Varianten zum Schleien Angeln

eine Taktik für Großschleie

Schöne Schleie – mit Futterkorb überlistet

Kaum eine Friedfischart fasziniert die Anglergemeinde mehr als die Schleie. Bei der Challenge um den schönsten Fisch steht die geheimnisvolle Grüne in der Rangliste der meisten Angler ganz weit vorne. In Medienberichten hört man regelmäßig von großen Schleien, die als gern gesehener Gast – anders als beispielsweise Brassenbeifänge – beim Karpfenangeln erwischt werden. Doch von richtigen "Schleienstrecken" – also mal fünf oder sechs Schleien gezielt innerhalb weniger Stunden zu erwischen – darüber hört man in der Tat nur selten etwas. Worauf es bei der Gewässerwahl ankommt und welche Methode sich zum gezielten Schleienfang hervorragend eignet – davon berichtet euch unser User kaspersio carp in diesem Artikel.

Die Anfänge

Zwischen Ende April und Anfang Juni nahm ich mir vor, mehr über das gezielte Angeln auf Schleie in Erfahrung zu bringen und setzte mich, vornehmlich um Motivation zu tanken, an einen kleinen Privatteich mit einer starken Schleienpopulation. An diesem Tag fischte ich einen stinknormaler Drahtfutterkorb am Safety-Clip-Rig aus dem Karpfenangelbereich – nur eben auf Schleie. Köder war eine Kombination aus einem Rotwurm, einem Maiskorn sowie einem pinken Fakemaiskorn am Haarende. Ich war recht verwundert, dass die nach Vertüddelung riechende Montage doch recht vertüddelungsarm gefischt werden konnte.

Was an jenem Vormittag geschah, war unglaublich. Ich fing innerhalb von drei Stunden insgesamt acht Schleien, von denen sechs über 50 Zentimeter lang waren. Dies war mein bisher erfolgreichster Schleienvormittag überhaupt. Ich war weder vorfüttern, noch legte ich großartig einen Futterplatz an. Ich angelte lediglich von Beginn an mit gefüllten Futterkörben und meinem Kombiköder am Haar. Die Schleien waren etwa 30 Minuten nach Angelbeginn am Platz und verweilten dort für längere Zeit – trotz der geringe Futtermenge, die eingebracht wurde. Für mich war es definitiv der geilste Feedertag am Stillwasser. Mit diesen acht bildhübschen Fischen habe ich im Vorfeld in keinster Weise gerechnet. Eine Schleie fangen schien also ganz einfach.

Doch scheint dies ein extrem einfaches Gewässer zu sein, bei dem sich die Schleien auf alles stürzen, was der Angler an Ködern ins Wasser schmeißt. So berichtete mir ein kleiner Junge, dass er zig und ausschließlich Schleien an jenem Teich meines Bekannten fing – selbst beim Angeln mit einem einfachen Maiskorn. Einen Biss bekam ich – analog zur Berichterstattung des Jungen – sofort nach dem Auswurf meiner Montage beim Ablegen der Rute auf zwei Erdspießrutenhaltern. Die Tincas sind an diesem „Tümpel“ unfassbar gierig. Der Satz: „Die Schleie ist ein zaghafter und vorsichtiger Fisch.“, bekam hier also die Allgemeingültigkeit abgesprochen – Schlei angeln mal anders!

Challenge oder Kinderspiel?

Ist das gezielte Schleienangeln wirklich so einfach? Oder ist der Erfolg diesem vermeintlich einfachen Gewässer geschuldet? „Meine Montage kann doch nicht die Perfektion des Schleienangelns sein“, dachte ich mir. Ein dickdrähtiger 6er Drennan Specimen Plus Haken an einem 20 lbs Stiff Rig, das ist doch eher was für die Karpfenangelei, oder etwa nicht? Ich wusste von einem guten Kumpel, der Korum-Consultant Tim Janssen, dass er gegenwärtig auch intensiv an unterschiedlichen Gewässern den Schleien nachstellt. Ich schrieb während meiner lustvollen „Schleienphase“ viel mit ihm über das gezielte „Zeeltvissen“ (niederländisch) via Facebook und WhatsApp, bis wir uns schlussendlich zu einem gemeinsamen Ansitz in den Niederlanden an einem schmalen, schifffahrtlosen Kanal verabredeten. Hier wollte Tim mir das Angeln mittels Method Feeder auf die hübschen Tinca Tincas nahelegen und beibringen.

Schleienangeln in den Niederlanden

Ich hatte mich bereits eine Woche zuvor an einem Altrheinarm in Kleve mit dem Method Feeder vertraut gemacht. Leider zeigten sich an jenem Nachmittag keine Schleien. Vielleicht auch, weil ich die interessante Dämmerungsphase nicht abgewartet habe und lediglich über den Mittag fischte...wer weiß, wer weiß? Bei Tim angekommen, suchten wir zunächst seine beliebte Snackbar um die Ecke auf, um eine der berüchtigten Frikandeln mit Pommes zu verdrücken, bevor es dann schließlich los zum Kanal ging. So Gott will, bestellte Tim uns beiden eine XXL-Frikandel-Spezial – etwa in der Länge einer kapitalen Schleie. Vollgefuttert stampften wir darauf zu unseren PKWs und fuhren rüber zum Kanal.

Bevor wir unsere Schleienangelei starteten, zeigte mir Tim, wo wir unsere insgesamt vier Ruten bestenfalls strategisch verteilen sollten. Dabei redete er mit mir über die fast senkrechte und spezifische Fressweise der Schleien. Diese nehmen den Köder in der Tat in einem sehr steilen 45° Winkel auf. Deswegen bietet sich insbesondere das Angeln mit einem kleinen Pop-Up, wo der Haken knapp unter dem Köder aufgerichtet fixiert wird, an.

Die perfekte Methode

Auch erzählte er mir über die typischen Eigenschaften eines Schleiendrills: „They are getting nervous while playing with it.“, erzählte Tim. Schleien flitzen im Drill gerne mal quer über das Gewässer und schütteln dabei wild ihren Kopf. Dabei können sie sich beim Angeln ohne Widerhaken leicht vom Haken befreien. Der festsitzende Wirbel am Hakenvorfach im Method Feeder, ähnlich wie beim Safety Clip Angeln, befreit sich nicht immer aus der Methdod Feeder, sodass leider keine wünschenswerte Freilaufmontage während des Drills entstehen kann. Das ist ein großes Problem, da der Method Feeder hierbei als auf der Hauptschnur fixiertes Kontergewicht als Enthakmechanismus wirkt. Aufgrund dessen hat die Firma Korum ein Art „Semi-Bolt-Rig“ mittels Semi-Fix-Beads entwickelt, also einem Hybrid aus einer Festblei und einer Freilaufmontage. Dies ist eine spezielle und essentielle Modifikation der Method Feeder Methode zum gezielten Schleienangeln mittels sogenannter „barbless Hooks“ (widerhakenfreie Haken).

Mit diesem Tool für das Method Feedern Angeln rutscht der Wirbel zusammen mit dem Semi-Fix-Bead mit Garantie nach dem Anbiss aus dem Method Feeder, sodass man die Schleie darauf sicher drillen kann, ohne dass eine akute Ausstiegsgefahr mit einem wiederhakenlosen Haken besteht. An besagtem Tag konnten wir mit Tims feinen, drillfreudigen Ruten und dem Semi-Bolt-Rig tatsächlich – bis auf einen Biss – jeden Fisch mit sicherem Drill und anschließender Landung verwandeln.

Diese Kombination aus einem feinfühligem Angelgerät, einer Semi-Bolt-Montage sowie kleinen, widerhakenlosen Haken schien optimal zu sein. Der kleine, 12 Milimeter große Ananas-Pop-Up fand jedenfalls so einige Abnehmer. An jenem Tag fanden wir mit dieser Methode das Erfolgsrezept, um mehrere Kanalschleien auszutricksen. Mir stieg allerdings eine Schleie im Drill aus. Entweder, weil ich eine 2.5 lbs Karpfenrute verwendet habe, die zu hart für diese Angelei ist, oder aber, weil ich kein Semi-Bolt-Rig, sondern lediglich eine normale Method Feeder Montage gefischt habe. Vielleicht war es aber auch dem unglückliche Umstand aus beiden Faktoren geschuldet, wer weiß? Jedenfalls fährt Tim mit seiner Philosophie des Schleienangelns recht gut. Seine Fangerfolge sprechen für sich!

Schleienfutter und Futterplatz?

Zum Thema Futter und Futterplatz ist zu sagen, dass das Futter eine Mischung aus recht süßem sowie fischigem Futter sein darf. Beim Schleien Anfüttern ist ein zusätzlicher, geringer Anteil an grobem Futtermaterial wie z.B. Hanf- und Maiskörnern ist ideal, um die Schleien ein wenig länger am Platz zu halten.

Das optische Imitieren des Gewässergrundes hat sich ebenfalls als erfolgreich bewährt. Demnach ist es wichtig, in Gewässern mit dunklem Untergrund auch dunkles Futter zu verwenden. In sandigen Gewässern ist ein helles Futter hingegen von Vorteil. Bei der Kanalangelei wurde an jenem Tag kein Futterplatz angelegt. Derjenige, der weiß, wo die Schleienstraßen in seinem Gewässer verlaufen, der kann mit einzelnen „Method-Feeder-Fallen“ – auch ohne große Futteraktionen – Schleien auf die Abhakmatte befördern.

Schleienstraßen verlaufen oftmals dicht am Ufer, entlang des Schilfrohrs und der Seerosenfelder. Potenzielle Schleienstandorte sind somit schnell ausfindig gemacht. Ohne einen angelegten Futterplatz ziehen die Schleientrupps in den Dämmerungsphasen eines Tages hin und wieder in mäßigem Tempo auf einer Schleienstraße entlang und nehmen dabei Futter auf. Bei jedem erneuten Auswurf lohnt sich ein Wurf fünf Meter weiter entlang der Schleienstraße durchaus und dies bringt oftmals mehrere Fische ans Band. Tim sagt immer gerne: „Follow the fish, because the fish don´t follow you.“ In einigen Situationen soll er mit dieser Weisheit Recht behalten. So auch an diesem Tag. Mit insgesamt sieben Tincas war es ein absolut erfolgreicher Angelabend.

Gewässerwahl zum Schleienangeln

Auf der Suche nach einem neuen Tinca-Gewässer setzte ich mich am Morgen des Folgetages an meinen Laptop und startete mein klassisches Google-Earth-Spotting in Kombination mit der VISplanner-App. Bereits nach kurzer Zeit wurde ich fündig und hatte mein neues, bisher unbekanntes „Opfer“ gefunden. Ein abgehendes Gewässer eines großen Flusses sollte es werden. Mittels Google Streetview konnte ich auch zügig zwei typische Merkmale eines Schleiengewässers ausfindig machen: Seerosen – check! Röhricht – check!

Das Gewässer stank bereits förmlich durch den Bildschirm nach Tinca Tinca. Also Schleientackle ab in die Anglerkarre und auf geht´s! An besagtem Gewässer angekommen hatte ich noch Tim's Futter vom Vortag übrig. Ein sehr „fischiges“ Futter bestehend aus einem Mix Sonubaits Worm und Sonubaits F1 sowie ein wenig frischer Hanf und Mais sollten es auch heute richten. Das Gewässer schaute auch vor Ort einfach traumhaft aus. Ein Seerosenfeld folgte dem nächsten und auch die ausgedehnten Schilfrohrufer ließen den erhofften Zielfisch vermuten.

Bereits bei meinem Erkundungsrundgang konnte ich kleine, bis etwa zwölf Zentimeter lange Rotfedern entdecken. Auch ein umtriebiger Hecht von gut 50 Zentimetern stand am Ufer auf der Lauer – Fisch war also definitiv vorhanden.

Wenn ich mir die Hauptfischarten ähnlicher Gewässer wie beispielsweise den Niepkuhlen, einem Altrheinarm, anschaue, dann ist das Vorhandensein von Rotfedern und Hechten schon einmal sehr beruhigend und motivierend. Hauptfischarten der Niepkuhlen sind nämlich Rotfedern, Hechte, Schleien, Brassen, Rotaugen, Barsche und Aale. Ganz typische Fischarten für flache, schlammige Gewässer mit Seerosen und Unterwasserpflanzen. Zwei dieser Flossenträger konnte ich bereits – ohne geangelt zu haben – ausfindig machen. Super!

Doch nun kribbelte es mir auch in den Fingern, die Ruten testweise schwingen zu lassen. Also den Schleienköder, einen 12 Milimeter Banana'n-Poppie, drauf, den Method Feeder ins futtergefüllte Förmchen gepresst und ab geht die Lutzi!

Was in den ersten Folgestunden passierte war extrem ernüchternd. Es tat sich nämlich gar nichts. „Habe ich mich vielleicht verkalkuliert? Sind hier gar keine Schleien im Gewässer? Vielleicht doch nur Kleinfisch und ein paar Hechte?“, zweifelte ich nach verstrichenen zwei Stunden ohne Aktion. Nach weiteren 30 Minuten glaubte ich schon nicht mehr an den erhofften Erkundungsfangerfolg und genoss lediglich das hervorragende Wetter an jenem Tag.

Optimierung der Methode zum Angeln auf Schleie

Doch dann – gegen 20:00 Uhr – zuckte mein Rutenspitze. „Yes, Biss!“ Doch dann sah ich auf meiner Angelstelle ein „Pillehuhn“, auch Blesshuhn genannt, und vermutete, dass sich dieses am gelben Bananenpoppie unbemerkt vergriffen hatte. Ich holte also meine Montage ein, machte sie erneut mit Futter startklar und feuerte sie zum selben Spot hinaus. Keine zehn Minuten später wackelte wieder meine Rutenspitze. Ich schlug an und spürte einen quirligen Fisch im Drill. Nach einigen Sekunden stieg der Fisch am wiederhakenlosen Haken aus. „So ein verdammter Mist!“, dachte ich mir. Aber immerhin schien nun eines klarer zu sein. Dieses Schätzchen hier beherbergt augenscheinlich meinen Stillwasserliebling, die Schleie. „Hätte ich mal nur ein Semi-Bolt-Rig am Start, verdammte Hacke!“, fluchte ich.

Die relativ steife Rute – offenbar keine sehr gute Schleienrute – plus der starre Method Feeder haben den Fisch vermutlich entwischen lassen. Tim schien recht zu behalten, dass beim gezielten Schleienangeln mit Method Feeder, ein Semi-Bolt-Rig essentiell ist, um Aussteiger zu vermeiden. "Dann muss ich wohl heute noch einmal auf Haken mit einem kleinen Widerhaken (micro barbed) umsteigen. Zumindest testweise an einer Rute." Gesagt, getan!

Während ich auf der verbliebenden Angelrute mit barbless hooks erneut einen Aussteiger verbuchte, bescherte mir die Rute mit dem neuen Rig, an dem ein micro barbed Haken gebunden wurde, den ersten Fisch des Gewässers – und was für einen! Eine makellose, grüne Schönheit von sage und schreibe 55 Zentimetern begrüßte mich auf der Abhakmatte.

Was für ein hammergeiler Fisch! Nach wenigen Erinnerungsfotos durfte die Sahne-Schleie wieder zurück in ihr feuchtes Stübchen. Ist das geil! Neues Gewässer, unbekannter Fischbestand und dann so ein Fisch – ich war sprachlos. In der Folgestunde bekam ich auf einem Spot stetig Fehlbisse bzw. Aussteiger. Es war die Rute mit dem widerhakenlosen Rig. Plötzlich kam ein Fullrun zustande. Der Fisch nahm innerhalb weniger Sekunden mehrere Meter Schnur und sprengte das 0,21er Vorfach. War dies etwa der erste Karpfenkontakt am Gewässer? Ich denke schon. Viel Zeit zum Trauern und Ärgern blieb mir nicht, da eine halbe Minute nach dem Unglück bereits die andere Rute abdampfte.

Eine kampfstarke Tinca schien am anderen Ende zu hängen und in der Tat – dieses Mal konnte ich die Schleie auch aufgrund des „Widerhaken-Rigs“ sicher drillen und einnetzen. Mit 53 Zentimetern war die Hübsche ebenfalls eine Traum-Tinca. "Was für eine hammermäßige Einstiegssession am neuen Gewässer!" dachte ich mir. Ich liebe Erkundungstouren!!!

Insgesamt hatte ich an jenem Abend neun Bisse, die gefühlt allesamt – bis auf den geschilderten Karpfen-Fullrun inklusive Abriss – von Schleien stammten. Hätte Tim mit seiner Erfahrung, mit dem Semi-Bolt-Rig und den ultrascharfen 14er barbless Hooks mehr Fische gehakt und fangen können?

Wenn ich mich an die gemeinsame Kanalsession zurückerinnere, wo so gut wie jeder leichte Anfasser in einem Schleinfangfoto endete, dann würde ich mir diese Frage mit: „Ja.“ beantworten. Und in der Tat. Nachdem ich mir Korums Dura Method Feeder und Semi Fix Beads besorgt habe, konnte ich in den beiden Folgesessions vereinzelte Schleienbisse mittels Semi-Bolt-Rig sicher haken und drillen. Mein Schleienrig funktioniert um einiges besser als zuvor...geil!

Ich werde euch gerne berichten, ob es auch weiterhin so gut mit diesem Rig und dieser Methode funktioniert hat und hoffe, die investierte Lesezeit hat sich für euch gelohnt.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein dickes Peeetri!
Euer Kas