Heiß auf Eis!

Eisangeln im März

Ein Mini-Eisbarsch aus der Spree

Unverhofft kommt oft – das dachte ich mir, als es Ende Februar, einem Zeitpunkt an dem alle anderen Angler und vermutlich so ziemlich jeder Mensch eigentlich schon den Frühling herbeisehnt, nochmal so richtig kalt wurde. Genauso schnell wie das Eis wuchs also meine Hoffnung eben jenes in diesem Jahr auch noch betreten zu können, um den geliebten Barschen von oben herab – sozusagen in Eiskönigmanier – durch ein kleines Eisloch nachstellen zu können. So kam es, wie es kommen musste, und pünktlich zum Wochenende waren auch die Gewässer in Berlin und Umgebung mit einer teils massiven Eisschicht überzogen, die selbst wagemutige Spaziergänger zu einem kleinen Eisgang auf der Spree hatte hinreißen lassen.

Erste Station: Stillgewässer in Brandenburg

Die Raubfischschonzeit in Berlin ließ mich aber vorerst einen kleinen Abstecher auf einen Brandenburger See wagen, wo das Spinnfischen gestattet ist, um den Streifenträgern auch mit Raubfischmethoden nachstellen zu können und somit vor allem die kapitaleren Exemplare herauszuselektieren. Schnell war die Eisangelausrüstung zusammengestellt und der Eisbohrer geschultert. Da bereits Tauwetter einsetzte und angenehme Plusgrade mich auf dem Weg zum Wasser bereits ins Schwitzen brachten, waren Teile der Eisdecke des Sees bereits mit einer dünnen Schicht aus Schmelzwasser überzogen.

Sicherheit geht vor!

Wichtig beim Eisangeln – ganz besonders bei solchen bereits milden Temperaturen – ist es, im Vorfeld ufernah bereits ein Probeloch zu bohren, um die Eisdicke zuverlässig ermitteln zu können. Zudem sollte man sich nie alleine aufs Eis wagen. An dieser Stelle sei außerdem niemandem geraten anderen Eisgängern blind zu vertrauen, sondern sich immer selbst zu vergewissern, ob die Eisstärke ausreichend ist.

Zwar waren unsere überwiegend aus Osteuropa kommenden Eisangelexperten vermutlich bereits die ganze Woche auf dem Eis unterwegs, was sich an einigen bereits vorhandenen Eislöchern zeigte, allerdings verfügen diese meist über einen langen Erfahrungsschatz bei der Eisangelei und bei dem Umgang mit zugefrorenen Gewässern generell und können somit die Gefährdung häufig deutlich besser einschätzen, als der durchschnittliche Mitteleuropäer. Der Stellenwert des Eisangelns scheint bei unseren Kollegen außerdem so hoch zu sein, dass auch eine gewisse Risikobereitschaft anzunehmen ist.

Gesagt, getan – der Eisbohrer fraß sich ins Eis und bereits nach kurzer Zeit durchbrach er die Eisdecke – nach zu kurzer Zeit. Lediglich 10 Zentimeter maß das Eis an dieser ufernahen Stelle des Sees. Erstaunlich – in Berlin wirkte die Eisdecke deutlich dicker und außerhalb der städtischen Ballungsräume vermutete ich im Vorfeld eigentlich ein stärkeres Eiswachstum. Zehn Zentimeter ist leider schon etwas grenzwertig. Allgemein wird empfohlen erst bei 15 Zentimetern aufs Eis zu gehen. Waghalsige Eisfreaks bewegen sich allerdings auch schon bei sieben Zentimetern auf dem gefrorenen Wasser.

Auch ich war nicht das erste Mal bei nur 10 Zentimetern auf dem Eis und nach reiflicher Überlegung schätzte ich die Situation als vertretbar ein. Trotzdem entschloss ich mich dazu, mich nicht allzu weit aufs Eis hinauszuwagen und vorrangig die ufernahen Bereiche abzufischen. Glücklicherweise fiel das Ufer hier steil ab und auch unter Wasser führte die Kante recht nah am Ufer auf bis zu vier Meter Wassertiefe. Teils ragten überhängende Äste weit ins Wasser und ließen auch unter dem Eis einiges an Totholz und somit idealen Unterstände für die gestreiften Burschen erwarten.

Loten trotz Eisdecke?

An dieser Stelle möchte ich kurz beschreiben, wie man auch beim Eisangeln erfolgreich ein Echolot einsetzt, um Kanten zu finden oder die Gewässertiefe zu ermitteln. Natürlich kann man problemlos den Echolotgeber ins Eisloch halten und so zuverlässig die Tiefe bestimmen, jedoch muss zuvor natürlich das Loch gebohrt werden.

Glücklicherweise gelangt das Gebersignal auch durch die Eisdecke, weshalb sich Tiefe, Strukturen und gegebenenfalls Fische auch durchs Eis hindurch ermitteln oder finden lassen. Dies funktioniert jedoch nur, wenn einen dünne Wasserschicht auf dem Eis dem Geber suggeriert, er befindet sich im Wasser. Da das Tauwetter für eben jene Wasserschicht auf dem Eis sorgte, funktionierte das Loten durchs Eis hindurch in dieser Situation perfekt. Sollte es allerdings einmal sehr kalt sein und die Eisschicht somit trocken, hilft es, immer an der Stelle etwas Wasser aufs Eis zu schütten, an der der Geber plaziert wird.

Ich bin dazu übergegangen, den Geber an einem Rutenhalterspieß zu montieren und das Echolot samt Akku in einem Eimer zu transportieren. So lassen sich schnelll und ohne nerviges Bücken verschiedene Bereiche des Gewässers nach Kanten, Löchern oder Fischschwärmen absuchen. So schont man einerseits seinen Rücken und spart sich andererseits diverse Probebohrungen.

Suchen, Bohren, Ausfischen!

Schnell suchte ich so also die ufernahen, steil abfallenden Kanten und Bereiche mit Totholz ab, identifizierte mögliche Standplätze und Strukturen und bohrte hier und dort ein Loch. So kamen auf ein paar hundert Meter Uferlinie schnell einige Löcher zusammen. Die Löcher säubert man am besten mit einer Knödelkelle, die sich in jedem Haushalt finden lassen sollte. Bei Frost kann man das Loch damit auch leicht eisfrei halten.

Zwei der Löcher fütterte ich mit einem herben und mit Maden versetzten Staubfutter an, um auch fette Winter-Plötzen anzulocken – man kann nebenbei ja durchaus mal die Zeit für sich arbeiten lassen, denn auch diese Silberbarren sind eine tolle Beute für Eisangler, kampfstark und im Winter zumal wunderschön gefärbt.

Anschließend wurden jedoch erstmal die zahlreichen gebohrten Löcher mit Vertikaljigs und Würmern am Drop-Shot abgeklopft. Nach einiger Zeit des konzenrtrierten Eislöcherbefischens kam dann die Ernüchterung – kein Biss ... nicht mal ein Zupfer – und auch die gefütterten Plätze blieben offenbar fischleer. Schnell kam also der Entschluss das Gewässer zu wechseln, um an diesem einzigen Eisangeltag der Saison, nicht auch noch als Schneider nach Hause zu gehen.

Zweite Station - Fließgewässer in Berlin

So viel die Wahl auf die mir gut bekannte Spree in Köpenick, die sowieso für ihren überragenden Barschbestand bekannt ist. Auch kennt man als alter Hase so seine Plätze und kann somit mit einiger Sicherheit sagen, wo sich Fische aufhalten. Auch im Winter, unter dem Eis, stehen die kleinen Räuber gerne an und unter Stegen, dicht an Spundwänden oder unter überhängender Ufervegetation – und dabei muss es nichtmal tief sein. So spät im Winter ziehen die schon fast laichfreudigen Barsche auch in flache, strukturreiche Uferabschnitte – und das Eis interessiert sie dabei nicht die Bohne.

Entschneidert!

Schnell waren entlang von Stegen und Spundwänden einige Löcher gebohrt und die erste mit einem halben Tauwurm bestückte Drop-Shot Montage im Eisloch verschwunden – einundzwanzig, zweiundzwanzig, Tock, Anhieb – und der erste kleine Stachelritter wurde zum Eisgang überredet. Zwar hatte der Fisch vielleicht gerade mal das Mindesmaß von hier 15 Zentimetern, sorgte glücklicherweise aber dafür, dass ich nicht als Schneider nachhause ging. Auch das Bärschlein durfte schnell wieder nach Hause ins kühle Nass und verschwand schnell im Eisloch. Da in Berlin das Raubfischangeln in den ersten Monaten des Jahres nicht gestattet ist, kann man hier nur mit Würmern oder Mikrobaits unter zwei Zentimetern Länge fischen. So fängt man im Frühjahr also oft kleinere Barsche, was dem Spaß bei der Sache aber keinen Abbruch tut.

Barsche im Fressrausch!

In der Regel zuppelt man einige Zeit im Eisloch und wechselt, sollte kein Biss erfolgen, recht schnell zum Nächsten. Hat man dann alle Löcher durch, bohrt man entweder Neue oder fängt wieder am ersten Loch an. In aktuellen Fall brachte eigentlich jedes Loch Fisch und so kam schnell eine stattliche Anzahl an Barschen zusammen, auch wenn der Größte gerade mal rund 22 Zentimeter maß. Die Fische standen kurz vor dem Laichen und waren prall mit Rogen oder Milch gefüllt. Interessanterweise haben bereits kleine rund 18 Zentimeter große Weibchen riesige Gonaden und somit recht dicke Bäuche. Die kleineren beziehungsweise schlankeren Exemplare sind in der Regel Milchner. Bissig waren sie jedoch alle, denn kurz vor dem anstrengendem Laichgeschäft nutzen die Fische jede Möglichkeit, um ihre Kondition zu erhöhen und stürzen sich somit gierig auf die angebotenen Köder.

Ende gut - Alles gut

Selbst mit einsetzender Dunkelheit hörten die Bisse der eigentlich sichtraubenden Barsche nicht auf, obwohl unter dem Eis bereits stockfinstere Nacht herrschen musste. Als sich dann letztendlich aber ein Kaulbarsch am Wurm vergriffen und das Eis kurz von oben angesehen hatte, packte ich zufrieden ein. Denn wie jeder erfahrene Petrijünger wissen sollte – fangen die nachtaktiven Kaulbarsche an zu beißen, so kann man als Barschangler in der Regel getrost einpacken. Das gilt beim Eisangeln genauso wie bei jeder anderen Angelart.