Die Donau - Perle des Südens

Angeln an der Donau in Oberbayern

Donau - tolle Kiesbank mit unterschiedlichen Tiefen und Strömungen

An der Grenzstadt Ulm überquert die Donau die Grenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern. Von nun an fließt Europas zweitlängster Fluss weiter Richtung Südosten, seiner Mündung ins schwarze Meer entgegen. Der oberbayrische Donauabschnitt von Neu-Ulm bis Kehlheim stellt hier eine Besonderheit dar.

Der Fluss hat hier endgültig sein Gesicht als mäandrierendes Gewässer der späten Äschen- und Barbenregion verloren und sein Lauf wird größtenteils von gewässerbaulichen Veränderungen bestimmt. Außerdem dient der Fluss hier nicht als Bundeswasserstraße, was sich in einer hohen Dichte von Querverbauungen zur Energiegewinnung niederschlägt. Die eintönigen, mit Steinpackungen begradigten Ufer, ohne leicht sichtbare Strukturen wie Buhnen, in Kombination mit den zahlreichen Stauseen, in denen der Fluss nahezu zum Erliegen kommt, können Angler, die das erste Mal ihr Glück am Donauufer versuchen, leicht überfordern und bieten einiges an Frustrationspotential.

Dabei hält gerade dieser Abschnitt des Flusses, der endgültig den Übergang vom Fluss zum bedeutenden Strom und Handelsweg markiert, einiges für uns Petrijünger bereit, sei es unter- oder oberhalb der Wasseroberfläche. Wo also soll der Donau-Neuling Angeln?

Naheliegend: Die Staustufen

Wie bereits oben erwähnt, wirken die meisten Uferabschnitte hier relativ eintönig und stellenweise auch wenig einladend. So finden sich Steinpackungen und ein Lauf, der schnurgerade erscheint - lediglich unterbrochen von Kraftwerksanlagen, deren Stauseen mit ihren betonierten Ufern wenig vielversprechend erscheinen. Dabei lohnt sich, wie an fast jedem Gewässer, auch hier natürlich der zweite, genauere Blick, wenn es darum geht, eine vielversprechende Stelle für den ersten Angelversuch an der Donau zu finden. Als erstes fallen dabei natürlich die Staustufen selbst ins Auge.

Zahlreiche Steilwände, Staubecken und kleine Schleusenanlagen zur Selbstbedienung für Kanuten bieten Spots, die das Herz jedes Barsch- und Zanderanglers höherschlagen lassen. Da hier noch keine gewerbliche Schifffahrt betrieben wird, ist an den meisten Staustufen das Angeln ohne Einschränkungen in sämtlichen Schleusen und Becken erlaubt, ein Luxus, von dem die meisten Angler an den großen deutschen Bundeswasserstraßen nur träumen können.

Die Ufer der Stauseen selbst sind dabei meist betoniert und von steilen Dämmen eingefasst, in unregelmäßigem Abstand treibt der Fluss jedoch immer wieder umgestürzte Bäume an, die sich hier verhaken und als Sammelpunkt für weiteres Treibholz dienen. So entstehen oftmals Strukturen, die wie kleine Inseln mehrere Meter in die Seen hineinragen und in den ansonsten so eintönigen Gewässern wahre Fischmagneten sind.

Abwechslungsreich: Einläufe

Wer die Ufer unterhalb der Stauwehre einige hundert Meter abwandert, dem werden bald die zahlreichen kleinen Bachläufe auffallen, die auf den Kilometern hinter diesen Anlagen in großer Zahl in die Donau münden. Hier handelt es sich oftmals um Aufstiegshilfen für Fische, Entwässerungsgräben und umgeleitete kleinere Fließgewässer.

Alle diese Einmündungen stellen aus verschiedenen Gründen Hotspots dar, die nur richtig gedeutet werden müssen. Am naheliegendsten sind dabei sicher die Aufstiegshilfen, die nicht selten durch nahegelegene Baggerseen führen. Natürlich ist hier in den Mündungen selbst striktes Angelverbot, jedoch halten sich in der direkten Umgebung dieser Verbotszonen immer Fische auf, die entweder kurz vor Auf- oder Abstieg stehen. Dies wissen natürlich auch die zahlreichen Raubfische, die die Donau ihr Zuhause nennen.

Wo Entwässerungsgräben einmünden, kommt es durch deren starken Nährstoffeintrag nicht selten zu regelrechten Krautinseln um die Mündung herum. Dies macht das Angeln hier nicht immer ganz einfach aber umso vielversprechender. Die Einläufe kleinerer Bäche sind selbstverständlich ebenfalls Fischmagneten. Oftmals befinden sich diese Gewässer noch in der Forellen- oder Äschenregion und es kommt zu einer interessanten Mischung der unterschiedlichen Artengemeinschaften.

Wie früher: Kiesbänke

Die wahrscheinlich schönsten Angelplätze findet man dort, wo sich der Fluss durch Hochwasser seinen natürlichen Lauf zurückgeholt hat. Immer wieder findet man kleinere Kiesstrände, die zwischen den tristen, begradigten Ufern wie wahre Oasen wirken. Manchmal als Ergebnis von Renaturierungsmaßnahmen, oft genug jedoch aufgrund von natürlicher Uferverjüngung, sind diese Orte von unermesslicher Wichtigkeit für die zahlreichen Kieslaicher des Donausystems.

Hier gehen die Kies- und Sandbänke oftmals direkt in einen sekundären Auwald über und wer hier angelt, bekommt einen Eindruck von der wilden Schönheit der deutschen Flüsse bevor menschliche Eingriffe deren Gesicht vielerorts komplett veränderten.

Vor oder hinterm Stau? Friedfisch oder Räuber?

Nun bleibt nur noch die Frage, mit welchen Fischarten der jetzt hoffentlich neugierige Petrijünger an der Donau rechnen kann und wie er diese überlistet. Durch den Rhein-Main-Donau-Kanal und die Verbindung zum Gewässersystem des Rheins kann mit nahezu allen heimischen Arten gerechnet werden. Trotzdem gibt es auch in diesem Donauabschnitt bestimmte Leitfische.

In den Stauseen entspricht die Artengemeinschaft in etwa der von den Baggerseen der Region. Zahlreiche planktonfressende Weißfische kommen hier vor, allen voran Brassen und Rotaugen, die immer wieder in beachtlichen Größen gefangen werden. Auch Schleien und Karpfen fühlen sich hier wohl. Die langsame Fließgeschwindigkeit und das Fehlen von nennenswerten Hindernissen am Grund, machen diese aufgestauten Flussabschnitte zu einem Paradies für Freunde des Feederns. Zusätzliche Überraschungen in Form von Barbe und Nase sind jederzeit möglich.

Wer es auf Räuber abgesehen hat, sollte sein Glück mit Köderfisch auf Hecht entlang der wenigen, oben erwähnten Hindernisse versuchen. Mit kleinen, flachlaufenden Spinnködern können aber auch schöne Rapfen und gierige Großdöbel gefangen werden. Wer es eher auf die Stachelritter abgesehen hat, den zieht es natürlich direkt an die Staustufen. Im Herbst können in den Betonbecken mit einer aktiv geführten, leichten Posenmontage Großbarsche in Massen an Land gezogen werden.

Wo Kehrwasser auf Steilwände trifft, da lauern die Zander. Die scheuen Räuber können hier – und zwar nicht nur bei Nacht – hervorragend mit Drop Shot Montagen überlistet werden. Dies ist eine Seltenheit unter den meisten süddeutschen Flüssen. Auch der Einsatz von Fischfetzen an einer leichten Grundmontage mit Tiroler Hölzl bringt Erfolg. Hier beißen in der Dämmerung auch immer wieder schöne Aale. Beim Spinnfischen mit Gummifisch ist aufgrund der zahlreichen Hindernisse hinter den Wehren zwar Vorsicht geboten, dafür erlebt man hier die besten Überraschungen.

Gerade nach der Hochwasserzeit zwischen März und Mai beißt hier von Großhechten über Waller bis hin zu verirrten, seltenen Huchen Alles, was Hunger auf Fisch hat.

Gut für Überraschungen

Die oben erwähnten Einmündungen sind ein absolutes Überraschungspaket an Fisch. Hier können vor allem mit der Spinnrute alle Räuber der Donau erbeutet werden. Besonders für Meister Esox sind diese Sammelpunkte für Friedfische mit die besten Stellen am ganzen Fluss. Natürlich tummeln sich hier auch wandernde Arten, allen voran Barbe und Nase.

In den Steinpackungen um die Einmündungen lassen sich auch Aale äußerst erfolgreich beangeln. Die Tiere kommen auf der Suche nach Krebsen oftmals sehr ufernah und bis direkt an die Oberfläche. Weite Würfe sind also Fehl am Platz. Kapitale Döbel halten sich vor allem in der Strömung auf und gerade im Sommer sieht man immer wieder Gruppen von raubenden Rapfen an der Oberfläche.

Paradies für Kieslaicher

An den Kiesstränden findet man in etwa dieselben Arten vor, nur das hier die besten Spots für Barben liegen. Ob Käse oder Frolic – hier muss experimentiert werden. Manch ein alter Hase schwört auch auf die Fliegenrute, wenn der Wasserstand ein Betreten der Kiesbänke zulässt und der Bewirtschafter dies erlaubt.

Eine Fischart, die einem an der Donau mittlerweile überall begegnet, ist die Grundel. Verschiedene eingeschleppte Arten haben sich mittlerweile im ganzen Flusssystem verbreitet und werden, besonders für Friedfischangler, zur regelrechten Plage. Zielführend ist hier allerdings der Einsatz der Grundel als toter Köderfisch, eine Methode, auf die vor allem die zahlreichen Welsangler an der Donau schwören. Auch große Barsche nehmen angebotene Grundeln gierig an.

Fazit

Abschließend bleibt zu sagen, dass die Donau in Oberbayern, gerade für Anfänger, sicher kein leichtes Gewässer ist. Die zahlreichen Staustufen und Stauseen sind hier aber sicher ein guter erster Anlaufpunkt und sind meist vor oder hinter jeder Ortschaft zu finden. Wer das Glück hat, einen oder mehrere renaturierte Uferabschnitte in seiner näheren Umgebung zu haben, hat zusätzlich noch einen wunderschönen Angelplatz, der obendrein zu den fängigsten Spots am Fluss zählt.

Natürlich gibt es auch zahlreiche weitere, interessante Stellen an der Donau, besonders in den Städten und um die zahlreichen Brücken. Auch die Ufer ohne nennenswerte Strukturen sind natürlich nicht frei von Fischen, wer aber neu an der Donau ist oder lange nicht mehr am Gewässer war, hat mit den hier beschriebenen Stellen sicher erstmal einige Zeit zu tun.