    Die erfolgreichsten Angelzeiten sind morgens und abends, allerdings ist auch Tagsüber immer mit Bissen zu rechnen, so warm ist das Wasser ja noch nicht und die Hechte sind hungrig und meist aggressiv.

    Oft kann man durch reine Beobachtung schon aussichtsreiche Stellen finden:
    Jagende Hechte machen sich oft durch auseinanderspritzende Weißfische bemerkbar und auch wenn dies nicht der fall ist, so kann man bei einem entdeckten Schwarm von Futter- und Brutfischen fast darauf wetten, dass ein Hecht in der Nähe lauert.

    Wer nun stundenlang einen einzigen Hotspot anwirft, der vergibt wertvolle Zeit und Fangmöglichkeiten; Strecke machen ist das Mittel der Wahl, um die Hechte zu finden und fangen.
    Mehr als 10-20 Wurf an einem Platz (kommt natürlich auch auf die Größe an) ist meiner Meinung nach sinnlos und führt in den allerwenigsten Fällen noch zum Erfolg. Die Hechte sind wie gesagt zu dieser Zeit hungrig und aggressiv und schnappen entweder gleich zu oder gar nicht.



    Meine ersten Würfe versuche ich immer parallel zum Ufer bzw. dem Uferbewuchs zu machen, bevor ich fächerförmig das vor mir liegende Gebiet abfische.
    Auch wechsele ich selten den Köder, ich benutze einen Köder meines Vertrauens (mit das wichtigste beim Spinnfischen), der dem Gewässer in Hinsicht auf Lauftiefe und Sichtigkeit angepasst ist. Erst wenn ich über eine längere Zeit keinen Biß verzeichnen kann, wechsele ich den Köder, oft erst auf dem Rückweg oder wenn die Gewässergegebenheiten dies verlangen.

    Entgegengesetzt der weitläufigen Meinung, Hechte seien Einzelgänger, befische ich nach einem Fang die Umgebung noch einmal besonders intensiv, da ich festgestellt habe, dass geeignete Unterstände durchaus mehrere Hechte beherbergen können.

    Die Köderführung kann im Gegensatz zum Spätherbst/Winter nun deutlich zügiger ausfallen und der Köder muss nicht in Grundnähe laufen sondern ruhig im oberen Wasserdrittel. Ein Hecht hat anatomisch bedingt den Blickwinkel nach oben, nimmt besonders über ihm laufende Köder wahr und attackiert im Frühjahr/Sommer auch gerne einen Köder, der 2 oder 3 Meter über ihm läuft. Mit diesem Wissen im Hintergrund lässt sich der eine oder andere kostspielige Hänger bestimmt vermeiden.

    Folgendes Gerät ist denn für das Spinnfischen auf den Hecht empfehlenswert:

    Spinnruten:

    als Ruten empfehlen sich Spinnruten in der Länge von ca. 2,40 bis 3 Meter, mit einer harten bis semiparabolischen Aktion und einem Wurfgewicht von ca. 30-80 Gramm. Steckruten sind Teleskopruten dabei an Aktion und Verarbeitung deutlich überlegen. Letztendlich ist es aber mit beiden Rutenarten möglich, das WG wird durch die verwendeten Köderarten und Ködergrößen bestimmt. Die Rutenringe sollten gehärtet sein, so dass sie auch durch den Einsatz geflochtener Schnüre nicht beschädigt werden.

    Spinnrollen:

    An Rollen kommen neben kleineren aber leistungsfähigen Multirollen mit hoher Übersetzung vor allem qualitativ hochwertige Stationärrollen zum Einsatz. Gerade das Spinnfischen stellt die Rolle auf eine harte Belastungsprobe und billiges Gerät hält dem nicht lange stand. Die Rolle sollte über eine gut dosierbare, schnell und ruckfrei anlaufende Bremse verfügen, mit guten Kugellagern an den richtigen Stellen ausgestattet sein (nicht die bloße Anzahl ist entscheidend, sondern die Qualität) und über eine unendliche Rücklaufsperre verfügen.
    Die Schnurfassung sollte mindestens ca. 120 Meter 0,30er Schnur betragen, mehr schadet nicht.

    Angelschnur:

    Bei den Schnüren hat man heute die Qual der Wahl zwischen der guten alten Monofilen (einfädig) und den neueren Multifilen (geflochtenen).
    Beide Schnurarten sind prinzipiell beim Spinnfischen einsetzbar, wobei einige Vor- und Nachteile zu beachten sind:

    Der wohl größte Vorteil einer monofilen Angelschnur ist der wesentlich geringere Preis. Des Weiteren ist die Monoschnur weniger sichtbar als die Multifile und in der Regel nicht so empfindlich gegen Abrieb. Auch stellt eine Mono nicht so große Anforderungen an die Schnurverlegung der Rolle und die Abriebfestigkeit der Rutenringe. Weiterhin senkt die Eigenschaft der Mono, sich bis ca. 30% ihrer Länge unter Belastung auszudehnen etwas die Zahl der Drillaussteiger, da sie als zusätzlicher Puffer zur Rute fungiert.

    Die Vorteile der multifilen Schnur liegen bei einer wesentlich höheren Tragkraft bei gleichem Durchmesser im Vergleich zur Mono was bewirkt, dass ich die Schnur wesentlich dünner wählen kann und damit größere Wurfweiten erziele.
    Außerdem hat eine multifile Schnur keine bis sehr wenig Dehnung. Dadurch ist gerade beim Spinnfischen ein viel direkterer Köderkontakt vorhanden, man spürt jede Bewegung des Köders und auch die kleinste Berührung, sei es durch Kontakt mit dem Grund/Hindernissen oder eben durch einen Biß. Auch kommt ein Anhieb durch die fehlende Dehnung auf Distanz viel besser durch, was gerade beim Spinnfischen von größter Bedeutung ist.Fazit: beide Schnüre haben ihre Berechtigung und Platz beim Spinnfischen. Kommt es aber auf genaue Köderkontrolle an wie z.B. beim Jiggen mit Gummifischen, kommt man kaum an den multifilen Schnüren vorbei.
    Generell reicht eigentlich eine Tragkraft von ca. 5-6 Kilo aus, wobei die multifilen Schnüre ruhig etwas stärker sein können, da sie meist weniger Abrieb vertragen und damit ein Sicherheitspuffer eingebaut wird.
    Auch hier gilt die Devise, Qualität hat seinen Preis und man sollte sich lieber an Markenschnüre halten, egal ob monofile oder multifile Schnur.

    Vorfach inklusive Komponenten:

    Da Hechte mit bis zu 700 rasiermesserscharfen Zähnen ausgestattet sind, muss man zwingend zwischen Hauptschnur und Köder ein bissfestes Vorfach vorgeschaltet werden. Dieses sollte beim Spinnfischen mindestens 40-50 cm lang sein, länger schadet nicht.

    Als Material kann ich einzig und alleine Stahl und Titanit empfehlen, da das als einzigstes Material 100 % sicher den Hechtzähnen standhält.
    Alle anderen neuartigen Vorfachmaterialien die in der Fachpresse immer öfters angepriesen werden wie Hardmono, Fluocarbon, Kevlar usw. sind nicht bissfest oder erst dann einigermaßen in enorm dicken Durchmessern, was sie meiner Ansicht nach automatisch wieder disqualifiziert.
    Modernes Stahlvorfach, egal ob 1x7, 1x19 oder 7x7 ist heute bei geeigneter Tragkraft sehr dünn und flexibel, kein Vergleichmehr zu den dick ummantelten „Kabeln“ von früher und stört den Hecht meist überhaupt nicht.
    Allerdings sollte man darauf achten, dass es dunkel eingefärbt (brünniert) ist, damit es kein Licht reflektiert und die Tragkraft des Vorfaches sollte an die der Hauptschnur angepasst werden.
    Sehr wichtig sind auch die dabei verwendeten Komponenten wie Wirbel und Karabiner. Diese sollten ebenfalls sorgfältig ausgesucht werden, denn das Tackle ist insgesamt nur so stark wie deren schwächstes Glied und es wäre jammerschade, wenn der Hecht des Lebens abkommt, weil z.B. ein minderwertiger Karabiner aufgebogen oder ein Wirbel gebrochen ist.
    Gerade die Karabiner sollten beim Spinnfischen neben einem sicheren Verschluss auch über einen großen weiten Bogen verfügen, damit die Kunstköder ihr verführerisches Spiel voll entfalten können.

    Da der Handel nur wenige geeignete fertige Vorfächer anbietet, ist es ratsam und auf Dauer auch wesentlich günstiger, sich seine Vorfächer selbst zu machen. Man braucht dazu lediglich Vorfachmaterial am Stück, geeignete Karabiner und Wirbel, Quetschhülsen, einen Seitenschneider und eine spezielle Quetschhülsenzange, am besten mit 5 Druckpunkten.

    Weiteres nützliches Zubehör zum Hechtspinnfischen, das man dabei haben sollte:

    geeigneter Hakenlöser (z.B. große Arterienklemme)
    Seitenschneider (zum Kappen von schlecht lösbaren Haken)
    geeignetes Landungsgerät (Großdimensionierter Kescher oder Lip-Grip, wenn keine Handlandung möglich ist)
    Wathose oder Watstiefel (ermöglicht oft Stellen zu befischen, an die man sonst nicht herankommt)
    Polarisationsbrille (erlaubt tiefe Einblicke ins Wasser – Hindernisse oder auch Nachläufer werden besser erkannt)
    Maßband, Messer, Fischtöter zum betäuben (sollte eh selbstverständlich und immer beim Angeln dabei sein)
    Fotoapparat oder Digicam für ein Erinnerungsfoto
    Pflaster (Verletzungen kommen immer mal wieder vor)


    Spinnköder:

    Gerade seit dem Verbot des lebenden Köderfisches hat die Angelindustrie eine Vielzahl an verschiedensten Kunstködern für den Raubfischfang hervorgebracht, die einen schnell den Überblick verlieren lassen können.

    Ich will hier einmal die wichtigsten Ködergruppen aufzeigen, die zum Hechtangeln geeignet sind und einige näher erklären. Diese Auflistung erhebt aber grundsätzlich keinen Anspruch auf Vollzähligkeit und dient nur der groben Übersicht.

    Wobbler:

    Diese Köder dürften mit die ältesten Kunstköder der Angelgeschichte darstellen. Sie ähneln von der Form her einem echten Futterfisch. Gab sie früher ausschließlich aus Holz, gibt es heute zusätzlich Wobbler aus den verschiedensten Kunststoffen bis hin zu Hybriden, bei denen der Kopf aus Kunststoff und der Körper aus einer Gummimischung besteht und die in ihrer Aktion kaum mehr von einem normal schwimmenden Fisch unterschieden werden können.
    Es gibt sowohl schwimmende als auch sinkende Wobbler sowie „Suspender“, (verweilen/schweben bei einem Spinnstop quasi auf der Stelle bzw. in der augenblicklichen Wassertiefe) in unterschiedlichsten Größen, Formen, Farben und Tauchtiefen für praktisch jedes Einsatzgebiet und Zielfisch.
    Ihre verführerische Aktion erhalten die Wobbler meist durch eine eingearbeitete Tauchschaufel, die dem Wobbler bei Zug zum Abtauchen und mehr oder weniger ins Taumeln, Wackeln, Flanken bringt und damit ein verletztes oder flüchtendes Beutetier imitiert.
    Eingearbeitete Geräuschkugeln können einen zusätzlichen Reiz darstellen und an manchen Tagen erst den Ausschlag zum Erfolg bringen.
    Anhand der Form der Tauchschaufel lässt sich schon in etwa voraussagen, wie und in welcher Tiefe in etwa der Köder laufen wird:
    Eine lange und flache Tauchschaufel kennzeichnet einen Tiefläufer, je breiter und steiler die Tauchschaufel steht desto lebhafter und flacher wird der Wobbler laufen.
    Durch die enorme Vielfalt der Wobbler sind sie universell einsetzbar, man findet immer einen für die jeweilige Situation geeigneten Wobbler.

    Im Frühjahr bei den zu beangelnden flacheren Gewässerabschnitten sind eindeutig schwimmende, flachlaufende Wobbler angesagt, die geeigneten Größen liegen so ca. zwischen 8 und 15 cm, wobei auch noch größere Modelle selbst von kleineren Hechten genommen werden.



    Bei der Farbwahl gehen gerade im Frühjahr sowohl naturgetreue Designs und gedeckte Farben als auch Schockfarben wie „Firetiger“ ziemlich gut, wobei ich bei klarem Wasser bevorzugt die natürlichen Farben versuche.
    Aufgrund des ausgeprägten Kannibalismus/Revierverteidigung der Hechte ist ein Hecht-Imitat ebenfalls sehr empfehlenswert.

    Führung: Wobbler können auf verschiedenste Art und Weise geführt werden. Dies fängt an beim einfachen Einkurbeln, welches auch schon durchaus fängig sein kann.
    Noch besser ist aber eine abwechslungsreiche Führung mit Tempo- und Richtungswechseln und eine der fängigsten Führungsarten überhaupt ist das so genannte „Twitchen“, bei der der Wobbler über verschieden starke Rutenschläge mit eingestreuten Pausen geführt wird, ähnlich dem Jerken.
    Hier gilt es einfach auszuprobieren und zu variieren, um herauszufinden, worauf die Hechte gerade abfahren.
    Einen schwimmenden Wobbler kann man vor Hindernissen aufsteigen lassen und diese zu umfischen.

    Blinker:

    Spinnköder meist aus Metall, die in ihrer Form Fischen ähneln und durch verschiedene Formen/Wölbungen auf Zug ebenfalls einen Beutefisch imitieren.
    Es gibt auch die Blinker in den verschiedensten Größen und Formen. Die Form und das Gewicht beeinflussen den Laufstiel und die Lauftiefe.
    So gibt es kompakte schwere Blinker für tiefes Wasser und dünnblechige zum Angeln in flacheren Gewässern sowie spezielle „Krautblinker“ bei denen ein Einzelhaken durch einen Drahtbügel geschützt ist, um hängerfrei auch durch Krautbänke fischen zu können.
    Hauptfarben sind hier Silber und Kupfer, es gibt aber mittlerweile auch Blinker mit naturgetreuen Hologrammaufklebern.
    Ein roter Strich und/oder eine rote Plastikflosse am Blinker wirken meist fangfördernd.

    Führung: Blinker lässt man nach dem Auswerfen auf die gewünschte Wassertiefe absinken und beginnt dann mit dem Einholen. Auch hier kann man die Fängigkeit deutlich steigern, indem man das Tempo variiert, Spinnstops einlegt usw. Allerdings sollte man hier in den flachen Strecken darauf achten, den Blinker nicht zu weit durchsacken zu lassen, sonst gibt es Hänger verbunden mit Köderverlust. Auch sollte man an flachen Gewässerabschnitten einen möglichst dünnblechigen Blinker wählen, sonst sinkt der beim normalen Einkurbeln schon bis zum Grund durch. Hier muss man eindeutig Kompromisse zwischen der Wurfweite und der Köderführung eingehen, lieber nicht so weit werfen, dafür aber gut kontrolliert führbar.

    Spinner:

    Spinner ähneln keinem Beutefisch wirklich, sie sind in die Rubrik der Reizköder einzuordnen. Auf einer beschwerten oder unbeschwerten Stahlachse sitzt ein Spinnerblatt, das auf Zug um diese Achse rotiert und dadurch starke Schwingungen aussendet, welche die Raubfische mit ihrem Seitenlinienorgan aufnehmen und es werden durch das rotierende Spinnerblatt viele Lichtreflexe in die Umgebung abgegeben.
    Auch Spinner gibt es in den unterschiedlichsten Größen und Gewichten, daneben unterscheiden sie sich durch ihre Spinnerblattform.
    Schmale längliche Blätter rotieren sehr schnell und eng an der Achse und sind eher für schnell fließendes und tiefesWasser geeignet.
    Je breiter und runder das Blatt ist, desto langsamer und mit größerem Abstand rotiert das Blatt zur Achse und umso langsamer und flacher können sie geführt werden.

    Spinner sind Universalköder die immer für einen Fisch gut sind und oft gehen erstaunlich große Fische an relativ kleine Spinner, wohl weil sie wegen der starken Druckwellen für eine größere Beute gehalten werden.
    Es gibt auch weitere Unterarten wie Bleikopfspinner, Tandemspinner (mit mehreren Spinnerblättern), große Bucktailspinner…
    Man kann Spinner als zusätzlichen Reiz anderen Ködern wie z.B. Gummifischen oder Twistern vorschalten, dann wird der Haken des Spinners entfernt und mittels z.B. eines Sprengrings wird dann der mit Haken versehene Hauptköder dahinter geschaltet.
    Für den Hechtfang empfehle ich Markenspinner der Größe 3-5, in stehenden oder langsam fließenden flachen Gewässern sollte das Spinnerblatt oval bis rundlich sein.

    Führung: Spinner lässt man nach dem Auswurf bis in die gewünschte Tiefe absinken und beginnt dann mit dem gleichmäßigen Einholen. Individuell kann man ihm durch Heben und Senken der Rutenspitze einen wellenförmigen Lauf geben. Droht der Spinner zu tief zu laufen, kann man diesem mit Anheben der Rutenspitze entgegenwirken.
    Durch die relativ einfache Führung ist gerade der Spinner für den angehenden Spinnfischer ein guter und fängiger Einstiegsköder.

    Auch bei Spinnern sollte man sich lieber Qualitätsware kaufen, wichtig ist, dass das Blatt des Spinners schon beim leichtesten Zug anfängt zu rotieren, was bei vielen Billigprodukten leider nicht der Fall ist.

    Gummifische:

    Gummifische (Shads) eroberten die letzten Jahre zu Recht immer mehr die Köderkisten der Spinnfischer.
    Sie sind in den verschiedensten Größen, Formen und Gummimischungen (weich, sehr beweglich/härter, dafür haltbarer) erhältlich und es gibt sie entweder fertig montiert mit Haken oder einzeln zu kaufen, wobei sie dann natürlich noch mit Haken ausgestattet werden müssen. Dazu bieten sich vor allem spezielle Jighaken oder aber auch Spinnsysteme an, am verbreitesten ist wohl das Aufziehen auf einen Jighaken.
    Im Frühjahr würde ich Ködergrößen von ca. 10-15 cm bevorzugen, wobei 12 cm eine gute Mittellösung darstellt.

    Führung: Gummifische (Shads) können auf verschiedene Art und Weise geführt werden:

    Jiggen: hierbei werden die mit einem Jighaken versehenen Gufis nach dem Auswurf an gespannter Schnur bis auf den Grund absinken lassen und dann entweder durch Anheben der Rute und anschließendem Aufnehmen der freien Schnur oder aber durch 2-3 schnelle Kurbelumdrehungen der Rolle vom Boden angehoben um sie dann wiederum an gespannter Schnur bis zum Grund absinken zu lassen. Dieser Vorgang wiederholt sich dann bis zum Ufer. In tieferem Wasser kann man diese Führung auch durchaus im Mittelwasser anwenden.

    Wobbeln: Man kann die Gufis auch nach dem Auswurf auf die gewünschte wassertiefe absinken lassen und dann einem Wobbler ähnlich im Mittelwasser führen

    Twitchen: Gerade im flachen Wasser oder über Krautbänken kann man einen Gufi am unbeschwerten Jighaken twitchend führen, also mit verschieden starken Schlägen über die Rute.

    Spinnsysteme für Köderfische:

    Wer es beim Spinnfischen gerne „natürlich“ hat, für den gibt es im Fachhandel oder auch zum Selbstbauen eine Vielzahl von Wurfsystemen, die mit toten Köderfischen oder auch Gummifischen bestückt werden können.
    Als bekannteste wären da wohl das Wikam-, Stocker- oder das Drachkovic-System zu nennen.
    Während das Wikam-System mit einer Tauchschaufel ausgestattet ist und wobblerähnlich läuft, sind die anderen beiden eher dafür geeignet und bestimmt, hüpfend über den Grund geführt zu werden.

    Daneben gibt es 2 selbst leicht herzustellende „Systeme“:
    Da wäre zum einen das so genannte „Jan-Vincent-System“, bestehend lediglich aus einem langen (50, besser 70cm) Stahlvorfach mit einem großen Drilling, einem verschiebbaren Knopf und einer Schlaufe zum Einhängen. Dieses Vorfach wird nun dem Köderfisch (Barsch eignet sich am besten wegen der zähen Haut) vom Waidloch her durch den Körper gezogen so dass es aus dem Maul austritt. Der Knopf vor dem Drilling verhindert nun einfach, dass dieser in den Köderfisch gezogen wird, er hängt frei darunter und kann beim Anschlag sicher fassen.

    Das andere System ist ähnlich aufgebaut, ist aber anstelle des Knopfes mit einem 2. verschiebbaren Drilling ausgestattet. Der Enddrilling wird hierbei im hinteren Drittel, etwa in Höhe des Waidloches seitlich eingestochen, der 2. Drilling sitzt vor dem Kiemendeckel, das Vorfach geht unter dem Kiemendeckel durch und kommt aus dem Maul heraus.
    Je nach Spannung zwischen den 2 Drillingen ist der Köderfisch nun leicht gekrümmt und dreht sich wie ein Rotor beim langsamen Einholen um die eigene Achse.

    Sonstige Köder:

    Es gibt noch eine Vielzahl von verschiedenen anderen Ködern für das Hechtfischen wie z.B. Jerkbaits, diverse Oberflächenköder (Popper, Crawler, Spinnerbaits usw.), deren detaillierte Erklärung hier aber den Rahmen sprengen würde. Gerade aber in Gebieten, wo das Kraut bis dicht unter die Oberfläche ragt, sind Oberflächenköder oft die einzige Möglichkeit, an den Fisch zu kommen und Attacken darauf sind nichts für schwache Nerven und machen süchtig. Hier gilt es dann, nicht sofort anzuschlagen, sondern zu warten, bis man einen Ruck in der Rute spürt, sonst gibt es sehr viele Fehlbisse, da man dem Hecht den Köder vor bzw. aus dem Maul zieht.
    Gruß Thomas

    Der Lahnfischer


  2. #2
    Buster Avatar von PLAN-B
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    Sehr schön, gut geschrieben. Besonders die Stelle mit den Vorfächern kann ich nur befürworten. Zu den Ködern würde ich noch ergenzen das Schockfarben meist angesagt sind, auch in klaren Gewässern dan aber mit etwas glitter oder nem Metalikeffekt. Aber auch klare Gufis die voller glitter sind und dan bei sonnenschein richtig aufblitzen sind top. Von Big Hammer und Kopyto gibt es schone Gufis die auch richtig Druck machen. Wenn das alles nichts hilft ist der Salmo Jack immer ne Bank, im Hechtdekor einer der besten Köder.

  3. #3
    Super-Profi-Petrijünger Avatar von jensemann
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    Hallo Lahnfischer!
    Du hast ja richtig das Zeug dazu ein Buch darüber zu schreiben.
    Der Beitrag hat mir sehr gut gefallen, es waren auch ein paar Tipps für mich bei.
    Gruß von der schönen Oder, jensemann!

  4. #4
    Super-Profi-Petrijünger Avatar von Lahnfischer
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    Freut mich, wenn der Bericht gefällt und hilft...
    Gruß Thomas

    Der Lahnfischer

  5. #5
    Profi-Petrijünger Avatar von Brassenboy
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    Super Bericht. Vielleicht könnte unser Angelspezi den Beitrag im Raubfischforum anpinnen?
    Als kleine Ergänzung: Es gibt auch Leute die mit großen Fliegen auf Hecht angeln. Ich habe aber davon keine Ahnung, vielleicht kann dazu noch jemand was sagen.
    Geändert von Brassenboy (28.03.2010 um 12:32 Uhr)
    ! Que captures a muchas pescas !

    Rechtschreibfehler sind special effects meiner Tastatur und dienen dem endadäinmend der Befölgerunk

    Ich kann auf über 456 Sprachen schweigen!!!

  6. #6
    Stefan2010
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    Super Bericht.
    lg
    Stefan

  7. #7
    Petrijünger
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    Hallo,
    habe mal ne Frage die indirekt zu dem Thema passt. Bin neu auf dem Gebiet des Spinnfischens. Würde damit mal gerne probieren Zander oder Barsche zu fangen. Bis jetzt habe ich immer an meine Hauptschnur nen Karabinerwirbel gemacht und daran dann den Blinker, Twister etc. Muss man zwingend ein Vorfach nehmen also: Hauptschnur-Karabinerwirbel-Vorfach-Karabinerwirbel-Twister etc. oder geht es auch ohne Vorfach? Worin liegt da der Nutzen? Auf Hecht verstehe ich das mit dem Stahlvorfach. Wäre schön wenn mir das jemand erklären könnte :-)
    lg

  8. #8
    Super-Profi-Petrijünger Avatar von Lahnfischer
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    In den allermeisten Gewässern ist nicht nur Barsch und Zander, sondern auch der Hecht zuhause.
    Da der Hecht nicht vor einem Köder, der für Barsche oder Zander angebotenen Köder haltmacht, sollte man stets ein 100 % bissfestes Vorfach vor den Köder schalten, um zu verhindern, dass ein Hecht die Schnur kappt, du deinen Köder und den Hecht verlierst und dieser evtl. mit vernageltem Maul qualvoll eingeht
    Gruß Thomas

    Der Lahnfischer

  9. Der folgende Petrijünger sagt danke an Lahnfischer für diesen nützlichen Beitrag:


  10. #9
    Petrijünger
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    Hi,
    danke für die Antwort. Das leuchtet mir ein, also sonst hat es keinen weiteren Grund, oder? Werde mir dann mal solche Vorfächer besorgen :-)

  11. #10
    Petrijünger Avatar von basti_gti
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    Zitat Zitat von Lahnfischer Beitrag anzeigen
    In den allermeisten Gewässern ist nicht nur Barsch und Zander, sondern auch der Hecht zuhause.
    Da der Hecht nicht vor einem Köder, der für Barsche oder Zander angebotenen Köder haltmacht, sollte man stets ein 100 % bissfestes Vorfach vor den Köder schalten, um zu verhindern, dass ein Hecht die Schnur kappt, du deinen Köder und den Hecht verlierst und dieser evtl. mit vernageltem Maul qualvoll eingeht
    danke für den link, konnte wieder einiges dazulernen

  12. #11
    Karpfenangler Avatar von Flosch 94
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    Geiler Bericht. Danke. Petri

    Gruß Flo

  13. #12
    Profi-Petrijünger
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    Schöner Bericht, aber die zentrierte Schreibweise erschwert den Lesefluss ungemein


    AWebber

  14. #13
    Gesperrt Avatar von perikles
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    super beitrag lahni^^ vorallem für anfänger

  15. #14
    Petrijünger
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    DANKE! Echt eine sehr gute Beschreibung. (AUTOR) schlecht hin DANKE!
    Gruss

  16. #15
    Raubfischjäger Avatar von angelfreak_chris
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    Danke für den Beitrag.
    Ist echt super beschrieben und wird mir bestimmt weiterhelfen.

    LG Chris

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