auch wenn ihn niemand angelt...

Der Dreistachlige Stichling - Fisch des Jahres 2018 (© Herbert Frei)

Der Dreistachlige Stichling ist der bisher kleinste Fisch, der vom Deutschen Angelfischerverband (DAFV), dem Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) zum Fisch des Jahres erkoren wurde. Der Kleinfisch bringt es auf eine maximale Länge von acht Zentimeter und ist ein typischer Schwarmfisch. Man findet ihn in küstennahen Gewässern genauso vor wie in Seen und Bächen. Dabei unterscheidet man den Dreistachligen Stichling in einer stationäre Süßwasserform und einer wandernden Form. Die wandernden Dreistachligen Stichlinge zieht es von ihren marinen, küstennahen Lebensräumen, wo sie sich am liebsten im Schutz ufernaher Unterwasserpflanzen aufhalten, zum Laichen in die Unterläufe der Flüsse. Die ausschließlich im Süßwasser lebenden Formen dagegen bevorzugen pflanzenreiche Flachwasserzonen in Seen und langsam fließenden, warmen Flüssen und Bächen. Hier ernähren sie sich überwiegend von Würmern, Krebsen, Insekten und deren Larven sowie von noch kleineren Fischen. 

Auszeichnung nicht bei allen gern gesehen

Der Stichling gehört nicht zu den bedrohten Fischarten. Im Gegenteil – er hat sich in den vergangenen Jahren eher noch weiter verbreitet. Fischer am Bodensee beklagen sogar eine regelrechte Stichlingsplage und machen die Stachelträger dafür verantwortlich, dass der Bestand der Felchen auf ein Besorgnis erregendes Maß zurückgegangen ist. Im Freiwasser des Dreiländer-Sees machen Stichlinge mittlerweile 80 Prozent des dortigen Fischbestandes aus. Warum sich die Kleinfischart hier so rasant verbreitet hat, obwohl die Nährstoffe im Bodensee immer knapper werden, weiß man nicht. Forscher arbeiten an Antworten. Die logische Konsequenz der extrem hohen Stichlingspopulation ist der sich fortwährend vergrößernde Raubfischbestand, was zum Beispiel den Angelsportverband Konstanz hoch erfreut. 

Faszinierendes Balz und Brutverhalten

Was den Dreistachligen Stichling einzigartig macht, ist sein außergewöhnliches Laichverhalten. Zur Laichzeit suchen und markieren die Männchen einen geeigneten Brutplatz im ufernahen Flachwasser und verteidigen ihr Revier energisch gegenüber Artgenossen. Um ein laichbereites Weibchen anzulocken, verändert das Männchen sein Erscheinungsbild. Die Brust wird rot, der Rücken blaugrün und die Augen leuchten silberblau. Aus Pflanzen und Algen baut es dann ein Nest auf dem Gewässergrund. Kommt nun ein Weibchen vorbeigeschwommen, lockt er es mit ruckartigen, tänzelnden Bewegungen ins Nest, wo das Weibchen seine Eier ablegt. Anschließend werden diese vom Männchen befruchtet und das Weibchen verschwindet wieder. In den kommenden Wochen übernimmt allein das Männchen die Brutpflege und die Aufzucht der Jungfische. Erst wenn die jungen Stichlinge alleine zurechtkommen und der Pflegebetrieb erlischt, verliert es auch wieder seine auffälligen Körperfärbungen.

Dieses Verhalten hat man bei sonst keiner anderen Fischart festgestellt und es ist daher Gegenstand vieler biologischer Untersuchungen. So rückte der kleine Fisch ins Blickfeld der Wissenschaft. Mit der Wahl des Dreistachligen Stichlings zum Fisch des Jahres 2018 wollen DAFV, BFN und VDST nun den kleinen Schwarmfisch einem größeren Publikum bekannt machen und auf die faszinierenden Besonderheiten der heimischen Fischfauna hinweisen – zu Recht, wie die Fisch-Hitparade findet.