Welsangeln an der polnischen Oder

Vier Tage am Buhnenkopf auf Waller angeln

Welscamp am Buhnenkopf

Im August diesen Jahres war es endlich soweit – vor uns lagen vier Tage Angeln an der polnischen Oder. Mit dem Boot wollten wir in drei Nächten verschiedene Buhnenköpfe in diesem Flussabschnitt ansteuern, um gezielt den polnischen Oderwelsen auf die Schleimhaut zu rücken.

Nachdem ich meinen letzten größeren Waller von über einem Meter vor über 10 Jahren im Weiher meines damaligen Angelvereins beim Aalangeln überlisten konnten, setzte ich mir das Ziel im Sommer 2018 endlich mal gezielt einen größeren Wels mit entsprechenden Wallermethoden zu überlisten.

Die polnische Oder – Natur- und Angelparadies

Welches Gewässer ist im Nordosten Deutschlands dafür besser geeignet, als die Oder? Gerade oberhalb der Neißemündung, wo sich der Fluss in durch die Auen der polnischen Woiwodschaft Zielona Góra schlängelt, ist die Oder trotz der zahlreichen, den Flussverlauf dominierenden Buhnen – also menschlichen, zur Kontrolle des Flusses geschaffenen Bauwerke – noch recht naturbelasssen.

Zahlreiche Vögel, wie Reiher und diverse Greifvögel, jagen hier in den vielen, sehr unterschiedlich gestalteten Buhnen den Fischen hinterher. Nennenswerter Bootsverkehr ist eigentlich kaum vorhanden und als Angler lässt sich hier noch die sprichwörtliche Ruhe genießen, was die zahlreichen, einheimischen Angler auch taten. An vielen Buhnen haben wir Einheimische beim Angeln gesehen, obwohl durch den harten Sommer der Fluss sehr wenig Wasser führte und die Hitze im Tagesverlauf Mensch und Tier erheblich zusetzte.

Am ersten Spot – heiß auf Waller

Nach einigen Kilometern Fahrt flussaufwärts entschieden wir uns für ein vergleichsweise tiefes Buhnentrio am linksseitigen Ufer, wo wir das Camp für die erste Nacht errichteten. Es ist gut zu wissen, dass in der polnischen Oder – gerade bei einem solch niedrigen Wasserstand – eine drei Meter tiefe Buhne schon zu den tieferen und somit interessanteren Buhnen gehört. In den tiefen Buhnenlöchern liegen die Waller den Tag über ab und verbringen ihre Ruhephasen. Von dort starten sie dann Ihre Raubzüge.

Schnell – es war schon spät – wurden die Ruten mit den mitgebrachten Köderfischen und Wurmbündeln bestückt und an der oberhalb und den zwei unterhalb liegenden Buhnenköpfen mittels Steinmontage plaziert. Natürlich wurde auch das direkt vor unserem Camp liegende Buhnenloch befischt und das Warten auf den nächtlichen Biss begann. Endlich konnte ich also auch meine neuen Welscombo, eine WFT Never Crack Big Fish* samt bewährter Penn Spinfisher Rolle – bespult mit der sogenannten Hulk Line* von Zeck Fishing, testen, mit der ich das direkt vor unserer Buhne befindliche Buhnenloch befischte.

Die Rute zählt zwar nicht zu den hochqualitativen Modellen auf dem Markt, durch ihren Glasfaserblank sollte sie aber auch größeren Fischen einiges entgegensetzen können. Die hochqualitative 9500er Penn Spinfisher* mit ihrer atemberaubenden Bremskraft dürfte zudem den Drill eines großen Fisches locker ermöglichen.

Aber zurück zum Wels angeln...die Nacht blieb ruhig und am nächsten morgen fuhren wir einige Kilometer weiter flussaufwärts, um in einem noch abgelegenerem Abschnitt des Flusses unser Glück zu versuchen.

Feedern auf Baby-Wels

Die Zeit auf dem Weg vertrieben wir uns immer wieder beim ultraschnellen Spinnfischen auf Rapfen an den zahlreichen Buhnenköpfen. Die Rapfen wollten jedoch nicht so richtig und da uns die Sonne an diesem Tag besonders stark zusetzte, entschieden wir uns schnell dazu, ein neues Camp am nächsten, geeigneten Buhnentrio am rechten Flussufer zu errichten und die heißen Stunden des Tages beim Feedern auf Köfis im Schatten unseres Sonnensegels zu verbringen. Glücklicherweise zogen am späten Nachmittag ein paar Wolken auf und linderten unsere Qualen.

Das erfolgreiche Feedern gestaltete sich jedoch nicht so einfach, da vor allem verbuttete Güstern den Futterplatz dominierten. Irgendwann stellte sich aber der Wels-Nachwuchs am Platz ein und wir konnten vier sehr kleine Exemplare unseres eigentlichen Zielfisches auf Madenbündel überlisten. Ein paar bessere Güstern wurden schließlich und glücklicherweise auch noch an Land gezogen und sicherten unseren nächtlichen Ansitz auf die Oder-Riesen.

Walleralarm

Kurz vor der Dämmerung wurden also die Ruten bestückt und an drei hintereinanderliegenden Buhnenköpfen plaziert. Dabei wurden überwiegend Steinmontagen eingesetzt. Eine der Montagen wurde allerdings abgespannt, um aktiv raubende Waller in Oberflächennähe zu befischen.

Gegen Ende der Abendämmerung – kurz bevor es ganz dunkel wurde – erfolgte dann der erste harte Biss an einer stromabwärts plazierten Steinmontage. Der Anhieb saß und schnell wurde dem Fisch im Schlauchboot entgegengefahren. Nach einem relativ kurzen aber harten Drill konnte der 165 Zentimeter messende Waller von meinem Kollegen ins Boot gehieft werden.

Nach der Rückkehr zu unserem Buhnenkopf und dem Versorgen des Fisches wurde die Montage erneut in besagtem Buhnenloch plaziert. Der gefangene Fisch wurde released, da uns eine sinnvolle Verwertung des relativ großen Fisches aufgrund der vorherrschenden Hitze und der mangelnden Kühlmöglichkeiten nicht möglich war.

Nur wenige Minuten später erfolgte an der flussaufwärts liegenden Steinmontage der zweite Biss. Da die Montage hier umgelenkt wurde und erstmal einiges an Schnur aufgenommen werden musste, blieb dem Fisch leider genug Zeit, um sich festzusetzten. In Folge konnten wir den Fisch leider nicht erfolgreich landen und kehrten zum Camp zurück. Nach diesem Ereignis kehrte erst einmal Ruhe ein und wir entschieden uns schnell zu einer Mütze Schlaf.

Im zeitigen Morgengrauen bimmelte es erneut lautstark – der nächste Waller hatte an der flussabwärts abgespannten Montage einen erfolgreichen Raubzug begangen und sich dabei an unserer Montage gehakt. Langsam pumpte ich den Wels gegen den Strom in Richtung unseres Buhnenkopfes. Der Fisch hatte mit 140 Zentimetern nicht ganz das Kaliber des vorherigen Fisches und ließ sich auch ohne Schlauchboot sicher vom Ufer aus landen. In dieser Nacht konnten wir also die ersten, gezielten Erfolge auf Wels verzeichnen.

Spotsuche und letzte Nacht

Auf der Suche nach dem letzten Spot für unsere dritte Ansitznacht legten wir noch einige Kilometer an diesem schönen Fluss zurück und begutachteten viele mögliche Plätze. Besonders interessant schien eine buhnenlose Außenkurve mit Prallhang, die jedoch keine gute Möglichkeit bot ein Camp zu errichten. Letztendlich entschieden wir uns aber wieder für ein tiefes Buhnentrio in einer Außenkurve an der rechten Uferseite. Die Nacht blieb jedoch ruhig und im Morgengrauen konnte ledigleich ein 60er Hecht an einer auf Zander ausgelegten Köderfisch-Montage überlistet werden.

Trotz der letzten, leider welslosen Nacht schipperten wir am vierten Tag zufrieden wieder flussabwärts in Richtung Deutschland, um unseren letztendlich erfolgreichen Welstrip an der polnischen Oder zu beenden.

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