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  1. #1
    Moderator / Tinca-Fan Avatar von angelhoschi76
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    Der perfekte Wurf

    Zwei mal pro Woche mache ich abends einen kurzen Abstecher an einen kleinen Teich, nicht um dort zu angeln, sondern um den Ablauf zu reinigen. Enten und Biberaktivitäten führen dazu, dass sich immer etwas Dreck am Auslaufgitter sammelt und ab und zu entfernt werden muss. Nach einem stressigen Tag im Büro ist das aber immer eine sehr willkommene Abwechslung und es dauert ja auch nicht lange.

    Gestern war es also wieder mal so weit, der Ablauf sollte gereinigt werden. Der Teich liegt in unmittelbarer Nähe zu einem kleinen Wiesenbach, in dem es einige schöne Gumpen mit noch schöneren Forellen gibt. Ab und zu ist daher bei der Reinigungsaktion eine leichte Spinnrute mein Begleiter und nach erledigter Arbeit gönne ich mir ein paar Würfe am Bach. Gestern wollte ich es aufgrund schon fortgeschrittener Zeit und schlechten Wetters nur an einem dieser Gumpen versuchen. Der Platz ist eine ganz heiße Adresse für große Bachforellen: Ein tiefer Bereich direkt nach einem kleinen Wehr, dicht am Ufer stehende Weiden und Erlen bieten mit Ihrem Wurzelwerk tolle Unterstände für die großen Rotgetupften.

    Nach ca. einem knappen Kilometer Fußmarsch näherte ich mich gestern diesem Gumpen. Die Spannung stieg, der erste Wurf ist hier meist der entscheidende über Erfolg oder Misserfolg. Die letzten 15 Meter duckte ich mich und schlich mich wie ein Indianer an. Nur keine unnötigen Erschütterungen produzieren, die Fische sollten ja keinen Verdacht schöpfen. Selbstverständlich baumelte der Köder, der mir den Fisch des Tages bringen sollte bereits im Einhänger. Es waren nur noch knapp 3 Meter bis ich an der Stelle angelangen würde, von der aus ich den Wurf ansetzen wollte. Der Wurf müsste perfekt sein, ein Fehler und der Platz ist meist durch. Die Konzentration stieg und die letzten Meter ging ich im absoluten Schneckentempo. Ja keine Eile, der erste Wurf muss sitzen und dann sollte es doch mit einem Fang klappen.

    Es war nun geschafft: Ich stand am Ufer des Baches, der Gumpen lag tief und schwarz vor mir. An einer Stelle war der Grund kiesig und etwas heller und während ich so dastand konnte ich einen dunklen Schatten wahrnehmen. Sie war also da, die Platzforelle und augenscheinlich hatte sie gerade Nahrung aus der Strömung aufgenommen! Perfekt! Jetzt nur keinen Fehler machen, der Wurf muss sitzen, dann ist es sicher nur Formsache bis sie am Haken hängt. So stand noch eine kurz Zeit und ließ die Stimmung auf mich wirken. Es regnete ganz leicht und die Dämmerung setzte auch schon ein.

    Dann war es so weit: Es galt den Wobbler zu servieren! Höchste Konzentration, denn überhängende Äste und der schmale Auslauf des Gumpens erforderten äußerste Präzision. Langsam holte ich aus, viel Kraft brauchte es nicht um den Wobbler die ca. 12m zu schlenzen. Dann die Rute nach vorne, die Schnur losgelassen und nun war der Wurf nicht mehr auf zu halten. Gespannt blickt ich dem gelben Wobbler hinterher wie er um Haaresbreite unter einigen Ästen durchflog um dann ganz sanft im Auslauf des Gumpens zu landen. Perfekter gings nicht! Bis zum Standplatz der Forelle lagen nun ca. 5m vor dem Wobbler, genug um auf Tiefe zu kommen. Innerlich stieg schon die Vorfreude als ich den Bügel der Rolle schloss. Die erste Kurbelumdrehung und der Wobbler setzte sich in Bewegung. Doch was war das? Entsetzt musste ich feststellen, dass der Köder nicht abtauchte, sondern an der Oberfläche schlingerte! Nein, das durfte doch jetzt nicht wahr sein! Der Bauchdrilling des Wobblers hatte sich in der Hauptschnur verfangen. Gefrustet holte ich ein und dann das: Die große Forelle schoss blitzschnell vom Grund an die Oberfläche und schnappte nach dem daher eiernden Wobbler! Damit hatte ich niemals gerechnet in meinem Selbstmitleid und so verpennte ich natürlich einen Anschlag zu setzen. Das wars, weg war sie und für heute war der Gumpen verangelt. So marschierte ich zurück zum Auto und dachte immer wieder über das Erlebte nach. Da gelingt einem ein Erste-Sahne-Bilderbuch-Wurf und dann läuft der Wobbler nicht. Dann trotzdem noch einen Biss zu bekommen und diesen zu verhauen, das ist schon bitter!

    Als ich gestern auf dem Sofa saß kam mir dann die Idee Euch an meinem „perfekten Wurf“ teilhaben zu lassen. Die nächsten Tage werde ich es nicht mehr schaffen an diese Stelle zu kommen, die Forelle hat also erst mal Ihre Ruhe vor mir. Aber wir werden uns dieses Jahr schon nochmals treffen, vielleicht mit einem anderen Ausgang!
    Geändert von angelhoschi76 (26.07.2017 um 15:51 Uhr) Grund: Hab noch Rechtschreibfehler gefunden
    Viele Grüße
    Angelhoschi76


    Heute ist Angelwetter... denn angeln kann man bei jedem Wetter!

  2. Folgende 18 Petrijünger bedanken sich bei angelhoschi76 für den nützlichen Beitrag:


  3. #2
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    Klingt aufregend!
    Aber da bist du einer von vielen Anglern, die sich bei sowas die Haare zerraufen...wie oft hatte ich es schon, dass alles perfekt war und plötzlich knackte ein Ast und der Fisch war weg. Noch besser ist es aber, wenn man seine "Stealth"-Aktion perfekt ausgeführt hat, um dann nach dem Auswerfen den Wobbler in einer großen Pendelbewegung zurückkommen zu sehen, weil er einen Ast überflogen hat
    Dann steht man da!
    Oder wenn man mit der Karpfenrute und Schwimmbrot die Pirsch erfolgreich beendet hat und beim leichten Auswerfen der Montage vom Gras abrutscht und mit einem Fuß im Wasser landet. Die 30lb Karpfen tanzen lachend Polter und man selbst versinkt im Selbstmitleid.

    Alles schon dagewesen, aber zum Glück gibt's dann wieder diese unerwarteten Erfolge, mit denen man im Traum nicht rechnet, der letzte unenthusiastische Wurf am Ufer, vielleicht geht ja wenigstens ein 10er Barsch ran und dann hängt der 40er!

    Grüße
    Geändert von fishfighter1 (26.07.2017 um 22:36 Uhr)

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  5. #3
    Super-Profi-Petrijünger Avatar von Enzio
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    Zitat Zitat von angelhoschi76 Beitrag anzeigen
    Aber wir werden uns dieses Jahr schon nochmals treffen, vielleicht mit einem anderen Ausgang!
    schön geschrieben ... und die richtige Einstellung zu guter Letzt ...

    Gelegenheitsangler ... bei jeder sich bietenden Gelegenheit

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  7. #4
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    Danke für die schöne Geschichte, Hoschi !

    Ich habe förmlich mitgelitten, aber so kann es gehen; das ist eben Angeln und gehört dazu...
    Tight Lines

    Wolfgang

  8. Der folgende Petrijünger sagt danke an Troutlover für diesen nützlichen Beitrag:


  9. #5
    Maisbademeisterin Avatar von BIG OMA
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    ...... ich sitze hier auf auf Arbeit und muß unweigerlich loslachen, weil son Tüddelkram mit dem Wobbler bekomm ich auch immer hin,
    ganz besonders dann wenn es der Wurf des Tages werden soll

    ...... Danke für die spannende Zerstreuung ........ haste toll geschrieben

    die Monsterforelle fängste bestimmt bei der nächsten Pirsch
    .......... grüße Liane

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  11. #6
    Moderator / Tinca-Fan Avatar von angelhoschi76
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    Hallo Zusammen,

    Danke Euch, freut mich dass Euch mein kleines Erlebniss gefallen hat.
    Solche Geschichten darf ich beim Angeln immer wieder erleben, aber die gestern war wirklich so Bildebuchmäßig, dass ich sie einfach aufschreiben musste.
    Viele Grüße
    Angelhoschi76


    Heute ist Angelwetter... denn angeln kann man bei jedem Wetter!

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  13. #7
    Petrijünger Avatar von Anglersachse
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    Tolles Erlebnis!!! Habe letztens Jahr ein Buch geschenkt bekommen: "angeln ist irre"
    Super Buch was ich jeden empfehlen kann, ist lustig und so als hätte man es selber geschrieben...

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  15. #8
    Dackel Fischer Avatar von theduke
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    Hoschi du machst mir Mut um Berichte zu schreiben. Klasse Bericht auch wenn der Wurf ein Schuss in den Ofen war, so war er spannend zu lesen. Mach dir aber keinen Kopf, denn den Allroundern oder Karpfenanglern ergeht es oft nicht anders. Jedes Jahr im Urlaub oft das gleiche Erlebniss. Karpfenmontage super am Rand des gegenüberliegenden Ufers direkt an der Kante abgelegt. Das die Montage ohne Verwicklung fliegt, zeigten die Würfe und die Montage nach dem man sie einholte. Eine Brasse genügt, und sie spielt solange mit dem Haken, bis 2-3 Knoten und Verwicklungen drin sind, und ein Karpfenbiss dann im Drill verloren geht.
    Gruß Wolfi
    http://wolfsangler.de.tl/
    Das Angeln macht aber nur soviel Spass, solange die Natur auch passt.

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  17. #9
    Moderator / Tinca-Fan Avatar von angelhoschi76
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    Hallo Zusammen,

    Ich bin Euch ja noch den Ausgang dieser Geschichte schuldig:

    Die Arbeit in der Firma hat mich mittlerweile wieder fest im Griff und die Zeitfenster fürs Angeln werden weniger. Gestern ergab sich vor Beginn der Forellenschonzeit am 01.10. also nochmals eine spontane Gelegenheit 2 Stunden am Bach zu verbringen. Die Chance habe ich natürlich sofort ergriffen. Leider hatte es bei uns den ganzen Tag ordentlich geregnet und der Bach begann gerade, sich zu trüben. In den Rieselstrecken gings noch, die tiefen Gumpen waren aber schon stärker getrübt. Keine optimalen Bedingungen, aber jammern hilft nichts, versuchen wollte ich es trotzdem.

    Ein Fehlbiss auf einen Oberflächenköder und ein Schwall unter einem vertikal servierten Gummifisch war dann die Bilanz der ersten Stunde. Nicht prickelnd, aber jetzt kam ich an einen Bereich, in dem sich mehrere tiefe Gumpen befinden. Unter anderem der Gumpen aus meinem Eröffnungspost, an dem ich bislang noch 3mal angeln war. Einmal fing ich dort einen guten Döbel, 2mal ging ich leer aus.

    Heute war der Köder der mir die Standforelle bringen sollte ein kleiner Effzett. Der erste Wurf landete perfekt im flachen Auslauf des Spots. 2 Kurbelumdrehungen, dann ließ ich den Blinker in die Tiefe taumeln. Wieder 2 Umdrehungen, erneut taumeln lassen und diesmal gabs in der Absinkphase den erhofften Einschlag: Guter Fisch am Band! Die ersten Sekunden konnte ich im trüben Wasser noch nicht erkennen, ob ein Döbel oder die große Forelle am Haken hing, aber es war schon klar, dass für das kleine Bächchen ein kapitaler Fisch am anderen Ende kämpfte. Dann kam der Fisch an die Oberfläche und ich wurde leicht nervös: Eine große, toll gefärbte Regenbogenforelle hatte den Blinker geschnappt. Ein paar Fluchten musste ich noch zittern, aber die Gegenwehr wurde weniger und schließlich hatte ich sie:



    Exakt 50cm lang war der Milchner! Was für eine toll gefärbte Forelle und was für ein Fang für dieses Gewässer:



    Viel besser konte es nicht mehr werden und ich schlug den Heimweg ein. Die bislang schon ohne Erfolg beangelten Spots versuchte ich natürlich nochmals und tatsächlich gab es noch Zugaben:



    Die nächste Bachforelle war noch besser und lieferte auch einen guten Drill:



    Was für ein Abend! Endlich hatte ich es geschafft die große Forelle zu überlisten und dann noch 2 gute Bachforellen als Zugabe! Auch in kurzer Zeit und in kleinen Geässern kann man also große Fische fangen!
    Geändert von angelhoschi76 (13.09.2017 um 09:23 Uhr)
    Viele Grüße
    Angelhoschi76


    Heute ist Angelwetter... denn angeln kann man bei jedem Wetter!

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