Dorschangeln im Ententeich

Saisonende vor Warnemünde

Im November auf die Ostsee. Brrr. Allein bei dem Gedanken daran, begann es mich zu frösteln. Die Temperaturen waren schon merklich gefallen, aber dennoch kam vereinzelt die Sonne durch und an diesen paar Strahlen wollte ich mich nun auch festhalten. “Wird schon werden”, dachte ich mir und stopfte noch ein paar weitere, dicke Klamotten in meinen schon vollen Rucksack. Am Vorabend hatte ich noch bis spät abends die Meeresausrüstung entstaubt und saß um 6 Uhr früh etwas übermüdet bei meinem Kumpel Axel im Auto. Zum Glück konnte ich meine Augen bis Rostock noch einmal kurz schließen.

Nach einem etwas größeren ökologischen Fußabdruck verließen wir die A105 bei Rostock und hatten nach 2 Minuten den Yachthafen in Dorf Schmarl erreicht, wo uns Thomas Popp von Bootscharter Rostock mit einem freundlichen Händedruck begrüßte und nach kurzer Einweisung eine Sessa von 6,5 Metern Länge und 130 PS überließ. Zu meiner Erleichterung hatte unser Flitzer gleich mehrere Rutenhalter und ein Echolot verpasst bekommen. Das Wetter zeigte sich mittlerweile von seiner Schokoladenseite. Ein wolkenfreier Himmel und spiegelglattes Wasser prophezeiten einen warmen Angeltag – was ein Glück.

Nach einer Einweisung in unser Boot und das Verhalten auf dem Wasser, stachen wir in den Ententeich Richtung Warnemünde. Während Axels vormontierte Einteiler bereits standen, fädelte ich meine 15’er geflochtene und 33’er Fuorocarbon durch die Ringe. Ich fischte an diesem Tag konstant meine Salzwasserkombo. Der Tackle Narr Axel hatte hingegen auf Dorsch seine Sportex/Daiwa Kombo mit einer 12'er Geflochtenen an den Start gebracht.

  • Mitchell Avosea Wind Travel (Länge: 2,7 m, WG: 20–80 gr.) und einer ZALT–ARC XS
  • Sportex Air Spin (Länge: 2,4 m, WG: 40 gr.) mit einer Daiwa Exist LT 4000

Unsere Angeln waren heiß auf Feindkontakt und auch die Fische schienen unsere Gummiköder bereits sehnlichst zu erwarten. Im Vorfeld hatten wir erfahren, dass größere Dorsche bis 80 Zentimeter unweit der Küste auf 7 bis 8 Meter Tiefe gefangen wurden und auch die Heringsangler an der Hafenausfahrt machten uns Mut und schienen uns zuzurufen “läuft bei Euch heute”. Okay, dann gönnen wir uns das mal.

Kurz hinter der Mündung verließen wir das Fahrwasser und warfen ohne Schnickschnack unsere Gummis in die Andrift Richtung Fahrwasser auf 9 Meter Tiefe. Da wir nur leichten Ostwind hatten, reichten uns Jigköpfe von 20 bis 25 Gramm für eine volle Köderkonstrolle aus. Tock ... das Signal kam klar an und mein Anhieb saß. Ein Leopard hatte meinen LunkerCity Shaker 4,5" inhaliert und erinnerte mich daran, wie kampfstark Salzwasserfische doch sein können. Mit gekrümmter Rute und Vorfreude auf den ersten Erfolg des Tages, konnte ich bald einen Dorsch von 60 Zentimetern ins Boot heben und im Sonnenlicht bewundern.

    Mit ihren großen Augen und mürrischen Mäulern erinnern mich die Dorsche stets etwas an grimmige Kinder. Ein Auftakt wie im Lehrbuch. So muss es weitergehen. Während sich Axels Dorsche noch seelisch auf den Biss vorbereiteten und seinen 140’er Fiish Black Minnow anstupsten, hing bei mir schon der zweite Räuber und folgte dem Ersten. 65 Zentimeter, na also! Damit war ich nach so langer Dorsch Abstinenz bereits voll zufrieden. Aber auch mein Kumpel rief bald “Fisch” und landete einen hübschen Leopard und seine Anspannung wich. Das Eis war gebrochen. Petri Heil!

    Um unser Baglimit von 5 Dorschen nicht gleich zu Beginn unserer Tour zu erschöpfen, montierten wir kurzerhand die Heringsvorfächer und gingen auf beiden Seiten der Fahrrinne mit dem Echolot auf die Suche nach den Schwärmen. Die Tiefe lag hier bei 9 bis 14 Meter und plötzlich – Fischwolken voraus! Wir ließen uns nicht zweimal einladen und schickten sofort unsere Paternoster mit 40 – 70 Gramm Pilkern auf Tauchfahrt. Dafür hatte Axel als Tackleprofi eine handgemachte MefoRute (Länge: 3,15 m; WG: 12 – 42 gr.) vorzuzeigen, die mit einer Daiwa Certate 2500 bestückt war. Imposant, aber die Silberbarren ließen sich weder mit der einen noch der anderen Kombo lange bitten und vergriffen sich immer wieder an den silbrig schillernden Folien unserer Haken.

    Leider stiegen viele der Heringe auf dem Weg nach oben wieder aus oder fielen an der Oberfläche ab. Darum ließen wir das Vorfach bei einem Biss bald noch eine kurze Weile unten, um noch mehr der Anbissstellen zu besetzen. Als mir bei einer Aktion das Vorfach abriss, montierte ich ein Heringsvorfach für “große Heringe” mit roten Hakenködern – sofort war bei mir Sense. Während mein Kollege ständig “Fisch” rief lief bei mir gar nichts. Naja. "Vieleicht waren keine großen Heringe da", ulkte ich bei mir selbst und wechselte schnell wieder auf die Erfolgsfarbe.

    Nachdem wir den Silberpfeilen fast zwei Stunden hinterhergefahren waren und das Boot immer wieder versetzt hatten, lagen uns am Ende 70 hart erarbeitete Heringe zu Füßen. Darum war es erstmal Zeit für eine kleine Pause und ein Bier mit Berliner Stullen. Puuhh ... die kleinen Kerle haben für ihre Größe einen ganz schönen Kampfgeist. Da kann so mancher Hecht daheim noch etwas lernen.

    Aber auch wir wollten von den Heringen lernen und weiter am Fisch bleiben und fuhren parallel zur Küstenlinie nach Westen auf einen Tross Angelboote zu. Nachdem wir einige Fischernetze hinter uns gelassen und die Kollegen erreicht hatten, trieben wir bald über 7 bis 8 Meter tiefem Grund. War das die Stelle von der wir gehört hatten? Wahnsinn. Jetzt wollten wir unsere Dorsche vollmachen. Die Strömung schien mir hier etwas härter und so wählte ich einen 35 Gramm Jig und klopfte den Grund mit einem Schwarz-Gold-Orangen Relax Ohio Action Shad auf Dorsche ab. Der Köder wurde am heutigen Tag mein Liebling. Der Bleikopf gab in der Andrift eine satte Rückmeldungen und prompt wurde der Wechsel mit einem dominanten Biss belohnt und ich konnte in kurzer Folge mehrere Dorsche zwischen 50 und 65 Zentimetern landen. Während der Drift stieg der Gewässergrund dann bis fast sechs Meter an. Da es bei Axel zunächst nicht so ganz klappte und auch mein Erfolgsköder nichts brachte, grummelte er sarkastisch vor sich hin “Klar ist ja auch nicht mehr 7 bis 8 Meter”. Bald aber funzte es auch bei ihm wieder, so dass wir nun wechselseitg einen Dorsch nach dem Anderen ziehen konnten. Wir waren nun wirklich bester Laune und trieben ruhig angelnd über das Wasser – besser ging es kaum noch. 

    Aber man soll ja immer aufhören, wenn es am schönsten ist und dieser Tag hatte sein Ende erreicht. Und so nahmen wir noch unseren Fang aus und machten uns dann froh, abgeangelt und mit Fisch beladen auf den Heimweg ins Dock, wo wir bereits erwartet wurden.

    Einen lieben Dank an die Crew von Bootscharter Rostock für die gute Organisation, das tolle Equipement und die Rundum Sorglos Betreuung. Wir kommen gerne wieder!