Auf Zwergwels angeln in Brandenburg?

Katzenwelse – eine unterschätzte Delikatesse

Großer Zwergwels

Als Angler kennt jeder mit Sicherheit das Gefühl, dass es überall kribbelt und juckt je näher das Wochenende rückt. Wenn dann auch noch der Wetterbericht "Klärchen am Himmel" verspricht, hält einen nichts mehr in der Wohnung. Diesmal war eine echte Delikatesse das Ziel, eine Fischart, der die wenigsten Angler gezielt nachstellen und das, obwohl sich die Angelei sehr einfach darstellt, kurzweilig ist und außerdem höchste Gaumenfreuden verspricht. Also – leichte Stippausrüstung eingepackt, Hund und Frau überredet mitzukommen und ab ins schöne Brandenburger Ländle gefahren – mit dem Ziel ein paar Zwergwelse zu überlisten. In den folgenden Zeilen lest ihr, ob unser Admin FM Henry bei diesem Trip erfolgreich war.

Das Gewässer

Gut 50 Kilometer vor den Toren Berlins gibt es mehrere, sehr ruhig gelegene Kleinstgewässer, welche auf den ersten Blick völlig überfischt sind.

Kaum tiefer als einen Meter und bei Fortschreiten der Sonneneinstrahlung im Jahresverlauf völlig verkrautet, war eines davon mein Ziel. Etwa zwanzig Jahre war hier mein letzter Besuch her und ich war gespannt, ob es sie denn noch geben würde, die Zwerg- oder auch Katzenwelse? Mehrere, gut gepflegte Angelstege erleichterten die Platzsuche zum heutigen Katzenwels angeln ungemein, gerade wenn der Wind mal ungünstig pustet. Es ist Wochenende und somit müssten außer uns viele Angler das schöne Wetter für eine Stippvisite am Wasser nutzen. Nanu – Parkplatz leer und alles exklusive – ein Traum.

Der Stoffel brauchte erst mal eine Abkühlung nach der Autofahrt, was den positiven Nebeneffekt hatte, dass der Gewässerboden an dieser Angelstelle gut durchwühlt wurde, was zusätzlich eine Lockwirkung auf die Zwergwelse ausüben sollte.

Überall auf der Wasseroberfläche waren kleine Aktivitäten zu sehen. Ab und zu rollte auch mal ein Karpfen oder eine größere Schleie, denn diese sind zwar äußerst vorsichtig, aber dennoch vorhanden. Auch der eigentlich aus Südamerika stammende Nutria (Myocastor coypus) fühlt sich hier wohl und zeigte uns gegenüber kaum Scheu – oder war es vielleicht doch eine deutlich kleinere Bisamratte (Ondatra zibethicus)? Die Unterwasservegetation hielt sich noch in Grenzen, die Mücken leider nicht.

Das Zwergwels-Angeln

Ausloten ist an diesem Gewässer nicht nötig – tiefer als einen Meter geht hier nicht. Eine Handvoll Futter, bevorzugt "Schwarzer Brassen", direkt unter die Rutenspitze und erst mal die Natur genießen. Gewöhnlich dauert es kaum eine halbe Stunde, bis die Fische "gerochen" haben, dass der Tisch gedeckt ist. Kopfrute oder Grundmontage – das ist völlig dem Angler überlassen. Einige Vorraussetzungen sollten bei dieser Fischart aber bedacht werden.

Die Hakengröße spielt eine sehr wichtige Rolle, wenn man nicht im Minutentakt eine neue Montage binden möchte. Zwergwelse sind für ihre Gier bekannt und so bleibt einem nichts anderes übrig, als relativ große Haken zu benutzen. Da Zwergwelse in Brandenburg weder ein Mindestmaß noch eine Schonzeit haben, sollte vorher überlegt werden, welche Größe der gefangene Fisch haben sollte – danach richtet sich die Hakengröße. Ich persönlich bevorzuge Gamakatsu Butthaken, da diese einen sehr langen Schenkel besitzen und somit für den Angler gut greifbar zum Lösen aus dem Maul des Fisches sind. Kleinere Exemplare tun sich schwer mit den großen Haken und da ich ausschließlich mit Würmern fischte, kann sehr schnell an der ständig tanzenden Pose erkannt werden, dass zu kleine Fische den großen Haken nicht ins Maul bekommen. Dies erhöht zwar zwangsläufig das Intervall, neue Würmer anködern zu müssen, verhindert aber sehr wirkungsvoll, dass zu viele kleine Fische gehakt werden.

Das Vorfach, ob monofil oder geflochten, und dessen Durchmesser spielen keine Rolle. Ob grob oder fein ist jedem selbst überlassen und hat nach meiner Erfahrung keinerlei Auswirkung auf das Fangergebnis. Auch wird in der Fachliteratur gerne darüber berichtet, dass diese Fischart nachtaktiv ist. Völliger Quatsch – jedenfalls bei unseren Zwergwels-Gewässern. Dem Zwergwels ist es völlig wurscht, was für eine Tageszeit gerade ist. Auch ohne Anfüttern wird man das Gefühl nicht los, es handelt sich um die einzige Fischart im Teich.

Der Zwergwels – Größe, Merkmale, Verbreitung

Vielerorts wird der Zwergwels oder Ameiurus nebulosus, wie sein lateinischer Name lautet, sogar als Plage angesehen. Von der Zwergwels Plage wird häufig berichtet. Seine Vermehrungsfreudigkeit ist bekannt und als Allesfresser ist ihm kaum Einhalt zu gebieten. Bevorzugt in flachen, schnell erwärmenden Gewässern, wird er aber kaum größer als 30 Zentimeter und älter als vier bis fünf Jahre. Fressfeinde hat er, bis auf Raubfische und Reiher, kaum. Diese können der Population aber nicht wirklich Druck verschaffen.

Der Katzenwels ist ein sehr stacheliger Geselle und mit Strahlflossen an der Rückenflosse und an den Bauchflossen ausgestattet. Beim Lösen des verschluckten Hakens sind diese abgespreizt und nicht wirklich sinnvoll einklappbar. Also sind die Zwergwelse beim Fang mit Vorsicht zu genießen, da die Verletzungsgefahr für die Handfläche sehr hoch ist. 

Schuppen hat er nicht und die Schleimschicht hält sich in Grenzen. Sein Fleisch ist weiß, fest und völlig grätenfrei. Diese Umstände zeichnen die in Amerika als Catfish bezeichnete Art als beliebten Speisefisch aus. Durch seine Größe stellt er auch einen idealen Bratpfannenwels dar. Einen Zwergwels essen ist also durchaus verbreitet. In den USA wird er oft mit dem sogenannten Noodling bejagd. Allerdings wird auch dort der Catfish selten schwerer als zwei Kilogramm.

Bei uns in Europa ist bekannt, dass diese Fischart Brutpflege betreibt. Meist erfolgt dies nur durch das Männchen – wie beim Zander – aber durchaus auch mit dem Weibchen zusammen. Durch seine geringe Größe kommen aber kaum mehr als fünfhundert Eier pro Gelege zusammen, welche als Laichschnüre bevorzugt an Wasserpflanzen geklebt und anschließend bewacht werden. Vermutlich ist gerade dieser Umstand dafür verantwortlich, dass sich die Katzenwelse so gut in Europa behaupten können. Auch dass Angler vermehrt an den Raubfischen interessiert sind, die den Zwergwelsbestand eigentlich in Schach halten sollen, trägt seinen Teil bei. Außerdem ist die Art sehr anspruchslos, was die Wasserqualität und die Tiefe der Gewässers betrifft. Bei längeren Frostperioden und anschließender Eisbildung, sinkt der Sauerstoffgehalt im Gewässer stark, was Raubfische wie der Hecht nicht vertragen, Zwerwelse jedoch ganz gut abkönnen.

Der Ansitz auf Zwergwels

Das Ansitzen auf Zwergwels ist ganz einfach – Wurm an den Haken und warten, allerdings meist nicht sehr lange. Auch ich hatte den Anfängerfehler gemacht, zu kleine Haken zu benutzen. Die Folge war nicht unbedingt schlimm, denn von den kleinen Tincas oder den Weißfischchen gab es sehr viele, was auf einen gesunden Bestand hinweist.

Allerdings schluckten alle Zwergwelse den Köder so schnell ab, dass an ein sinnvolles Zurücksetzen der kleinen Exemplare ohne Verletzungen nicht zu denken war. Deshalb wechselte ich schnell zu großen Butthaken – extrem scharf und zu groß für das Maul der Kleinen. Egal ob der Wurm frisch oder alt ist, sich bewegt oder allenfalls noch lückenhaft am Haken vorhanden ist – mit zwei Ruten hat man gut zu tun. Oft kommt der Biss der "Größeren" sehr heftig, die Pose zieht ab und ein Anhieb muss nicht unbedingt gesetzt werden. Meist hängen die Fische in der Maulspalte, was das Lösen durch die langen Schenkel der Butthaken enorm erleichtert. Über rund vier bis fünf Stunden hatte sich eine ordentliche Menge angesammelt und bei dem Gedanken an die Verwertung und das leckere Zwergwels Essen lief uns das Wasser im Mund zusammen.

Zwergwels zubereiten leicht gemacht

Die Verarbeitung der Fische ist äußerst einfach, aber durch die Strahlenflossen nicht ungefährlich. Aufpassen ist also angesagt. Einfach in einem Schritt von After zur Kehle einen durchgehenden Schnitt setzen, die Innereien am After abschneiden und dann bis zum Maul abziehen, anschließend Abwaschen und über Nacht in eine 10%ige Salzlake einlegen. Tags darauf den Fisch kurz abspühlen, abtrocknen und für circa zwanzig Minuten bei 65 Grad in den Räucherofen. Alternativ lassen sich die Fische auch marinieren und in der Bratpfanne mit reichlich Öl goldbraun brutzeln – ein schmackhafter Bratpfannenwels ist das Resultat. Zugegeben, viel ist nicht dran, aber der Gaumen wirds Euch danken.

Gruß Henry