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  1. #1
    Super-Profi-Petrijünger Avatar von Angelspezialist
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    Grasfische: Tipps zum Besatz, Unterscheidung der Arten, Nahrung, Köder etc.



    Graskarpfen / Weißer Amur / Amurkarpfen / Grasfisch
    lateinisch: Ctenopharyngodon idella


    Merkmale:
    breiter, horizontal abgeflachter Kopf, leicht unterständiges Maul, keine Barteln, Schuppen am freien Rand dunkel gesäumt, unterhalb der Seitenlinie: 5 Schuppenreihen

    Größe:
    bis 130 cm und maximal 40 Kilo (in Asien auch 50 Kilo)

    Flossenformel:
    D III/7, A III/8

    Schuppenzahl Seitenlinie:
    43-45

    Schlundzahnformel:
    zweireihig (1)2.(4)5.-5(4).2

    Verwechslungsgefahr mit:
    Schwarzer Amur, dieser jedoch ohne die dunkle Säumung an den freien Schuppenrändern und mit Wölbung zwischen den Nasenlöchern, hingegen zum Graskarpfen der eine leichte Einbuchtung zwischen den Nasenlöchern hat.

    Nahrung:

    Am liebsten:
    Zooplankton (im jungen Stadium)
    Fadenalgen (im jungen Stadium)
    Netzalgen
    Laichkräuter
    Schilf
    Rohrkolben
    Seggen
    Binsen
    Gras
    Klee
    Luzerne

    Seltener:
    Würmer
    Fischlaich
    Starrer Hahnenfuß
    Flutender Hahnenfuß
    Gemeiner Wasserhahnenfuß

    Ungern:
    Wasserknöterich
    Wassernuß
    Schachtelhalm

    Köder:
    Boilies
    Mais
    Brot
    Salat
    Lauch
    Teig
    Würmer
    Pellets
    Tigernüsse

    Besatzhinweis:
    Der Amur verliert sehr schnell seine Schuppen und ist dementsprechend vorsichtig und in ausreichend großen und glatten Behältnissen mit kühlerem Wasser (weniger lebhaft) zu transportieren.
    Guter Besatzfisch bei verlandeten Gewässer mit starkem Pflanzenbewuchs.
    Die Verdauung des Amurs ist sehr schlecht, so dass das Gewässer mit Nährstoffen angereichert wird und bei unverhältnismäßigem Besatz und den daraus resultierenden Folgen gerät oft der PH-Wert und der Sauerstoffgehalt aus dem natürlichen Gleichgewicht.
    Daher gilt als Faustregel nie mehr als 100 Kilo Amur pro Hektar Wasserfläche einzusetzen (natürlich abhängig vom sonstigen Besatz, Wassertiefe, Wasserqualität und natürlichem Nahrungsvorkommen)!
    Achtung: Je nach Bundesland ist für den Besatz von Graskarpfen eine behördliche Sondergenehmigung erforderlich.


    Speisehinweis:
    Fettarmes schmackhaftes festes Fleisch mit den für Cypriniden typischen Zwischenmuskelgräten. Gut zum braten oder grillen.




    Silberkarpfen / Silberamur / Tolstolob / Silberfisch
    lateinisch: Hypophthalmichthys molitrix


    Merkmale:
    breiter Kopf u. schräg-steil nach oben gerichtetes Maul, Augen liegen auf Höhe der Mundspalte, Bauch von Kiemenspalten bis zur Afterflosse gekielt

    Größe:
    bis 130 cm und 50 Kilo

    Flossenformel:
    D III/7, A II-III/12-14

    Schlundzahnformel:
    einreihig 4-4

    Verwechslungsgefahr mit:
    Marmorkarpfen, dieser Augen liegen unterhalb des oberständigen Mauls, Bauch ist nur zwischen Bauch- u. Afterflossen gekielt, Brustflossen reichen bis über die Bauchflossen

    Nahrung:
    Pflanzliches Plankton
    Kleines Zooplankton
    Schwebealgen

    Am liebsten:
    Grünalgen
    Blaualgen
    Kieselalgen

    Köder:
    Brot
    Pflanzen
    Teig
    Pellets

    Besatzhinweis:
    Silberkarpfen haben eine sehr empfindliche Haut und reagieren sehr empfindlich auf Druck, welcher Blutungen hervorruft. Die Kiemen haben sehr feine Siebflächen und verschlammen sehr schnell bei schmutzigem Wasser was zum Erstickungstod führen kann.
    Optimaler Besatzfisch für überdüngte Gewässer welche aufgrund der Planktonverminderung sauerstoffreicher und klarer werden.
    Faustregel: nie mehr als 500 Kilo Silberkarpfen pro Hektar Wasserfläche einsetzen (natürlich abhängig vom sonstigen Besatz, Wassertiefe, Wasserqualität und natürlichem Nahrungsvorkommen)!


    Speisehinweis:
    Fettarmes schmackhaftes festes Fleisch (außer im Kielbereich wo es fettreicher ist und welches deshalb am besten entfernt werden sollte) mit vielen teils verästelten Zwischenmuskelgräten. Gut zum braten oder grillen.




    Marmorkarpfen / Breitkopfkarpfen / Gefleckter Amur / Marmorfisch / Tolstolob
    lateinisch: Aristichthys nobilis


    Merkmale:
    Körperbau ähnlich dem Silberkarpfen, Augen aber unterhalb des oberständigen Mauls, Bauch nur zwischen Bauch- u. Afterflosse gekielt, Farbe scheckig dunkel

    Größe:
    bis 130 cm und 60 Kilo (in Asien auch 70 Kilo)

    Flossenformel:
    D III/10, A III/15-17, P I/17, V?

    Schlundzahnformel:
    einreihig 4-4

    Verwechslungsgefahr mit:

    Silberkarpfen, dieser jedoch Augen auf Höhe der Mundspalte, Bauchseite von den Kiemenspalten bis zur Afterflosse gekielt

    Nahrung:
    Zooplankton
    Schwebealgen
    Würmer
    Insekten

    Am liebsten:
    Blaualgen

    Seltener:
    Kleinfische

    Köder:
    Teig
    Brot
    Mais
    Algenboilies
    Würmer
    Pellets
    Blinker
    Wobbler
    Gumfisch
    Twister

    Besatzhinweis:
    Der Fischtransport gestaltet sich weniger gefährlich als bei den anderen bei uns eingebürgerten Asiaten, da die Haut des Marmorkarpfens weniger empfindlich ist und die Sieböffnungen größer sind als beim Silberkarpfen und damit weniger schnell verschlammen.
    Bei optimalen Gewässerbedingungen sind die Zuwachsraten im Gewicht des Marmorkarpfens am höchsten von den bei uns eingebürgerten Asiaten.
    Faustregel: nie mehr als 50 Kilo Marmorkarpfen pro Hektar Wasserfläche einsetzen (natürlich abhängig vom sonstigen Besatz, Wassertiefe, Wasserqualität und natürlichem Nahrungsvorkommen)!


    Speisehinweis:
    Sehr schmackhaftes und kaum fettes Fleisch, welches gut gebraten, gegrillt, gebacken, gekocht und geräuchert werden kann.




    Schwarzer Amur / Schwarzer Graskarpfen

    lateinisch: Mylopharyngodon piceus


    Merkmale:
    langgestreckter, abgeflachter Körper mit großen Schuppen, Kopf und Maul relativ klein, Färbung dunkelbraun oder blaugrau bis schwarz,
    charakteristische Schlundzahn-Apparatur, Schwanzflosse tief eingeschnitten

    Größe:
    bis 200 cm und 70 kg

    Flossenformel:
    D 7-9, A 7-9

    Schuppenzahl Seitenlinie:
    39-46

    Schlundzahnformel:
    0.4-5.0 oder 1.4-4.1

    Verwechslungsgefahr mit:
    Graskarpfen, dieser jedoch heller gefärbt und mit dunkler Säumung an den freien Schuppenrändern und mit leichter Einbuchtung zwischen den Nasenlöchern, hingen der Wölbung beim Schwarzen Amur.

    Nahrung:
    Zooplankton (in jungem Stadium)
    Insekten
    Schnecken
    Muscheln

    Köder:
    Schnecken
    Muscheln
    Pellets
    Brot
    Mais
    Teig

    Besatzhinweis:
    Besatz positiv zur Bekämpfung der Vogelsaugwurmlarven, die sich in Schnecken entwickeln - der Hauptnahrung des Schwarzen Amurs. Daher optimal für Badeseen.
    Zuwachsrate im Gewicht bei geringem Molluskenbestand nur sehr gering.
    Faustregel: nie mehr als 30 Kilo des Schwarzen Amurs pro Hektar Wasserfläche einsetzen (natürlich abhängig vom sonstigen Besatz, Wassertiefe, Wasserqualität und natürlichem Nahrungsvorkommen)!


    Speisehinweis:
    Fettarmes schmackhaftes festes Fleisch mit den für Cypriniden typischen Zwischenmuskelgräten. Gut zum braten oder grillen.





    Silber-Marmorkarpfen-Hybriden

    Kreuzung zwischen Silberkarpfenroggener und Marmorkarpfenmilchner.

    Merkmale:
    dunkler als Silberkarpfen und weniger hautempfindlich sowie größere Sieböffnungen in den Kiemen, und damit also höherer Anteil an pflanzlichem Plankton in der Nahrung.

    Schlundzahnformel:
    einreihig 4-4

    Nahrung:
    Zooplankton
    Schwebealgen
    Würmer
    Insekten

    Köder:
    Teig
    Brot
    Mais
    Algenboilies
    Würmer
    Pellets
    Blinker
    Wobbler
    Gumfisch
    Twister

    Besatzhinweis:
    Für den Fischtransport sind Hybriden weniger empfindlich als reine Silberkarpfen. Die Sieböffnungen der Kiemen sind größer als beim Silberkarpfen und kleiner als beim Marmorkarpfen und damit etwas schlammunempfindlicher als beim Silberkarpfen.
    Bei gutem Planktonbestand gute Zuwachsraten im Gewicht.
    Guter Besatzfisch für überdüngte Gewässer welche dann aufgrund der Planktonverminderung sauerstoffreicher und klarer werden.
    Faustregel: nie mehr als 200 Kilo Silber-Marmorkarpfen-Hybriden pro Hektar Wasserfläche einsetzen (natürlich abhängig vom sonstigen Besatz, Wassertiefe, Wasserqualität und natürlichem Nahrungsvorkommen)!


    Speisehinweis:
    Fettarmes schmackhaftes festes Fleisch mit den für Cypriniden typischen Zwischenmuskelgräten. Gut zum braten oder grillen.
    Geändert von Angelspezialist (24.05.2008 um 18:30 Uhr)
    Schöne Anglergrüße
    Spezi

    *Du wirst keine neuen Meere entdecken, solange du nicht den Mut hast, die Küste aus den Augen zu verlieren.*


  2. #2
    Super-Profi-Petrijünger
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    Hallo Spezi,

    vielleicht sollte man besonders beim Graskarpfen ergänzen, dass ihm eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung des Koi-Herpesvirus zukommen dürfte. Mehrere Untersuchungen haben gezeigt, dass der Graskarpfen sich mit dem Virus infiziert und es in Massen ausscheidet, ohne selbst Symptome einer Erkrankung zu zeigen. Auf diese Art kann man sich mit dem Graskarpfenbesatz ganz prima das Virus in ein Gewässer schleppen. Ist dort ein Karpfenbestand vorhanden, dem das Virus noch fremd ist, kann es unter ungünstigen Umständen zum Gau kommen. Da es derzeit noch schwierig ist, das Koi-Herpesvirus bei latent infizierten Fischen nachzuweisen, würde ich vorerst auf den Besatz mit Graskarpfen verzichten.

    Viele Grüsse

    Lars

  3. Folgende 5 Petrijünger bedanken sich bei Bollmann für den nützlichen Beitrag:


  4. #3
    Torsten1
    Gastangler
    @Angelspezi
    Mein Thanks für die gute Dokumentation und den Hinweis über Besatzmenge im Bezug auf das Gewässer und den Rest der Fischarten im Gewässer.
    Fehlverhalten gibt und Gab es genug.
    @Lars
    Wichtiger Aspekt.

  5. #4
    Super-Profi-Petrijünger Avatar von Spaik
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    Ich habe dazu mal eine Frage;
    vermehren sich diese Fischarten auch bei uns?

    Ich glaube mal gelesen zu haben, sie können sich bei uns nicht vermehren.
    Geändert von Spaik (25.05.2008 um 22:40 Uhr)
    Ich bin nur dafür verantwortlich was ich sage, nicht dafür, was du verstehst.

  6. #5
    Käpten Dotterbart Avatar von Ted-Striker
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    Anscheinend tun sie es ja aber soweit ich weiß brauchen sie dazu im Gegensatz zu unseren heimischen Fischen ziemlich warmes Wasser.
    Mir schwirrt da so eine Zahl um die 20°C im Kopf rum.(Tendenz noch mehr)

    MfG Ted
    Allzeit Petri Heil und schöne Naturerlebnisse.



    Gruß Santini

  7. #6
    Brassentod
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    An einen Privaten Weiher konnte ich schon mal es selbst miterleben das die Graskarpfen sich auch bei uns vermehren

  8. #7
    Gesperrt Avatar von Thomsen
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    Sehr schöne Ausarbeitung, Ralf

    Weitere Infos zu den ersten Fragen, die aufgeworfen wurden:

    Sowohl Graskarpfen (Ctenopharyngodon idella) als auch Silber- und Marmorkarpfen (Hypophthalmichtys molitrix, Aristichthys nobilis), die in den vergangenen 40 Jahren aus China und Teilen der ehemaligen Sowjetunion zur biologischen Pflanzenregulierung nach Mitteleuropa gelangten, können sich aufgrund der im Vergleich zu ihren Herkunftsgebieten niedrigen durchschnittlichen Wassertemperaturen in Deutschland nicht natürlich vermehren (BOHL 1999). Die für den Graskarpfen angegebene günstigste Ablaichtemperatur liegt beispielsweise bei 24°C (ROBERTS & SCHLOTFELD 1985). Es ist offensichtlich, dass in den weitaus meisten heimischen Gewässern diese Temperatur nie oder erst im Hochsommer erreicht wird. Ein derart später Schlupf macht es der Brut unmöglich, in der bis zum Wintereinbruch verbleibenden Zeit genügend Energievorräte zur Überwinterung anzulegen, so dass einsömmrige Tiere während des ersten Winters verenden.

    (Auszug aus einer Dissertation, angefertigt an der FU Berlin)

    'Grasfische' haben auf manche Gewässer sicherlich auch einen nennenswerten positiven Einfluss, negative Folgen dürfen dabei aber nicht übersehen werden, diese sind summarisch:

    - bevorzugter Fraß von Höheren Wasserpflanzen (auch Laichsubstratpflanzen)
    - im schlimmsten Fall komplette Verarmung der pflanzlichen Unterwasserwelt
    - mindestens aber Änderung der Zusammensetzung der Pflanzengemeinschaft

    Die eindringlichste Folge eines 'Grasfisch'-Besatzes ist aber zweifellos, dass, dies wurde anfänglich übersehen, alle genannten Arten auch Zooplankton fressen.

    Das ausreichende Vorkommen von Zooplankton ist über das Filtrieren von Phytoplankton die Versicherung dafür, dass es in Seen heimischer Breiten im frühen Jahresverlauf zu einem Klarwasserstadium kommen kann.
    Darüber hinaus sind die Zooplankter die Nährtiere der Kinderstube der meisten einheimischen Fischarten (auch des Hechtes, um nur ein Beispiel zu nennen).

    Nicht umsonst wurde bereits vor längerer Zeit von den Behörden (auch unserer Nachbarländer) eine Genehmigungspflicht für den Besatz mit den genannten Arten erlassen, man kann die Erlässe auch fakultatives Besatzverbot nennen.

    In der Broschüre 'Ordnungsgemäße fischereiliche Bewirtschaftung natürlicher Gewässer' (Land Brandenburg) wird die Empfehlung gegeben, bestehende Bestände von selbst auslöschen zu lassen.

    Eine Entnahme nach Fang, für die ich hier und nunmehr plädiere, beschleunigt diesen Prozess der Auslöschung in unseren natürlichen Gewässern lediglich ... erneuter Besatz sollte unbedingt unterbleiben.
    Geändert von FM Henry (02.07.2015 um 06:45 Uhr)

  9. Folgende 5 Petrijünger bedanken sich bei Thomsen für den nützlichen Beitrag:


  10. #8
    Super-Profi-Petrijünger Avatar von Holtenser
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    In der Broschüre 'Ordnungsgemäße fischereiliche Bewirtschaftung natürlicher Gewässer' (Land Brandenburg) wird die Empfehlung gegeben, bestehende Bestände von selbst auslöschen zu lassen.

    Eine Entnahme nach Fang, für die ich hier und nunmehr plädiere, beschleunigt diesen Prozess der Auslöschung in unseren natürlichen Gewässern lediglich ... erneuter Besatz sollte unbedingt unterbleiben.

    Hallo


    Okay und wenn das dann geschafft ist gehen wir auf die Regenbogenforellen los kommen ja aus den Staaten und sind nicht gut für die Bachforelle.
    Wenn das geschafft ist löschen wir alle Karpfenrassen aus bis auf den Wildkarpfen, ach ja um Renken im Flachland und Saiblinge kümmern wir uns so nebenher.
    Frage mich langsam ob oder warum Du angeln gehst, ist doch auch ein Eingriff in die Natur von Menschenhand.

    Gruss

    Olli
    Geändert von FM Henry (02.07.2015 um 06:46 Uhr)

  11. #9
    Gesperrt Avatar von Thomsen
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    Zitat Zitat von Holtenser
    Frage mich langsam ob oder warum Du angeln gehst, ist doch auch ein Eingriff in die Natur von Menschenhand.
    Hi Olli,

    die Frage lässt sich leicht beantworten: weil Angeln meine größte Leidenschaft ist, für Dich scheint es mehr ein Sport zu sein, dessen Attraktivität mit der Verfügbarkeit möglichst vieler Arten zu stehen oder zu fallen scheint.

    Nebenher interessiere ich mich auch ein wenig für ökologische Zusammenhänge ...

    Einige eingebürgerte Arten haben es inzwischen de facto zu einheimischen 'geschafft' ... z.B. der Zander, auf den ich selbst ganz sicher nicht verzichten möchte.

    Aber, bitte bedenke, das vorliegende Thema dreht sich um die möglichen Folgen eines 'Grasfisch'-Besatzes.
    Bleiben wir doch gleich von Anfang an einfach dabei ...

  12. Folgende 2 Petrijünger bedanken sich bei Thomsen für den nützlichen Beitrag:


  13. #10
    Super-Profi-Petrijünger Avatar von Angelspezialist
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    Ich möchte in diesem Zusammenhang dringend darauf hinweißen, dass man auf gar keinen Fall alle oben genannten Fischarten, die im allgemeinen (fälschlich) als Grasfische bezeichnet werden, unter einen Kamm scheren kann!

    Was den Anteil an Zooplankton in der Nahrung dieser Asiaten angeht, so sieht dies folgendermaßen aus:

    - Der Graskarpfen ernährt sich nur in ganz jungem Stadium, bis max. um die 8 Zentimetern, von Zooplankton und stellt dann ausschließlich auf Pflanzenkost um.

    - Der Silberkarpfen kann alleine schon von seiner Siebfläche an den inneren Kiemenbögen keine Nahrung zu sich nehmen, die größer als sechs bis zehn Mikron (tausendstel Millimeter) ist. Also hauptsächlich ganz feine Algen und ganz kleine Zooplanktern. Deshalb ist der Silberkarpfen einer der besten Besatzfische für algenreiche Gewässer ohne dass er Schaden anrichtet.

    - Der Marmorkarpfen ist der einzige der vier Fischarten, der regelmäßig auch große Mengen an Zooplankton zu sich nimmt und zudem sein Leben überwiegend in der Mittelschicht bzw. oberen Wasserschichten verbringt.

    - Der Schwarze Amur ernährt sich ebenfalls, wie sein "Weißer" Bruder nur im Jugendstadium von Zooplankton. Auch wenn die aktuelle Literatur bei der Ernährung nur Muscheln und Schnecken angibt, so wird meiner Meinung nach dem Schwarzen Amur bei Nahrungsmangel nichts anderes übrig bleiben als auch Zooplankton zu sich zu nehmen.

    Zum Punkt der Vermehrung in unseren Breiten folgendes. Der Graskarpfen vermehrt sich in Mitteleuropa bereits seit über einem Jahrzehnt nachweislich in einigen Fließgewässern sowie stehenden Gewässern. Die Wassertemperatur der vergangenen Jahre zur Laichzeit lag oftmals schon bei den idealen 22 Grad, die Graskarpfen benötigen, so dass ein Laichen zeitig möglich war. Da der Laich der Graskarpfen im Wasser schwebt, wird dieser oft in pflanzenreiche Uferzonen getrieben, wo die Entwicklung (je nach Raubfischbestand) schneller voran geht. Mir sind persönlich Vermehrungen in verschiedenen Gewässern/Gewässerarten in Deutschland, Frankreich und Italien bekannt, wo alle Stadien der Fische beobachtet wurden. Also unter idealen Umständen ist eine Vermehrung des Graskarpfens in unseren Breiten möglich. Bei den anderen Asiaten sieht das etwas anders aus, da sie nur wenige Tage später als der Graskarpfen laichen und dazu mindestens 25 Grad Wassertemperatur benötigen. Eine natürliche Vermehrung in unseren Breiten ist mir persönlich nur in einem Ausnahmefall bekannt und daher nahezu auszuschließen.

    P.S.: Übrigens, wusstet Ihr dass Karpfen sehr gerne die kaum verdauten Ausscheidungen von Graskarpfen fressen? Also, nicht immer alles gleich pauschalisieren, ein ausgewogenes Bestandsgleichgewicht, mit unterschiedlichen Arten, hilft vielen Gewässern gesund zu bleiben!
    Geändert von Angelspezialist (26.05.2008 um 14:47 Uhr)
    Schöne Anglergrüße
    Spezi

    *Du wirst keine neuen Meere entdecken, solange du nicht den Mut hast, die Küste aus den Augen zu verlieren.*

  14. Folgende 2 Petrijünger bedanken sich bei Angelspezialist für den nützlichen Beitrag:


  15. #11
    Gesperrt Avatar von Thomsen
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    Hallo Ralf,

    keiner will pauschalisieren, deshalb besteht das Thema ja.

    Zu den Arten:

    Graskarpfen
    Der bevorzugte Fraß an Höheren Wasserpflanzen über Änderung der Pflanzengemeinschaft bis hin zur 'Verarmung' bleibt unbestritten?

    Silberkarpfen
    Somit kann der Silberkarpfen wohl nur einzellige Phytoplankter bekämpfen ... ein-/mehrzellige Organismenverbände/-aggregate bleiben außen vor.
    Einzellige Phytoplankter werden ansonsten vor allem vom Zooplankton eingestrudelt ...

    Marmorkarpfen / Schwarzer Amur
    Dazu hast Du selbst alles Wissenswerte gesagt ...

    Nun, wenn sich einige der Arten nun auch noch eigenständig vermehren könn(t)en (der Klimawandel lässt grüßen), ist eine ökologische Katastrophe fast schon vorprogrammiert.
    Oder meint jemand, dass ein Graskarpfen während der Reproduktion denkt: 'Na endlich, genehmigter Spaß bis zur Grenze von 100kg/ha' ...

    Genau deshalb mag ich auch den Begriff Bestand nicht ... wir sollten über Populationen reden, die ihre eigene Dynamik aufweisen ... ganz unabhängig davon, was der Mensch will oder sich vorstellt (bzw. sich vorzustellen vermag).

    Wie sind denn all die Jahrhunderte lang unsere Gewässer ohne 'Grasfische' gesund geblieben ... ?
    Es geht auch, sogar besser, ohne sie ...
    Geändert von Thomsen (26.05.2008 um 15:25 Uhr)

  16. #12
    Super-Profi-Petrijünger Avatar von Angelspezialist
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    Absolut korrekt, Thomas!

    Apropos Klimawandel. In Italien, wo das Klima noch etwas wärmer ist wie in unseren Breiten, sind bereits die ersten Probleme aufgetreten. Die Region Mantova hat als erste Region in Italien bereits den Besatz von Graskarpfen komplett verboten und es wird diskutiert wie man der Überpopulation der Graskarpfen in den dortigen Flüssen Herr wird. Ich kenne die betroffenen Gewässer und weiß, dass dort die Artenvielfallt nicht gerade toll ist. Angler haben eben nur die Fische eingesetzt, die auch gerne geangelt werden. Und das Karpfenangeln hat in Italien eben einen hohen Stellenwert (incl. der Graser). Meiner Meinung nach fehlt es dort an einer ausgewogenen Population von z.B. Hechten und Aalen, die die Graser-Brut reduzieren könnten. Und C&R ist nicht immer positiv für ein Gewässer...

    In unseren Gewässern haben wir mit der Vermehrung (noch) keine Probleme. Die Probleme, die ich sehe, sind die hohen Abwuchsraten der Graskarpfen, die schnell zur Überpopulation eines geschlossenen Gewässers führen. Dies muss durch Gewässerwarte anhand von Besatztabellen und Fanglisten genau kontrolliert und in Kleingewässern auch durch menschlichen Eingriff reguliert werden!

    Ich sah öfters schon, dass z.B. 1 ha große Gewässer mit 100 Graskarpfen von 1-2 Kilo Größe besetzt wurden. Im ersten und zweiten Jahr ist noch alles in Butter. Doch in nur wenigen Jahren entwickeln die Graser sich zu Giganten von 10 Kilo und mehr. Und das Beste, die Vereine oder Bewirtschafter verhängen für die Graser ein Entnahmeverbot - da sie ja das Gewässer vom Kraut befreien (sollen). In dem genannten Beispiel wären dies an die 1000 Kilo Graskarpfen in einem Hektar Wasser. Je nach Wasserzulauf, unterirdischer Quellen, Gewässertiefe und sonstigem Fischbesatz hieße dies spätestens nach einem heißen Sommer den Tod des Gewässers und seiner Lebewesen - dies ist nicht übertrieben! Ich habe einen Stapel an Bildern von Gewässern gesammelt, die auf diese Art umkippten (Tonnen an toter Fische). Zum heulen, aber in der Regel von den Bewirtschaftern selbst verursacht. Also der Besatz von Graskarpfen muss gut durchdacht sein und die Population auch auf Jahre kontrolliert werden! Dann klappt das auch mit unseren "fischigen Nachbarn".

    P.S.: Der Graskarpfen ist von seinen Ursprung her gar kein Fisch für stehende Gewässer sondern ein klarer Flußfisch. Daher ist ein Besatz in stehenden Gewässern mit Verbindung zu Fließgewässern in der Regel sinnlos. Die geringste Strömung im Gewässer wird von den Graskarpfen wahrgenommen und diese verschwinden bei offenen Toren sofort (oder auch beiÜberschwemmungen)!
    Geändert von Angelspezialist (26.05.2008 um 16:00 Uhr)
    Schöne Anglergrüße
    Spezi

    *Du wirst keine neuen Meere entdecken, solange du nicht den Mut hast, die Küste aus den Augen zu verlieren.*

  17. Folgende 4 Petrijünger bedanken sich bei Angelspezialist für den nützlichen Beitrag:


  18. #13
    Gesperrt Avatar von Thomsen
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    Hallo Ralf,

    nun hast Du mir tatsächlich zwei scheinbar gewichtige Argumente genommen, die ich mir noch unbedingt für später aufheben wollte ...

    Zum ersten ...
    die Tatsache, dass Italien eben etwas südlicher liegt, nicht mehr ganz unseren Breiten entspricht und durchschnittlich wärmer ist.
    ---> Ausschau auf mögliche Reproduktion in unseren Breiten

    Zum zweiten ...
    die Vernachlässigung der Wachstumsrate (anschaulicher: der Gewichtszunahme) zum Zeitpunkt des Besatzes
    ---> xyz kg/ha unter Einberechnung einer gewässergebundenen Mortalitätsrate

    Ich bin aber jetzt bereits an dem Punkt angelangt, dass ich folgende Frage zur Diskussion stellen möchte:

    Lohnt sich ein Besatz von Fremdorganismen mit zeitlich begrenzter Positivwirkung, den ich aber beständig kontrollieren muss, damit er mir populationsdynamisch nicht aus dem Ruder läuft, um im folgenden wahrscheinlich verheerenden Schaden anzurichten?

    Ein vorschnelles 'Ja' dazu, man möge mir das Ziehen der Verbindung verzeihen, läge genau auf der von etlichen Fischereivertretern favorisierten 'Lösungs'schiene zur Kormoranproblematik ... eben undurchdacht, unwissenschaftlich, ökologische Bastelstunde, nach uns die Sintflut ... verhängnisvolle Neigung zu überstürzter Handlung, nicht zu analytischem Durchdenken einer Situation.

  19. #14
    Super-Profi-Petrijünger Avatar von Angelspezialist
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    Eine pauschale Antwort, Thomas, gibt es auch hier nicht. Man muss den Einzelfall mit all seinen Kriterien genau betrachten, bevor man überhaupt an einen Besatz von Grasern denkt. In den letzten Jahrzehnten wurden in Deutschland viele Kleingewässer geschaffen/ausgebudelt, die oft keinen Frischwasserzulauf haben, zu flach sind und nur sehr monoton besetzt werden. Zudem stieg die Belastung der Grundwässer z.B. durch Pestizide aus der Landwirtschaft und Reinigungsmittel in den Haushalten. Wenn alle Mittel zur Bekämpfung von Kraut und Algen scheitern, ist der Besatz von Grasern oft die letzte kurzfristig wirkende Alternative. Solange der Besatz nicht übertrieben wird, ist ja auch alles in Ordnung.

    P.S.: In diesem Zusammenhang möchte ich nochmals auf den alternativen Besatz von Rotfedern hinweisen. Diese beginnen bereits recht früh im Jahr, bei noch kühlem Wasser, die sich entwickelnden Knospen von Wasserpflanzen zu vertilgen, während Graskarpfen noch kaum Nahrung zu sich nehmen.
    Geändert von Angelspezialist (26.05.2008 um 17:02 Uhr)
    Schöne Anglergrüße
    Spezi

    *Du wirst keine neuen Meere entdecken, solange du nicht den Mut hast, die Küste aus den Augen zu verlieren.*

  20. Folgende 5 Petrijünger bedanken sich bei Angelspezialist für den nützlichen Beitrag:


  21. #15
    Torsten1
    Gastangler
    Ich muss gestehen das Thomsen in einigen Punkten Recht hat.
    Und das obwohl ich in vielen Ansichten nicht seiner Meinung bin.
    Ich bin auch kein Freund vom Einschleppen anderer Fischarten,zumal ich das negative in Punkto Besatz und deren Auswirkungen kenne.
    Thunfisch(Thorsten),da erinnere ich mich an unser Gespräch vom WE.Bild vom Gewässer bekommste.
    Der andere Punkt ist der,Angelspezi hat schon Recht,es kann in bestimmten Gewässern helfen.Seine Hinweise zur Besatzmenge waren ja klar formuliert.
    Lars sein Einwand ist aber nicht minder wichtig.
    Nur wo ist die Kontrolle?
    Kenne genügend Gewässer die nicht unter dem Aspekt," Hilfe" besetzt wurden ,sondern um den Anglern den Spaß zu erhöhen,mit Teils fatalen Ausmaßen.

    Okay und wenn das dann geschafft ist gehen wir auf die Regenbogenforellen los kommen ja aus den Staaten und sind nicht gut für die Bachforelle.
    Und mit diesem Einspruch ,hat Holtenser ,Recht!
    Jede Gruppe von Anglern,hat besondere Vorurteile.Zum Teil zu Recht.
    Wo ist das für jeden Angler tolerierbare.
    Herr Thomsen möchte nicht auf seinen Zander verzichten.Prima.
    Weil Er Spinnangler ist,hat der Zander keine Auswirkungen auf unsere Fischarten?
    Hi Olli,die Frage lässt sich leicht beantworten: weil Angeln meine größte Leidenschaft ist, für Dich scheint es mehr ein Sport zu sein, dessen Attraktivität mit der Verfügbarkeit möglichst vieler Arten zu stehen oder zu fallen scheint.
    Wo ist der Unterschied von Dir Thomas (Zander)zu anderen Anglern,in dem Fall Holtenser?
    Die Frage beantworte mal.

    Ein vorschnelles 'Ja' dazu, man möge mir das Ziehen der Verbindung verzeihen, läge genau auf der von etlichen Fischereivertretern favorisierten 'Lösungs'schiene zur Kormoranproblematik ... eben undurchdacht, unwissenschaftlich, ökologische Bastelstunde, nach uns die Sintflut ... verhängnisvolle Neigung zu überstürzter Handlung, nicht zu analytischem Durchdenken einer Situation.
    Prima,Du hast den Dir genehmen Bogen gefunden.
    Hoffentlich,entschuldige jetzt bitte auch mal,meinen Schwenk zu einem anderen Thema,hab ich Dir abgeschaut,Denkst Du das nächste mal genauso Stark drüber nach,wenn Du zum Dorsch Angeln in der Laichzeit fährst.
    So und nun kannste mich versohlen.

  22. Folgende 2 Petrijünger bedanken sich bei Torsten1 für den nützlichen Beitrag:


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