Mit Rad und Rute on Tour

Angeln an der Lausitzer Neiße

Die Lausitzer Neiße - der idylische Grenzfluss im Osten DeutschlandsDie Lausitzer Neiße - der idylische Grenzfluss im Osten Deutschlands

Wer kein Auto zur Verfügung hat, ist beim Angeln häufig etwas eingeschränkt, denn gute Gewässer liegen meist nicht gleich vor der Haustür. Selbst mit Auto sind einige Gewässer und bestimmte Stellen schwer zu erreichen. Dabei stellen Flüsse die größten Herausforderungen dar, weil die interessantesten Spots meist abseits von Straßen und Brücken zu finden sind. Mit dem Fahrrad kann einiges an Angelausrüstung transportiert werden und an Flüssen befinden sich oft Radwanderwege, sodass auch mit ausreichend Tackle ausgestattet weite Strecken entlang der Flüsse erkundet werden können. Im Juni 2018 starteten zwei Lausitzer Pertrijünger eine Radtour an der Neiße, um den Grenzfluss zwischen Görlitz und Bad Muskau zu erkunden. In den folgenden Zeilen lest ihr, wie die beiden sich vorbereitet haben und ob die Angeltour entlang der Lausitzer Neiße von Erfolg gekrönt war.

Vorbereitungen

Als erstes wurde eine Strecke ausgesucht, die mit dem Rad gut erreichbar ist und interessante Strukturen bietet. Kurvenreiche Abschnitte sowie Rauschen und Wehre standen im Fokus. Auf dem ersten Abschnitt von Zentendorf bis Rothenburg zeigten sich viele Stromschnellen, an denen sich Barsche, Döbel und Forellen vermuten ließen. Zwischen Rothenburg und Bad Muskau wird die Neiße dann immer wieder von Wehren aufgestaut, die bekanntermaßen Hotspots für verschiedene Fischarten sind. Bewirtschaftet wird der Fluss hier vom Anglerverband Elbflorenz Dresden, weshalb wir uns als Mitglieder glücklicherweise nicht weiter um eine Angelkarte kümmern mussten.

Nach der Streckenplanung folgte die Wahl der Angelausrüstung. Dabei wollten wir natürlich nicht zu viel mitschleppen, aber trotzdem für jeden Fall vorbereitet sein. Die Spinnrute musste auf jeden Fall ins Gepäck und mit einer Feederrute  lassen sich vielerlei Arten wie Barben, Karpfen, Brassen und Schleien überlisten. Das Problem ist lediglich die begrenzte Futtermenge, die sich auf einer Fahrradtour transportieren lässt, aber im Notfall können noch ein paar Dosen Mais nachgekauft werden. Am Ende wurde alles in Gepäckträgertaschen gestopft, der Schlafsack und das Rutenfutteral auf den Gepäckträger geschnallt und schon konnte es losgehen.

Angeln on Tour - gepacktes Fahrrad

Angriff am östlichsten Punkt Deutschlands

Ankunft am östlichsten Punkt Deutschlands nach sechs stunden Radtour. Nach einem kleinen Umweg durchs Rapsfeld hatten wir endlich den ersten Kontakt zum Gewässer. Eine steile Böschung und kaum zugängliches Ufer sowie eine starke Strömung und wenigen beruhigten Zonen luden aber leider nicht zum Verweilen und Angeln ein. Flussabwärts fand sich dann eine schöne S-Kurve mit steiler Bruchkante an der Außenböschung. An der Innenkurve war ein freier Bereich an dem sofort das Lager ausgeschlagen wurde. Nach der langen Radtour wurde das kühle Nass zum Erfrischen genutzt und anschließend die Spinnrute ausgepackt. Vielleicht steht ja eine Forelle in der Rausche? Nach einigen Würfen zappelte schon der erste Döbel am Haken. Später konnten noch weitere der Dickköpfe mit Spinner und Wurm überlistet werden, doch andere Fische wollten unsere Köder nicht nehmen.

Am östlichsten Punkt Deutschlands

Von Rausche zu Rausche

Am Morgen wurde der Spot nochmal mit allen möglichen Kunstködern beackert, doch die Fische interessierten sich dafür herzlich wenig. Gegen zehn Uhr am Vormittag tauchten die ersten Bootstouristen auf und wir sattelten die Drahtesel, um weiter flussabwärts zu fahren. Auf schmalen Feld- und Wiesenwegen ging es am meist dicht bewachsenen Ufer entlang. Selten waren Trampelpfade zu finden, die ans Ufer führten. Zum Glück waren an den hin und wieder vorkommenden Rauschen meist ein paar Angelspots, von denen ein Teil des unteren Pools abgefischt werden konnte. Dabei war besonders auffällig, dass auf der deutschen Seite wenige, eher schlechte Angelstellen zu sehen waren, während sich auf der polnischer Seite immer drei bis vier Angelplätze oberhalb und unterhalb der Rauschen befanden. An den Rauschen konnten wir öfter Döbel zwischen 15 und 25 Zentimeter fangen. Dabei sollte es jedoch leider bleiben.

Fahrradpanne und Barsch in der Pfanne

Der dritte Tag startete gleich mit einer unangenehmen Überraschung am Morgen. Eine Zecke hatte sich am Allerwertesten verbissen, doch glücklicherweise hing diese noch nicht sehr fest. Nachdem das Lager abgebrochen war, ging die Radtour weiter. Doch leider folgte eine Radpanne nach der anderen. Deshalb wurde die letzte Etappe deutlich kürzer als geplant. Dafür gab es aber einen richtig schönen Spot an einem breiten, langsam fließenden Abschnitt mit abwechslungsreicher Ufergestaltung. Nachdem wir den Flusslauf eine Weile mit verschiedenen Kunstködern abgeklopft hatten, konnte ein Barsch überredet werden, uns als Abendessen zu dienen.Später hat uns ein Würmchen noch einen weiteren der Stachelritter beschert.

Am Abend hat der Regen leider die Stimmung getrübt und auch die Fische hatten keine Beißlaune. Morgens wollte schlussendlich noch ein kleiner Hecht auf die Schuppen gelegt werden. Beim Frühstück schließlich hat endlich ein leider unbekannter Flossenträger das Maiskorn genommen. Der Fisch ist genau in dem Moment eingestiegen, als der Kollege direkt an der Rute stand und so folgte unmittelbar der Anhieb. Doch der Fisch hatte die kurze Flucht genutzt, um den Futterkorb in einem Baumstamm zu verkeilen. Voller Aufregung wurde das Ufer abgelaufen, um den Korb irgendwie zu lösen, doch als es soweit war, hatte der Fisch den Haken bereits abgeschüttelt.

Wer hat an der Uhr gedreht?

Leider vergeht die Zeit am Wasser immer viel zu schnell und am liebsten wären wir noch ein paar Tage geblieben. Aber die Pflicht ruft und so mussten wir unsere Sachen packen, um die Heimreise anzutreten. Die Radtour hat auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht und wird mit Sicherheit nicht die Einzige bleiben. Die Neiße hat viele versteckte Ecken, die noch erkundet werden müssen. Und dafür, dass wir so viele Fische sichten konnten, haben wir in diesen Tagen viel zu wenige gefangen. Angeln an der Neiße hat also definitv Potential.

entspannte Pause auf der Tour