Russischer Stör und amerikanischer Löffelstör: Eltern des Paddelfisches

Der Sturddlefish: Eine Kreuzung wider Willen

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Ungarischen Forscher wollten eigentlich nur eine vom Aussterben bedrohte Störart vermehren. Allerdings vertrug sich diese derart gut mit seinem Cousin, dem Löffelstör dass die Wissenschaftler unverhofft Eltern wurden. Der Sturddlefish war geschlüpft. Warum das niemand erwartet hätte und pikante Details zu dieser Liaison gibt es hier.

Sturddlefish: Wenn zusammenkommt, was nicht zusammengehört

Die Ungarischen Forscher staunten bestimmt nicht schlecht als Sie eines Morgens einen neue Fischart in ihrem Institut und auf der Welt begrüßen konnten. Der liebevoll als Frankenfisch zu bezeichnende Hybride ist eine Kreuzung aus einem russischen Ossietra- oder Waxdick-Stör (Acipenser gueldenstaedtii) und einem amerikanischen Löffelstör (Polyodon spathula). Auch wenn die Abkömmlinge offiziell noch keinen Namen haben, haben Sie inoffiziell bereits den Kosenamen “Sturddlefish” erhalten, der sich aus der englischen Bezeichnungen ‘Sturgeon’ und ‘Paddlefish’ zusammensetzt.

Warum so überrascht?

Die Kreuzung ist eine kleine Sensation. Nach aussage der beteiligten Wissenschaftler Jeriö Kaldy und Attila Moszar hätten sich diese verschiedenen Arten eigentlich niemals miteinander kreuzen können. Zwar gehören beide Fische zu derselben Ordnung, den Acipenseriformes (Störartige), jedoch leben sie seit bereits 184 Millionen Jahren an den entgegengesetzten Enden der Erde. In dieser Zeit müssten sie sich eigentlich genetisch so weit auseinander entwickelt haben, dass keine Befruchtung und keine lebensfähigen Nachkommen mehr entstehen sollten. Vorversuche zur Hybridisierung sollten diese Annahme auch bestätigt haben. Das Ergebnis gibt, den Fachleuten, wie beim Aktenzeichen XY noch einige ungelöste Rätsel mit auf den Weg.

Das Bild zeigt die Elternfische des Sturddlefischs, einen russischen Stör oben, einen amerikanischen Löffelstör unten und zwei Mischformen als Nachkommen

Elternfische und Nachkommen: a) Der russische Stör b) der amerikanische Löffelstör (Paddlefish) b+c) Verschieden aussehende Nachkommen der beiden Störarten (Bild: Jenő Káldy et al. 2020).

Warum überhaupt zwei Störarten in einem Becken?

Eigentlich wollten die Forscher einen Weg finden, wie sie den mittlerweile vom Aussterben bedrohten Waxdick in Gefangenschaft ohne Befruchtung durch einen männlichen Stör vermehren können. Die sogenannte Gynogenese ist eine asexuelle Vermehrungsmethode, bei der das Spermium lediglich als Kontaktreiz benötigt wird, um bei der Eizelle die Eientwicklung einzuleiten. Die im Spermium enthaltene DNS ist somit unwichtig und funktioniert umso besser, je näher die Fischarten miteinander verwandt sind. Hierfür eignen sich vor allem solche Arten, die Ihre Keimzellen als Freilaicher ins Wasser abgeben. Die Nachkommen dieser Vermehrung sind somit Klone.

Drum prüfe, was sich ewig bindet

Der Löffelstör erfüllte zunächst gänzlich die Voraussetzungen der Forscher. Schließlich hatten diese eine gemeinsame entfernte Geschichte, eine ähnliche Physiologie und Anatomie (schuppenlose Haut, ähnlicher Aufbau der Innereien, knorpeliges Exoskelett), sind langlebig, langsam wachsend, Süßwasserfische, gefährdet und hätten sich in der Natur nie getroffen. Jedoch sind sie auch unterschiedlich: Der Löffelstör ist ein Freiwasserfiltrierer von Zooplankton, während der Stör sich hauptsächlich von am Boden lebenden Schnecken, Muscheln und Krebsen ernährt. Erste Kreuzungsversuche sollen zudem, wie gewünscht, negativ gewesen sein.

Die Ergebnisse waren insofern eine Überraschung und zeigten, dass die Genetik der beiden Tiere sich durchweg langsamer verändert hat, als es zu erwarten war. Die jungen Sturddlefische sehen jedoch auch nicht alle gleich aus und haben wahlweise mehr Anteile vom Waxdick oder vom Löffelstör. Von allen Tieren überlebten ganze 100 Exemplare. Diese sind zwar steril, verbleiben aber dennoch sicher in der Obhut der Forscher. Diese haben sich das Erfahrene erstmal von der Seele geschrieben. Wer mehr wissen will, der findet mehr in ihrer Veröffentlichung in dem Fachmagazin “Genes” (s.u.). Bei allem gilt natürlich wie immer: bitte zu Hause nicht nachmachen.

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