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Pilzkrankheit: Saprolegnia:
Sicher hat jeder, der sich für Fische interessiert, schon einmal auf der
Haut seiner Schützlinge wattebauschartige, grauweiße Verpilzungen beobachtet.
Bei diesem schimmelartigen Belag handelt es sich fast immer um Pilze der
Gattung Saprolegnia. Diese Pilze können sich aber in der Regel nur auf dem
Fisch ansiedeln, wenn die schützende Schleimschicht bzw. die Oberhaut verletzt
ist. Derartige Pilzwucherungen können die Folge von Stich- oder Bißwunden durch
andere Organismen oder von mechanischen Verletzungen sein, aber auch durch
Temperatur- oder Abwassereinwirkungen hervorgerufen werden. Saprolegnia ist ein
echter Schwächeparasit, der in der Regel immer sekundär auftritt und im
überigen alle Fischarten befallen kann. In der Teichwirtschaft hat sich für die
Bekämpfung von Saprolegnia Malachitgrün (Malachitgrünchlorid oder
Malachitgrünoxalat mit dem Zusatz "für die Fischzucht") bewährt,
wobei die vom Hersteller jeweils angegebene Dosierung genau eingehalten werden
muß. Wichtiger als die Bekämpfung ist jedoch die Vorsorge, also gute, gesunde
Haltung und Vernichtung aller Parasiten. Die direkte Bekämpfung von Saprolegnia
ist immer nur ein Kurieren der Symptome und nich der Ursachen der Erkrankung.
Pilzkrankheit: Kiemenfäule:
Eine andere, durch zwei Vertreter der Gattung Branchiomyces hervorgerufene
Pilzerkrankung ist die Kiemenfäule. Der Pilz tritt zunächst innerhalb der
Kiemenepithelien auf und bricht bei weiterem Wachstum nach außen durch.
Kiemenfäule kann besonders im Sommer bei hohen Wassertemperaturen in stark
eutrophierten Teichen mit dichtem Fischbesatz zu großen Verlusten führen. Bei
erkrankten Fischen beobachtet man foldende Symptome: Luftschnappen,
Kiemenschwellung und Blutergüsse an den Kiemen, äußerlich sichtbare Verpilzung
und gelblich bis braune Verfärbung des Kiemengewebes. Im Endstadium sind die
Kiemen dann weitgehend zerstört. Bei genügend starker Vergrößerung unter dem
Mikroskop sind in abgeschnittenem Kiemengewebe die Pilzschläuche und Sporen gut
auszumachen. Kiemenfäule wurde bei fast allen Fischarten beobachtet: Karpfen,
Schleie, Hecht, Welse, Coregonus-Arten, Forellen, Giebeln und Stichlingen. Eine
Bekämpfung, z. B. durch Bäder, ist wenig wirkungsvoll. Wichtig ist die
Beachtung teichhygienischer Maßnahmen als Prophylaxe. Hierzu gehört vor allem
die Verhinderung allzu starker organischer Ablagerungen im Teich, wie sie durch
zu intensive Fütterung an heißen Tagen enstehen, aber auch die Vermeidung einer
zu starken generellen Eutrophierung. Bei Verdacht auf Kiemenfäule sollte man
den Durchfluß im Teich erhöhen. Erkrankte Fische müssen entfernt und vernichtet
werden. Zur Desinfektioon (der sichersten Maßnahme) muß der trockengelegte
Teich mit Kalkstickstoff oder Chlorkalk intensiv behandelt werden.
Pilzkrankheit: Taumelkrankheit:
Auch die sog. Taumelkrankheit, die alle Süßwasserfischarten und viele
Meeresfische heimsucht, wird von einem Pilz, Ichthysoporidium hoferi (früher
Ichthyophonus hoferi) hervorgerufen. Aus den mit der Nahrung aufgenommenen
Dauerstadien des Pilzes werden im Fischdarm amöbenartige Plasmodien frei. Sie
gelangen durch die Darmwand in das Blutgefäßsystem und werden so in die
verschiedenen inneren Organe, z. B. die Leber oder die Nieren transportiert.
Hier umgeben sie sich mit einer Hülle und wachsen allmählich heran. Aus diesen
Zysten werden wieder Tochterplasmodien frei, aus denen sich weitere Zysten
entwickeln. Schließlich brechen die Sporen von innen her durch kleine
Hauptgeschwüre nach auén durch, werden frei und sorgen für die weitere
Verbreitung. Die äußeren Symptome erkrankter Fische sind
Gleichgewichtsstörungen (Taumeln!), Appetitlosigkeit, Abmagern und plötzlicher
Tod. Gelgentlich findet man auch kleine Geschwultbildungen auf der Haut. Die
inneren Orane weisen kleine, runde Zysten auf, Stark befallene Organe fühlen
sich vielfach hat und sandig an. Eine gesicherte Diagnose ist meist nur vom
Fachmann aufgrund histologischer Untersuchungen möglich. Die Krankheit ist sehr
ansteckend. Die Infektion erfolgt duch Sporen und Pilzfäden über den Kot,
eventuell auch über infizierte Kleinkrebse und bei Teichfischen auch durch
Verfütterung kranker Meeresfische. Eine medikamentöse Behandlung ist nicht
möglich. Stark befallene Bestände sollten deshalb unbedingt vernichtet und die
Teiche im Anschluß daran sorgfältig desinfiziert werden.
Hexamita-Krankheit:
Erreger ist ein Geißeltierchen (zu den Protozoen gehörend!), da in den
inneren Organen der Fische lebt. Vorwiegend werden Forellenbrut und
Forellensetzlinge befallen. Hesamita wird zu den Schwächeparasiten gezählt. Bei
Forellen tritt Hesamita häufig in Gefolge der VHS (Virale Hämorrhagische
Septikämie) auf sowie bei falscher Fütterung. Die erkrankten Fische liegen auf
dem Teichboden und zeichen "schießende" Schwimmbewegungen. Bei der
Sektion findet man die Parasiten in großer Zahl im Enddarm und in der
Gallenblase (Mikroskop, 100fache Vergrößerung). Neben einer sachgemäßen
Fütterung als Prophylaxe können auch foldende Medikamente verabreicht werden:
Gabbrocol 1,5% von Trockenfutter für 4 bis 5 Tage oral verabreicht werden. Auf
jeden Fall den Tierarzt befragen! Das früher viel verwendete Kalomel sollte
wegen seines Quecksilbergehaltes heute nicht mehr verwendet werden.
Erkrankungen durch Befall mit Sporentierchen (Sporozoa):
Sporozoa-Arten zählen zu den gefürchtetsten Krankheitserregern bei Fischen
überhaupt. So wird z. B. die Drehkrankheit der Salmoniden und die
Beulenkrankheit der Barben durch Sporzoen hervorgerufen. Bei Befall mit
Myxobolus luciopercae beobachtet man (Mikroskop), vor allem bei Cypriniden,
Kaulbarschen, Zandern und Hechten kugelartige Zysten an den Kiemen oder im
Kiemenbereich. Bei Barben bricht vor allem während des Sommers häufig die
Beulenkrankheit aus, deren Erreger Myxobulus pfeifferi ist. Dabei bilden sich
zunächst harte Beulen in der Muskulatur, die allmählich weich werden und
geschwürartig nach ausßen aufbrechen. Aber auch bei anderen Weißfischen kommt
es zu derartigen Beulenkrankheiten, z. B. durch Thelohanellus pyriformis. In
der Forellenzucht ist die Drehkrankheit, auch Myxomatosis genannt, besonders
gefürchtet. Ihr Erreger ist Myxosoma cerebralis. Akut befallen werden
Jungfische bis zum Alter von einem Jahr, wobei hauptsächlich das Nervensystem
durch den Parasiten schwer geschädigt wird. Die Krankheit ist hochinfektiös.
Die Krankheitssymptome sind Drehbewegungen vor allem bei Erschrecken der Tiere
(Schwanzjagen) und eine Schwarzfärbung der Schwanzregion. Ältere Forellen, die
eine Drehkrankheit überstanden haben, weisen Mopsköpfe auf, d. h. verkrüppelte
Kiefer, verkürzte Kiemendeckel und im allgemeinen auch Verkrümmungen der
Wirbelsäule. Effektive Bekämpfungsmöglichkeiten des Erregers mit Medikamenten
bestehen nicht. Beim Ausbruch der Drehkrankheit ist es ratsam, den gesamten
Bestand sofort zu vernichten. Tote und erkrankte Tiere sollten in jedem Fall
aus dem Gewässer hrausgefangen und vernichtet werden. Teiche, in denen sich
befallene Fische aufhielten sind gut zu desinfizieren, ebenso das verwendete
Gerät. Bei Ausbruch der Drehkrankheit muß die Fischereibehörde verständigt
werden. Besonders wichtig ist die Prophylaxe! Man sollte nur Eier und Brut aus
einwandfreien Zuchtbetrieben beziehen, ansonsten hält man Jungfische eine
Zeitlang in Quarantäne und besetzt erst, wenn die Tiere die Länge von 6 bis 7 cm
erreicht haben.
Grieskörnchen-Krankheit (Ichthyophthiriasis):
Erreger ist das zu den Protozoen gehörende, bis zu 1 mm große
Wimperntierchen Ichthyophthirius multifiliis. Der Parasit lebt eingekapselt in
der Unterhaut und im Kiemengewebe, das er zerstört. Nach einiger Zeit fällt er
vom Fisch ab, sinkt auf den Gewässergrund und bildet dort durch Teilungen
zahlreiche Schwärmer, die ihrerseits neue Fische befallen. Die erkrankten
Fische magern stark ab und scheuern sich häufig an festen Gegenständen im Wasser.
Mit bloßem Auge, vor allem aber mit einer Lupe, beobachtet man auf der Haut
kleine weiße Pünktchen, als ob der Fisch mit Gries überstreut worden wäre.
Achtung: Verwechslungsgefahr mit dem Laichausschlag der Karpfenfische! Dieser
Parasit kann erhebliche Verluste in der Population hervorrufen. Er befällt alle
einheimischen Süßwasserfische. .
Ansteckende Haut- und Kiementrübung:
Verursacher sind die Einzeller Costia, Chilodonella und Trichodina sowie der
Wurm Gyrodactylus. Diese Parasiten reizen die Haut. Als Antwort auf diesen Reiz
sondert der Fisch viel Schleim ab, so daß besonders am Rücken und am Rand des
Kiemendeckels die Haut trübe wird und sich letztlich in Fetzen ablöst. Ähnlich
verhalten sich die Kiemen, wenn sie befallen werden. Eine Schädigung der Fische
- befallen werden alle Arten - tritt allerdings nur auf, wenn diese Parasiten
in extrem großer Zahl vorhanden sind. Die erkrankten Fische sind unruhig und
halten sich meist in Ufernähe auf. Auch schwimmen sie zu sauerstoffreiche
Zuflüssen, da ihre Atmung erschwert ist. Die Hauttrübung bricht vor allem bei
unzulänglichen Lebensbedingungen aus, z. B. in überfüllten Hälterungen oder in
schlechten Winterungen. Sie wird daher auch Hälterkrankheit genannt. Die
Hauttrübung ist ein sicherer Hinweis auf eine verminderte Kondition der Fische
(Schwächeparasiten). In forgeschrittenen Stadien der Hauttrübung verweigern die
Tiere die Nahrung und können verenden.
Befall mit Saugwürmern (Trematoden)
Hier sind vor allem die Gattungen Gyrodactilus und Dactylogyrus zu nennen.
Vertreter der Gattung Gyrodactylus leben vorwiegend auf der haut von
karpfenartigen, Dactylogyrus auf den Kiemen. Gyrodactylus ist etwa 0,5 bis 1 mm
groß und durch ein zweizipfliges Vorderteil charakterisiert, Dactylogyrus
dagegen, ebenfalls knapp 1 mm groß, hat ein vierzipfeliges Vorderteil und vier
punktförmige schwarze Augen. Die Schadwirkung dieser Parasiten besteht in einer
Zerstörung der Haut bzw. des Kiemenepithels durch den am Hinterende liegenden
stark bewehrten Haftapparat. Außerdem saugen sie Blut, Beide Gruppen sind durch
eine große Vermehrungsrate gekennzeichnet und werden vor allem der Fischbrut
gefährlich. Befallen werden vor allem Karpfen, aber auch andere Fischarten. Die
Brut bleibt bei einem Befall im Wachstum zurück und wird matt. Gleichzeitig
tritt eine Dunkelfärbung auf. Mit einer Lupe oder einem Mikroskop erkennt man
die Parasiten leicht. Fischen über 4 bis 5 cm Länge werden die Dactylogyren
nicht mehr gefährlich. Auch der Blutwurm (Sanguinicola) gehört zu den
Saugwürmern (Digenea), die bei Karpfenbrut große Verluste hervorrufen können.
Die geschlechtsreifen Parasiten leben im Blutgefäßsystem der Fische. Dieser
Wurm macht einen Wirtswechsel durch, wobei Schnecken die Zwischenwirte sind.
typische Symptome der befallenen Fische sind : apathisches Verhalten, blasse
Kiemen, verstopfte Kiemengefäße durch die typischen dreieckigen Eier
(mikroskopische Beurteilung) sowie Nierenschäden durch eingekapselte Eier. Eine
Bekämpfung ist nur durch das Abtöten der Zwischenwirte mit Hilfe einer
Teichkalkung möglich. Befallen werden vor allem junge Karpfen und Schleien.
Befall mit Band- und Fadenwürmern:
Man kennt heute sehr viele fischparasitäre Band- und Fadenwürmer, wobei
sogar der Fachmann oft große Schwierigkeiten hat, sie exakt zu bestimmen. Für
die Mehrzahl dieser Würmer ist ein komplizierter Entwicklungszyklus typisch,
der in manchen Fällen noch nicht einmal genau bekannt ist (Fadenwürmer). Im
Rahmen unserer Betrachtungen muß daher der Hinweis ausreichen, daß diese
Parasiten in den inneren Organen (vorzugsweise Leber), in der Muskulatur, in
der Leibeshöhle oder im Darmtrakt unserer Fische auftreten. Größere Schäden in
Teichanlagen werden durch diese Parasiten nur in seltenen Fällen hervorgerufen.
Auch sind Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung meist sehr schwierig durchzuführen. Sie
bestehen vorzugsweise in der Unterbrechung der Entwicklungskreisläufe, durch
Abtöten der verschiedenen Zwischenwirte mit Hilfe der Teichkaltung. Ein
häufiger Bewohner der Leibeshöhle von Weißfischen ist z. B. der Riemenwurm
(Ligula intestinalis). Die überwiegende Mehrzahl der Band- und Fadenwürmer
unserer Süßwasserfische ist für den Menschen ungefährlich. Lediglich vor dem
Fischbandwurm (Diphyllobotrium latum) muß gewarnt werden. Er lebt im
geschlechtsreifen Zustand im Darm von Katze, Hund und Mensch und kann vor allem
bei Kindern ernsthafte Schäden bewirken. Als Zwischenwirt fungieren vorwiegend
Raubische, z. B. Quappe, Hecht, Barsch oder auch Forellen. Die Vollfinne
(Plerocercoid) liegt eingekapselt in der Rückenmuskulatur und in der Leber von
Fische. Die Infektion des Menschen erfolgt durch den Genuß rohen bzw. nicht
voll durchgegarten Fischfleisches. Daher ist es nicht unbedenklich, Hunde und
Katzen mit rohem Fischfleisch, vor allem von Fischen aus Wildgewässern, zu
füttern. Ungefährlich für den Menschen sind dagegen die in der Muskulatur und
in der Leber von Salmoniden auftretenden Larven der Gattung Triaenophorus, des
Hechtbandwurmes. Für diese Würmer sind Kleinkrebse der Gattung Cyclops die
ersten Zwischenwirte, Salmoniden und Barsche die zweiten, während der Hecht
Endwirt ist. Dienen Fische als Zwischenwirte für Fadenwürmer, finden wir deren
Larven in der haut, der Muskulatur und in inneren Organen, wo sie meistens
bindegewebig eingekapselt sind. Die Biologie der Nemathoden in der Schwimmblase
von Salmoniden. Diese Cystidicola-Arten sind jedoch weitgehend harmlos.
Lediglich bei sehr starkem Befall soll es zu Blutarmut (Anämie) kommen.
Beobachtet man derartige Wurmparasiten bei seinen Fischen, sollte man in jedem Fall
eine fachmännische Bestimmung durchführen lassen.
Befall mit Kratzern (Acanthocaphala):
Gelegentlich weisen Forellen im Darm festsitzende, bis zu 1 cm lange,
weißlichgelbe, ungegliederte Würmer auf. Meist handelt es sich dabei um sog.
Kratzer. Sie sind mit ihrem hakenbewehrten Vorderende stabil in der Darmwand
verankert. Ihr Entwicklungskreislauf läuft vom Ei, das mit dem Fischkot abgeht,
über einen Bachflohkrebs oder eine Schlammfliegenlarve als Zwischenwirt. Wird
ein solcher Zwischenwirt von einem Fisch gefressen, entwickelt sich in seinem
Darm der Wurm bis zur Geschlechtsreife. Kratzer stellen keine Gefahr für den
Menschen dar. Bei sehr schwerem Befall von Teichfischen werden sie durch
Medikamentenzusätze zum Futter bekämpft. Ansonsten werden bei guter Pflege der
Teiche (Kalkung) die Zwischenwirte weitgehend ausgeschaltet.
Egelbefall
Häufig finden sich an Weißfischen, aber auch an anderen Arten, große, mit
bloßem Auge leicht zu erkennende Würmer, die zu den Egeln gehören. Meistens
handelt es sich um den Fischegel (Piscicola geometra). Fischegel treten
besonders gehäuft in stark verschlammten und verkrauteten Teichen auf. Bei
starkem Befall der Fische können durch das Blutsaugen, vor allem aber durch
Sekundärinfektionen der Stichwunden in der Haut, größere Schäden in einem
Bestand auftreten.
Erkrankung durch parasitäre Krebse (Custacea)
Von den fischparasitären Krebsen sollen hier wenigstens die häufigsten Arten
erwähnt werden.
Ergasilus sieboldi.
Die fast 2 mm großen weiblichen Tiere verankern sich mit ihrem zweiten
Antennenpaar fest im Kiemengewebe des Fisches. Typisch ist die fleckige
Blaufärbung in ihrem Vorderteil (Cephalothorax). Die befruchteten Krebsweibchen
treten erst in den Sommermonaten gehäuft auf. Die Männchen leben nur kurz und
gehen nach der Begattung zugrunde. Wir finden daher auf den Fischen stets nur
Weibchen. Im Laufe eines Sommers entwickeln sich immer zwei Generationen, von
denen die zweite weitaus zahlreicher ist. Befallen werden vor allem Scheien,
Hechte, Barsche, gelegentlich aber auch Karpfen und Forellen. Der Befall der
Fische ist in bodennahen Schichten des Freiwassers stärker als im Kraut.
Ergasilus ernährt sich von Kiemengeweben und Blut. Das Kiemengewebe wird durch
das Umherwandern der Tiere auf den Kiemen stark geschädigt, so daß bei starkem
Befall hohe Fischverluste auftreten können. Den erkrankten Fischen ist
äußerlich nur wenig anzusehen. Bei starkem Befall magern sie allerdings
deutlich ab (Messerrücken). Hebt man die Kiemendeckel ab, sind die Krebse als
ovale Punkte gut zu erkennen. Da vorwiegend junge Schleien befallen werden,
wird zum Besatz mit großen Schleien geraten (Kontrolle).
Lernaea.
Ähnelte Ergasilus noch weitgehend den Hüpferlingen (Copepoda), so ist bei
den Vertretern der Gattung Lernaea die Krebsgestalt extrem abgewandelt. Die
Gliedmaßen im Kopfbereich sind stark reduziert. Der Lernaea-Kopf besitzt rund
um den Mund angeordnet vier sog. Kopfhörner, mit denen sich die ohne Eitraube
etwa 12 bis 15 mm langen Weibchen in der Muskulatur des Fisches verankern. Die
Entwicklung verläuft ohne Zwischenwirt. Befallen werden Weißfische, Hecht,
Barsch, Zander, Forellen, aber auch Stichlinge.
Argulus (Karpfenlaus)
Die verschiedenen Argulus-Arten sind gefährliche Hautparasiten an
Cypriniden, Hechten, Barschen, aber auch an Aalen und Forellen. Karpfenläuse
sind mit bloßem Auge leicht zu erkennen. Ihre Größe beträgt 6 - 7 mm. Sie
finden sich oft massenweise auf der Haut von Karpfen. Mit Hilfe eines
stilettartigen Stachels durchbohren sie die Fischhaut und saugen Blut und
Gewebesäfte. Nicht selben sind die befallenen Fische von entzündeten
Einstichstellen übersät, die häufig zum Ausgangspunkt von Sekundärinfektionen
werden.
Virale Hämorrhagische Septikämie (VHS)
Eine der gefährlichsten Krankheiten der Regenbogenforellen, selten anderer
lachsartiger Fische, ist die stark ansteckende VHS. In Wildgewässern tritt die
Krankheit nur selten auf. Erreger ist ein Rhabdo-Virus. Die Übertragung erfolgt
über verseuchtes Wasser, infizierte Fische, Wasservögel, Geräte, Fahrzeuge und
das Personal der Teichwirtschaft. Auch eine Infektion über Eier ist anzunehmen.
Infektiöse Pankreasnekrose (IPN)
Eine ebenfalls sehr ansteckende Systemerkrankung der Salmoniden ist die IPN.
Ihr Erreger gehört zu den Reo-Viren. Befallen werden junge Regenbogen- und
Bachforellen, Bachsaiblinge und Lachse bis zu 15 cm Länge. Bei älteren Tieren
bricht die Krankheit nur selten akut aus, sie können aber Träger der Erreger
sein. Die IPN setzt mit einem plötzlichen Setzlingssterben ein, wobei bis zu
90% eines Bestandes verenden können. Die Fische schwimmen in Seitenlage mit
Übergängen zu zitternder und spiraliger Schwimmweise. Teilweise liegen die
ermatteten Tiere am Teichboden. Dann tritt eine Dunkelfärbung des Körpers auf.
Glotzaugen bilden sich, es kommt zu Auftreibung des Leibes, zu Blutungen in der
Haut und Entzündungen des Afters. Bei der Sektion erweist sich der Darm frei
von Nahrung, ist stark gerötet, schlaff und entzündet. Meist enthält er einen
farblosen milchigen Schleim. An den inneren Organen zeigen sich Blutungen.
Leber und Milz sind auffallend farblos. Die Diagnose muß aber stets durch den
Histologischen Befund an der Bauchspeicheldürse gesichert werden.
PKD (proliferative Nierenkrankheit)
PKD wird durch einen Parasiten (Tetracapsuloides bryosalmonae)
hervorgerufen. T. bryosalmonae nutzt als ersten
Wirt die wirbellosen Moostierchen (Bryozoen). Freigesetzte
Sporen (siehe Abbildung 1) gelangen via Haut
und Kiemen des Fisches in die Blutbahn und so in die
Zielorgane (v.a. Niere). Der Fischwirt reagiert mit einer
heftigen Entzündungsreaktion.
Eine direkte Ansteckung von Fisch zu Fisch (auch auf
Nachkommen: Eier, Brut) konnte bisher nie nachgewiesen
werden.
Nach 3 Tagen in Wasser mit Parasiten können Stadien in
den Kiemen gefunden werden. Bei Wassertemperaturen
von 12–15 °C können zwar bereits Symptome auftreten,
die Fische sterben in der Regel jedoch nicht. Erst bei
Temperaturen von mehr als 15 °C während zwei bis vier
Wochen beginnt der eigentliche Krankheitsausbruch mit
ausgedehnten Entzündungsreaktionen. Ca. 12–15 Wochen
nach der Infektion kann eine Erholung eintreten,
nach ca. 20 Wochen scheint gemäss heutigem Wissen
eine totale Erholung zu erfolgen. Fische, welche eine
PKD-Infektion überleben, bilden eine gewisse «Immunität
» (Resistenz).
Der Anteil einer Population, welcher von der Krankheit
betroffen ist (= Morbidität), kann bei PKD bis 100% betragen.
Der Anteil sterbender Tiere (= Mortalität) ist meistens
deutlich geringer (bei 10 –35%), kann aber bei
ungünstigen Bedingungen bis 90% betragen.
Infektiöse Bauchwassersucht (IBW)
Bei dieser gefährlichen Cypriniden-Krankheit handelt es sich um einen
Komplex aus mehreren Krankheitsformen, die von verschiedenen Fischpathologen
heute als eigenständige Erkrankung betrachtet werden. Da aber viele Fragen
dieses Krankheitsbildes noch ungeklärt sind, wird es hier unter der alten
Bezeichnung Bauchwassersucht beschreiben, zumal dieser Name in der Praxis nach
wie vor geläufig ist. Man unterscheidet im allgemeinen zwei Krankheitsformen,
die unterschiedliche Erreger haben, die Fische aber oftmals gleichzeitig
befallen. Manche Autoren sprechen sogar von drei Krankheitstypen. Die akute
Bauchwassersucht oder Exsudatform entspricht der sog. Frühlingsvirämie der
Karpfen (Spring Viraemia of Carp, SVC,SV) und ist eine Viruserkrankung. Ihr
Erreger ist Thabdovirus carpio. Sekundär treten aber noch Bakterien der
Gattungen Aeromonas und Pseudomonas auf. Die chronische Bauchwassersucht, die
Geschwürform, wird heute als Erythrodermatitis (ED Carp Erythrodermatitis, CE)
bezeichnet. Erreger ist die Bakterie Aeromaonas salmonicida ssp. nova. Äußere Symptome
der akuten IBW:
Die Fische stehen direkt unter der Wasseroberfläche und haben keinen
Appetit. Ihr Leib ist gebläht. Zum Teil treten großflächige Blutungen in der
Haut an den Flossenansatzstellen auf. Glotzaugen, vorgestülpter After,
ausgefranste Flossen und blasse Kiemen vervollständigen das Krankheitsbild.
Beim Öffnen der Fische zeigt sich die Leibeshöhle angefüllt mit Flüssigkeit.
Die Leber ist gelb und wäßrig. An der Schwimmblasenwand treten deutliche
Blutungen auf, Der Darm ist stark entzündet bis zur wäßrigen Auflösung. Bei der
chronischen Form ähneln die Symptome weitgehend denen der akuten, nur fehlt die
starke Aufblähung des Leibes. Am Rücken und an den Seiten treten jetzt tiefe,
vielfach sekundär verpilzte Geschwüre auf. Die inneren Symptome zeigen keine so
weitgehende Schädigung wie beim akuten Stadium. Die akute Form wirkt
verheerend. Sie bricht vorwiegend im Spätherbst und Frühjahr bei
Wassertemperaturen zwischen 16 und 17 Grad C aus. Stärkere Temperatur-,
Sauerstoff- und pH-Schwankungen begünstigen ebenso wie zu dichter Besatz und
ungünstige Ernährung (Vitaminmangel) den Ausbruch der IBW. Die chronische Form
zeigt sich überwiegend im Sommer. Als Infektionsquelle sind kranke und tote
Fische anzusehen. Obwohl Kontaktinfektion nachgewiesen ist besteht über den
natürlichen Übertragungsweg noch keine absolute Klarheit.
Sehr ähnliche Symptome wie die eben beschriebenen treten bei der viralen
Schwimmblasenentzündung (VSBE) auf, an der neben Karpfen auch Schleien, Hechte,
Zander und Graskarpfen erkranken können. Von einigen Fachleuten wir die VSBE
daher ebenfalls als besondere Form der Bauchwassersucht angesehen. Typisch ist
zu Beginn der Krankheit das Kopfstehen der Fische, bedingt durch die Bildung
gas- und flüssigkeitsgefüllter Zysten im Schwanzbereich. Auch der
Augendrehreflex fällt einseitig aus. An der Schwimmblase zeigen sich Blutungen
sowie bräunliche bis schwarze Flecken und Verdickungen. Der Erreger der VSBE
ist mit der akuten IBW identisch, so daß es sich wohl um eine Krankheit mit
zwei Haupterscheinungsbildern handelt. Eine Übertragung der VSBE über
Karpfeneier erfolgt nicht. Die Infektion scheint vom Darm her über die
Schwimmblase zu verlaufen, dürfte aber auch über die Kiemen möglich sein. Eine
medikamentöse Behandlung bleibt erfolglos. Auch bei der IBW sind gesundes
Fischmaterial, gute Haltung, einwandfreie Fütterung, ordentlicher Besatz und
eine sorgfältige Teichpflege die beste Gewähr für eine Verhinderung dieser
Krankheit.
Pockenepitheliom:
Eine weitere Viruserkrankung der Cypriniden sind die als Pocken bezeichneten
Oberhautwucherungen. Sie rufen zwar keine großen Verluste hervor, jedoch wird
das Wachstum der Fische gestört und stark verlangsamt. Bei dieser Krankheit
treten anfangs an den Flossen stecknadelgroße, harte, gallertig bis milchig
aussehende Hautverdickungen auf, die allmählich flächenförmig auswachsen und
sich über den ganzen Körper ausweiten. Bei schwren Krankheitsfällen kommt es zu
einer Knochenerweichung, so daß man die Fische in jede Richtung biegen kann.
Klingt die Erkrankung ab, festigt sich das Skelett wieder, doch bleiben meist
Wirbelsäulenverkrümmungen zurück. Der Ausbruch dieser Pockenepitheliome ist
vermutlich außer vom Erreger auch noch von anderen Faktoren, wie der
genetischen Veranlagung und schlechten Umweltbdingungen abhängig. Eine generell
erfolgreiche Behandlungsmethode gibt es nicht. Es wird jedoch vitamin- und
meralstoffreiche Nahrung empfholen sowie Umsetzen in einwandfreies Wasser.
Bakterielle Kiemenschwellung:
Die bakterielle Kiemenschwellung ist eine Krankheit der Forellenbrut. Ihre
Erreger sind Myxobakterien. Beim Ausbruch dieser Erkrankung wirken aber auch
noch ungünstige Wasserverhältnisse und Mangel an Vitamin B5 (Pantothensäure)
mit. Das typische Symptom der bakteriellen Kiemenschwlelung ist das Abspreizen
der Kiemendeckel, so daß die intensiv rotgefärbten Kiemen, die
"struppig" wirken, sichtbar werden. Die Spitzen der Kiemenblättchen
sind kolbenförmig angeschwollen. Erkrankte Fische atmen sichtbar mühsam. Die
Erkrankung ist meist mit großen Verlusten verbunden. Beim Auftreten der
Kiemenschwellung ist die Fütterung auf vitaminreiches, fettarmes Futter
umzustellen.
Fleckenseuchen:
Weitverbreitet unter unseren Süßwasserfischen sind die sog. Fleckenseuchen,
deren Erreger verschiedene Bakterienarten der Gattung Pseudomonas und Aeromonas
sind. Die Haut erkrankter Fische weist anfangs fleckenartige Rötungen auf. Dann
lösen sich die Schuppen ab, und Geschwüre entstehen, die sich an den Seiten
flächig ausbreiten. Aber auch am Kopf (Hecht), in der Kiefer- und Augenregion
bilden sich derartige Zerstörungen. Die Schwanzflosse ist meist zerfasert, der
After vorgestülptö. Rotaugen und Brachsen zeigen gelgentlich Ascites-Bildung.
Die Leber ist gelb verfärbt mit punktförmigen Blutungen. Fleckenseuchen wurden bei
fast allen Süßwasserfischarten beobachtet: Hecht (Hechtpest) ,
Weißfische,Renkenartige, Zander und Barsch. Die Erkrankung tritt in
Teichanlagen und Wildgewässern auf, wobei ein direkter Zusammenhang zur
Belastung mit organischen Abwässern zu bestehen scheint.
Flossenfäule:
Eine weitere ernstzunehmende Erkrankung ist die Flossenfäule, die ebenfalls
von Bakterien hervorgerufen wird. Es kommt zu schweren Entzündungen
isnbesondere der Schwanzflosse. Im Endstadium ist nur noch der blutige, meist
verpilzte Schwanzstumpf vorhanden. Flossenfäule kann bei allen
Süßwasserfischarten auftreten.
Furunkulose:
Sie tritt gelegentlich bei Salmoniden, insbesondere bei der Regenbogenforelle
auf. Der Erreger dieser stark ansteckenden, verlustreichen Krankheit, das
Bekterium Aeromonas salmonicida, wurde aus Amerika eingeschleppt. Auch bei
dieser Bakteriose werden mehrere Krankheitsformen (Geschwürform, hämorrhagische
Form, Darmfurunkulose und symptomlose Form) unterschieden, die im einzelnen
hier jedoch nicht aufgeführt werden sollen. Die äußeren Symptome äußern sich in
tiefgehenden, beulenartigen Geschwüren, die über die ganze Körperoberfläche
verteilt auftreten. Der After ist vorgestülpt und zeigt eitrigwäßrigen Ausfluß.
Im Bereich der Geschwüre kommt es zu blutigen Muskelzersetzungen. Die Leber ist
fleckig, die Milz stark vergrößert und der Darm vereitert. Die Schwimmblase
weißt Blutungen auf und sit mit Flüssigkeit gefüllt. Auch die Nieren werden
meist angegriffen, häufig sogar völlig verflüssigt. Neben der Anstekcung durch
direkten Kontakt ist die Aufnahme infektiösen Materials durch das Maul
nachgewiesen. Ferner durch verseuchtes Wasser und infizierte Eier.
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