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  1. #1
    Profi-Petrijünger Avatar von wolfgang45
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    Eine kleine Geschichte.......

    ...mal eine kleine Geschichte, recht aktuell.

    Es ist eine Geschichte die von einem Bach, schlechtem Wetter usw. handelt, es spielt auch ein Sonnenschirm eine Rolle und zwar bei Nacht.

    Es war einmal....Nein, besser es ist erst vier Wochen her.......
    Genauer gesagt Mittwoch wars, also Mittwoch vor 4 Wochen.....

    Bei uns hat die Maifliegenzeit angefangen, der Bach ist in dieser Beziehung recht früh, obwohl es dieses Jahr wegen des langen Winters ca. 14 Tage Verspätung gab, das ist die Zeit wo in meinem Auto auf der Beifahrerseite ständig eine montierte Fliegenrute ruht, in voller Länge, das spart Zeit sollte es zum überhasteten Einsatz kommen.........
    Meine Frau weiß das und zieht automatisch beim Einsteigen den Kopf ein.
    Also nach der Arbeit nichts wie hin an den Bach, so gegen 18:30 schlug ich an einer Brücke auf, die über den besagten Bach führt und in deren Nähe eine geeignete Parkmöglichkeit zu finden ist.
    Dort angekommen machte sich eine gewisse Ernüchterung breit, der besagte Parkplatz war doch recht stark gefüllt.
    Ein Blick auf die Nummernschilder bot einen repräsentativen Querschnitt durch die Republik, von der Küste über Berlin, bis ins tiefste Bayern war alles vertreten.
    Ja die Bayern..........die sind jedes Jahr da, wie die das mit der Maifliegenzeit rauskriegen also terminlich ist mir ein Rätsel, ich vermute mal die haben einen elektronischen Maifliegensensor im Bachbett installiert.
    Ach je dachte ich mir, wieder mehr Fliegenfischer als steigende Fische am Start.....................

    Na ja die Jungs und ein Mädel war auch dabei, wie ich später feststellte, eigentlich kein Mädel sondern eine sehr nette Fliegenfischerin von über 60 Lenzen, welche man ihr allerdings nicht anmerkte, waren wohl schon lange vor mir da und hatten sich über die Strecke verteilt, sodaß ich erstmal niemanden sah.
    Ich stromerte also langsam stromauf, nach steigenden Fischen Auschau halten, die Fische hielten sich allerdings ziemlich bedeckt, zwar stieg hier und da mal ein Fisch, aber oft nur einmal, nie regelmäßig, sodaß das Anwerfen erstmal erfolglos blieb.
    Nach einer Weile machte ich dann doch einen etwas öfter steigenden Fisch aus, dem Schwall nach kein so ganz kleiner, erster Anwurf, der Maifliegenrasierpinsel, eine ganz gemeine Kreation aus Rehhar und CDC-Flügeln, mit einem hinterhältigen Haken bewährt, landete auf dem Wasser, trieb ein Stück und verschwand in einem dicken Wasserschwall, ich schlug auch an, schlug aber ein schönes Luftloch, der Fisch kam dann auch promt nicht mehr hoch, ich dackelte also weiter, 100m weiter stieg wieder was, Anwurf, Schwall, böses Rumpeln am anderen Ende, dann ziemlich schnelle Aufgabe, die vermeintliche Bachforelle entpuppte sich als Döbel von 53cm, auch nicht schlecht.
    200m weiter wieder ein Steigerchen, Anwurf, Fliege ignoriert, nächster Anwurf, Schwall........echte Fliege neben meinem Pinsel genommen, zumindest war der Fisch noch da.......nach weiteren 10 Versuchen, Schwall, meine Fliege genommen, Schütteln, lange Flucht stromab, herzhafter Drill, Bachforelle 52cm...............
    Nun ja, es wurde inzwischen ziemlich Dunkel, der Schlupf ließ nach, bisher waren nur Dun´s auf dem Wasser gewesen, keine Spinner, also den abendlichen Spinnerfall konnte ich vergessen.
    Auch fing es an leise vor sich hin zu nieseln, ich war eigentlich vom Ergebnis her recht zu frieden, drehte um und ging langsam Richtung Auto zurück, es war auch inzwischen schon 21:30.
    Auf dem Rückweg beobachtet ich noch vier Biber, 2 kleinere Jungtiere und 2 große Alttiere, warscheinlich die Eltern, ich blieb einen Moment stehen und konnte mit der Digicam eins von den Kerlchen filmen, daß sich bis direkt vor meine Füße begab.
    Ich glaube ich werde noch mal paar Äpfel mitnehmen, voriges Jahr hatte ich einen so weit, daß er mir einen Apfel fast aus der Hand nahm, aber nur fast, für Äpfel tun Biber fast alles, aber eben nur fast.
    Nach einer Weile erreichte ich das Auto, dort auf dem Parkplatz waren inzwischen fast alle am Bach anwesenden Angler eingetroffen.
    Da Fliegenfischer eigentlich freundliche Menschen sind begrüßte man sich zwar freundlich, aber ein wenig distanziert, von "Moin" bis "Grüß Gott" war alles mögliche zu hören, nachdem nun alle vor sich hin einpackten, gab es doch die ersten vorsichtigen Annäherungen und Fragen, wer, was, wo , wieviel, womit u.s.w. gefangen oder nicht gefangen hatte, dabei stand man nun auf der Brücke herum, wie wir nun alle so auf der Brücke stehen, steigt direkt oberhalb der Brücke ein guter Fisch, alle haben schon eingepackt, bis auf einen Rostocker.
    Der Mann auch fix runter vor die Brücke, 3-4 Würfe, der Fisch nimmt, der Anschlag sitzt, der Drill ist unerwartet heftig, die recht leichte Rute etwas überfordert in der Enge des hindernisreichen Gewässers den Fisch ordentlich zu führen, der Angler ist aber sehr routiniert, es gelingt, der Fisch wird gelandet.
    Oben auf der Brücke sowohl beim erfolgreichen Angler wie bei allen Umstehenden großes Staunen, eine Forelle, völlig silbern, keinerlei geringste Andeutungen von roten Punkten, nur kleine sichelförmige schwarze Punkte, eine aufgestiegene Meerforelle von 67cm.
    Da der Fisch regulär außerhalb der Schonzeit gefangen wurde, maßig war und allgemeines großes Interesse auf den Mageninhalt bestand, wurde der Fisch abgeschlagen.
    Der Mageninhalt bestand übrigends ausschließlich aus Maifliegen und deren Larven.
    Die oft geäußerte Meinung, daß Meerforellen keine Trockenfliegen nehmen muß also revidiert werden.

    Es fängt an richtig zu schütten, einer kramt einen kakelbunten Sonnenschirm mit Getränkewerbung aus dem Auto,ein Anderer hat noch einen Einweggrill, ein paar winzige Bratwürstchen finden sich auch noch, die Distanz zwischen den Leuten ist verschwunden.

    Der Regen strömt, der Sonnenschirm leuchtet im Halbdunkel, am Koppelzaun stehen eintächtig Sage, Loop, DAM, Balzer, unter dem Schirm, unter anderem ein Student, eine Rentnerin, ein Handwerker, ein Guide der in Alaska Leuten das Lachsfischen beibringt, auf dem Einweggrill liegen die komischen kleinen Würstchen, die beim Garen lustig vor sich hinpfeifen, zwei Sixpacks werden aufgeteilt, Apfelschorle!

    Na ja gegen halb 2 war ich zu Hause.............
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  2. Folgende 9 Petrijünger bedanken sich bei wolfgang45 für den nützlichen Beitrag:


  3. #2
    Harzer
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    Schöne Geschichte !

    Du solltest mal ein Buch über solche erlebnisse schreiben. Sehr interressant, und auch Prima geschrieben!
    Gruß thermendoc

  4. #3
    Super-Profi-Petrijünger Avatar von Schneiderchen
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    Hallo Wolfgang

    Immer wieder schön einen deiner so herzerfrichenden, frei von der Leber weg herlichen Berichte zu Lesen.
    Denk mal drüber nach , könntest doch im Winter echt mal einen versuch als Schriftseller starten und ein Buch schreiben.
    Es grüßt dich ganz lieb eine Anglerin aus Runkel an der Lahn.

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